Interview: Hail Of Bullets

Hail Of Bullets

KEINE WELT OHNE KRIEG

Die Niederländer HAIL OF BULLETS sind mit „On Divine Winds“ nicht umsonst unser Killer-Album des Monats geworden. Wieder einmal dreht es sich bei den Oldschool-Death-Metallern um Krieg, genauer gesagt um den Aufstieg und Fall des japanischen Kaiserreichs, was für uns Anlass genug war, Texteschreiber und Sänger Martin van Drunen zu seinem lyrischen Lieblingsthema und weiteren Angelegenheiten zu befragen.

Text: Robin Meyer | Foto: Caroline Traitler

Wer mit Martin van Drunen spricht, braucht sicherlich nicht lange, um festzustellen, dass es sich bei dem ehemaligen Mitglied von Bands wie Pestilence und Bolt Thrower keineswegs um einen arroganten Szenestar handelt. Ganz im Gegenteil: der Musiker strahlt Gelassenheit und Sympathie aus, was ihn zu einem idealen Interviewpartner macht. Auf die einleitenden Fragen, welche die Tücken und angenehmen Seiten bezüglich der Arbeit an „On Divine Winds“ betrifft, erzählt van Drunen von einer Schreibblockade.

„Als ich mit dem Schreiben anfangen wollte, hatte ich auf einmal eine totale Blockade. Ich saß hier manchmal morgens ein paar Stunden lang mit einem Kulli in der Hand und da kam gar nichts mehr. Dann habe ich für eine Weile Schluss gemacht und bin zu meiner Freundin nach Kalifornien geflogen. Dort habe ich zufälligerweise ,Kamikaze‘ geschrieben. Anschließend bin ich wieder zurückgeflogen und konnte sämtliche Sachen in zwei Wochen abarbeiten.“

Arbeit mit dem Perfektionisten

Besonderen Spaß hatte van Drunen an den Gesangsaufnahmen zusammen mit seinem Drummer Ed Warby, den man durch Bands wie Gorefest und Ayreon kennen sollte.

„Ich glaube nicht, dass ich je so relaxed und so einfach eine Scheibe eingesungen habe, obwohl viele denken, dass es stressige Arbeit ist, wenn man mit einem Perfektionisten wie Eddie zusammenarbeitet. Aber wir hatten vor den Aufnahmen alles so gut durchgesprochen und wussten beide genau, was wir wollten.“
Martin van Drunen schreibt seine Texte, zumindest bei Hail Of Bullets, am liebsten über historisches Kriegsgeschehen. Seine Motivation ist dabei aber nicht, der Band ein böses Image zu verleihen, sondern etwas über eine Sache zu lernen, die ihn persönlich interessiert.

„Es mach mir einfach Spaß, an dem ganzen Thema zu arbeiten. Wenn man anfängt über etwas zu lesen, dann packt es einen oder es packt einen nicht. Es gibt auch Themen, die mich überhaupt nicht interessieren. Man kann sich entscheiden über das übliche Gemetzel wie Zombies zu schreiben, aber Krieg an sich ist schon grauenhaft genug. Es ist eine Herausforderung damit zu arbeiten und außerdem lerne ich daraus.“

Wenig überraschend ist die Tatsache, dass der Texteschreiber Leute, die Hail Of Bullets deswegen vorwerfen, kriegsverherrlichende Musik zu machen, überhaupt nicht leiden kann.
„Das sind alles Vollidioten, die sollen die Texte doch bitte mal lesen. Da wird nichts verherrlicht, es wird einfach die Grausamkeit des Krieges von einem historischen Standpunkt aus betrachtet. Das sind einfach Fakten. Wenn man jetzt Sachen komplett aus dem Konzept nimmt, dann kann man sagen, wir sind eine verdammte Naziband, weil wir über den Aufmarsch der deutschen Armee schreiben. Aber das ist nicht so, weil ich zum Beispiel später auch den Untergang der deutschen Armee in Stalingrad aufgreife. Ich kann nichts dafür, dass es diese Kriege gegeben hat, aber ich beschreibe sie und das passt gut zur Musik. Es ist eigentlich eine Warnung.“
Er selbst war nie beim Militär, sein alleinerziehender Vater allerdings schon. Dieser hat seinen Beruf zwar nie wirklich mit nach Hause gebracht, dennoch hat van Drunen als Kind Erfahrungen gemacht, die ihn damals sehr beeindruckt haben.

„Wenn ich aus der Schule kam, hat mein Vater mich manchmal mitgenommen. Dann stehst du da mit dem Bulli und den ganzen Männern und siehst, wie die Flugzeuge landen. Für einen kleinen Jungen ist das natürlich eine tolle Sache.“
Als jemand, der sich umfangreich mit dem Thema auseinandergesetzt hat, kann Martin van Drunen nicht so richtig glauben, dass eine Welt ohne Krieg denkbar ist. Auch wenn er das im Grunde gerne täte.

„Es wäre schön. Aber obwohl man denkt, die Menschheit würde besonders mit Entwicklungen in der Kommunikation wie dem Internet immer klüger, scheint es mehr so, als ob Krieg unser Untergang wird. Bei den letzten Wahlen in den Niederlanden haben zum Beispiel eineinhalb Millionen Menschen diesen Affen Wilders gewählt, nur weil er Hasspropaganda gegen Moslems verbreitet. So lange man überall diesen Hass hat, ist das schon wieder genug Voraussetzung für einen Krieg.“

„Die Szene war am Arsch!“

Schon rund 25 Jahre lang ist der Sänger im Death Metal musikalisch tätig. Zwischendurch hatte er eine Phase, in der ihm der Spaß an der Sache verloren gegangen war, mittlerweile ist er aber wieder mit Herz und Seele dabei, was daran liegt, dass sich die Szene zurück ins Positive entwickelt hat.

„Die ganze Szene war eigentlich voll am Arsch. Aber jetzt ist Oldschool wieder im Kommen und es gibt wieder neue Bands, die die Songstruktur wichtiger finden als Geschwindigkeit oder technischen Schnickschnack von wegen ,Ich bin der Beste auf der Gitarre, guck mal wie cool ich bin‘. Ich meine, was soll das? Eddie könnte das auch, aber da hat er kein Interesse dran.“

www.hailofbullets.com

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