Interview: Kju

Interview mit Tobi (Kju)

Kein kartoffeliges Deutsch-Englisch

Benannt nach einem möglichst neutral klingenden Kunstwort, von Billy-Talent-Vergleichen genervt und mittlerweile über ganz Deutschland verteilt – gestatten, hier sind KJU.

Interview: Marcel Reefmann | Foto: kju

Tobi, vielleicht stellst du die Band erstmal kurz vor und erklärst, was es mit dem Namen Kju auf sich hat?
Wir sind Kju und kommen ursprünglich aus Hannover. Inzwischen haben wir uns aber auch nach Hamburg und Berlin verstreut. Die Band besteht aus fünf Leuten: Tobi am Gesang, Koord und Dominik an den Gitarren, Baake am Bass und Peter am Schlagzeug. Wir sind seit 2000 aktiv, in der Besetzung seit zwei Jahren. Kju war früher eigentlich der Versuch oder die Idee etwas zu finden, das sich nicht so leicht in eine Genre-Ecke stellen lässt. Wir wollten etwas kurzes, ein Kunstwort, das aber möglichst neutral klingt. So kamen wir auf Kju.

War euer aktuelles Album von vornherein als Konzeptalbum geplant?
Nein, das hat sich so entwickelt. Wobei das Schreiben dieses Mal durch die räumliche Trennung anders als vorher war. Wir haben dieses Album ganz anders geschrieben. Früher schrieben wir beim Jammen, die Songs entwickelten sich mit der Zeit. Diesmal lief das ganz anders, weil Peter als erster nach Berlin zog, während Koord und ich nach Hamburg sind. Wir haben dann zu zweit angefangen zu schreiben. Das war gänzlich neu für uns. Es ist mit zwei Köpfen einfacher als mit fünf. Die Idee zum Konzeptalbum hat sich dann relativ schnell rauskristallisiert. Die Eindrücke in Hamburg und des Umzugs waren sehr prägend, wodurch die ersten beiden Texte entstanden sind. Als diese sich um dasselbe Thema drehten, dachte ich mir, dass ich da noch mehr drumherum formulieren sollte.

Du sagst, ihr habt das zuerst zu zweit geschrieben. Wie verlief danach der Anpassungsprozess?
Wir haben uns beim Schreiben nur ein paar Drumspuren vorgebaut. Koord und ich können beide etwas Bass spielen, sodass wir da etwas eingespielt haben, damit wir erstmal mit kompletten Songs arbeiten konnten. Mit den Rohfassungen sind wir dann auf die Band zugegangen. Im Proberaum haben wir dann alles nochmal angefasst und auseinandergebaut. Auch mit dem Produzenten haben wir dann noch diverse Tempi, Beats oder ganze Parts umgebaut.

Haben eure beiden neuen Bandmitglieder großen Einfluss auf den Entstehungsprozess?
Für die war es natürlich schwer, weil die sich natürlich anpassen mussten. Der Dom kam dazu, weil ihm die Musik gefiel, weil er singen kann und eine zweite Stimmfarbe mitbringt, das hat uns deutlich geholfen. Baake hat am Bass bis auf ein oder zwei Linien alles nochmal angefasst und sich eigene Gedanken gemacht. Live spürt man auch den großen Einfluss der beiden.

Dom wird genau wie du als Sänger und Gitarrist genannt. Teilt ihr euch das Texte schreiben oder macht er nur die Background-Vocals?
Er beschränkt sich eher auf Background-Vocals. Vor Kju war er in seiner Band Hauptsänger und bringt so natürlich einiges an Erfahrung mit und ermöglicht mir dadurch eine Diskussion mit ihm als Counterpart. Vor einem Jahr hätte ich wahrscheinlich noch gesagt, es wäre super, wenn einer da wäre, der mir was beim Texte schreiben abnehmen könnte. Aber dann wiederum möchte ich auch irgendwo meinen eigenen Anspruch erfüllen und hier und da mal versteckte Anspielungen bringen und das geht dann nicht mit so einem kartoffeligen Deutsch-Englisch. Ach ich weiß auch nicht, mit den Texten ist das schwierig. Das Loslassen find ich auch schwierig. Außerdem muss ich dazu sagen, dass ich durch den Umzug nach Hamburg einen unglaublichen Input hatte und mir das Schreiben dadurch viel leichter gefallen ist. Ich denke, ich werde das weiterhin selbst machen, aber der Dom kann mir bei dem Prozess sicher Anstöße geben.

Ich hab in einer anderen Review gelesen, dass dein Gesang angeblich an den von Billy Talent erinnert. Was denkst du dazu?
Hast du das auch geschrieben? Ich habe jetzt schon in drei Reviews von Vergleichen mit Billy Talent gelesen. Eigentlich kann ich das nur so erklären, dass wenn ein Tenor in einer bestimmten Tonlage singt und dabei eine Höhe trifft, dass man dann sagt „Ey ,das klingt ja wie Billy Talent“. Mir ist das auch relativ wurscht, der Kerl ist viel mehr auf einem Ton unterwegs und bei dem Vergleich handelt es sich meist nur um die Höhe. Solche Vergleiche halte ich für musikalisch laienhaft.

www.kju-music.de

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