Interview: Bill Zebub – “Black-Metal-Fans sind Idioten”
“Black-Metal-Fans sind Idioten!”
Werden Dokumentationen über den Black Metal zum Trend? Zweifellos ruft das Thema gewaltiges Interesse hervor. „Until The Light Takes Us“ gewann mit seiner interessanten Darstellung der Szene jüngst Auszeichnungen, nun kommt eine Amateur-Dokumentation aus Amerika daher und geht das Thema vollkommen anders an: konzeptlos.
Text: Dorian Gorr
Fotos: Bill Zebub
Bill Zebub ist ein komischer Vogel. Halbnackt und mit Wikingerhelm bekleidet stellt sich der Hobby-Dokumentarfilmer im Intro seines Films „Black Metal – Music Of Satan“ vor und schmeißt in diesem Intro Witze, die nicht witzig sind, während im Hintergrund eine Puppe (?) an einen Baum gefesselt ist. Beim Schauen des Clips macht sich bereits erste Skepsis breit. „Endlich ein ehrlicher Film über diesen Kram“, titelte das Online-Magazin sleazeandhorror.com. Wirklich?
Was sich dem Zuschauer in den kommenden vier Stunden bietet, hinterlässt einen seltsamen Nachgeschmack. Dabei lässt der Film im Vorfeld gutes vermuten: Mayhem, Immortal, Satyricon, Primordial, Dimmu Borgir und Mercyful Fate sind nur ein kleiner Auszug aus der Liste an hochkarätigen Bands, die Bill Zebub (weitgehend in Eigenregie) interviewte. Doch genau die besagten Interviews sind der Knackpunkt. Bill hat kein Konzept. Die Musiker erzählen einfach. Irgendwas. Das teils bei qualitativ stark variierender Ton- und Bildqualität. Manche reden über den Begriff Black Metal, beschimpfen andere Bands, sprechen über die eigene Band, ihren Penis oder beleidigen den Interviewer, der sich gar nicht erst bemüht hat, die eigenen Unzulänglichkeiten herauszuschneiden. Zwischendurch gibt es Musikvideos. Struktur, roter Faden, irgendeine übergreifende Thematik? Alles nicht vorhanden. „Die Dokumentation ist nichts für dumme Leute. Wenn du jemanden brauchst, der dich an der Hand da durch führt, weil du die Struktur nicht erkennst, dann fuck off!“, reagiert der Hobbyfilmer gereizt.
Zu der augenscheinlichen Konzeptlosigkeit gesellt sich außerdem eine stattliche Überlänge von vier Stunden. Doch ans Kürzen war laut Bill nicht zu denken: „Du kannst dir gerne ein paar dieser Pseudo-Dokumentationen anschauen gehen, wenn du was kurzes mit einem simplen Konzept sehen möchtest. Ich habe etwas für die Fans dieser Bands kreiert. Sie können die Musiker auf eine Weise betrachten, wie sie noch nie dargestellt wurden. Außerdem erzählen die Musiker die Geschichte. Es gibt keinen Erzähler. Aber bitte, wenn deine Aufmerksamkeitsspanne zu kurz ist, dann schau dir eben nur fünf Minuten am Tag an“, poltert der US-Amerikaner und zieht gleich weiter bei seinem Beleidigungs-Feldzug gegen Black-Metal-Fans. „Ich möchte diesen Leuten mit meiner Doku richtig auf den Sack gehen. All diesen Idioten, die diese Pseudo-Geschichten glauben. Black Metal wird genau so vermarktet wie Wrestling in Amerika: Beides ist für Idioten.“ Aha.
„Wahre Metal-Blasphemie!“
Bill macht es sich einfach. Wer seine Kunst nicht versteht, ist dumm oder betrachtet sein Kunstwerk zu oberflächlich. Wenigstens hatte er selbst viel Spaß beim Drehen. „Ich habe durch das Filmen viel über die Persönlichkeiten der Künstler gelernt. Mit ihnen herumzuhängen und zu erkennen, was für lockere und lustige Typen sie alle sind. Vor allem Finntroll haben mich mit ihrer lockeren Art beeindruckt. Bei ihrem Konzert waren alle so fröhlich. Das war wahre Metal-Blasphemie“, freut sich Bill noch heute.
Jetzt, nachdem dieses Mammut-Projekt abgeschlossen ist, widmet sich der ursprünglich aus Prag stammende Filmemacher wieder anderen Projekten. Beleidigende Comedy und blasphemische Horrorfilme seien geplant. Ob wir sie sehen möchten? Vermutlich nicht.
www.billzebub.com



