Interview: Der Weg Einer Freiheit

Interview mit Nikita Kamprad (Der Weg Einer Freiheit)

Black Metal mal imagefrei

Die Szenewächter schellen völlig zu Unrecht mit den Alarmglocken: Nur weil bei DER WEG EINER FREIHEIT gestandene Metalcore-Recken in bester Haudrauf-Manier Black Metal zelebrieren, heißt das noch lange nicht, dass die Band um Nikita Kamprad nicht weiß, worauf es bei einem guten Black-Metal-Album ankommt. Den Beweis erbringt die Neuauflage des Debütalbums sowie ein Gespräch mit dem Bandchef.

Text: Dorian Gorr | Foto: Martina Chamrad

Es gibt Genres, die funktionieren ganz wunderbar miteinander, nebeneinander und ineinander. Black und Death Metal beispielsweise. Black und Thrash Metal sind ebenfalls zwei Brüder, sich gerne zusammenschließen, um dem Hörer gemeinsam eins vor den Latz zu knallen. Wenn sich Black Metal mit Gothic-Einflüssen paart (siehe frühe Cradle Of Filth oder Siebenbürgen), dann werden die Szenewächter des Schwarzmetalls bereits hellhörig. Für gewöhnlich wird eine solche Eheschließung missbilligt. Man ist konventionell. Umso verständlicher, dass Nikita Kamprad beinahe schon genervt wirkt, wenn man ihn abermals nach seinen zwei sehr konträren Beschäftigungsfeldern befragt. Der Gitarrist aus der Nähe von Würzburg hat zwar den Black Metal nicht mit einem „unwürdigen“ Genre gekreuzt und doch erntet die Band bei der Erstkontaktaufnahme vieler eher skeptische Blicke. Der Grund: Nikita und sein Bandkollege Tobias Jaschinsky sind nicht nur die beiden Gründer der Black-Metal-Band Der Weg Einer Freiheit, nebenbei verdingen sich beide als Mitglieder der deutschen Metalcore-Truppe Fuck Your Shadow From Behind.

„Ich muss oft lesen und richtig stellen, dass wir keine Metalcore-Typen sind, die jetzt mal Black Metal machen. Eigentlich ist es genau andersherum der Fall. Wir kommen ursprünglich aus dem Black Metal. Tobias und ich haben bereits früher in einer Black-Metal-Band namens Frostgrim gespielt, die sich aber irgendwann auflöste. Erst danach kamen Fuck Your Shadow From Behind und der Metalcore-Hype. Wir fanden auch diese Form von Musik gut. Nebenbei schrieb ich immer weiteres Black-Metal-Material, sodass ich mich 2009 entschied, eine neue Black-Metal-Scheibe zu veröffentlichen“, erklärt der Gitarrist seelenruhig.

Die Erstauflage der CD betrug knappe 200 Exemplare, von denen heute keines mehr übrig ist. Als die selbstproduzierte, in Eigenregie vertriebene erste Fuhre an CDs weg war, kam Nikita die Idee, sich für Der Weg Einer Freiheit ein Label zu suchen, um die Platte im größeren Stil zu veröffentlichen.

„Dass das Album jetzt bei Viva Hate Records erscheint, ist also fast eine Art Re-Release. Wir haben am Songwriting nichts geändert. Es sind die exakt gleichen Riffs und Melodien. Nur die Gitarren und der Bass wurden neu aufgenommen. Der Gesang ist der gleiche. Am wichtigsten war es uns jedoch, dass wir die Drums neu einspielen. Ursprünglich habe ich das alles daheim gemacht, mit einem Drumcomputer. Nachdem Christian der Band erst als festes Live-Mitglied beitrat, wollten wir, dass er die Drums neu einspielt. Er selbst konnte den Sound des Drumcomputers nicht ausstehen, außerdem sollte er live nicht die von mir kreierte Drumcomputer-Spur nachspielen, sondern seinen eigenen Charakter beisteuern“, erklärt Nikita.

Der Neue hinter den Kesseln

Besagter Christian heißt mit vollem Namen Christian Bass und ist durch seine Zusammenarbeit mit unter anderem Heaven Shall Burn bekannt. denen er oft live aushilft. Ursprünglich kommt der Hamburger aus der Grindcore-Ecke. Mit ihm möchten Der Weg Einer Freiheit auch zukünftig einige Live-Shows bestreiten, auch wenn die räumliche Distanz, die zwischen Hamburg und Würzburg liegt, das gemeinsame Proben derzeit noch ziemlich schwierig und Einzelauftritte beinahe gänzlich unmöglich macht.
Dass der Name Heaven Shall Burn nun ebenfalls in einem Satz mit einer Black-Metal-Band fällt, stimmte bereits im Vorfeld Kritiker nicht weniger skeptisch.

„Es nervt manchmal schon, dass man auf Grund seiner Tätigkeit bei einer anderen Band komisch angeschaut wird. Das Problem ist, dass die meisten Leute denken, dass für uns Fuck Your Shadow From Behind die größere Band sind, die uns mehr bedeuten. Aber das ist nicht so. Für mich ist keine von beiden Bands wichtiger, man muss diese Dinge einfach einmal trennen können. Mir geben beide Musikrichtungen sehr viel, warum sollte ich also nicht beide Richtungen spielen können?“

„Wir sehen immer normal aus.“

Dass die Jungs ihr Handwerk beherrschen, haben sie mit der Neuveröffentlichung von „Der Weg Einer Freiheit“ unter Beweis gestellt. Ob das Album die deutsche Black-Metal-Szene beeinflussen oder gar umkrempeln kann, mag natürlich fraglich sein, ambitionierter als viele andere Debüts ist das Album jedoch zweifelsohne. Mit den derzeitigen Protagonisten der deutschen Black-Metal-Szene kann Nikita jedoch ohnehin nicht allzu viel anfangen.

„Eine Band wie Endstille mögen ihre Hörer haben. Ab und zu kommt da auch ein gutes Lied bei heraus, keine Frage. Aber ich kann mit diesem ganzen Image nichts anfangen. Corpsepaint, Nieten und Krieg, das ist einfach nicht mein Ding. Es gibt zum Glück noch einige wirklich gute deutsche Black-Metal-Bands, beispielsweise Helrunar, Imperium Dekadenz oder Orlog“, ist sich Nikita sicher.

Seine eigene Band bezeichnet der Bayer als frei von Images.

„Ich wüsste nicht, was man bei uns als Image bezeichnen könnte. Wir ziehen uns auch nicht besonders an, wenn wir auf die Bühne gehen. Wir sehen immer normal aus, auch wenn das viele Black Metaller bemängeln. Man braucht in meinen Augen kein Image, um Musik herüberzubringen, es reicht, wenn man gute Musik macht. Nieten und Corpsepaint schauen zwar zum Teil ganz nett aus, aber ich selbst würde mich damit unwohl fühlen.“

www.myspace.com/derwegeinerfreiheit

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