Interview: Sarah Jezebel Deva

Interview mit Sarah Jezebel Deva

Von der Background-Sängerin zur Album-Chefin

SARAH JEZEBEL DEVA begann ihre Karriere bei Cradle Of Filth als Backgroundsängerin. Mittlerweile wandelt die Engländerin, neben ihrer Band Angtoria, auf Solopfaden. Sarah erzählt von ihrem neuen Werk und blickt zusammen mit dem Metal Mirror auf die Zeit mit Cradle Of Filth zurück, die nicht immer rosig war.

Text: Jenny Bomeck | Foto: Sarah Jezebel Deva

Sarah Jezebel Deva ist in der Metal-Szene kein gänzlich unbekannter Name. Zumindest die Stimme dahinter dürften viele Metal-Fans kennen, denn sie stand viele Jahre bei Cradle Of Filth im Hintergrund am Pult und hat deren Songs mit ihrer einzigartigen Stimme verschönert. Auch wenn die gute Dame alles für diese Band gab, so war es ihr Schicksal, dass sie von Dani Filth und Co nie als ein vollwertiges Bandmitglied akzeptiert wurde. Sarah, die sich von Burzum, Emperor und Mayhem inspiriert fühlt, hat sich aber nie unterkriegen lassen und zieht mittlerweile ihr eigenes Ding durch, auch wenn ihre Aktivität bei Cradle Of Filth auch noch heute ein Thema für Presse und Fans ist.
Angtoria, so heißt die Band, die die Sängerin mit der voluminösen Opernstimme vor gar nicht allzu langer Zeit gegründet hat. Doch diese scheint Sarah nicht vollkommen auszulasten. Sie wollte ihr eigenes Soloalbum mit ihrem Namen drauf in den Regalen stehen sehen. Was man gut nachvollziehen kann, wenn man ihre besagte Vorgeschichte kennt.
„Dieses Album und Angtoria sind zwei verschiedene Baustellen und dürfen nicht durcheinander gebracht werden. Jeder von uns will auch eine weitere Scheibe produzieren, aber die Zeit ist einfach noch nicht reif dafür. Und da ich die Musik über alles liebe, sah ich keinen Grund, der dagegen sprach, ein Soloalbum aufzunehmen. Auch viele der Fans haben oft nach einem Album von mir gefragt“, erzählt Sarah über den Entstehungsgedanken der Scheibe.
Und mit einem Witz fügt die Lady hinzu, dass die Fans einen schlechten Musikgeschmack haben müssen, wenn sie ihre Musik mögen. Die Frau hat Humor und nimmt sich nicht zu ernst, dies macht Frau Jezebel Deva zu einer sympathischen Person im oft viel zu ernsten Musikbusiness. Ihr Baby heißt „A Sign Of Sublime“ und ist streng genommen eigentlich kein reines Soloalbum, denn die britische Sängerin hat sich ein wenig Unterstützung besorgt. So gesteht Sarah:

„Ich habe die Gesangslinien und Lyrics geschrieben. Die Metal-Tracks hat Ken Newman aus den USA für mich gezaubert. Vor einiger Zeit habe ich zusammen mit Chris Rehn ein paar Lieder geschrieben, die schon damals für mein eigenes Projekt bestimmt waren. Aber stattdessen wurde Angtoria geboren. Dennoch kamen die Songs nie auf ein Album und so kann ich sie jetzt benutzen. Es gab noch einige andere fleißige Helfer, für die ich sehr dankbar bin.“

Leidenschaft über Perfektion

Obwohl Sarah ein Teamplayer ist, war diese Solo-Erfahrung wichtig für sie. Sie wollte ein Album schaffen, über das sie fast die komplette Kontrolle hatte. Auch wenn dieser Fakt viel Druck für sie bedeutete und alles auf ihren Schultern lastete. Sarah ist eine ehrliche Person und so überrascht sie, indem sie zugibt, dass sie zu 85 Prozent mit dem Album zufrieden sei, denn es gäbe immer noch ein paar Dinge, die sie heute anders machen würde.

„Dass ich jetzt gerne noch etwas verändern würde, ist aber nicht schlimm. Ich mag generell keine Perfektion. Ich mag musikalische Leidenschaft und dieses Album hat viel davon“, lacht Sarah.

Schon allein für diese Herzlichkeit und vor allem Ehrlichkeit muss man die Sängerin mögen. Denn welche Musiker geben schon zu, dass ihr Album aus ihrer eigenen Sicht nicht perfekt ist? Musik ist ihre persönliche und besonders große Leidenschaft und war schon immer ihr Traum und Ziel. Sie habe alle Hürden überwunden, um all das erleben zu können, was momentan in ihrem Leben vor sich geht.

Fluch oder Segen?

Sarah begann ihre Laufbahn mit einem Demoband, das bei einem Freund aufgenommen wurde. Dieses Band gelang schließlich über einen anderen Freund zu Cradle Of Filth, die zu dieser Zeit noch in ihren Kinderschuhen steckten. Der Rest ist Geschichte, denn von diesem Zeitpunkt fing alles an. Das Cradle Of Filth aber Sarah nicht nur Höhepunkte bescherten, ist wohl den meisten bekannt, denn über den Status einer Background-Sängerin kam sie nie hinaus. Schließlich verließ sie nach 14 Jahren die Band und diese Trennung war für Sarah ein Höhepunkt, denn es gab viel zu viele Tiefpunkte mit der besagten Band.

„Als ich noch jünger war, hat es mich noch geärgert, dass ich kein Mitglied von Cradle wurde. Ich empfand es als total unfair, meinen Teil beizusteuern und letztlich nichts dafür zu bekommen. Man kann auch ruhig sagen, dass Cradle Of Filth eher eine Art Unternehmen ist. Je mehr Mitglieder die Band verließen oder gefeuert wurden, desto mehr realisierte ich, dass dies keine Band ist, wo Leute zusammen arbeiten, Erfahrungen teilen und miteinander Spaß haben. Eine Background-Sängerin wird nie ein vollwertiges Bandmitglied sein und heute empfinde ich das auch als gut so.“

Schließlich hat sich für die Dame dennoch alles zum Guten gewendet und man lernt wieder einmal, dass nicht alles Gold ist was glänzt, wenn man einmal hinter die schillernde Fassade einer Band blickt.
Wer Sarah selber einmal in Aktion erleben möchte, der kann sie demnächst auf ihrer Tour durch Europa sehen.

www.myspace.com/jezebeldeva

Hinterlasse einen Kommentar