Live: Dark Funeral

Dark Funeral live in Hannover

DARK FUNERAL
(+ ZONARIA + CARACH ANGREN + NEFARIUM)

9. März – Hannover, Musikzentrum

Text & Fotos: Dorian Gorr

Hannover hat nicht gerade den Ruf, eine Hauptstadt des extremen Metals zu sein. Umso schöner, dass der schwarze, von Dark Funeral angeführte Kreuzzug einen Stopp im Musikzentrum eingeplant hat. Ob sich die Landeshauptstadt für zukünftige Black-Metal-Touren weiterempfiehlt, steht jedoch auf einem anderen Blatt: Als NEFARIUM mit rasantem Gebolze loslegen, recken nur ein paar enthusiastische Fans die Teufelshörner gen Himmel.
Für deutlich mehr Stimmung sorgen CARACH ANGREN. Trotz Soundmatsch, der von überpräsenten Synthesizern dominiert wird und dabei die Gitarren in den Hintergrund drängt, kommt der verspielte, symphonisch aufgeladene Black Metal so gut an, dass die Niederländer nach ihrem Auftritt fleißig Autogramme schreiben müssen.
Weiter geht es mit ZONARIA. Diese hüllen als einzige Band des Abends ihre Gesichter nicht in Schwarz-Weiß. Auch musikalisch fällt der melodische Mix aus Black und Death Metal aus dem Rahmen, dank motivierter Performance, inklusive einem Vier-Mann-Synchronpropeller, können die Schweden aber überzeugen.
Motivierte Performance ist ohnehin das entscheidende Stichwort des Abends, denn eine solche zeigen DARK FUNERAL keineswegs. Ob es der Band stinkt, dass sich nur 120 Gäste eingefunden haben? Sind die Kojen im Tourbus oder die engen Lederrüstungen ungemütlich? Keine Ahnung. Fakt ist jedoch: Die oft zitierte Musikerfloskel, dass man auch für eine Handvoll Zuschauer alles geben würde, trifft heute nicht zu. Wie angewurzelt verharren die Schweden auf ihren Positionen und ziehen ihr standardisiertes Programm durch. Bassist B-Force wackelt müde mit dem Kopf, Lord Ahriman starrt auf sein Griffbrett, auf dem seine Finger ihr Fitnesstraining durchführen. Der Draht zum Publikum fehlt vollkommen. Selbst Sprachrohr Emperor Magus Caligula hält sich zurück. Klar, die Songs werden angesagt und sich auch nach jeder Nummer artig bedankt, aber ansonsten gibt sich der Dark-Funeral-Sänger ungewöhnlich wortkarg. Das Publikum trägt zusätzlich dazu bei, dass die ohnehin scheinbar kaum vorhandene Motivation der Band in den Keller sinkt. Die meisten der 120 Besucher verharren trotz druckvollem Sound stillschweigend auf ihren Plätzen, nur wenige strapazieren ihren Nackenmuskel zu Klassikern wie „The Arrival Of Satan’s Empire“, „Ravenna Strigoi Mortii“ oder „Bloodfrozen“, die sich mit neueren Songs (unter anderem „My Funeral“) abwechseln. Dass die Band nach dem abschließenden „My Latex Queen“ tatsächlich keinen Bock mehr hat, Hannover weiterhin zu bespaßen, zeigt der Abgang. Nach nur einer knappen Stunde Spielzeit verdrücken sich Dark Funeral und kommen trotz Zugabe-Forderungen nicht mehr auf die Bühne. Laut offiziellem Ablaufplan hat das Quintett noch eine halbe Stunde zu spielen, doch das minutenlange Skandieren des Bandnamens wird schließlich nur mit dem Angehen der Lichter belohnt. Schade, ihre wirklich großen Hits hatten die Schweden vermutlich für den Zugabeblock geplant und sammeln damit bei einigen Anwesenden erhebliche Minuspunkte.

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