Heiße Lava
Ashmedi, Sänger der Middle-Eastern-Black-Metal-Band MELECHESH fühlt sich, neben seiner Tätigkeit am Mikro, sehr mit spirituellen Dingen und Gedankengut verbunden. In ihm schlummert ein Philosoph: METAL MIRROR gibt er einige seiner interessanten Gedanken und Theorien preis, die einen zum Nachdenken anregen.
Text: Jenny Bombeck | Fotos: Nuclear Blast
Ashmedi, was macht Melechesh zu einer extremen Black-Metal-Band?
Ich kann nicht genau sagen, was eine extreme Black-Metal-Band ausmacht. Wir sehen uns eher als die Erfinder des Middle Eastern Black Metal. Melechesh sind von ihrer Art her sehr spirituell und wir kombinieren dies mit extremer Musik. Mit der Zeit haben auch Einflüsse wie Thrash Metal, Heavy Metal und sogar Hard Rock unseren Stil an Musik verändert. Die Band ist recht lebhaft was ihre Art der Präsentation angeht.
Was sind die Unterschiede zwischen Middle Eastern Black Metal und Norwegian Black Metal?
Es gibt auf jeden Fall einen Unterschied. Eastern Black Metal hat verschiedene Arten der Präsentation, wenn es um die Texte geht, die Art wie wir unsere Gitarren und die Drums spielen. Sie sind von der traditionellen Musik aus dem Osten beeinflusst. Auch die Texte handeln von der Mystik des Ostens. Das alles ist eine komplett andere Herangehensweise als im Norwegian Black Metal. Dieser klingt recht kalt, während unsere Art eher so leidenschaftlich wie heiße Lava klingt.
Was bedeutet für dich Mystik?
Mystik hat unter anderem mit der mystischen Tradition des Judentums zu tun, wie Kabbala zum Beispiel. Es ist jegliche Spiritualität, die aus dem Osten stammt. Diese entstand zum Beispiel durch die Sumerer, die als erste eine Hochkultur aufgebaut haben. All diese Dinge faszinieren mich sehr und ich versuche deren Theorien über die Spiritualität auf meine Weise zu interpretieren. Es gibt viele dieser Theorien aus verschiedenen Ländern. Mich interessieren viele Methodologien, sei es die der Ägypter oder Griechen.
Ich habe gelesen, dass du dich auch für dunkle Energien interessiert hast. Was sind das für Energien?
Wenn man geboren wird, wird man gleichzeitig in einem System massiv ideologisch beeinflusst. Wenn man weiter aufwächst, fängt man so langsam an zu rebellieren und beginnt sich zu erneuern, indem man neue Sachen kennenlernt. So war das auch bei mir. Ich wollte nicht nur mit Informationen gefüttert werden. Deshalb habe ich all die alten Einflüsse, die auf mich wirkten, zerstört. Nach der Zerstörung kommt die Wiederherstellung und zu dieser Zeit habe ich mich von dunklen Energien recht angezogen gefühlt. Dunkle Energien sind aber nichts schlechtes. Ich habe lediglich versucht, meine Seele zu finden, mich weiterzuentwickeln und etwas Neues zu kreieren. Es geht darum, die eigene seelische Balance zu finden. Ich weiß, dass sich das alles recht abstrakt anhört, aber das ist auch eine recht komplizierte Frage.
Du scheinst ein sehr nachdenklicher Mensch zu sein.
Ich denke immer nach, reflektiere und analysiere was um mich herum passiert. Ich bin schon ein kleiner Philosoph. Ich stehe der heutigen Gesellschaft kritisch gegenüber. Wir befinden uns momentan in einem hypnotischen Zustand und verweilen in Krankheit und der Illusion des Seins. Die Leute sind vom Tod umgeben und wirken daher wie erstarrt. Vielleicht gibt es noch eine andere Realität, die wir noch nicht sehen. Man kann es wie eine Art Matrix verstehen. Die Menschen gehen davon aus, dass dies die Realität ist und – ja – wir existieren rein körperlich, aber geistig umgibt uns etwas, das unser Denken beeinflusst. Das Hirn ist immer noch nicht ganz erkundet, dabei ist es das wichtigste Organ.
Siehst du dich auch als religiösen Menschen?
Ich folge keiner Religion. Es gibt für mich keine absolute Sache. Es gibt Kriege, weil es Menschen gibt, die glauben, dass das, was sie glauben, hundertprozentig richtig ist. Aber niemand kann sich dessen gewiss sein. Dennoch versuche ich meine Persönlichkeit zu verbessern, indem ich aus den verschiedenen Religionen die positiven Aspekte herausfiltere.
In deinem Heimatort hattest du sogar Schwierigkeiten mit den religiösen Autoritäten. Was ist dort passiert?
Ich wurde in Jerusalem geboren. Aber ich muss deutlich machen, dass ich weder Palästinenser noch Israeli bin. Meine Eltern sind armenische Assyrer und ich war daher irgendwie in der Mitte gefangen, als die Probleme in Jerusalem begannen. Ich habe auf beiden Seiten Freunde und auch Feinde. Ich habe Jerusalem verlassen, weil ich zwischen zwei Stühlen stand. Ich wohnte in Ost-Jerusalem, wo man sehr konservativ ist. Aber meine Eltern hatten einen nicht-religiösen, christlicheren Hintergrund. Als ich anfing Black Metal zu machen, waren die Leute geschockt, da sie so etwas noch nie gehört hatten. So fing es an, dass ich im konservativen Ost-Jerusalem einen schlechten Ruf und Konflikte bekam und unter Druck stand. Der negative Höhepunkt war, als 1995 eine Zeitung uns auf das Titelblatt packte und als satanischen Okkult titulierte, anstatt als Black-Metal-Band. Das war totaler Schwachsinn und hat mir das Gesetz aufgehalst. So entschied ich mich, nach Holland auszuwandern. Ich hatte ein gesellschaftliches und demographisches Problem in Jerusalem, außerdem gefiel mir nicht die Politik, die dort betrieben wird. Es wird einfach zu viel Gehirnwäsche betrieben. Ich wollte schließlich mein Leben und meine Musik weiterentwickeln.









