Live: Sepultura
SEPULTURA
(+ WALLS OF JERICHO)
24.6. – Köln, Essigfabrik
Text: David Dankert
Foto: SPV
Was vor rund zwanzig Jahren die Leute wahrscheinlich dazu bewegt hätte, sich um Tickets zu prügeln, weckt anno 2010 zumindest in Köln nicht mehr dieselben Reaktionen. Obwohl die bereits zweite Europa-Tournee Sepulturas in diesem Jahr sogar eine Geburtstagstournee ist, ist die Kölner Essigfabrik eher spärlich besucht.
Das bekommen auch WALLS OF JERICHO mit voller Wucht zu spüren. Zwar hat das Quintett immerhin eine Handvoll Fans vor der Bühne, der Rest des Publikums schaut aber eher gelangweilt Richtung Bühne und pilgert nach und nach wieder in den Biergarten der Essigfabrik. Trotzdem zeigen sich die Amis unbeirrt und prügeln lautstark im glasklaren Soundgewand ihren Hardcore aus den Boxen. Dieser strotzt zwar keineswegs vor Abwechslung und Originalität, trotzdem ernten Walls Of Jericho mehr als nur Höflichkeitsapplaus. Wirklich hinterher trauern tut dennoch keiner, als nach 45 Minuten Platz für den Headliner gemacht wird.
Dieser lässt sich auch nicht lange bitten und geht vor knapp 200 Leuten direkt in die Vollen. SEPULTURA legen wie gewohnt mit dem wüsten „Moloko Mesto“ vom letzten Album „A-Lex“ los und haben damit das Publikum sofort auf ihrer Seite. Als im Anschluss auch noch direkt das legendäre „Arise“ hinterher geknallt wird, ist klar dass Sepultura heute in Topform auflaufen. Die pure Spielfreude bei Andreas Kisser und Derrick Green gepaart mit dem nahezu an Perfektion grenzenden Sound der Essigfabrik lässt eigentlich von Beginn an keine Wünsche offen. Getoppt wird der erste Eindruck auch noch von der an sich perfekten Sepultura-Setlist: „Inner Self“, „Dead Embryonic Cells“, „Mass Hypnosis“, „Escape To The Void“, „Meaningless Movements“, hier ist nahezu wirklich jeder Klassiker von Sepultura vertreten. Als dann auch noch der mächtige „Troops Of Doom“ und „Beneath The Remains“ runtergeholzt werden, haben nicht wenige Anwesende Tränen in den Augen.
Auch Sepultura lassen sich nicht von der geringen Zuschauermenge entmutigen und das Publikum darf erst nach etwa 100 Minuten und 70 Prozent Klassikern nach Hause. Nach dem finalen (und unvermeidbaren) „Roots (Bloody Roots)“ verlassen Sepultura endgültig die Bühne und das Publikum durchweg zufrieden und durchgeschwitzt die Essigfabrik.


