Interview: Death Angel

Death Angel

Gitarrist bei seiner Lieblingsband

Ted Aguilar von DEATH ANGEL erinnert sich daran, wie er als kleiner Junge noch zu „Kill As One“ im Moshpit abging, wie er den unglücklichen Split der Band miterlebte und Teil des erstarkten Bay-Area-Phönix wurde. METAL MIRROR geht mit dem Gitarristen die Geschichte der Band durch.

Text: Elvis Dolff | Fotos: Nuclear Blast

Die ‚Ultra-Violence‘ habe ich damals 1987 bei einem Plattenladen aufgegriffen. Damals hatte ich viel von Death Angel in der Bay Area gehört. Die Jungs sind verdammt jung, können was, hör mal rein! Und was das Beste war: sie haben die gleiche Nationalität wie ich. Das war echt ein Gefühl von Heimat“, beschreibt Ted Aguilar seinen ersten Kontakt mit Death Angel – damals noch als Fan. Denn Ted stieg erst 2001 zur Reunion-Show der Band bei den Jungs ein und war in der ersten „Epoche“ (die Zeit bis 1991, bis zur Auflösung der Band) Death Angels „nur“ leidenschaftlicher Fan der Ausnahme-Thrasher. „Live habe ich die Jungs beim Video-Shoot zu ‚Voracious Souls‘ in San Francisco gesehen, einfach unglaublich! Nicht nur, dass das Album einen umgehauen hat, live wurde das noch einmal getoppt“, erzählt er weiter.

Beim zweiten Album waren die Erwartungen dann groß. „Frolic Through The Park“ verblasste gegenüber „Ultra Violence“ leider sehr und wurde oft als großes, konzeptloses Experimentier-Album der Band bewertet. „Ich musste mich damals schon dran gewöhnen. Ich hatte echt  mit mehr des Kalibers der ersten Scheibe gerechnet. Wo war ein Song wie ‚Thrashers‘ oder ‚Voracious Souls‘? Sie haben viel mit verschiedenen Stilen experimentiert und wirkten wie in einer Phase, in der sie sich erst einmal selber finden mussten. Aber nachdem ich das Album noch ein paar Mal gehört hatte und sie mich dann auch live wieder total überzeugten, wurde mir langsam klar, was es mit der Scheibe auf sich hatte. Die Band experimentierte, aber die Jungs wuchsen als Musiker, das war wichtig“, weiß Ted heute.

„Act iii“ – Ausprobierprozess

Das dritte Album „Act III“ markiert für viele das Ergebnis dieses Ausprobier-Prozesses und die Konsequenz aus den beiden Vorgänger-Alben und zielstrebiger Arbeit der Thrasher an sich selbst und ihrem Stil. Ted dazu: „Ich weiß noch, wie alle Magazine darüber geschrieben hatten, dass ‚Act III‘ DAS Album für die Band sein würde, mit dem sie in der Szene explodieren würden. Als ich es dann selber gehört hatte, war ich auch begeistert von Songs wie ‚Seemingly Endless Time‘ oder ‚Stop‘ – das waren die Death Angel, die ich hören wollte. Aber dann hörte ich ‚Veil Of Deception‘ – was war das? Ich hatte mit einem absoluten und durchgängigen Thrash-Album gerechnet – und dann eine Ballade einer Thrash-Band?  Das war schon ungewöhnlich. Aber abermals war es so, dass sich das Konzept und der einmalige Stil erst nach mehrmaligem Hören erschloss. Das Album wuchs. Sie hatten ihre Entwicklung perfektioniert. Als ich sie dann mit Forbidden in San Francisco auch noch live sehen konnte, da wusste ich, dass die Jungs was Großes werden, die nächsten Metallica eventuell. Doch leider kam dann der Unfall und der Split – echt schade“, findet Ted noch heute.

Zur Erklärung: Drummer Andy Galeon verletzte sich 1991 bei einem Tourbus-Unfall schwer und musste ein Jahr pausieren. Während dieser Zeit stieg Sänger Mark Osegueda aus und die Band brach auseinander. Rob Cavestany – heute einziges verbleibendes Gründungsmitglied, gründete mit dem verbleibenden Rest The Organization und zahlreiche andere Nebenprojekte. Der Erfolg blieb aus, aber die Kontinuität als Musiker war wichtig wie Ted zu berichten weiß: „Es war sehr wichtig, dass die Jungs weiter ihre Instrumente spielten und sich auch in anderen Musikstilen ausprobierten. Als sie für ‚The Art Of Dying‘ zurückkamen, merkte man zwar übermäßig den Enthusiasmus und die Wertschätzung, aber auch die Eingespieltheit. Es war, als wenn die Band niemals aufgehört hätte zu spielen – aber sie hatten es.“

Auch das erste Album als Band zusammen war etwas Besonderes: „‘The Art Of Dying‘ war ein wichtiges Album mit einigen soliden Songs, die wir heute auch immer noch live spielen, aber insgesamt war es sehr konfus und ohne Konzept. Fast jeder hat auf irgendeinem Song mal gesungen und eine klare Linie war nicht wirklich erkennbar. Alle waren einfach so happy wieder als Band zusammen zu sein.“

Ted hat viele besondere Erinnerungen an die Reunion. Denn er stieß pünktlich zu dieser Zeit zu seiner Lieblingsband. „ Da bin ich ganz ehrlich mit dir: das war ein unglaublicher Druck für mich. Vor der ersten Show hatten wir gerade mal zwei gemeinsame Proben und ich musste alle Songs alleine lernen und können. Es war unglaublich dann endlich mit der Band auf der Bühne zu stehen, die eigenen Lieblingssongs mit den Jungs zu spielen und zu sehen, wie groß und einflussreich die Band war und immer noch ist. Die Jungs haben mich direkt voll und ganz aufgenommen, es hat einfach alles gepasst“, freut sich Ted noch heute.

„Killing Season“ – Ausgereift!

Die Veröffentlichung des fünften Albums „Killing Season“ hat sich ein paar Jahre Zeit gelassen, kam aber viel ausgereifter, fokussierter und vollendeter daher als das Reunion-Album. „Wir haben uns Zeit genommen, uns gefunden und kamen mit einem Album daher, auf das wir mehr als stolz sind“, erklärt Ted zu dem Release. Sein persönlicher Favorit ist aber immer noch das brandneue Album: „‘Relentless Retribution‘ ist mein persönlicher Favorit der drei Alben nach der Reunion. Wir hatten einige persönliche Probleme und Hindernisse nach ‚Killing Season‘ und bevor wir mit dem Songwriting für das neue Album anfangen konnten. Betrügereien und Rache sind auch zentrale Themen des Albums, das sehr viel Bedeutung für uns hat. Dazu kommt, dass wir mit Will Carroll und Damien Sissom eine völlig neue Rhythmus-Abteilung haben, die für einen frischen Wind sorgt und den Thrash Metal in der Band wiederbelebt. Besonders Will als hundertprozentiger Thrash-Metal-Drummer spielt einen ganz anderen Stil als Andy Galeon. So kommt es zu diesem aggressiven, starken und bedeutungsvollem neuen Album“, ist sich der Gitarrist sicher.

Schon der Opener ist für Ted ein Thrash-Metal-Highlight: „‘Relentless Revolution‘ ist der thrashigste Song seit ‚Voracious Souls‘“, behauptet er. Der Stolz auf die Entwicklung und die neue Veröffentlichung des neuen Albums ist im Gespräch mit Ted durchweg zu spüren. Dass Death Angel keine normale irgendwie berechenbare Veröffentlichung machen, sollte jedem Fan bewusst sein. Und auch, dass ein jedes Death-Angel-Album für sich steht und sehr eindrucksvoll für die Zeit, in der es gemacht wurde, steht, ist mehr als deutlich zu spüren.

Das neue Album steht hier als Konsequenz innerer Querelen und halber Neuformierung auf neuen Füßen. Ohne Frage, das ist Death Angel: Death Angel, wenn sie sauer sind. Dieser Band kann man an jedem Album die derzeitige Gemütslage ansehen. Gleichzeitig wachsen Death Angel, greifen Altes auf, verwerfen Chaotisches, finden immer mehr zu sich.

Und das darf bald die ganze Welt live sehen: Wie Ted berichtet, sind nach der Veröffentlichung der neuen Platte mehrere Touren geplant. Neben Südamerika und der Thrashfest-Tour in Europa ist für nächstes Jahr die Metal-Kreuzfahrt „70.000 Tons Of Metal“ von Miami nach Mexiko, eine Osteuropa-Tour und viele weitere Ziele geplant. Bis in den Herbst soll es rundgehen. Und währenddessen wird fleißig am neuen Album geschrieben, für das sie dann direkt im Anschluss wieder ins Studio gehen wollen – straffes Programm bei dem man gespannt sein kann!

www.deathangel.us