CD-Review: Krokus – Hoodoo (Killer-Album)

Hard Rock

KROKUS
Hoodoo
11 Songs (42:59) / erschienen am 26.2.
(Sony)

Ich will ehrlich sein: Ich war skeptisch. Mir gehen die in jüngerer Vergangenheit zahlreich veröffentlichten, ausgelutschten, uninspirierten Alben von alten Rock-Recken eher gegen den Strich. Meist sind die darauf enthaltenen Songs absolute Austauschware, die einmal mehr bestätigen, dass die jeweilige Band ausschließlich von ihrem einstigen Ruf profitiert, mit einigen frischen Bands aber nicht mithalten kann. Mit so einem Gefühl der Vorahnung bin ich auch an das neue Album der Rock-Dinosaurier Krokus herangetreten. Was sollte man auch vom 16. Album einer Band erwarten, die nicht unbedingt dafür bekannt ist, dass sie sich regelmäßig neu erfindet oder übermäßige Experimente eingeht. Ich wurde prompt eines besseren belehrt.
Natürlich bleiben die angesprochenen Punkte, wie Experimentierfreude oder viele neue Ideen, auch beim neuesten Krokus-Album offene Kritikpunkte. Krokus haben sich einer speziellen Musikrichtung verschrieben und dieser rifforientierte Hard Rock ist nun einmal nicht dafür bekannt, sich andauernd neu zu erfinden. Aber Krokus sind mit vollem Herzen bei der Sache. Die Songs, die hier präsentiert werden, haben Biss, Seele und Charakter. Natürlich erinnert manch ein Riff an ZZ Top oder an AC/DC, aber das macht gar nichts. Krokus hüllen diese Hard-Rock-typischen Elemente in ihren eigenen Kontext und verzaubern dabei auch nach 35 Jahren noch durch eine förmlich spürbare Leidenschaft für die Musik, die sie spielen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Band nach wie vor Hits schreiben kann. „Hoodoo Woman“ ist ein Song für die Ewigkeit. Sehr viel lässiger kann man Biker-Rock heute eigentlich nicht präsentieren.  Ein weiterer Hingucker ist das Steppenwolf-Cover „Born To Be Wild“, das der Platte eine angenehme Würze gibt. Die weiteren Anspieltipps hören auf die Namen „Rock‘n‘Roll Handshake“ und „Too Hot To Handle“.
Unterm Strich bieten Krokus alles, was man sich von einen Rockalbum anno 2010 nur wünschen kann. Wer auch nur ansatzweise etwas für AC/DC, ZZ Top und Konsorten übrig hat, kommt um dieses Album nicht herum. Das ist eine Tatsache.
8 / 10 (Dorian Gorr)

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