Titelstory: Heavy Metal und Humor

J.B.O.

Verstehen Sie Spaß?

Passen Heavy Metal und Humor zusammen? Glaubt man den erzkonservativen Heavy-Metal-Fans, lautet die Antwort: Nein. Doch der Erfolg von Bands wie J.B.O belehrt alle Zweifler eines besseren. Humor ist längst ein kommerziell ernstzunehmender Faktor geworden, den die Bands – ob bewusst oder unbewusst – verinnerlichen und in Form lustiger Outfits, obskurer Bühnenshows und ulkiger Ansagen ausleben. „Verballhornung, Blasphemie und Klamauk!“ schreien die einen; „Ist doch ganz lustig…“, behaupten die anderen. METAL MIRROR versucht Ursachenforschung zu betreiben und merkt dabei: Nicht nur die Musiker sind sich bei diesem Thema uneins.

Text: David Dankert, Elvis Dolff und Dorian Gorr

Sie haben ein gespaltenes Verhältnis zueinander: der Humor und der Heavy Metal. Das mag vielleicht daran liegen, dass beide oft ein gänzlich anderes Weltbild vertreten. Der Humor will belustigen, der Heavy Metal finstere Szenarien ausmalen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn Heavy Metal und Humor haben etwas gemeinsam: beide wollen unterhalten. Auch wenn sich manch ein gestandener Black-Metal-Musiker auf einem unheiligen Kreuzzug gegen Christentum und Establishment sieht, befassen sich die meisten Zuschauer aus Interesse an Musik und aus Unterhaltungsgründen mit der Band. Warum also letztlich nicht einen Schritt weitergehen und Heavy Metal mit Humor, letztlich die Ursprungsform der leichten Unterhaltung, kombinieren?

Dass diese Kombination funktionieren kann, steht eigentlich überhaupt nicht zur Debatte. Das prominenteste Beispiel sind zweifellos J.B.O. Die Band aus Süddeutschland gehört zu den ersten, die sich trauten, ihren Heavy Metal in einem ulkigen Spaßkonzept unterzubringen. Einen wirklichen Grund hatte die Band eigentlich nicht. „Wir haben es einfach gemacht. Es gab da nicht einen besonderen Moment der Erleuchtung. Wir mochten Heavy Metal, wir wollten gerne was lustiges auf der Bühne machen, also ist das einfach passiert“, blickt Sänger und Gitarrist Vito heute zurück. Allerdings seien er und Mitgründer Hannes schon zu Schulzeiten als

Klassenclowns aufgefallen.

Vorbilder gab es zu der Zeit kaum. Bands wie GWAR, die Jahre später durch vollkommen abgedrehte Bühnenshows auffielen und ihr Image derartig lebten, dass ein normales Interview nicht länger möglich war, gab es noch nicht. „Für uns gab es kaum Vorbilder. Wenn dann fällt mir Otto Waalkes ein. Dessen Humor hat mir immer gut gefallen. Die einzige Band, die Rockmusik mit lustigen Texten machte und teils auch schon Cover-Versionen schrieb, waren die Rodgau Monotones. Deren Shows haben Hannes und ich unabhängig voneinander besucht – da kannten wir uns noch gar nicht“, erklärt Vito.

Die Cover-Idee blieb jedoch hängen und hat sich bewährt – nicht nur bei J.B.O. Auch Bands wie die Excrementory Grindfuckers haben sich in erster Linie dadurch einen Namen erspielt, dass sie Grindcore und Death Metal mit Schlager-Covern und einer Menge Ulk kombinierten. Die Kombination scheint einfach zu wirken. „Wenn man bekannte Songs in ein anderes Licht rückt, dann haben die Leute direkt einen Bezug dazu, aber dadurch dass es anders ist, finden die Zuschauer es eben lustig“, versucht sich Rob, Gitarrist der Excrementory Grindfuckers, an einer Erklärung.

Eines haben die Excrementory Grindfuckers allerdings mit den J.B.O. gemeinsam: Sie beide versuchen seit Jahren das Image der Cover-Band loszuwerden. „Wir definieren uns mittlerweile nicht mehr über diese Cover-Songs und wollen wirklich von dem Image weg. Klar, wir spielen davon immer noch Songs, aber wir sind der Meinung, dass unsere eigenen Songs besser ankommen“, ist sich Rob sicher.

Ähnlich beschreibt das auch Vito: „Das ist einfach der Drang des Musikers in einem. Wir sind wegen der Cover bekannt geworden, aber wir wollten zunehmend zeigen, was wirklich in uns schlummert.“ Es scheint ein Fluch der durch Cover-Songs bekannten Bands zu sein, dass ihnen oft die musikalische Glaubwürdigkeit abgesprochen wird. „Die Leute erkennen nicht, dass das Umkomponieren solcher Songs ebenfalls eine sehr anspruchsvolle, musikalische Arbeit ist“, beschwert sich Vito.

Doch dieses Phänomen ist nicht nur auf die Bands beschränkt, die humoristische Cover-Songs spielen. Mit dem Problem schlagen sich alle Bands herum, die ein humoristisches Konzept mit Heavy Metal paaren. „Natürlich sind wir eine spaßorientierte Truppe. Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass viele diesen gewollten Spaß mit einem Mangel an Ernsthaftigkeit verwechseln. Wir müssen nicht lustig sein, weil wir für ernsthafte Musik nicht das Potenzial haben. Viele Leute denken, dass wir stinkbesoffene Trunkenbolde sind, die schnell irgendwas zusammenscheißen und das als neues Grindfuckers-Album verkaufen. Dabei steckt da genau so viel Arbeit hinter wie in allen anderen Bands auch“, weiß Rob aus eigener Erfahrung.

Mehr als nur Musik

Von viel Arbeit kann auch eine andere Band ein Lied singen: Offiziell kommen sie aus Castle Grailskull, unter der Hand munkelt man,Grailknights dass sich dieser ominöse Ort in Hannover und Umgebung befindet: Die Grailknights. Mit J.B.O, den Excrementory Grindfuckers und Konsorten ist die Band nicht zu vergleichen. Ihre Art von Humor drückt sich weniger durch Texte oder musikalischen Ulk aus, sondern einzig und allein durch die Bühnenshow. In Superhelden-Outfits turnt die Band über die Bühne, posiert in Capes und glänzt durch pathosreiche Ansagen. Ob in Interviews oder auf der Bühne: Die Grailknights bewahren ihr Konzept. Ihr Publikum bezeichnen sie als den Battlechoir und Konzerte als Schlachten. Auf der Bühne wird jede Menge Spektakel veranstaltet. Stoffdinosaurier, Orks, der Erzfeind Dr. Skull und bierspendende Pferde tauchen auf und lassen einen dabei beinahe vergessen, dass das Quartett nicht nur eine aufwändige Show, sondern auch echt gute Songs zu bieten hat. Lord Lightbringer, Gitarrist der Band, ist sich dieser Gefahr bewusst, sieht die Band aber auch nicht notwendigerweise als humoristisch an: „Wir machen auf der Bühne ja keine Witze. Wenn Humor entsteht, dann nur dadurch, dass wir viel mit dem Publ-….ähh Battlechoir kommunizieren. Dadurch entstehen natürlich Situationen, die komisch sind. Aber in erster Linie wollen wir nicht lustig sein, sondern einfach nur eine gute Show bieten.“

Des Potenzials dieser Show sind sich die Grailknights mittlerweile bewusst. Der Erfolg hat der Band Recht gegeben. Auf dem Dong Open Air knieten mehrere hundert Zuschauer vor der Bühne nieder, Fans verkleideten sich als Superhelden und feierten die Truppe auch morgens schon zu früher Stunde ab. Das Konzept hat funktioniert. Lord Lightbringer versucht sich an einer Erklärung: „Man muss als Band heute mehr bieten als nur Musik – eine Art Markenzeichen. All die großen Bands haben so etwas. Bei Slayer, Rammstein oder KISS weiß man, was man geboten bekommt. So etwas haben wir auch versucht.“ Und es prompt geschafft.

Mit Bier zu Spaß

Einen eigenen Stil, der als Identität funktioniert, haben sich mit Sicherheit auch die Bier-Metaller Tankard erarbeitet. „Mitte der Achtziger, als alle möglichen Genres aufkamen, haben wir unser zweites Demo ganz einfach Alcoholic Metal genannt“ erklärt Gerre, Vokalist der Frankfurter Thrasher, die Entwicklung   des eigenen Stils. „Das Ganze ist einfach dem geschuldet, wie wir selbst drauf sind, wir haben immer Spaß bei der Sache und nehmen uns selber nicht so ernst.“ Auch wenn Tankard trotz sichtbar ausgelebtem Spaß auf der Bühne nicht als typische Fun-Metal-Band zählen, hat das Bier-Image für ähnliche Kritik gesorgt, wie bei den Grindfuckers oder J.B.O. „Wir sind auch immer etwas unterschätzt worden. ‚Ach ja, das ist die Fun-Band, die machen nur Spaß, gehen auf die Bühne, sind betrunken und können ihre Instrumente nicht spielen.‘ Dabei sind wir genauso eine Thrash-Band wie alle anderen auch, haben unsere Qualitäten und Nicht-Qualitäten. Aber nach 28 Jahren Tankard interessiert mich das echt nicht mehr“, hält Gerre fest.

Und so gab es zwischendurch – man könnte es fast als Trotzreaktion deuten – einen bewussten Schritt in Richtung Spaß: Mit ihrem Nebenprojekt Tankwart veröffentlichten die Frankfurter 1994 und 1996 zwei Alben, die vorwiegend Neue-Deutsche-Welle- und Schlager-Cover enthalten. „So etwas wollten wir machen, seitdem wir 1992 „Freibier für alle“ veröffentlicht hatten. Daraus ist die Idee entstanden“, erklärt Gerre. Das Projekt war kurzzeitig so gefragt, dass die Songs nicht nur auf eigenen Tankwart-Shows gespielt wurden, sondern auch ihren Weg ins Tankard-Set fanden. Irgendwann war jedoch die Luft raus. „Die Jungs haben nicht mehr wirklich Bock darauf, Songs nachzuspielen, aber man soll ja niemals nie sagen. Vielleicht wache ich eines Morgens auf und habe eine grandiose Idee, mal sehen.“

Fast zeitgleich zu Tankwart kriselte es bei den Ruhrpott-Thrashern Sodom. Mastermind Tom Angelripper stand nach dem Weggang von Atomic Steif und der Inhaftierung von Gitarrist Dirk „Strahli“ Strahlemeier plötzlich allein dar. Aus einer Not und dem eh schon bestehenden Image „Onkel Toms“ als partytauglicher Metaller entstand sein Soloprojekt, ein weiterer Vertreter des Party-Metals. Die Mission: deutsche Trinklieder zu spielen, „die passen und die man gut verrocken kann“. „Uli Pösselt, mein Produzent damals, meinte, dass ich ja bekannt dafür sei, richtig zu feiern. So kam der Stein ins Rollen. Wir suchten uns Titel aus und haben sie umarrangiert“, so Tom.

Dabei sei ihm klar gewesen, dass das ein einmaliges Projekt werden solle. Sinn und Ziel: Auf einem Festival, wo die unterschiedlichsten Gattungen vertreten sind, solle es eine Band geben, bei der sich alle in den Armen liegen, weil sie die Leidenschaft für Bier teilen. Obwohl hier eine gewisse Absicht erkennbar scheint, ist das Projekt wohl ebenso wenig hundertprozentig gewollter Humor. Es sind Partysongs, Lieder zum Mitgrölen und Mitfeiern – trotzdem bleibt es hart und thrashig, ähnlich wie bei Tankard. „Die haben auch einen richtig guten Humor, die haben ihren Ruhrpott-Humor, wir unseren Hessen-Humor“, so Gerre von Tankard lachend auf die Frage nach der Beziehung zueinander. Eine gleiche Einstellung teilen die beiden Sänger ohnehin: „Unsere Komik kommt von außen, von alleine, unbewusst“, wissen sowohl Tom als auch Gerre.

Die Suche nach Gegnern

Das ist bei einer Band wie J.B.O. oder den Excrementory Grindfuckers anders. Sie legen es drauf an, lustig zu sein und rufen entsprechend auch mehr Kritiker auf den Plan. „Es gibt natürlich viele Metal-Fans, die finden uns total unlustig. Aber davon lassen wir uns doch nicht den Spaß verderben“, stellt J.B.O.-Gitarrist Vito klar. Excrementory-Grindfuckers-Gitarrist Rob sieht das ähnlich: „Es ist absolut okay, wenn man uns scheiße findet. Ich kann es nur nicht leiden, wenn die Leute nicht tolerant genug sein können und uns einfach ignorieren, sondern  uns stattdessen regelrecht feindselig begegnen.“

Keine Frage: Kritische Stimmen gibt es etliche. Doch offiziell äußern möchte sich kaum jemand. Auf dem Festival-Zeltplatz wird lautstark geunkt, doch kaum jemand möchte derjenige sein, der sich traut, im Rahmen eines Interviews Kritik anzubringen. So gestaltete sich die Suche nach Kontrastimmen für diesen Artikel als reine Tortur. Der A&R-Chef eines großen deutschen Heavy-Metal-Labels, der auf einem Festival noch über alle auftretenden Fun-Bands meckerte, möchte sich Wochen später nicht dazu äußern und relativiert in seiner E-Mail: „Natürlich passen Humor und Heavy Metal zusammen. Es gibt ja mehr als genug Beispiele, deren Erfolg das belegen. Das Zitat („Heavy Metal und Humor passen nicht zusammen“ – Anm. d. Verf.) ist meine rein subjektive Meinung, weil mir persönlich Bands, die auf die Humorschiene setzen, zu 99 Prozent nicht gefallen.“

Ähnlich schwierig ist es, Musiker zu finden, die sich öffentlich dazu äußern wollen. Fast beleidigt fühlen sich manche Bands, die von den Autoren als potenzielle Kandidaten angeschrieben wurden. „Nur weil ich den Black Metal rituell zelebriere, heißt es noch lange nicht, dass ich spaßbefreit bin! Dass ich so zielstrebig als Kontrakandidatin ausgewählt worden bin, spricht Bände…“, antwortet beispielsweise die Sängerin einer deutschen Black-Metal-Band auf unsere Anfrage.

Fündig werden wir schließlich in einem Musiker, der selbst seit vielen Jahren Heavy-Metal-Fan ist und in einer Thrash-Band spielt: Infernal von den schwarzen Kutten-Thrashern Desaster. „Mir sagt das überhaupt nicht zu“, gibt der Gitarrist unverblümt zu. Es war die dunkle Seite des Lebens, Thematiken wie Tod und Teufel, die Infernal in den Bann des Heavy Metals zogen und sein Verständnis von dieser Musik prägten. „Wenn dann Bands auftauchen, die Comedy-mäßig unterwegs sind, trifft das einfach nicht meinen Geschmack.“

Vor allem die Cover-Versionen diverser Bands stoßen Infernal bitter auf: „Ein Bekannter hat mir letztens die CD einer Band gezeigt, die Metal-Klassiker in A-Capella-Versionen umwandeln (gemeint sind wohl Van Canto, die aber nicht typischerweise als Fun-Band zählen – Anm. d. Verf.). Da frage ich mich, wieso die Leute für so etwas Geld ausgeben, anstatt sich die Originale zu kaufen.“ Auch J.B.Os alberne Texte zu Metallica-Versionen sprechen ihn überhaupt nicht an. Als verbohrt würde er sich jedoch nicht bezeichnen. „Wir von Desaster sind jetzt auch keine Band, die auf superevil oder intellektuell macht, aber Heavy Metal sollte einfach bodenständig sein. Wir verbieten auf keinen Fall den Leuten Spaß zu haben, das haben wir ja auch, wenn wir auf Tour gehen. Aber deswegen muss ich das ja nicht in meine Musik einbauen und lustige Texte einbringen.“

Klare Ansage: Spaß und Unterhaltung sollen auf anderem Weg vermittelt werden, nämlich durch Stageacting und auf der Bühne dargebotene Spielfreude. Nicht durch rosa Kostüme, Cover-Ulk oder Schlagertexte. „Humor ist auch nur Geschmackssache, aber wenn ich Comedy haben will, dann schaue ich mir lieber Jim Carrey im Fernsehen an. Das finde ich wirklich witzig. Und es ist keine Heavy-Metal-Verarschung“, resümiert der 37-Jährige.

Noch härtere Worte findet einer, der in den Fußstapfen Desasters wandelt und ein noch konservativeres Verständnis von Heavy Metal zu haben scheint: Erazor-Sänger Benne (nein, nicht unser gleichnamiges Redaktionsmitglied – Anm. d. Verf.): „Heavy Metal mit Spaßtexten ist nicht minder unerträglich und überflüssig wie das pseudophilosophische Gefasel manch selbsterklärter Black-Metal-Denker, die sich verquaster Sprache im Weltschmerz suhlen. J.B.O. und die Grailknights sind der personifizierte Ausdruck der Belanglosigkeit und Oberflächlichkeit, die mit dem gemeinem Spiderschwein-gröhlenden Kirmesbesucher auf Wacken in die Metal-Szene Einzug erhalten hat. Musik wird zum Hintergrundphänomen einer Jugendsubkultur, die sich vor allem über ein erstaunliches Maß an Idiotie definiert. Und die selbsterklärten „Spaßbands“ liefern den Soundtrack dazu. Da kommt zusammen, was zusammen gehört.“

Gefangen im Humor-Käfig?

Harte Worte wie diese sind Bands wie die Excrementory Grindfuckers gewohnt. Gitarrist Rob glaubt die Gründe zu kennen: „Für viele ist Heavy Metal mehr als nur Musik, es ist eine Lebenseinstellung. Es kann natürlich sein, dass sich diese Leute bloßgestellt fühlen, weil wir an dem rütteln, woran sie glauben. Dadurch fühlen sich viele persönlich angegriffen“, mutmaßt er. Vor allem im Grindcore-Lager würden viele Fans mit starker Ablehnung auf die Band reagieren, da sie den Genrenamen mit ihrem Bandnamen belegt hätten. Auf gewisse Art und Weise könne er es ja schon nachvollziehen, gibt Rob zu, vor allem da er die Grindfuckers überhaupt nicht als Grind-Band versteht.

Auf völliges Unverständnis trifft die Kritik hingegen bei J.B.Os Vito. „Ich kann das einfach nicht nachvollziehen. Man sollte über alles lachen können und dürfen. Leuten, die einem sagen, dass das nicht zusammengehört oder man das nicht darf, sage ich nur: Fickt euch! Man muss vor allem über sich selbst lachen können. Ich finde es peinlich und traurig, wenn man das nicht kann.“
Jemand der zum Teil täglich in rosa Klamotten auf die Bühne steigt, der nimmt sich definitiv selbst nicht zu ernst. Dennoch ist auch Vito wichtig, dass man ihn und JBO als ernstzunehmende Musiker versteht. „Uns hat es immer geärgert, wenn die Leute uns als Bierzelt-Band abtun wollten, die nur Texte übers Ficken und Saufen haben“, so der Gitarrist, der  J.B.O. einer Karriere als Englischlehrer am Gymnasium vorzog.

Lord Lightbringer, Hobby-Superheld und Gitarrist bei den Grailknights, sieht das mit den kritischen Stimmen weniger eng. „Natürlich werden wir auch heute noch oft mit Leuten konfrontiert, die uns richtig scheiße finden. Aber wir stoßen zunehmend auf Akzeptanz, weil die Leute sehen, dass wir unser Ding seit Jahren knallhart durchziehen. Außerdem bin ich froh, dass es die Nein-Sager gibt. Von denen kann man auch erfahren, wie man das eigene Konzept noch besser ausarbeiten kann. Man kann als Band natürlich nicht alle vereinen. Wir sind schon ganz froh über unsere Ecken und Kanten.“

An solchen Ecken und Kanten arbeiten auch die Excrementory Grindfuckers, bei denen die Zukunft sehr viel variabler scheint als bei den Grailknights und J.B.O., deren Stil sich zwar auch stetig weiterentwickelt hat, von denen man aber zukünftig keine musikalische Kehrtwende erwarten sollte. „Bei uns ist alles offen. Wir möchten nicht nur über den stumpfen Kram definiert werden. Natürlich wird es immer alberne Parts geben, aber manchmal möchten wir uns selbst auch künstlerisch und kreativ Luft machen. Der Humor muss nicht immer so offensichtlich sein, es darf auch unterschwellig skurril sein. Wir wollen nicht Gefange in einem Humorkäfig werden“, so Rob.

Ob sich Grindcore-Fans oder Musiker wie Infernal und Benne dann mit einer Band wie den Grindfuckers anfreunden könnten, steht aber vermutlich auf einem ganz anderen Blatt. Der Name der Band (und das gilt nicht nur für die Excrementory Grindfuckers) wird wohl auf ewig mit Ulk und Humor verbunden sein. Und Humor und Metal funktioniert eben nicht für jeden.