Interview: Truppensturm

Interview mit Vangard von Rimburg (Truppensturm)

Vertonter Krieg

Mit TRUPPENSTURM hat Deutschland einen Anwärter für den Posten „kompromissloseste Band der Welt“. Die volle Schlagseite klingt genau so, wie das Thema, das das Trio besingt: der Krieg. Bandgründer Vangard von Rimburg gibt einen Einblick in das Gemüt einer Band, die sich selbst längst nicht so ernst nimmt, wie es ihre Kritiker tun.

Interview: Dorian Gorr | Fotos: Truppensturm

Vangard, mit „Salute To The Iron Emperors“ geht es so kompromisslos weiter, wie es auf dem Debüt angefangen hat. Hast du partout keine Lust auf Experimente, und langsamere Passagen?

Dass die Musik so brachial und kompromisslos ist, liegt an dem Konzept, auf dem die Band fußt. Wir haben Truppensturm damals ins Leben gerufen, um schnelle, harte, brutale Musik zu schreiben. Wir wollten alte Death-Metal-Riffs verwenden, keine melodischen Parts einbinden und keine Durchschnaufpause lassen. Das ist unser Prinzip, das hinter Truppensturm steckt: Volle Kanne durchholzen, knackig und hart.

Damit entbrennt auch die übliche Genredebatte. Komischerweise werdet ihr von vielen nach wie vor als Black-Metal-Band angesehen. Klar sind da Einflüsse vorhanden, aber Black Metal spielt ihr doch keineswegs oder wie siehst du das?

Ich habe selbst keinen Namen dafür. Auf dem Demo haben wir es damals „War Metal“ genannt, aber das ist natürlich eine müßige Diskussion. Man kann nicht leugnen, dass wir viele Black-Metal- und Death-Metal-Einflüsse haben, aber da ist auch noch viel mehr dahinter. Manch einer nennt es Black, manch einer nennt es Death, die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Wir machen nur unser Ding.

Mein Kollege David Dankert verglich euch mit Blasphemy. Kannst du das nachvollziehen?

Natürlich. Da liegt er ja auch nicht falsch. Allerdings muss ich sagen, dass die gar nicht wirklich zu meinen ursprünglichen Einflüssen zählen. Ich bin über die keinesfalls in den Neunzigern gestolpert, sondern erst lockere zehn Jahre später.

Du redest mittlerweile im Plural, wenn du über Truppensturm sprichst. Ursprünglich war es jedoch so, dass du Truppensturm bist, aber feste Live-Mitglieder hast. Ist das noch der aktuelle Stand?

Nicht wirklich. Weigand und Alex von Meilenwald, die mich damals als Kumpels live unterstützten, damit ich Truppensturm auf die Bühne bringen konnte, sind mittlerweile fester Bestandteil von Truppensturm. Wir sind eine richtige Band geworden. Auch wenn das Vetorecht noch bei mir liegt.

Wie groß ist dann deren Einfluss auf neue Songs?

Auf dem neuen Album sind beispielsweise zwei Songs vom Alex. Und bei den Texten haben die Jungs schon immer etwas beigesteuert und mir da viel Arbeit abgenommen. Ich bin kein großer Textschreiber und dementsprechend froh über etwas Unterstützung.

Man bezeichnet euch nicht nur wegen der Assoziationen, die euer Bandname erweckt, als „War Metal“. Auch eure Texte drehen sich beinahe ausschließlich um das Thema Krieg. Was fasziniert dich so sehr an dem Thema?

Dass wir uns hauptsächlich mit dem Krieg befassen, liegt darin, dass ich mich ursprünglich gefragt habe: Was ist das Brutalste, worüber man schreiben kann, ohne dass es moralisch gleich bedenklich ist. Und da kam ich sehr schnell auf den Krieg. Der Krieg ist die größte Grausamkeit der Menschheit. Es ist eine organisierte Form von Hass, die ausgelebt wird. Da gibt es nichts, was brutaler wäre. Allerdings halten wir uns bei dem Thema bewusst neutral, wir wollen uns ja nicht angreifbar machen für die vielen Vorwürfe, die ohnehin kommen, wenn man so einen Bandnamen hat.

Wenn es sachlich und neutral ist, warum wird man dann als Musiker schnell verurteilt, aber wenn die ARD eine Kriegsdokumentation zeigt, schreit keiner, dass die Programmacher Nazis sind?

Das wird an der Form der Musik liegen, die so brutal ist, dass es sich die meisten Leute gar nicht vorstellen können. Für diese Leute ist Metallica die härteste Band der Welt. Die können sich nicht vorstellen, wie brutal Musik sein kann. Und natürlich verlangt diese Form von Musik auch brutale Texte. Klar kann man da plakativ über Stolz und Ehre singen, wir machen das allerdings nicht im Sinne einer Verherrlichung, sondern sehen das als Parodie.

Wie parodiert man denn den Krieg?

Indem man Sachen reinpackt, die nur für die Leute verständlich sind, die bei der Textfindung dabei waren. Das sind teilweise Anspielungen auf mein eigenes Leben, obwohl der Text sich augenscheinlich mit dem Grauen des Krieges zu befassen scheint. Ich muss auch ganz ehrlich sagen: Ich nehme meine Texte nicht so ernst. Ich habe früher viele meiner Texte auf dem Klo geschrieben. Die sollen böse klingen und zur Musik passen und das reicht mir dann. Ich suchte nur nach einem brutalen Thema und fand den Krieg. Der Titel des Albums ist ein gutes Beispiel für diese Doppeldeutigkeit. Er entstammt einem Song auf dem Album und ist dort natürlich in einem kriegerischen Kontext eingebettet, aber als Albentitel bedeutet er auch für mich, dass dieses Album ein Tribut an die Bands ist, die uns beeinflusst haben, beispielsweise Black Witchery. Das erkennt man natürlich nur, wenn man es weiß.

Hattest du denn schon vor Truppensturm eine gewisse Faszination für den Krieg? Es gibt ja durchaus Bands wie Endstille, die sich sehr geschichtlich orientiert damit auseinandersetzen.

Ja, der Wachtfels kennt in der Tat jeden Panzer auswendig. Bei mir ist das keinesfalls so. Als Kind bin ich über das Thema erstmals gestolpert und merkte, dass viele Menschen da gar nicht drüber sprechen möchten. Als ich mir die Informationen dann selbst besorgte, fand ich es natürlich erschreckend, wie eben jeden großen Völkermord. Aber danach war das Thema für mich gegessen. Auf mich hat der Krieg keine ästhetische Wirkung. Er passt lediglich zu unserer Musik.

Du hast es bereits gesagt: Mit einem Namen wie Truppensturm und der Einbindung der Kriegsthematik eckt man automatisch an. Gibt es da konkrete Erfahrungen oder bezieht sich das eher auf das typische Online-Gehabe?

Ja, das ist vor allem im Internet, das bleibt nicht aus und war uns auch im Vorfeld klar. Aber was soll es mich großartig stören, wenn ein paar Leute im Internet schlecht recherchierte Kommentare vom Stapel lassen. Schön ist es, dass es immer genau so viele Leute gibt, die die Kritiker dann darauf hinweisen, dass wir keinesfalls eine rechte Band sind. Ich selbst beteilige mich nicht an diesen Diskussionen, aber wenn jemand einen ernsthaften Vorwurf vorzutragen hat, soll er sich bitte bei mir melden.

Auf der Bühne wirkt ihr sehr in euch gekehrt und auch sonst haltet ihr euch ziemlich anonym. Es gibt keine richtige Webseite, keine von euch gepflegte MySpace-Seite und live gibt es keine Ansagen. Bewahrt ihr euch bewusst eine gewisse Form der Anonymität oder ist das Imagepflege?

Es gibt live so gut wie keine Ansagen, weil wir die Atmosphäre nicht zerstören möchten. Wir wollen auch bei einem Konzert keine Atempause lassen. Deswegen arbeiten wir mit vielen Outros und Intros, in denen wir kurz pausieren können, bevor es knallhart weitergeht. Außerdem spiele ich mich mit den Jungs ziemlich in Trance, da schaltet irgendwann das Gehirn ab und man spielt nur noch aus dem Unterbewusstsein. Ansonsten sind wir einfach keine Freunde großartiger Selbstdarstellung. Ich mochte unsere erste CD vor allem deswegen, weil es gar keine Infos über uns gab. Mittlerweile gibt es ja diese Fotos von uns, auf denen man ein bisschen was erkennt. Die Fotos sollen ja auch zur Atmosphäre beitragen. Dadurch wird der Gesamteindruck mystischer. Aber mit Imagepflege hat das eigentlich nichts zu tun.

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