BARONESS
(+ BLCKWVS)
5. Juli – Dortmund, FZW
Text: Marcel Reefmann
Foto: Christopher Hollmann
Baroness beehren im Rahmen ihrer zweiten Europa Tour an einem Montag bei schwülen Temperaturen das FZW in Dortmund. Als Vorband hat man sich BLCKWVS geangelt. Die versuchen zu Beginn um 20:30 mit einer Mixtur aus Instrumental- und Prog-Rock das Publikum schon einmal auf das kommende Soundgewitter einzustimmen, was ihnen jedoch kaum gelingt. Das mag zum einen an der ordentlichen Hitze liegen, die viele Besucher dazu veranlasst, noch das ein oder andere kühle Bier vor dem FZW zu trinken, oder eben schlichtweg an der unbeeindruckenden Performance der Band. Hier und da gibt‘s mal etwas zum Mitnicken, wirklich mitreißen oder gar Stimmung für Baroness machen können BLCKWVS jedoch nicht.
Nach einer knappen Umbaupause, begleitet von klassischer Musik, die bekannte Stücke durch verstimmte Instrumente und falsche Spielweise ins Lächerliche zieht, sind BARONESS endlich an der Reihe. Der Vierer aus Georgia eröffnet mit den ersten drei Tracks der aktuellen Scheibe, richtig fetter Sound und – verdammt – das Lick am Anfang von „Jake Leg“ macht live noch mehr Gänsehaut als auf CD. Wie entfesselt tragen Baroness ihren Stoner-Sludge mit einer Intensität vor, die wie ein Faustschlag ins Gesicht sitzt, von dem man nicht genug bekommen kann. Das ergänzt ein richtig gut aufgelegter John Baizley, der mit seinem satten, geshouteten Gesang dem ganzen die Krone aufsetzt und zusätzlich durch virtuoses Gitarrenspiel glänzt – entweder spielt der Mann technisch perfekt oder hat vorher richtig dicke Saiten aufgezogen.
Auch sei erwähnt, dass er das gesamte Konzert über auf Ansangen verzichtet, dennoch weiß die Band Übergänge geschickt ineinander zu verweben und lässt kaum Pausen zu. Bei „A Horse Called Golgotha“ ist dann auch das rund 200 Besucher starke Publikum stimmlich zur Stelle und es wird ordentlich geheadbangt, wobei während des Konzerts bei jedem der Musikgenuss höher gewichtet wird als körperliche Betätigung und Moshpits oder dergleichen ausbleiben.
Stichwort Genuss: Als „Swollen And Halo“ gespielt wird, ist definitiv einer der Höhepunkte erreicht, einfach großartig, wenn auch leider ohne das „Steel That Sleeps The Eye“-Intro. Das tut dem Ganzen aber insgesamt keinen Abbruch, reiht man schließlich Highlight an Highlight, inklusive großer früherer Songs wie „Isak“ und „Wanderlust“. Nach einer Zugabe, die Baizley mit einer ehrlichen und authentischen Danksagung eröffnet, ist dann Schluss. Das Fazit: Man muss Baroness den Status einer außergewöhnlich guten Live-Band zusprechen, die ihre Qualitäten vor Publikum definitiv noch aufwerten.








