BLACK TROLL FESTIVAL
11. & 12. Juni – Bornstedt, Schweinsburg
Text & Fotos: Carolin Teubert
Die Sonne strahlt über Bornstedt, als am Freitagmorgen die ersten Besucher den Campingplatz betreten. Die Stimmung ist von vorne herein bombastisch. Neben den Konzerten gibt es ein Wikingerlager mit einer speziellen Merowingerausstellung. Außerdem sind die sehr humanen Preise aus dem Vorjahr geblieben. Gute Ausgangsvoraussetzungen für die hundert Mann, die sich bereits auf dem Festivalgelände sammeln, als FIMBULTHIER pünktlich um 16 Uhr beginnen. Viel Bewegung ist zwar noch nicht vor der Bühne zu sehen, jedoch ist ein einzelner Die-Hard-Fan die ganze Zeit dabei, die Death Metaller energisch zu unterstützen. Und als zum Abschluss „Death In Fire“ von Amon Amarth covern ist der Opener gelungen.
Gleich darauf soll schon ein erstes Highlight folgen. FIMBULVET hatten im Voraus angekündigt, dass Heiko von Menhir als Gastsänger dabei sein wird. Nach einigen Songs, wie „Das letzte Feuer“, betritt er dann auch die Bühne und der Song „Budskap Fra Vinden“ wird mit ihm ein echter Genuss.
Danach verliert sich die Stimmung ein wenig. Es kommen zwar immer mehr Menschen auf die Burgruine, während IGNIS FATUU ihren ziemlich einfachen Mittelalter-Rock zum Besten geben, aber irgendwie will der Funke nicht so ganz überspringen.
Erst bei NORTHLAND kommt richtig Stimmung auf, denn die Spanier haben im wahrsten Sinne des Wortes Feuer im Blut. Vorwiegend nutzen sie ihren Auftritt, um neue Songs wie „Revenge“ von ihrem neuen Album zu präsentieren. Aber auch die alten Sachen kommen beim Publikum gut an. Man merkt, dass die Musiker viel Spaß am Auftritt haben.
Diese gute Atmosphäre setzt sich bei FJOERGYN fort, die bereits das zweite Mal auf dem Festival spielen. Songs wie „Jahr um Jahr“ und „Der Herbst ist da“ werden erfreulich aufgenommen und „Katharsis“ bleibt das altbewährte Highlight der Band.
Weiter geht es mit XIV DARK CENTURIES. Authentisch wie immer geben die Pagan Metaller ihre Musik zum Bestens. Auch wenn nach dem dritten Song erstmal kurz ein technisches Problem gelöst werden muss, bleibt die Stimmung am Kochen. Gespielt wird von jedem Album etwas. Das Publikum wünscht sich am meisten „Falsche Propheten“ und die Band lässt selbstverständlich keine Wünsche offen. Aber auch Songs wie „Toringi“ kommen gut an. Und ehe man sich versieht stehen schon WOLFCHANT auf der Bühne.
Diese beginnen ihr Set mit „World In Ice“, bei dem ein Gastsänger auftaucht. Dieser ist niemand geringeres als Michael Seifert von Rebellion, der bereits am letzten Album von Wolfchant mitgewirkt hat. Aber wer dachte, dass es bei diesem einen kurzen Auftritt bleibt, hat sich gewaltig geirrt. Immer wieder taucht der gute Herr auf der Bühne auf, als wäre er das sechste, inoffizielle Mitglied der Band. Schaden kann es ja nicht, allerdings ist das Mikro des Herren teilweise zu laut eingestellt. Einen perfekten Abschluss liefern Wolfchant mit dem Cover „The Clans Are Marching“ von Grave Digger.
Aber das richtige Highlight kommt erst noch, denn THRUDVANGAR warten bereits hinter der Bühne. Auch wenn nur noch die Hälfte des Publikums anwesend ist, erreicht die Stimmung bei ihnen den Höhepunkt. Zunächst spielen sie viele neue Sachen vom letzten Album, wie „Drachen und Runenstein“ und „Thorwald“. Dazu gibt es eine Menge Bewegung auf der Bühne und beim Publikum. Aber auch die alten Songs, wie „Piraten des Nordens“, kommen immer noch gut an. Es wird bis zum letzten Song gebangt, was das Zeug hält. Erst um 1.30 Uhr ist dann für den ersten Tag Schluss. Auf dem Campingplatz geht die Party aber noch weiter. Es wird gegrillt, getrunken und unterhalten bis zum Morgengrauen.
Kein Wunder also, dass am nächsten Tag nur wenige Besucher vor der Bühne stehen, als um kurz nach 13 Uhr THORMESIS diese betreten. Diejenigen, die die Pagan-Black-Metaller begutachten wollen, werden nicht enttäuscht, denn wieder einmal sind Thormesis ein guter Opener.
Danach dürfen DEN NORDISKA SJEL ran. Die Band ist kurzfristig für Adorned Brood (die aus gesundheitlichen Gründen absagen mussten) eingesprungen. Ein gleichwertiger Ersatz ist das allerdings nicht. Die Band ist instrumental sehr gut, jedoch ist das Mikro des Sängers zu laut eingestellt und überhaupt wirkt der Sänger ziemlich hilflos auf der Bühne. Es kommt einfach nicht gut, wenn man sich nebenbei auf das Ablesen der Lyrics konzentrieren muss. Was ebenfalls merkwürdig auffällt ist, dass bei dem Soundcheck ein Dudelsack getestet wird, dieser dann aber nicht zum Einsatz kommt.
DYRATHOR scheinen anderweitig vom Pech verfolgt. Erst verfährt sich die Band und kommt im anderen Bornstedt an, dann fängt es an dauerhaft zu regnen und der Zeitplan setzt sie mächtig unter Druck. Doch dafür glänzen sie live umso mehr. Die Band nutzt natürlich die Gelegenheit, um ihr neues Album, das einen Tag vorher erschienen ist, zu promoten. So geben sie passend zum Wetter „Im Auge des Sturms“ und „Ariovist“ zum Besten. Die treuen Fans bleiben trotz des Regens bis zum letzten Song. Der Auftritt selbst ist leider viel zu kurz.
Als der Regen kurzfristig aussetzt, dürfen TARABAS ran. Doch kaum haben diese begonnen, müssen sie auch schon wieder ihr Konzert unterbrechen. Der Verstärker des Schlagzeugers hat einen kleinen Stromausfall verursacht. Zum Glück nimmt die Band das Problem gelassen, zieht anschließend ohne Pause ihr Ding durch und spielt unter anderem Songs wie „Die Wiederkehr“.
An CUMULO NIMBUS scheiden sich dann die Geister. Es stehen gut hundert Mann vor der Bühne und feiern die Mittelalter-Rock-Band, die restlichen Besucher runzeln nur die Stirn. Zugegeben, ziemlich einfach wirkt die Musik schon, aber die Instrumentenvielfalt sollte man auch nicht vergessen. Und immerhin tanzen sogar einige vor der Bühne, als der Sänger sie dazu auffordert. Als zum Abschluss „Flüssig Gold“ gespielt wird, ist es tatsächlich etwas voller vor der Bühne geworden.
Bei BRAN BARR sieht das anders aus. Wer das Album der Franzosen bereits kennt, erwartet ebenfalls eine breite instrumentale Vielfalt, nicht zuletzt die Flöte. Aber stattdessen hat die Truppe nur eine Geigerin dabei. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen soll. Der Song „Celebration“ eröffnet das Set der Celtic-Metaller und kommt gut beim Publikum. Weiter geht es unter anderem mit „Rebirth“. Bran Barr liefern insgesamt einen soliden Auftritt, der den Abschlussabend des Festivals sehr gut einläutet.
Es folgt das nächste Highlight: NEGURA BUNGET gelten als Headliner des Festivals und machen ihrem Namen und dieser Position alle Ehre. Eine bessere Location für den Auftritt der Rumänen hätte man zudem gar nicht finden können. Musikalisch bieten sie zudem eine Menge toller Songs und Instrumente. Von Xylophon über die Panflöte bis zu rumänischen Folkloreinstrumenten hinweg haben sie ein ganzes Arsenal außergewöhnlicher Musikinstrumente dabei. Ein Traum für jeden Fan, ein Genuss für das Publikum.
Etwas rauher wird es bei EMINENZ. Die Black Metaller scheinen sogar den letzten Fan vom Campingplatz zu holen, denn der Platz vor der Bühne ist voll. Es wird gebangt und Songs wie „Darkness Comes Over Us“ und „Blasphemy“ sind nur ein Teil eines gelungenen Konzerts. Als der Sänger noch Feuerkunststücke zeigt, haben Eminenz das Publikum endgültig erobert.
Das abschließende Highlight des Abends sind ARKONA. Diese sollen das diesjährige Black Troll Festival abschließen. Bereits während der Umbaupause drängen sich viele Fans der Band nach vorne, um auch ja nichts zu verpassen. Dann betreten die Russen die Bühne und legen mit „Pokrovy Nebesnogo Starca“ los, gefolgt von mehreren Stücken des letzten Albums. Bereits nach diesem Auftakt kocht die Stimmung. Bevor Arkona mit „Po Siroy Zemle“ fortfahren, fordert Sängerin Masha alle zum Springen auf und natürlich wird das von einem Großteil umgesetzt. Bei „Yarilo“ und „Maslenita“ scheinen alle vom Tanz- und Bangfieber befallen. Den krönenden Abschluss bietet das altbewährte „Rus“. Auf eine Zugabe wird natürlich nicht verzichtet.
Doch dann wird es leider ernst. Das Festival neigt sich dem Ende. Vereinzelt wird auf dem Zeltplatz noch gefeiert. Wie letztes Jahr wird auch wieder ein Lagerfeuer geboten und sogar der Bürgermeister von Bornstedt gesellt sich für einige Minuten dazu. Das ist es halt, was das Black Troll so besonders macht. Es ist ein schönes, kleines, familiäres Festival, das nächstes Jahr hoffentlich in die dritte Runde geht.








