Interview: Forbidden – “Von Alpha-Thrash zur Omega Wave”
Von Alpha-Thrash zur Omega Wave
FORBIDDEN sind zurück! Mit ihrer „Omega Wave“ überrollen sie nach 13 Jahren ohne Album Freund und Feind. Gitarrist Craig Locicero erzählt über die Rückkehr der Verbotenen, Politik, Robb Flynn und das digitale Zeitalter.
Text: Elvis Dolff | Foto: Nuclear Blast
Zu einem wirklich guten Album gehört eine richtig starke Botschaft – oder zumindest ist ein Album mit einer richtig starken Botschaft auch als Werk de facto kein Totalausfall. Forbiddens Rückkehr brauchte in jedem Fall einen solchen Push wie Craig Locicero, Gitarrist und Langzeitmitglied der Band, berichten kann: „Es braucht eine Inspiration, ohne das wäre es nur viel Rederei gewesen.“ Als Anlass dienten da die Missstände im eigenen Land. „Als ich während unserer Tour in Europa über die Wahlen und Barack Obama gelesen habe, war mir klar: Hey, der gewinnt und es wird eine Entscheidung sein, die ganz auf Charisma beruht – ohne wirklichen Inhalt. Ich hasse beide Seiten unseres politischen Systems, genau wie in dem South-Park-Spot: Douchebag vs. Shit Sandwich und ich hab ich für den Douchebag-Obama entschieden. Ich wusste, dass sich nichts ändern wird. In jedem Fall war das unser Treibstoff: Thrash Metal ist genau das Vehikel, um diesen Missgefallen und unsere Meinung auszudrücken und auf den Punkt zu bringen!“
Und das machte dann aus einem puren Revival-Gedanken des „Twisted Into Form“-Line-Ups eine gefestigte Idee, die mehr als nur vereinzelte Reunion-Shows beinhaltete. „Omega Wave“, so der Titel dieser Manifestierung, bedeutet für Craig die Überflutung der Gesellschaft durch die negative Energie der heutigen Zeit. „Kaum einer steht mehr für sich ein, in der Angst seine iPhone-Verbindung zu verlieren. Alle fühlen sich sicher in dieser scheinbaren Freiheit, obwohl sie sich eigentlich in einem Gefängnis befinden.“
Auch das Album greift verschiedene bedeutungsstarke Themen auf: Science Fiction vs. Science Fact, das soziale Klima dieser Zeit, die Macher dieser Welt und die Alternativen zur Informationsbeschaffung – typisch Thrash Metal. „Viele sagen mir, wie lang das Album doch ist. Es wurde einfach so lang. Jeder hat uns bei allem unterstützt und freie Hand gelassen“, so Craig dazu.
Ähnlich lang her und fast vergessen ist das Engagement von Machine-Head-Fronter Robb Flynn in der Band. Damals war er Mitbegründer, verschwand aber vor der ersten eigentlichen Platte in weitaus erfolgreichere Richtungen, wie man bekanntlich weiß. Craig dazu salomonisch: „Es war nie wirklich ein schlechtes Verhältnis. Für mich ist und bleibt er der Typ von der High School. Robb ist halt ein verdammt stolzer Mensch. Ich weiß aber über mehrere Ecken, dass er das neue Album wohl mag, obwohl er mir das wohl nie persönlich sagen würde. Und auch, dass er halt öfter über früher redet.Vielleicht denkt er sich: ‚Hey die Jungs scheinen wohl nicht aufzuhören, das muss ich wohl anerkennen.‘ Ich hoffe, dass sich das Verhältnis noch bessert. Besonders auch jetzt, wo wir beide Kinder haben.”
Was die Zukunft angeht, bleibt es spannend. Es stehen noch viele Fragezeichen hinter der Frage, ob Forbidden wirklich langfristig wieder zurück im Thrash Metal-Lager aufgenommen werden. Also lassen wir die Zeit entscheiden, ob es verboten gut wird oder verboten werden sollte.



