DEVILSSIDE FESTIVAL: CAMPUS TO HELL
(+ AIRBOURNE + AMON AMARTH + OVERKILL + FEAR FACTORY + AGNOSTIC FRONT)
4.7. – Essen, Campus
Text: David Dankert
Fotos: Dorian Gorr (Archiv)
Neues Jahr, neue Location heißt es beim Devilsside Festival 2010. Dieses Jahr findet das Open-Air-Spektakel auf dem Essener Campus-Gelände statt, was insgesamt als gelungene Entscheidung zu verbuchen ist.
Zwar steht die kleinere der beiden Bühnen auf einem auf einem kleinen Hang, weswegen die Sicht teilweise eher suboptimal ist, ansonsten gibt es allerdings kaum etwas zu meckern. Das Gelände ist glücklicherweise bei den vorherrschenden Temperaturen sehr schattig und auch der Sound ist den ganzen Tag über durchweg mindestens in Ordnung.
Dass man allerdings auch bei Ein-Tages-Events wie dem Devilsside Festival nicht um die für Festivals üblichen Preise herumkommt, ist zwar keine Überraschung, aber dennoch schade.
Dieser kleine Wermutstropfen ist allerdings beim Startschuss von AGNOSTIC FRONT sofort verschwunden. Die New Yorker Hardcore-Urgesteine präsentieren sich wie gewohnt routiniert und gut gelaunt. Frontmann Miret und Vinnie Stigma ziehen die meisten Blicke auf sich und so fällt es der Kult-Truppe auch nicht schwer, die zahlreich erschienenen Fans ordentlich anzuheizen. Sowohl alte als auch einige neuere Songs finden den Weg in die Setlist von Agnostic Front und als diese auch noch das unvermeidliche und legendäre „Gotta Go“ anstimmen, zieht der Pit vor der Bühne sofort größere Kreise. Zwar sind die Amis nach nur 35 Minuten wieder von der Bühne, hinterlassen allerdings dafür einen durchweg positiven Eindruck.
Während also auf der gegenüberliegenden Bühne Snapcase lärmen, zieht es einige direkt vor die kleinere Bühne, um auf FEAR FACTORY zu warten. Diese lassen sich auch nicht lange bitten und legen im teilweise neuen, alten Line-Up los wie die Feuerwehr. Mit „Mechanize“, dem Titeltrack der aktuellen Scheibe, legen Fear Factory los und erwischen von Anfang an einen klaren Sound. Drum-Monster und -Legende Gene Hoglan prügelt mit unfassbarer Präzision auf seinem Drumkit herum, so dass nicht wenige mit offenen Mündern vor der Bühne stehen. Doch viel Zeit zum Staunen bleibt nicht, Fear Factory legen mit „Shock“, „Powershifter“ und „Martyr“ ordentlich nach und feuern den Pit deutlich an. Auch Dino ist für seine Körperfülle äußerst agil auf der Bühne unterwegs und Burton erwischt sogar mal einen akzeptablen Tag, was seine stimmliche Leistung betrifft. Zwar ist man immer noch weit von der Qualität der cleanen Vocals auf Platte entfernt, allerdings muss man sich diesmal nicht die Ohren beim Refrain zuhalten. Dies kommt vor allem dem puren Klassiker-Paket zum Ende hin zugute. Mit „Demanufacture“, „Self Bias Resistor“ und „Replica“ zaubern Fear Factory zum Abschluss nochmal Hits aus ihrem Hut, so dass das Devilsside ordentlich Dampf macht. Als Fear Factory dann nach knappen 45 Minuten unter großem Applaus die Bühne verlassen, wird deutlich, dass die Truppe deutlich vom Line-Up-Wechsel profitiert und live an Stärke hinzugewonnen hat.
Kurze Verschnaufpause, neue Getränke holen und schon stehen auch schon OVERKILL auf den Brettern. Wie gewohnt motiviert bis in die letzte Haarspitze legen Bobby Blitz und Co. erst einmal mit „The Green And Black“ los, lassen aber sofort den Klassiker „Rotten To The Core“ folgen. Die Stimmung steigt sofort, allerdings können Overkill das hohe Niveau diesmal nicht halten. Zu viele neue, noch unbekannte Songs von „Ironbound“ finden diesmal den Weg in die Setlist, weswegen das Publikum nicht ganz so euphorisch reagiert wie sonst. Mit „Wrecking Crew“ und „Hello From The Gutter“ schaffen es Overkill zwar nochmal mehr Stimmung in ihr Set zu kriegen, trotzdem will diesmal nicht ganz der Funke überspringen. Als nach „Elimination“ auch noch das finale „Fuck You“ aufgrund von Zeitmangel wegfällt, bleiben nicht wenige Overkill-Fans verdutzt vor der Bühne stehen. Trotz allem hinterlassen die Thrasher einen guten Eindruck, allerdings haben viele die Amis auch live schon deutlich besser gesehen.
Danach haben die Metal-Fans erst einmal Pause, ehe die Band auftritt, deren Shirts bei den Besuchern am häufigsten vertreten sind: AMON AMARTH betreten unter großem Jubel die Hauptbühne des Festivals und legen sich wie immer von Beginn an ins Zeug. Mit vielen Klassikern wie „Death In Fire“ oder „The Pursuit Of Vikings“ im Gepäck haben Amon Amarth leichtes Spiel und die Masse geht ordentlich steil. Zwar haben die Schweden trotz des Co-Headliner-Status‘ gerade mal 50 Minuten Spielzeit zur Verfügung, diese knapp bemessene Zeit nutzen die Schweden allerdings optimal und stellen ihre Fans zufrieden.
Als dann um 22 Uhr der Headliner, AIRBOURNE, die Bühne betritt, ist das Gelände nach dem langen Tag zwar nicht mehr ganz so prall gefüllt wie es noch bei Amon Amarth der Fall war, von nur wenigen Airbourne-Fans kann man trotzdem keineswegs sprechen. Die Australier fackeln auch nicht lange und starten direkt mit „Raise The Flag“, „Hellfire“ und „Chewin‘ The Fat“. Auch bei der letzten Band des Festivals gehen die Zuschauer nochmal ordentlich mit und feiern die Senkrechtstarter des Hard-Rock-Sektors. Als am Ende auch noch „Too Much, Too Young, Too Fast“ und „Runnin‘ Wild“ vom Stapel gelassen werden, fällt der Vorhang endgültig gegen 23 Uhr auf dem Essener Campus.
Bleibt festzuhalten, dass lediglich die knappen Spielzeiten der vielen großen Bands negativ ins Auge fielen. Beim nächsten Mal wären durchaus ein paar Bands weniger und dafür ein paar Minuten mehr für Bands der Größenordnung Fear Factory oder Overkill eine sinnvolle Änderung.








