Live-Bericht: Fährmannsfest 2010

Die Apokalyptischen Reiter auf dem Fährmannsfest 2010

FÄHRMANNSFEST
(DIE APOKALYPTISCHEN REITER + BIRTH CONTROL + GRAILKNIGHTS + PROSTO Z CHILE + ATHORN)

29.7. – Hannover, Fährmannsfest

Text: Jenny Bombeck
Foto: Dorian Gorr

Das Fährmannsfest ist in Hannover als das „kleine Woodstock an der Leine“ bekannt. Diesen Titel hat sich das idyllisch-wirkende Festival mit Recht verdient. Die kleine Bühne liegt direkt am Fluss im Grünen und davor sammelt sich ein bunt gemischtes Trüppchen an Fans, das aus jungen Metal-Kiddies sowie junggeblieben Alt-Hippies besteht. Durch günstige sieben Euro Eintritt wird das Festival auch für jedermann zu einem Erlebnis.

Den Anfang macht die polnische Alternativ-Kapelle PROSTO Z CHILE, die aus der hannoverschen Partnerstadt Poznan stammt. Die episch-angehauchten Gitarrenwände und Sängerin Joanna Dorebska können das Publikum bereits warm spielen. ATHORN hingegen versuchen das Fährmanns-Publikum mit progressivem Power Thrash Metal zum Bangen zu bekommen. Danach soll erstmals der Hexenkessel  vor der Bühne so richtig brennen. Die GRAILKNIGHTS haben eindeutig einen Heimvorteil und bringen die Fans mit Unterstützung von Dr. Skull und Co. regelrecht zum Ausrasten. Der melodische Todesstahl tut sein Übriges und so können sich die Superhelden mehr als nur zufrieden zurückziehen und ihre Kräfte bis zur nächsten Schlacht regenerieren. Diese Regeneration haben auch die Fans vor der Bühne dringend nötig.

Da betreten die Alt-Rocker BIRTH CONTROL die Bühne gerade zur richtigen Zeit. Aber wirklich still stehen tut während dieser Band auch niemand. Die Truppe kann man als Legende des Kraut-Rocks bezeichnen, die einst von Hugo Egon Balder mitgegründet wurde. Dieser ist längst nicht mehr dabei. Schlagzeuger und Sänger Bernd Noske ist aber auch seit 1968 mit an Bord und gibt trotz der grauen Fiddelhaare immer noch alles hinter den Trommeln. Begleitet von minutenlangen Gitarrensoli sammeln sich in der ersten Reihe Herrschaften, die eindeutig der Hippie-Zeit frönen und die so wirken, als ob sie in einer anderen Sphäre zu den Klängen von Birth Control schweben. Aber auch der Band steht die Spielfreude ins Gesicht geschrieben. Herr Noske stellt während jedes Songs seine Nesthäkchen-Musiker voller Stolz vor.

Nach diesem Trip in vergangene Zeiten geht es wieder zurück in die Zukunft. DIE APOKALYPTISCHEN REITER betreten als Hauptact die Bühne und versprühen Magie pur. Sänger Fuchs zieht mit seinen lyrisch-angehauchten Ansagen die Fans in seinen Bann und hüpft auf der Bühne wild herum, während Dr. Pest seine Peitsche schwingt. Auch Neuling Adrian Vogel zupft zu Songs wie „Adrenalin“ oder „Unter der Asche“ wie wild die Saiten. Die Reiter lassen nichts aus: Riesige Luftballons werden ins Publikum geschmissen, Fuchs schwingt heroisch die Flagge und auch eine Wall Of Death beziehungsweise Wall Of Love wird von ihm gefordert. Die Reiter sind Profis auf der Bühne und das stellen sie in Perfektion unter Beweis.