CD-Review: Dinner Auf Uranos – 50 Sommer, 50 Winter
| Atmospheric Rock
DINNER AUF URANOS |
Fans der Black-Metal-Klänge, für die Nocte Obducta einst standen, werden hier Gefahr laufen, eine herbe Enttäuschung zu erleben. Dinner Auf Uranos, die sich aus der Asche der quasi-aufgelösten Nocte Obducta erhoben haben, haben mit deren Klängen nur sehr wenig Schnittmenge. Statt Gekeife gibt es melancholisch-melodischen, fast schon an Gothic-Rock erinnernden Clean-Gesang. Statt Metal-Riffs gibt es hier filigranes Akustikgitarrenspiel. Statt Blastbeats mutiert das Schlagzeug zu einem rein rhythmischen Beiwerk, das sich zu jedem Zeitpunkt am unteren Ende der Hierarchie wähnt. Doch auch wenn all das keine Elemente sind, die mir normalerweise gut gefallen würden, hat dieses Album eine faszinierende Wirkung auf mich. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands spüre ich bei Dinner Auf Uranos Emotionen in der Musik. Diese werden gar nicht unbedingt so offenherzig zur Schau gestellt – sie sind einfach nur da, wenn man denn hinhört und sich auf diesen progressiven, seltsamen Trip einlässt. Dass sich dabei auf rein musikalischer Basis einiges abspielt, das durchaus Erwähnung verdient, versteht sich dank der jahrelangen Erfahrung, die Marcel vorzuweisen hat, von selbst. Vor allem das 22-minütige Schwergewicht „Töte das Jahr für mich“ wirkt unglaublich energiegeladen, ruhig und doch sehr dynamisch und verspielt. Einziges Problem: Auf Dauer befriedigt diese Musik nicht wirklich, auch wenn sie in ihren Grundzügen keineswegs uninteressant ist.
6 / 10 (Dorian Gorr)

