Live: Wolfszeit Festival

Menhir (Wolfszeit Festival)

WOLFSZEIT FESTIVAL 2010

3.9. – 4.9. – Crispendorf

Die Viking-Metaller Varg laden zum vierten Mal zu einem Black-Metal- und Viking-Metal-Stelldichein ein. Carolin Teubert schaute sich auf dem schönen Gelände des WOLFSZEIT FESTIVALs um.

Text & Fotos: Carolin Teubert

Freitag, 3. September

Da kommt doch Klassenfahrt-Feeling auf, als man sich der Location in Crispendorf für das Wolfszeit Festival nähert. Immer tiefer fährt man in den Wald, verliert sämtlichen Funkkontakt und plötzlich ist man auf einer Ferienanlage mit Campingplatz und Bettenhäusern, Fußballplätzen und Schwimmbad angelangt.

Dort findet das vierte Wolfszeit Festival statt. Versprochen werden einem faire Preise für Tickets, Essen und Trinken sowie gute Konzerte und eine Menge kleiner Extras. Nachdem am Vorabend eine Warm-Up-Party für Vorfreude gesorgt hat, geht es am Freitag mit ARROGANZ los. Diese erinnern ein wenig an Pantera, in anderen Momenten aber auch wieder an Bands aus den Bereichen Black, Death und Thrash Metal. Als Opener eine gute Wahl. Dennoch füllt sich der Platz erst bei VALKYRJA. Die Schweden hauen dem Publikum einiges um die Ohren. Der Sound ist zwar viel zu laut, aber Songs wie „Contamination“ hauen auf die Fans ein.

Etwas leiser sind XIV DARK CENTURIES. Die Stimmung leider nicht darunter. „Falsche Propheten“, „Teutonentanz“ und „Thing“ kommen gut an. Die Band gibt sogar das erste Mal live einen kleinen Vorgeschmack auf das kommende Album. HEIMDALLS WACHT nutzen hingegen ihren Auftritt, um einige Statements gegen Rechtsextremismus und die Vorwürfe gegen sie selbst abzugeben. Getreu dem Motto „Ihr könnt uns mal, wir lassen uns nichts verbieten“ spielen sie ihr Set runter. Gegen Ende scheint dem Sänger jedoch die Luft auszugehen. Vielleicht hat er doch zu viel Energie zum Aufregen verbraucht.

MENHIR wirken an diesem Abend sehr routiniert, trotz anfänglicher Verzögerung durch technische Probleme. „Hildebrandslied“ und „Das Alte Lied Des Waldes“ werden unter anderem gespielt und im fliegenden Wechsel stehen schon MARDUK auf der Bühne. Die Schweden spielen Panzer Black Metal, wie man es nicht anders erwartet. „Steel Inferno“ und „The Levelling Dust“ krachen aufs Wolfzeit herab und es bildet sich ein ziemlich großer Moshpit. Die Menge ist begeistert.

Die einprägendste Show des Abends liefern jedoch RAGNAROK. Sänger Hansfyrste ist bekannt für seine Zungenspielereien, aber diesmal scheint er in völliger Ekstase versunken zu sein. Mit Pyroeinlagen legen die Norweger los und spielen vorwiegend Songs vom neuen Album. Auch alte Songs wie „Pagan Land“ ziehen das Publikum in den Bann. Da fällt es gar nicht auf, dass es immer weniger vor der Bühne werden. Die  Müdigkeit überwiegt eben doch bei einigen. Für alle Hellwachen geht die Party weiter. Der Speisesaal wird in eine Metaldisco verwandelt. Hin und wieder lassen sich sogar einige Bands blicken, um mit den Fans zu feiern.

Samstag, 4. September

Den zweiten Tag eröffnen THORMESIS. Einige Festivalbesucher sammeln sich vor der Bühne, auch wenn die Black-Viking-Metaller durchaus mehr Zuspruch verdient hätten. UNDER THAT SPELL liefern direkt zu früher Stunde einen sehr guten Auftritt ab. Ob mit „Black“ oder „Their Last Creation“ – der gute Eindruck bleibt durchgehend bestehen. Kleine Patzer, beispielsweise ein Mikrofon-Wackelkontakt fallen kaum auf.

MINAS MORGUL sind zwar gut, aber wirken irgendwie monoton. Die sonst so variable Stimme des Sängers scheint heute auch etwas holprig. Vielleicht liegt das auch wieder am Mikro? Denn das wurde nicht ausgewechselt. NEGATOR glänzen wiederum mit einer Menge Bewegung auf der Bühne. Der Frontmann streckt dem Publikum die Zunge heraus und springt wie wild herum. Der Song „Panzer Metal“ bringt die Menge schließlich völlig zum Kochen.

Anschließend zeigen sich die Gastgeber. VARG, die Band der Veranstalter, treten in diesem Jahr ebenfalls auf. Mit „Blutaar“ beginnen sie und verkünden laut, dass die Wölfe wieder da sind. Zwischendurch wird auch das Sauflied „Skal“ gespielt. Zum Abschluss gibt es noch den erwarteten Festival-Titeltrack „Wolfszeit“. Danach machen sie wieder Platz für die eingeladenen Bands. ARKONA werden bereits vom Publikum erwartet. Das Energiebündel Masha Scream springt und tanzt auf der Bühne herum und die Russen geben „Po Syroi Zemle“, „Yarilo“ und „Maslenita“ zum Besten. Zum Schluss wird es mit „Rus“ noch etwas ruhiger. Der Auftritt ist leider viel zu kurz und auch der Sound könnte besser sein.

Die Nachbarn haben es da besser: KORPIKLAANI legen viel Wert auf Altbekanntes und spielen so eher Band-Hits wie „Vodka“, „Journey Man“ und „Hunting Song“. Trotz Kälteeinbruch bleiben da noch einige tapfer vor der Bühne stehen und halten bis zum letzten Song durch.

An SHINING scheiden sich hingegen die Geister. Bereits im Vorfeld verschwinden nicht wenige Besucher in der Metaldisco oder auf dem Zeltplatz. Ein paar bleiben jedoch und schauen sich Kvarforth und Konsorten an. Dieser scheint heute nicht ganz so genervt zu sein und spuckt nur manchmal Jim Beam ins Publikum und zeigt selbigem den Mittelfinger. Mehr erlaubt er sich diesmal nicht.

Danach verteilt sich die Masse wieder zwischen Zeltplatz und Metaldisco. Manch einer bleibt sogar bis in die Morgenstunden wach und trotzt der Eiseskälte. Zeit für ein Resümee: Eine bessere Location kann es für ein Festival fast gar nicht geben. Es gibt ordentliche Sanitäranlagen und eine Menge Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben, auch wenn das Schwimmbad dieses Jahr schon geschlossen war. Ein lustiges Gimmick ist auch die Mini-Eisenbahn, die ab Samstag mit einigen Fans rund um den Campingplatz gefahren ist.

Die Bandauswahl geht ebenfalls als gelungen durch, nur die Ticket- und Essenspreise könnten noch besser sein, befinden sich jedoch auf Festival-Standard-Niveau. Nichtsdestotrotz ist das Wolfszeit jedem zu empfehlen, der die Natur liebt und in familiäre Atmosphäre feiern möchte.