Live-Bericht: PartySan Open Air 2010

Watain auf dem PartySan Open Air 2010

PARTYSAN OPEN AIR 2010
12.8. – 14.8. – Bad Berka

Bedenkt man, dass das Festival beinahe jedes Jahr eine Schlacht mit dem Wettergott austrägt, grenzt es fast an ein Wunder, dass das PARTYSAN sich einen festen Platz an der Szenespitze gesichert hat. Der Grund: Das Line-Up erfreut Jahr um Jahr alle Fans extremer Klänge. David Dankert war vor Ort.

Text: David Dankert
Fotos: A. Void / Stone Cold Metal

Donnerstag, 12. August

Das PartySan-Festival begrüßt einen wie in den meisten Jahren davor mit dem typischen PartySan-Wetter: ordentlich Regen und wenig Gelegenheit, einen Sonnenbrand mit nach Hause zu bringen.

Doch KETZER, die erste Band des Festivals, hat Glück. Ihr Auftritt wird vom Regen glücklicherweise verschont, weswegen die Newcomer aus Bergisch Gladbach vor einer beachtlichen Menge eröffnen. Mit Krachern wie „My Triumph“, „The Fire To Conquer The World“ und sogar einem neuen Stück macht das etwas nervös wirkende Quintett ordentlich Druck und erspielt sich von Song zu Song mehr und mehr Applaus.

Dieses hohe Niveau können im Anschluss die Franzosen MERRIMACK keineswegs halten. Nicht nur, dass gut die Hälfte der Anwesenden von der Bühne wegpilgert, auch der dargebotene High-Speed-Black-Metal kann live zumindest bei Tageslicht nicht wirklich überzeugen.

Wirklich überzeugend ist der Auftritt von THE DEVIL‘S BLOOD zu bereits später Stunde auch nicht. Zwar wirken die Niederländer nicht ganz so verloren auf der großen Bühne, wie es noch auf dem Rock Hard Festival der Fall war, dennoch erkennt hier sogar ein Blinder, dass diese Band in kleine Clubs gehört, nicht auf große Open-Air-Bühnen. Routiniert ziehen die Niederländer ihre Show durch und schließen wie gewohnt mit „Voodoo Dust“ und „Christ Or Cocaine“ ab.

Der Headliner lässt sich im Anschluss „etwas“ Zeit die Bühne herzurichten. Kiloweise Kerzen, Kreuze, Fackeln und ein kleiner Altar werden auf die Bühne geschleppt. Dass das Anzünden und Ausrichten des ganzen Krempels ein einzelner Roadie verrichten muss, nervt jedoch schon nach nur kurzer Zeit. Als dann jedoch WATAIN endlich die Bühne betreten, gibt es kein Halten mehr. „Death‘s Cold Dark“ schlägt ein wie eine Bombe, Songs wie „Stellarvore“ entfalten nahezu perfekt ihre ganze Atmosphäre. Als auch noch zur Ehrung von Jon Nödtveidt „The Somberlain“ gecovert wird, hat die Stimmung endgültig ihren Höhepunkt erreicht. „Waters Of Ain“ schließt letztlich diesen starken Auftritt ab und lässt nicht wenige gespannt auf die kommende Europatour zurück.

Freitag, 13. August

Der Freitag startet mit wirklich beschissenem Wetter. Zusätzlich ist die Verwirrung groß, als am Nachmittag statt DEMONICAL bereits THE CROWN auf der Bühne stehen. Diese machen ihre Sache solide, können aber trotz kleiner Hits wie „Under The Whip“ bei strömendem Regen nicht wirklich viel reißen.

Warum letztlich Demonical mit OFERMOD tauschen mussten, ist unklar, mehr als ärgerlich ist es dennoch. Denn was Ofermod im Anschluss darbieten, ist keineswegs anschaubar. Nachdem minutenlange Intros die Zuschaueranzahl ohnehin stark verringern, fällt auch noch die Gitarre aus. Das Resultat: Weitere 20 Minuten dudelt ein Intro vom Band, irgendwer brabbelt was ins Mikro und das war es auch schon wieder. In 45 Minuten Spielzeit schaffen Ofermod gefühlte drei Songs und eine halbe Stunde Intro-Outro vom Band…

Der Schock ist jedoch schnell überwunden. Und auch der Platz vor der schlammigen Bühne füllt sich wieder rasant: ASPHYX rufen nach drei Jahren wieder zum Headbangen auf dem PartySan. Und als wäre die Reunion erst heute vollzogen worden, so voller Spielfreude präsentieren sich Asphyx einmal mehr. Sofort geht es in die Vollen mit „Vermin“, es folgen Gassenhauer wie „The Krusher“ oder „Wasteland Of Terror“, die bei strömendem Regen das Publikum weiter anpeitschen. Am Ende ertönt auch das mächtige „The Rack“, ehe Martin van Drunen und Co. die Bühne verlassen und für das erste Freitags-Highlight gesorgt haben.

SARKE sind von solch einer Live-Form weit entfernt. Zwar zieht es nicht wenige vor die Bühne, um zumindest sagen zu können „Ich habe Nocturno Culto mal live gesehen“, dennoch ist dieser Gig zu später Stunde mehr als holprig. Hinzu kommt, dass besagter Nocturno Culto leider auch noch nicht wenige Texte der gespielten Songs ablesen muss. Anders ist das zwischenzeitliche auf dem Boden herumkriechen  jedenfalls nicht zu erklären. Trotzdem geht der Gig alles in allem in Ordnung, auch wenn es etwas gewagt scheint, dass eine Band mit nur einem Album die Rolle des Co-Headliners übernehmen darf.

Die Headliner-Position ist dafür umso hochkarätiger besetzt: Niemand geringeres als die Death-Metal-Legende AUTOPSY entert um exakt 0 Uhr die Bühne in Bad Berka. In Originalbesetzung (sieht man einmal von Aushilfs-Kult-Basser Danny Lilker ab) starten die Mannen um Chris Reifert durch, als gäbe es kein Morgen mehr.  Klassiker um Klassiker wird gezockt. Songs wie „Gasping For Air“, „Embalmbed“ oder der legendäre Opener „Charred Remains“ werden so authentisch und überzeugend performt, als würde der Kalender gerade erst das Jahr 1990 anzeigen. Sound und Vocals lassen zu keiner Sekunde Zweifel an dieser Reunion aufkommen. Sogar neuere Songs wie „Horrific Obsession“ werden gespielt und dankend vom Autopsy-hungrigen Publikum angenommen. Als die Truppe nach rund 90 Minuten die Bühne verlässt, plündern viele noch aufgeregt und dennoch sichtlich zufrieden den Merchandisestand, um sich Autopsy-Merchandise zu sichern. Sind da vielleicht schon die Reserveshirts für dieses verregnete Festival ausgegangen?

Samstag, 14. August

Ironie: Am nächsten Tag regnet es gar nicht. Dennoch macht sich das Wetter der vergangenen Tage bemerkbar. Viele Besucher sind bereits in der Nacht nach Autopsy gefahren, noch mehr machen sich am nächsten Morgen auf den Weg und versuchen ihr Auto ohne Hilfe des Traktor-Fahrers aus dem Schlamm zu retten. Viele sind dennoch auf die Hilfe des vom PartySan-Team angeheuerten Mannes angewiesen.

Als TRIBULATION bei knallender Sonne und klebrigem Schlammboden die Bühne entern, zieht es somit nicht mehr allzu viele Besucher vor die Bühne. Die Schweden lassen sich dennoch nichts anmerken und präsentieren, wenn auch in teils eher belustigenden Outfits, ihr Debüt mehr als beachtlich. Dass „The Horror“ mit seiner 32-minütigen Spielzeit zwar nicht ganz den 45-minütigen Slot ausfüllt, scheint hierbei keinen zu stören. Zu druckvoll und aggressiv werden Tracks wie „The Vampyre“ oder „Graveyard Ghouls“ aus den Boxen geprügelt, zu präzise und mitreißend sind die Arrangements von Tribulation, als dass man es dieser Band übel nehmen könnte.

Nicht ganz so mitreißend gestaltet sich hingegen der Auftritt der Koblenzer Thrasher DESASTER. Zwar ist hier die Spielfreude wie immer zumindest bei Gitarrist Infernal mehr als bemerkbar, dennoch spielt das Quartett eine eher „unbekannte“ Setlist mit Songs wie „Porter Of Hellgate“, „Infernal“ oder „A Touch Of Medieval Darkness“. Lediglich bei Hits der Marke „Metalized Blood“ geht das Publikum richtig steil und feiert Desaster ordentlich ab. Drummer Tormentor kriegt außerdem ein Geburtstagsständchen gesungen. Kurzum: Völlig daneben ist der Auftritt nicht, aber von Desaster ist man besseres gewohnt.

Die drei Stunden später spielenden NECROPHAGIST legen ebenfalls wie Desaster bestenfalls einen soliden Auftritt hin. Zwar ist der komplexe Tech-Death durchaus souverän und präzise gespielt, wirklich Stimmung geschweige denn Euphorie kommt dennoch nicht auf. Das wirft zusätzlich die Frage auf, wieso die Band so hoch im Billing steht, obwohl sie seit über sechs Jahren keinen neuen Song, geschweige denn ein neues Album veröffentlicht hat.

Keine Diskussion bezüglich der Positionierung im Line-Up lassen hingegen AURA NOIR zu. Apollyon bläst sofort zur Attacke und fegt mit „Upon The Dark Throne“ und „Hell‘s Fire“ zwei der bekanntesten Songs der Band aus den Boxen. Das Publikum geht ab wie ein Zäpfchen, „Fighting For Hell“, „South American Death“ und „Conqueror“ bringen immer mehr Köpfe zum Kreisen. Blasphemer rennt hektisch von links nach rechts, Apollyon wetzt von Mikro zu Mikro und macht dem Bandslogan „Ugliest Band In The World“ alle Ehre. Als am Ende auch noch Aggressor auf Krücken auf die Bühne kommt und „Sons Of Hades“ zum Besten gibt, hinterlassen Aura Noir bei nicht wenigen Anwesenden den wohl besten Eindruck des gesamten Festivals.

Doch eine wirkliche Verschnaufpause gibt es nicht, schon knappe 15 Minuten später stehen NAPALM DEATH bereit und präsentieren routiniert wie eh und je ihren hektischen Death-Grind. „Suffer The Children“, „Siege Of Power“ und das mittlerweile unverzichtbare „Nazi Punks Fuck Off“ bringen ordentlich Schwung in die Masse, auch wenn sich Napalm Death schon länger am Rande der Über-Routine bewegen.

Überroutiniert wirkt mittlerweile auch die amerikanische Brutal-Death-Legende SUFFOCATION. Zwar werden Songs wie „Liege Of Inveracity“ oder „Thrones Of Blood“ in absoluter Perfektion dargeboten, so überzeugend wie auf der letzten Europatour sind Suffocation diesmal aber nicht. Sogar die Ansagen sind immer noch die gleichen und dass in den knappen 45 Minuten auch noch einige Klassiker den eher austauschbaren neuen Songs weichen müssen, macht die Sache für einige nicht unbedingt besser. Zwar können Suffocation zum Schluss mit „Funeral Inception“ und „Infecting The Crypts“ nochmal Boden gut machen, gegen den krönenden Abschluss von Aura Noir zwei Stunden vorher, kommt die Band jedoch nicht an.
Damit findet ein zumindest von den Bands her grandioses PartySan sein Ende. Unverständnis gibt es nach dem Schlusspfiff jedoch von vielen Besuchern, die sich darüber beschweren, dass keine Maßnahmen gegen das Schlammchaos ergriffen wurden. Lediglich im Backstage-Bereich wurde im Laufe des Festivals etwas ausgelegt. Die Stimmung haben sich dennoch die wenigsten Besucher vermiesen lassen. Das Wetter mag Besuchern und Organisatoren einen Strich durch die Rechnung gemacht haben, von der Atmosphäre und den Preisen gehört das Festival aber nach wie vor zur Szenespitze in Deutschland.