Interview: Helloween – “Gewollter Schmutz”

Helloween

Gewollter Schmutz

Nach dem bei manchen Power-Metal-Anhängern HELLOWEEN mit ihrer Akustik-Auskopplung „Unarmed“ auf rege Kritik stießen, präsentieren sich die Hanseaten auf „7 Sinners“ wieder gewohnt metallisch. Schlagzeuger Dani Löble im Gespräch.

Interview: Dorian Gorr | Fotos: Helloween

Dani, du bist schon seit fünf Jahren Schlagzeuger bei Helloween und giltst trotzdem immer als „der Neue“. Muss erst wieder ein neues Mitglied in die Band kommen, damit du nicht länger den Ruf des Nesthäkchens hast?
Nein, ich glaube nicht, dass sich das nochmal ändert. Da sehe ich schwarz. Brian Johnson ist ja auch immer noch der neue Sänger von AC/DC und der singt da seit 30 Jahren. So wird es mir auch gehen. Noch in 30 Jahren werden die Leute sagen, dass ich der neue Schlagzeuger bei Helloween bin..

Welchen Einfluss hat man denn als Neuling in der Band, vor allem wenn man auch noch der Schlagzeuger ist, der ja oft ohnehin nicht den größten musikalischen Einfluss ausüben kann oder darf?
Helloween bestehen aus fünf Musikern. Ich kann also zu einem Fünftel mitentscheiden. Ich habe ja eine eigene Art des Trommelns, einen eigenen Groove. Ich finde schon, dass man hört, dass da ein anderer Schlagzeuger dabei ist. Die Jungs lassen mir da auch weitgehend freie Bahn. Wir wollten ein schnelles Album machen, also habe ich einfach viele Tempos verdoppelt. Ich bin ja auch Schlagzeuger, nicht irgendein Clown, der irgendwas nachproduzieren soll. Wir wollen Musik als Kollektiv erstellen. Nur so wächst ein Baby.

Du hast das Album ganz ohne Klick eingespielt, habe ich gelesen.
Zu 90 Prozent, ja. Die Grundidee war, ein roughes, hartes, schnelles Album zu machen. Da überlegt man sich auch, wie man die Arbeitsweise ändern kann. Damit man auch mal etwas Neues ausprobiert. Heute ist das doch überall gleich. Drums mit Klick, stark nachproduziert, es klingt einfach nicht mehr menschlich. Wir wollten wieder Rock‘n‘Roll machen. Wie früher, wo man als Band noch zusammen in einem Raum war. Dann strahlt die Aufnahme am Ende die Stimmung des Aufnahmetages aus. Da wird man dann im Refrain vor Geilheit auch mal schneller und in der Strophe wieder langsamer. Das ist menschliches Rumgeeier. Und da wollten wir wieder hin. Wenn man ohne Klick spielt, dann kommt dieser gewollte Schmutz in die Aufnahme.

Wie war es eigentlich für dich, auf einmal Bestandteil einer lebenden Legende zu werden?
Das war natürlich ziemlich krass. Das kann man sich als Außenstehender gar nicht vorstellen. Ich war vor allem von dem Produktionsstandard der Band sehr beeindruckt und hatte dann am Anfang viel Arbeit, um mit ihrem Standard mithalten zu können. Vorher hatte ich einen Job als Musiklehrer und Aushilfe in einem Musikladen. Als ich im Prozess zu „The Legacy“ das Angebot bekam, musste ich mein ganzes Leben umkrempeln. Ich kündigte meine Jobs, musste mich um Versicherungssachen kümmern und war sehr damit beschäftigt, mich in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Ich hatte überhaupt keine Zeit, all die neuen Eindrücke zu verarbeiten. Du gehst auf Tour, nicht sechs Wochen, sondern direkt ein ganzes Jahr lang. Rund um den Globus. Da geht es Schlag auf Schlag. Und du hast keine Zeit, um alles zu verarbeiten. Du wirst mit Eindrücken bombardiert. Erst nachdem die einjährige Tour um war, hatte ich Zeit, all das sacken zu lassen. Allerdings ging es dann direkt mit einer nächsten Platte weiter und irgendwann merkst du in diesem Prozess, dass du selbst dran wächst und eine gewisse Routine entwickelst.

Und plötzlich nimmst du Alben in Teneriffa auf. Da fahren andere Leute für den Urlaub hin. Konntest du die Insel überhaupt genießen oder war das nur Arbeit für dich?
In erster Linie war das natürlich knallharte Arbeit. Allerdings ist Andis Haus schon sehr geil und da verbringt man dann auch schon eine gute Zeit und entspannt sich abends mal. Aber letztlich ist es Arbeit und nach der Arbeit hat man meist die Schnauze voll und möchte erstmal nach Hause. Grundsätzlich ist es aber toll, in diesem Ambiente aufnehmen zu können. Ich bin da schon gerne.

Den meisten jungen Musikern bleibt es ewig verwehrt von Musik leben zu können. Du dürftest mit deinem Einstieg bei Helloween ausgesorgt haben oder?
Ich lebe sehr gut, das stimmt. Ich verdiene mein Geld mit etwas, was ich mein Leben lang machen wollte. Aber ob ich gänzlich ausgesorgt habe… ich weiß nicht. Aber mir geht es in der Tat ganz gut.

Gibt es seitens des Labels Erwartungen wieviel Alben Helloween 2010 verkaufen müssen, damit das Album noch als Erfolg durchgeht?
Nein, wir kriegen nicht gesagt, dass Zahl X erreicht werden muss, aber natürlich ist das letztlich eine finanzielle Geschichte. So viel steckt die Plattenfirma rein, so viel holt sie wieder raus. Irgendwann muss man sich hinsetzen und schauen, ob sich die Investition gelohnt hat. Auch bei dieser Passion geht es um Geld. Es leben viele Familien von dieser Band, da muss unterm Strich etwas übrig bleiben.

www.helloween.org

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