Live: Barther Metal Open Air

Barther Metal Open Air

BARTHER METAL OPEN AIR 2010

20.8. – 21.8. – Barth, Freilichtbühne

Zum 12. Mal fand Ende August das BARTHER METAL OPEN AIR statt. Diesmal mit mehr Bands, 1400 Fans und dennoch fairen Ticketpreisen. Carolin Teubert war vor Ort.

Text & Foto: Carolin Teubert

Freitag, 20. August

Wer erst am Freitag anreist, muss sich schon fast auf die Suche nach einem freien Platz auf dem Campinggelände begeben und dabei beginnen RABENWOLF bereits zur Mittagsstunde. Bei denen steht auch gleich eine große Horde auf der Bühne. Ein paar Fans sammeln sich, um ein wenig in Stimmung zu kommen. Es folgen DEVASTATOR, die ebenfalls eine solide Leistung erbringen. Doch richtig interessant wird es erst bei REQUITAL, denn der Death Metal, den die jungen Bandmitglieder spielen, zeugt von hohem Niveau.

IRRBLOSS überzeugen zum einen mit der Musik, viel mehr aber durch ihre Live-Performance. Es ist schon beeindruckend, was aus dem relativ dünnen Frontmann bei „Norsehorde“ an Gesang herauskommt. Die Schweden legen damit den stimmungstechnischen Grundstein für die folgenden Bands. Und STORMNATT ziehen nach. Auch wenn der Sänger eher einem blutigem Falco gleicht, ist die Musik dennoch sehr gut. Ziemlich routiniert wirkend spielen sie ihr Set herunter, bevor THORNIUM herandürfen. Die Black Metaller haben als erste mit sehr großen Soundproblemen zu kämpfen, die im Verlauf des Festivals noch häufiger auftreten sollen. So wundert es nicht, dass der Sänger nach ungefähr einer halben Stunde das Konzert abbricht. Sehr schade, denn so schlecht war der Auftritt nicht. Aber so haben NIDHÖGG immerhin mehr Zeit zum Aufbauen. Anschließend genießen sie den Heimvorteil. Vor allem „Siegeszug der Götter“ fungiert abermals als Publikumsfänger. EIS überraschen hingegen damit, dass sie ohne Kostüme auf die Bühne gehen und dass das Keyboard diesmal mitten auf der Bühne aufgebaut wird. Mit „Galeere“ startet die Band in einen soliden Auftritt. Ein besonders schöner Abschluss ist schließlich „Kainsmal“ und dessen Gedicht als Outro. Dass da eine Zugabe ausbleibt, ist zu verkraften.

GERNOTSHAGEN bieten an dem Black-Metal-lastigen Abend schließlich die nötige Portion Pagan Metal. Der Gig der Thüringer bietet eine gute Mischung aus alten und neuen Songs. Nach „Dem Skirnir zu Ehren“ betreten HELLSAW die Bühne. Die Österreicher bieten dem Publikum eine Menge Bewegung. Der Sänger grölt was das Zeug hält, hin und wieder singen die Gitarristen einfach mal mit oder posieren. SARGEIST sind dann noch einen Zacken authentischer. In Mönchskutten gewandt und blutverschmiert stehen die Finnen auf der Bühne und spielen Songs wie „ Black Treasures Of Melancholy“ und „Empire Of Suffering“.

ANGANTYR bieten zur späten Stunde eine kleine Feuershow und schon ist es 2 Uhr nachts. Der Gedanke daran, dass in zehn Stunden bereits die nächste Band beginnt, hält nicht viele vom Feiern ab.

Samstag, 21. August

Mit AMOK VEDAR beginnt der zweite Tag. Und es ist ein Konzert, wie es so in Zukunft nicht mehr sein wird, denn die Band gab bereits einige Wochen vorher bekannt, dass sie eine andere Richtung unter anderem Namen einschlagen wird. Bei MODER hingegen springt der Funke zum Publikum kaum über. Erst bei AHNENGRAB taut die Menge langsam wieder auf.

Eine richtige Neuheit gibt es auf dem diesjährigen Barther Metal Open Air auch. Zuvor hatte noch nie eine Thrash-Metal-Band dort gespielt. Mit LOST WORLD ORDER ändert sich das. Hinter dem Bandnamen verstecken sich fast alle Mitglieder der Band Eis, die hier gänzlich andere Musik spielen. Songs wie „Welcome To The Slaughterhouse“ sind eine gelungene Abwechslung auf diesem Festival.
FIMBULVET sind hingegen etwas ruhiger, aber dennoch gut. Die Pagan-Metaller scheinen fast zu routiniert zu spielen. Bei den Holländern TOXOCARA ist der Auftritt ebenfalls rundum gelungen. Doch erst TODTGELICHTER stechen wieder richtig heraus. Nicht nur durch die komplett weißen Kostüme, auch musikalisch ist der Auftritt sehr ansprechend. Vor allem die Stimme der Sängerin ist sehr markant und die Band nutzt auch gleich mal die Gelegenheit, Songs vom kommendem Album zu präsentieren. LIVIDITY hat die wohl lustigsten Fans vor der Bühne, es wird sehr ausgelassen zum Death Metal getanzt. ADORNED BROOD konzentrieren sich anschließend auf ihr „Noor“-Album. Beim „Drunken Sailor“ schunkeln etliche Zuschauer mit. Auch ein paar Songs des neuen Albums „Hammerfeste“ sind dabei.

THE VISION BLEAK überzeugen durch eine unglaubliche Eleganz des Sängers. Die Stimme ist markant und „Carpathia“ verpasst einem eine Gänsehaut. Arg unter Zeitproblemen stehen HELRUNAR, da sie mit einiger Verspätung in ihr Set starten. Vorwiegend werden Songs von „Frostnacht“ gespielt, aber auch sie nutzen den Auftritt, um auf ihr neues Album aufmerksam zu machen. Bitterer Nachgeschmack: der langjährige Live-Bassist Sin spielt an diesem Abend das letzte Mal bei Helrunar, da er sich in Zukunft auf seine anderen Bands konzentrieren möchte.

Das Barther Metal Open Air neigt sich dem Ende entgegen. Zum Abschluss kommen BEHEXEN auf die Bühne. Diesmal ohne Mönchskutten (es handelt sich hierbei um die Mitglieder von Sargeist), aber dennoch mit viel Blut liefern die Finnen eine gute Show ab. Für viel Stimmung reicht die Energie jedoch nicht mehr. Viele Zuschauer scheinen bereits zu müde zu sein – es ist entschuldbar, wenn man bedenkt, dass es bereits 1 Uhr früh ist.

Danach verläuft es sich auf dem Campingplatz, der mittlerweile schon zu einer Müllhalde geworden ist. Am nächsten Morgen sind die meisten Besucher verschwunden, der Müll ist jedoch noch da. Dieses Problem wird wohl nie in den Griff zu bekommen sein. Weitere Kritik lassen die leider zu hohen Preise für Essen zu. Auch der Sound nervte bei einigen Bands. Bedenkt man allerdings, dass es sich beim Barther Metal Open Air um ein Low-Budget-Festival handelt, sind diese Kritikpunkte alle halb so schlimm. Solange die Ticketpreise auf einem ähnlich günstigen Niveau bleiben, ist das alles zu verkraften. Eines muss man dem Barther Metal Openair nämlich lassen: Es ist ein sehr friedliches Festival mit familiärer Stimmung. Hoffen wir, dass es so bleibt.