Posts Tagged ‘festival’

Die Samstags-Kolumne: Sargeist und der braune Dreck

Januar 7th, 2012

Kolumne von Dorian Gorr

Der Kolumnist: Dorian Gorr ist seit den Anfängen im Jahr 2004 Herausgeber des Online-Magazins METAL MIRROR.

So etwas erlebt man auch nicht alle Tage: Ein Festival heuert eine Band an, nur um diese dann keine 24 Stunden später wieder vom Billing zu schmeißen. Die Rede ist vom PartySan Open Air. Am 5. Januar verkündete die Pressestelle des Festivals, dass man unter anderem die Black-Metaller Sargeist für die im August stattfindende Veranstaltung verpflichten konnte. Am 6. Januar folgte ein zweiter Pressenewsletter, der bekannt gab, dass man sich dazu entschieden habe, die Band wieder vom Billing zu streichen.

Was war geschehen? Sargeist sind eine finnische Black-Metal-Band, deren Sänger Shatraug wohl Dreck am Stecken hat, wie etliche Zuschriften von Szenekennern und potenziellen Festivalbesuchern anmerkten. Dabei ist dieser Dreck nicht einmal so offensichtlich, wie es beispielsweise bei Shatraugs gutem Kumpel Nazgul von Satanic Warmaster ersichtlich ist. Aber eben doch wahrnehmbar, wenn man sich die Mühe macht, ein wenig zu recherchieren: Ein Artikel auf dem manchmal übers Ziel hinausschießenden Internetportal indymedia listet einige Misstrauen erweckende Fakten auf. Da wäre zum Beispiel Shatraugs eigenes Label, das unter anderem auch Bands vertreibt, die in rechtsextremen Kreisen einschlägig bekannt sind. Ansonsten moniert der Artikel vor allem die Schnittstelle zwischen Sargeist und den weitaus populäreren (und oftmals genreweit geduldeten) Horna. Nun mögen sich die Übertoleranten der Black-Metal-Szene wieder einmal darüber streiten, ob man eine Band wegen solcher Querverweise an den Pranger stellen sollte, vor allem, wenn doch die Musik „unpolitisch“ ist. Aber Sargeist hatten ihre Chance: Es wäre kein großes Problem gewesen, sich auf Anfrage der PartySan-Veranstalter zu erklären. Die Möglichkeit wurde – sofern wir dem Newsletter glauben dürfen – den Jungs geboten. Sargeist lehnten ab. Einerseits passt das. Die Band besteht aus einem Haufen Querulanten, die alle gerne provozieren und sich nicht in der Pflicht sehen, irgendwem Rede und Antwort zu stehen. Nur haben die Jungs nicht bedacht, dass das PartySan einen Ruf zu verlieren hat – ein Ruf, der schon einmal auf der Kippe stand.

Vor einigen Jahren schien das Festival ohne ersichtlichen Grund wie ein Magnet auf die rechtsextremen Teile der Metal-Szene zu wirken. Mein Kollege David, seit Jahren ein alljährlicher Besucher auf dem PSOA, berichtete mir vor geschätzt vier oder fünf Jahren von Hitlergrüßen, SS-Uniformen und Landser-Dauerbeschallung auf dem Festivalgelände. Ein trauriges Bild. Das PartySan reagierte und bezog einmal mehr Stellung, indem man ein entsprechendes Shirt herausbrachte, das die Message klar machte: Rechtsextremismus wird auf dem Festival, das jahrelang in Bad Berka stattfand und 2012 zum zweiten Mal in Schlotheim veranstaltet wird, nicht geduldet. Seitdem scheinen sich die Wogen etwas geglättet zu haben. Zumindest habe ich seit ein paar Jahren kaum noch etwas in dieser Richtung wahrgenommen.

Sargeist treten nicht auf dem PartySan auf

Sargeist-Sänger Shatraug auf dem Pressefoto der Band

Dennoch: Das PartySan ist bei diesem Thema zurecht übervorsichtig. Ich weiß nicht, wie viele erboste E-Mails bei den Veranstaltern eingegangen sind, aber es müssen genug gewesen sein, um die Verpflichtung von Sargeist zu überdenken. Grundsätzlich begrüße ich das. Ich hatte Sargeist bis dato als halbwegs unspektakuläre, aber was dämliches Faschotum anbelangt unauffällige Truppe aus Finnland abgespeichert. Und in der Tat muss man schon etwas buddeln, um zu der Erkenntnis zu kommen, dass die Jungs nicht ganz koscher sind. Vor diesem Hintergrund ist es nur verständlich, dass das PartySan aus Angst um den eigenen Ruf die Band unverzüglich wieder vom Billing schmiss.

Ich wünschte nur, ich könnte den Organisatoren diesen Schritt als aufrichtige Geste aus Besorgnis um die Einflüsse dämlichen Gedankenguts auf die Black-Metal-Szene abkaufen. Tu ich aber nicht. Dem Festival geht es – und das ist natürlich irgendwo ein gutes Recht – um den eigenen Ruf. Das ist strategisches Kalkül. Dass man nämlich grundsätzlich auch mal ein Auge zudrückt, solange sich jemand geläutert gibt, das zeigte man erst im vergangenen Sommer, als man die einst wegen der Essener Swastika-Affäre geschassten Taake wieder auftreten ließ.

Wenn Sargeist demnächst ein geläutertes Statement veröffentlichen, können sie vielleicht in ein paar Jahren ihren für 2012 geplanten PartySan-Auftritt nachholen. Das mag eine sehr zynische Sichtweise sein. Auf den zweiten Blick wirkt das jedoch gar nicht so unrealistisch.


Hinweis: Jeden Samstag erscheint ab sofort auf METAL MIRROR eine neue Online-Kolumne.

Live: Shout It Out Loud Festival in Mülheim, RWE-Halle

Juni 27th, 2011

SHOUT IT OUD LOUD FESTIVAL

18.6. – Mülheim, RWE-Halle

Text & Foto: Benjamin Gorr

Für alle Fans von Glam Rock und der neuen Sleaze-Welle, findet in der RWE-Halle, welche sonst nicht für harte Konzerte bekannt ist, das Shout It Out Loud Festival statt, welches mit einem guten Line-Up die Menschen nach Mülheim locken möchte. Der Auftakt der Veranstaltung ist dann aber im wahrsten Sinne des Wortes unterkühlt: Statt wie angekündigt um 14.30 Uhr werden die Fans erst eine halbe Stunde später in die Halle gelassen, was angesichts kühler Temperaturen vor der Halle recht unangenehm ist.

Endlich drinnen, legen auch schon Hollywood Burnout los. Die vier durchgestylten Deutschen spielen nur vor einer Handvoll Menschen, was ihnen echt unwürdig ist, da sie mit ihren schönen Refrains und der Achtziger-Optik sehr unterhaltsam sind.

Shotgun Express orientieren sich hingegen stärker am Punk. Zwar ist die Halle noch spärlich gefüllt, das macht dem hyperaktiven Sänger jedoch nichts aus. Er rennt durch die Menge, springt herum und bleibt eigentlich nie still stehen.

Streng geht es im Zeitplan mit Jaded Heart weiter. Melodiöser Rock mit Keyboard passt vielleicht nicht zum sonst vorherrschenden dreckigen Sleaze Rock, jedoch wird es vor der Bühne sichtlich voller – trotz Soundprobleme.

Am Stimmungshöhepunkt befindet sich der Abend schon früh, nämlich bei der vierten Band Kissin‘ Dynamite. Die fünf Teenager aus Reutlingen lassen wahrhaftig die Ladys in der ersten Reihe kreischen. Fast wie auf einem Tokio-Hotel-Konzert. Die Band bietet aber auch viele Hingucker: kollegiale Stage-Moves, ein Gitarrensolo auf den Schultern des anderen Gitarristen und das alles in einem durchweg professionell wirkenden Rahmen. Zur Krönung covern die Jungs noch Skid Rows „Youth Gone Wild“, was ironischer Weise vor ihrer Geburt entstanden ist.

Nach diesem Auftritt haben es die Crazy Lixx schwer. Musikalisch zwar äußerst gut, wirkt der gesamte Auftritt eher starr, was nur durch eine Cover-Jam-Einlage inklusive „Cum On Feel The Noize“ und „We’re Not Gonna Take It“ gerettet wird.

Die aus dem Fernsehen berühmten Pussy Sisster bringen hingegen wieder Action in die Halle. Leider verbraten sie mit „Hold Us Down“ schon als zweiten Song ihren größten Hit und die unprofessionellen und endlosen Ansagen des Fronters Alex Sex geben dem Auftritt einen bitteren Nachgeschmack, was nur durch die Verteilung von Pussy-Lollys an zwei Ladys und den darauf folgenden fremdschämenden Auftritt der beiden Damen auf der Bühne  an Peinlichkeit getoppt wird.

Bonfire schaffen es als erste Band nicht pünktlich anzufangen. Einmal auf der Bühne stehend,  merkt man der Band ihre Spielroutine an. Der Auftritt ist solide, aber nichts Besonderes. Zum sichtbaren Frust und Ärgernis des Veranstalters am rechten Bühnenrand überziehen Bonfire mit ihrem Hit „Ready 4 Reaction“ auch noch obendrein mit vielen Publikumsspielchen und ähnlichem Schnickschnack.

Cinderella lassen sich noch mehr Zeit als Bonfire. Der Frust im Publikum nimmt während der fast 40-minütigen Wartezeit zu. Tom Keifer strahlt obendrein geballte Arroganz aus, als er auf die Bühne kommt und bleibt wie festgewurzelt an seinem Mikrofonständer stehen. Der Roadie, der wegen technischer Probleme dauernd hin und rennt, ist die größte Performance, die es auf der Bühne gibt. Nach nur einer guten Stunde und 13 Songs ist das Festival schließlich pünktlich vorbei, auch wenn Cinderella ursprünglich 90 Minuten spielen sollten. Schlimm ist das aber eigentlich nicht. Die Hits hat man alle gehört. In Sachen Spielfreude darf sich Tom gerne zukünftig was von seinem heutigen Vorprogramm abgucken.
Im nächsten Jahr soll das Festival in die nächste Runde gehen. Angeblich sollen Poison, Hardcore Superstar und Crashdiet mit von der Partie sein.

CINDERELLA Deutschlandgig bestätigt! 18.6. Mülheim/Ruhr

Februar 25th, 2011

Unter dem Titel „Shout it out loud“ geht am 18.6. eine neue Festivalreihe an den Start, die sich dem Sleaze Rock sowie dem Glam-/ Melodic Metal verschrieben hat.

Als Headliner wurden keine geringeren als die US-Rocker von CINDERELLA bestätigt, die hier anlässlich ihrer 25jährigen Jubiläumstour zum ersten Mal nach 10 Jahren exklusiv ihr höchstwahrscheinlich einziges Konzert in Deutschland geben. Die in Originalbesetzung (Tom Keifer – Vocals/Gitarre, Fred Coury – Schlagzeug, Eric Brittingham – Bass, Jeff LaBar – Gitarre) auftretende Band wird in der stilvollen RWE-Halle in Mülheim an der Ruhr ihre größten Hits wie z.B. „Don’t know what you got“, „Nobody’s Fool“, „Coming Home“, „Gypsy Road“ oder „Heartbreak Station“ zum besten geben und mit Sicherheit keine Wünsche offen lassen!

Quelle: Black Bards

Festival-Saison 2011: Zuwachs an allen Fronten

November 1st, 2010

Festivals 2010 im ÜberblickDie Vorbereitungen bei den deutschen Heavy-Metal-Großveranstaltungen laufen auf Hochtouren. Schon jetzt beginnt der Kampf um die Gunst der Fans. Nachdem das Wacken Open Air bereits mit Ozzy Osbourne den ersten wirklichen Hammer auspacken konnte, legen auch viele andere Festivals mit großen Namen nach. Hier ein kurzer Überblick über den aktuellen Status der wichtigsten Festivals der deutschen Szene-Landschaft.

RockHard Festival: Nachdem bereits Enslaved, Triptykon und Agent Steel musikalisch hochwertige Kost versprechen, legt das Festival, das vom 10. bis 12. Juni im Gelsenkirchener Amphitheater stattfinden wird, nach und holt sich die aufstrebenden Atlantean Kodex und die Thrash-Metal-Legende Overkill ins Billing. Letztere versprechen eine Special-Show, wie man sie nur auf diesem Festival zu sehen bekommen wird.

Summer Breeze: Der kleine Bruder vom Wacken Open Air wird im nächsten Jahr erneut Ende August (18. bis 20. August) die Stadt Dinkelsbühl richtig durchrocken. Die ersten fünf Bands wurden vor wenigen Tagen bestätigt. Folgendes Line-Up markiert den Startschuss: Saltatio Mortis, Caliban, Primordial, The Haunted, Vomitory.

Bang Your Head: Die Traditionsveranstaltung für Old-School-Fans präsentiert sich diesmal ungewohnt schwarz. Bei dem Festival, das im nächsten Jahr am 15. und 16. Juli stattfinden wird, wurden die Black-Metal-Protagonisten Immortal bestätigt. Weitere Bands, die mit dabei sein werden, sind: Overkill, D-A-D, Asphyx, StormWarrior und Crashdiet.

Party San Open Air: Das Festival zieht nicht nur auf ein neues Gelände um (siehe entsprechenden News-Beitrag), sondern präsentiert gleich die ersten richtig dicken Brocken im Line-Up. Neben den österreichischen Black-Death-Perverslingen Belphegor und den geächteten Taake werden sich Morbid Angel höchstpersönlich auf dem Festival blicken lassen.

Update Black Troll Winterfest

Oktober 22nd, 2010

Nicht einmal 2 Monate sind es noch bis zum diesjährigen Black Troll Winterfest. Jetzt wurde der letzte Headliner bestätigt und somit ist das Billing komplett.

Dabei handelt es sich um niemand geringeren als Wolfchant, die bereits auf dem Black Troll Festival aufgetreten sind. Sänger Lokhi wird dazu bei den Vocals von Michael Seifert von Rebellion Guest unterstützt.

Stattfinden wird das Ganze am 18. 12. in Eisenberg (Thüringen).

Quelle: www.blacktrollfestival.de/winterfest

Way Of Darkness: Frühbucherpaket ausverkauft / Running Order online

September 8th, 2010

Flyer Way Of Darkness FestivalDas letzte größere Open-Air der Festivalsaison steht am 1. und 2. Oktober in Lichtenfels an. Nun gaben die Veranstalter des Way Of Darkness bekannt, dass das Frühbucherpaket ausverkauft ist. Normale Tickets wird es jedoch noch bis zum 19. September im Shop auf der Festivalseite und danach noch bei allen bekannten Vorverkaufsstellen geben. Geboten werden auf dem Festival unter anderem Shows von Possessed, Kataklysm, Evildead, Pestilence, Napalm Death und Asphyx.

Mittlerweile ist auch die Running Order online. Wann welche Band das Festzelt beschallt, erfahrt ihr hier.

Früh anreisen lohnt sich übrigens: Bei einem Meet-And-Greet am 30. September werden bereits einige Musiker anwesend sein und sich unter die Fans gesellen.

Quelle: Way Of Darkness

Festival: Dong Open Air 2010 (Titelstory)

August 2nd, 2010

Dong Open Air

Kaum zu glauben: Das DONG OPEN AIR wird zehn Jahre alt. Weiterentwickelt hat sich das Festival in all den Jahren auf jeden Fall. Die Bands wurden etwas größer, die Infrastruktur besser und die Durchführung der Veranstaltung professioneller. Und doch ist auch bei der Jubiläumsausgabe der Veranstaltung deutlich spürbar, dass das Dong noch immer ein Event ist, das ehrenamtlich von Musik-Fans für Musik-Fans stattfindet.

Tag 1, Freitag, 23. Juli

Das zehnte Dong Open Air startet mit einem recht ungewöhnlichen Set, das aus zwei Bands besteht: CHAINHEART und FOLKEDUDL geben sich nacheinander die Ehre, um das Jubiläumsfestival gebührend zu eröffnen. Die Reihen vor der kleinen Dong-Bühne sind während Chainheart noch spärlich gefüllt. Dennoch tut das der Stimmung keinen Abbruch, denn die Truppe hat feierwütige Die-Hard-Fans mitgebracht. Und diese feiern, dass ihre Band nach über fünf Jahren mal wieder auf der Bühne steht. Songs der Marke „Beautyfied“ werden dementsprechend bangend seitens des Publikums entgegen genommen. Folkedudl wollen mit folkloristischen Klängen und bösen Growls ihr Bühnencomeback feiern. Jedoch soll es das nach diesem Comeback auch schon wieder gewesen sein. So wird zeitgleich der Abschied gefeiert und jedes Bandmitglied wird von den eingesessenen Fans mit Sprechchören gewürdigt. Sängerin Frauke kann die Donger Fangemeinde mit ihrem klaren Engelsgesang und ihren plötzlich auftretenden bösen Vocals beeindrucken und auch die spontan eingesetzte Flötistin lässt das ersetzte Saxophon nicht vermissen.

Die ersten Thrash-Höhepunkte sollen anschließend die miteinander verwachsenen ALL WE HATE und GUERILLA bieten. Den Anfang machen All We Hate mit Marcello White am Gesang und jeder Menge liebevoller Seitenhiebe gegen Guerilla und den Rest der Welt. Mit der Ansage, dass nur egoschwache Pussys Songs covern, präsentiert man Panteras „New Level“.  Eigene Songs sind unter anderem „All I Hate“ oder „War Is Calling“. Den direkten Anschluss machen die deutlich thrashigeren Guerilla. Neben eigenen Songs wie „Guardian Demon“, springt auch Ex-Sänger und All-We-Hate-Fronter Marcello White für ein Medley ein und gibt „La Bamba“ zum Besten. Insgesamt ein starkes Doppelpack mit leichtem qualitativem Übergewicht bei Guerrilla.

Quoten-Wikinger am Nachmittag: ADORNED BROOD können sich zwar über die loyale Fanbasis, die die Band zu dem Heimspiel begleitet haben, freuen, so richtig zünden will der schnelle Wikinger-Metal, der sich irgendwo zwischen schwarzen Schreien und Melo-Death-Parts einpendelt, jedoch nicht. Gute Laune kommt erst auf, als die Truppe „Was wollen wir trinken“ covert und dafür für diverse Tanzeinlagen vor der Bühne sorgt. Der obligatorische Abschlusstrack „Under Yggdrasil“ beschert der Band ebenfalls nochmal ein paar Bonuspunkte.

HATE FACTOR sind wieder da und grunzen das Publikum zurecht – wer hat diesen Tag nicht schon herbeigesehnt. Mit dem Klassiker „Psychopath Massacre“ oder dem Hatebreed-Cover „Last Breath“ erspielt man sich Punkte beim Publikum. Durchweg knallt hier ein Ohrmuschel-Spalter an den anderen. Die Stimmung im Zelt wird mit dem Hate Factor multipliziert und ändert die Vorzeichen. Ein bisschen Todesschnitzel geht immer.

Weiter geht es mit Lokalgrößen aus dem Heavy-Rock-Bereich. MOTORJESUS dürfen sich mittlerweile über eine sehr loyale Anhängerschaft freuen, die die Riff-Rocker mit viel Eifer abfeiern. Die Stimmung ist auch bei diesem Auftritt durchweg gut. Sänger Birx hatte zwar schon mal bessere Tage am Mikrofon, Spaß machen Songs wie „Legion Of Rock“ und natürlich „Return Of The Demon“ dennoch.

Willkommen im Land der Unterwelt: BLOOD RED ANGEL thrashen das Dongzelt mit ihren Musikmonstern „Ceremony Of The Condemned“ und „Enforced“ von der „Abyssland“-Scheibe zusammen. Konsequent wie eh und je werden hier die Nacken gebrochen und das schale Fleisch gerockt. Da bleibt kein Bier trocken und das Auge schmeckt umso besser! Thrash, der die Synapsen durchrüttelt. Zu Ehren des Dongs durfte der Engel in jedem Fall nicht fehlen. Starker Auftritt. Leider auch der letzte.

Anschließend erfolgt die Rückkehr der Blödelbarden. Vor fünf Jahren triumphierten die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS auf dem Dong Open Air. Damals war es bei ihnen sogar voller als bei den später am Abend spielenden Headlinern. Zum Dong-Jubiläum soll diese Erinnerung aufgefrischt werden. Und abermals zieht das Katastrophenkommando die Besucher magisch an. Dem Bekloppten-Charme der Hannoveraner kann sich anscheinend kaum einer entziehen. Und selbst wenn einen der ulkige Mix aus Schlager und Grindcore kalt lässt, ist es alleine die Sensationslust, die viele Besucher dazu antreibt, sich das bunte Treiben auf der Bühne einmal genauer anzuschauen. Him, Scherzpapst der Grindfuckers, turnt im Leopardenmuster-Dress über die Bühne, sein nach Fußball-Schläger aussehender Grunzkollege blickt wütend in die Runde, nur um im nächsten Moment fröhlich das Tanzbein zu schwingen. Gespielt werden herrlich bekloppte, das Hirn zermürbende Songs wie „Looking For Grindcore“, „Halb & Halb“, „Grindcore Blitz“ und zum Abschluss „The Final Grindcore“. Gelacht wird dabei viel, getanzt auch. Und doch bestätigt die Band damit einmal mehr den Eindruck, dass man sich diese akustische Freakshow gerne eine Dreiviertelstunde lang live gibt, danach ist‘s aber auch genug. Das T-Shirt-Motiv der Band sagt es bereits: „Musik machen andere“.

DARK AGE machen sich in schicken Hemdchen gekleidet auf die Bühne, um die Leute mit ihrem Melodic Death Metal zu begeistern. Das Zelt ist gut gefüllt und die stylische Truppe rund um Fronter, Aushängeschild und Frauenschwarm Eike Freese zünden auf der Bühne ein musikalisches Feuerwerk, das aus Songs wie „Seven“, „Zero“ oder „Outside The Inside“ besteht. Dank der guten Songauswahl herrscht ausgelassene Mitgrölstimmung im Publikum und auch Sänger Eike gibt sichtlich alles, um die Fans zufrieden zu stellen. Zum Abschluss gibt es noch den Dark Age‘schen Evergreen „Suidcide Crew“ auf die Ohren und alle scheinen glücklich.

VAN CANTO gehören zweifellos zu den größten Aufsteigern, die es in den vergangenen Jahren in die Metal-Welt geschafft haben. Zwischen Rakka-Takka-Chören, melodischem Uh-Hu-Gesang und Dam-Dam-Dam-Bassstimme versucht die Truppe, die aus fünf Sängern und einem Drummer besteht, ihr Konzept des A-Capella-Metals an den Mann und (vor allem) die Frau zu bringen. Und in der Tat: Das Zelt ist gerappelt voll. Das mag sich auch durch den Hinguck-Faktor und die Sensationsgier der Besucher erklären lassen, denn vor allem wenn man die Truppe noch nie in Aktion erlebt hat, staunt man während der ersten paar Minuten nicht schlecht, wenn Gitarrensolos und Keyboard-Teppiche nur durch menschliche Stimmen simuliert werden. Das erste Staunen weicht aber schnell der blanken Ernüchterung. Das Konzept mag innovativ sein, dennoch würde jeder der Power-Metal-Eigenkompositionen mit einer anständigen Gitarre eine ganze Menge mehr Spaß machen. Die das Set abrundenden Cover-Versionen von unter anderem Manowar, Metallica und Nightwish wirken obendrein wie akustische Vergewaltigungen diverser Meisterwerke. Es hat schon seinen Grund, warum diese Stücke normalerweise mit richtigen Instrumenten dargeboten werden.

ROTTING CHRIST sind nach dem Vokal-Klamauk eine willkommene, seriösere Abwechslung. Die griechische Black-Metal-Speerspitze mag sich im Laufe der Spielzeit zwar in den eigenen Riffs verlaufen, grundsätzlich machen die Songs, die gerne auch musikalisch noch stärker mit griechischer Mythologie und Ästhetik liebäugeln dürften, aber Spaß. Sympathiepunkte gibt es vor allem für Fronter Sakis Tolis, der trotz gebrochenem Bein das Set durchzieht, auf einem Barhocker sitzend.

Still sitzen, das kann Mikael Stanne, Chef von DARK TRANQUILLITY, keinesfalls. Der blonde Schwede hat Hummeln im Hintern. Wie von der Tarantel gestochen eilt er über die Bühne, baut seinen Körper auf, tänzelt auf Zehenspitzen über die Bretter und bringt seine blonde Lockenpracht zum Rotieren. Die Energie springt dadurch binnen weniger Minuten über. Auch wenn das Dong-Publikum einen anstrengenden Tag hinter sich hat, werden noch einmal die Kräfte mobilisiert – zumindest in den vorderen Reihen. Dass die Songs der Schweden zwar in Live-Situationen zünden, aber grundsätzlich nur wenige Nummern dabei sind, die wirklich Hit-Potenzial haben, macht die Band durch ihre energiegeladene Show wieder wett. Fans freuen sich über „Terminus“, „The Endless Feed“, „Lost To Apathy“ oder „The Lesser Faith“, außerhalb ihres Genres gewinnen die Schweden aber kaum neue Fans dazu.

Tag 2, Samstag, 24. Juli

GUN BARREL eignen sich am frühen Morgen des zweiten Dong-Tages als hervorragende Katerkur für all jene, die am Vorabend zu tief ins Glas geschaut haben. Der Heavy Rock der Kölner wirkt durch sein On-the-road-Feeling wie eine angenehm kühle, aufweckende Brise. Gitarrist Rolf Tanzius ist abermals das charismatische Aushängeschild dieser Truppe und begeistert durch seine Solos und die lässige Gestik.

Die ungekrönten Meerjungfrauen selbstloser Brutal-Musik-Salven geben anschließend sich die Ehre. JACK SLATER überzeugen immer wieder durch ihre authentische Art, die fulminante Konsequenz in ihrer Selbstironie und nicht zuletzt ihre überdurchschnittliche Spielkunst. Philosophische Ansagen wie „Ihr seid jung, ihr seid hässlich, was macht ihr hier?“ regen die letzten noch nicht ertrunkenen Gehirnzellen zum freudigen Diskussionszirkel an. Songs wie „Eisenwichser“ oder die „Kinderfresser“-Partitur in zwei Akten verbreiten hingegen banalere Freude und Frohlocken. Zusammen entsteht das Yin und Yang des perfekten Auftritts, der schmackhafte Cocktail zum zweiten Dong-Tag. Zum Wohl!

INSIGNIUM gleichen weniger einem Cocktail, sondern eher einem Bier: Solide, wenig exotisch, bewährt und gerne konsumiert. Der Seitenableger von Nordafrost schwingt die Death-Black-Metal-Keule. Das Zelt ist zu diesem Zeitpunkt zwar kaum gefüllt, die wenigen Anwesenden schauen jedoch interessiert dem Treiben zu. Richtig wach werden diese jedoch erst, als die Band zum Abschluss Sodoms „Sodomized“ covert.

SYNASTHASIAs Auftritt gleicht eher einem Heimspiel und ist daher eine sichere Sache. Die Band genießt sichtlich ihren besonderen Status und feuert zu Beginn erst einmal Songs ihrer neuen Platte „Instructed By The Devil“ ins Publikum. Der Titel „In Beer We Trust“ wird auch gleich passenderweise an die Location angepasst und so singt das Publikum lautstark „In Dong We Trust“ mit. Ein weiteres Highlight ist die temporäre Wiedervereinigung mit einigen Ex-Mitgliedern der Band, um gemeinsam den Dongianern noch einmal ordentlich einzuheizen. Mit dem wunderschönen „Discovery Of The Mask“ und dem Klamauk-Song „I Want To Fuck You In The Ass“ wird schließlich das sympathische Set beendet.

Klamauk gibt es bei ORPHAN HATE nicht. Die Berliner hatten bereits im vergangenen Jahr beinharten Thrash Metal im Gepäck und entpuppten sich schon damals als eine der größten Überraschungen des Festivals – einen Status, den die Truppe mühelos verteidigen kann. Shouterin Sina Niklas verwandelt sich vom unscheinbaren Metal-Fan in eine wütende Fronterin mit viel Kraft in den Lungenflügeln und der richtigen Gestik, um die Zuschauer aufzupeitschen. Hinzu kommt Bassist Jan Sadler, der sich seinen Fünfsaiter besonders hoch angelegt hat und durch wilde Fingerübungen brilliert. Kurzum: Mission erfüllt, Orphan Hate zählen auch 2010 zu den Höhepunkten des Festivals.

Zu diesen zählen RAINTIME nicht. Die Italiener spielen zwar durchaus ambitioniert auf, in ihrem Wust aus Power-Metal-Strukturen und viel Melo-Death-Riffing inklusive etlicher Keyboard-Teppiche, findet sich jedoch kaum ein Moment wieder, in dem sich die Band abheben kann.

ELVENKING heben sich hingegen durchaus ab – in erster Linie durch ihren typisch italienischen Kitsch. Die Folk-Klänge, gepaart mit viel Power Metal, wirken zum Teil schon so klebrig, dass man es der Truppe kaum noch übel nehmen kann. Dennoch erfordert es viel Kitsch-Toleranz, um sich hier vollkommen drauf einlassen zu können. Handwerklich lässt sich der Band jedoch kaum etwas vorwerfen. Als auch noch zwischendurch Skyclads Georgina auf die Bühne kommt, um die Band zu unterstützen, ist der Jubel groß.

Gastbeiträge haben PERSEFONE nicht nötig, um zu begeistern. Das erledigt der progressive Melo-Death von ganz alleine. Die zum Teil schwer zu verdauende Mixtur ist zwar nicht für jeden etwas, doch vor allem Technik-Fetischisten schauen hier begeistert zu. Für viel Freude sorgt auch das abschließende Star-Wars-Medley.

Kontrastprogramm: Nach dem Technik-Spektakel geht es bei DEBAUCHERY sehr viel weniger technisch versiert, dafür frontal und rockig zu. Blutüberströmt und mittlerweile als Trio agierend tritt die Band um Thomas Gurrath den Anwesenden in die Eier. Der Mix aus Death Metal und Rock‘n‘Roll-Riffs sowie einer gewaltigen Portion Groove zündet von Sekunde eins an. Songs wie „Blood For The Blood God“ oder „Back In Blood“ werden von den Fans, die die ersten Reihen bevölkern, lautstark gefordert. Thomas erfüllt die Wünsche gerne. Vor ihm liegt keine Setlist, die er blind herunterspielt. Stattdessen wird den Zuschauern die Wahl gelassen. Das Resultat aus dieser Kollaboration ist eine starke Setlist, die sowohl neuere Songs („Death Metal Warmachine“) als auch ältere Klassiker („Kill Maim Burn“) berücksichtigt.

Ein Highlight folgt aufs nächste: Die GRAILKNIGHTS erobern abermals den Donghügel. Mittlerweile ins späte Nachmittagsprogramm vorgestoßen, ist es auch in diesem Jahr bei keiner anderen Band so voll wie bei den Melo-Death-Superhelden. Zugegeben: Ein bisschen albern ist das Gepose, die Show mit all den Orks, Pferden und Verkleidungen schon. Aber eben auch unterhaltsam. Und es scheint sich auszuzahlen, Woche um Woche den Superhelden zu markieren: Mittlerweile hat die Band professionell angefertigte Rüstungen, zum Teil speziell angefertigte Instrumente und eine Heerschar an Fans, die mit fast schon religiösem Eifer die Schlachtrufe des Quartetts erwidern. Erklären lässt sich das auch dadurch, dass die Band nicht nur viel fürs Auge bietet, sondern auch richtig gute Songs, wie „When Good Turns Evil“ oder „Moonlit Masquerade“ dabei hat, die mit viel Epik und Melo-Death-Härte überzeugen können.

Danach ist es Zeit für den Besuch der Hausband: SKYCLAD sind wieder da. Vielen ein nerviger Dorn im Auge, ein Unkraut, das vom Dongberg nicht mehr weg zu bekommen ist. Immer das alte Lied – doch zum Glück haben Skyclad nicht nur eins davon: „Thinking Allowed“ oder „Spinning Jenny“ bringen den Saal zum Tanzen. Dieses Unkraut wird niemals vergehen! Zu Ehren des Jubiläums schlägt sich Liehr auch noch mal an den Drums und lässt damit einen lang gehegten Wunsch wahr werden. Skyclad sind und bleiben ein Unikat – live wie auf Platte. Traditionell, origineller und authentischer wirkt kaum eine Folk-Band.

Das Ende naht: Als letzte Band des Festivals stehen schließlich nach einer schier endlosen Umbaupause DIE APOKALYPTISCHEN REITER in den Startlöchern. Der Auftakt glückt: Während ein episches Intro vom Band dudelt, Dr. Pest sein Sadomaso-Outfit enthüllt und die Band unter schummerigem Licht  die Bühne betritt, spricht Fuchs vom Bühnenrand ein Intro, bevor mit „Wir sind das Licht“ all die aufgestaute Energie entfesselt wird. Bassist Volk-Man eilt in Windeseile über die Bühne, schleudert seine lange Matte über die Schultern. Fuchs galoppiert wie ein Pferd von links nach rechts, strahlt dabei wie ein Honigkuchenpferd und weicht nur knapp Keyboarder Dr. Pest aus, der die ersten Reihen mit seiner Peitsche malträtiert, wenn er nicht gerade hinter seiner Sadomaso-Keyboard-Schaukel Platz nimmt. Eineinhalb Stunden lang fahren die Reiter einen Hingucker nach dem nächsten auf. Bei „Roll My Heart“ werden große Luftballons in die Menge geschmissen, während „Revolution“ lässt sich Fuchs in die Höhe schrauben und wedelt eine Fahne über den Köpfen der Besucher. In das Set haben sich zwar auch so Rohrkrepierer wie „Der Seemann“ eingeschlichen, Entschädigung erfolgt jedoch in Form von „Der Wicht“, „We Will Never Die“, „Reitermania“ und zu guter Letzt „Unter der Asche“ sowie „Metal Will Never Die“. Dass die Reiter damit lediglich ihr routiniertes Programm abspulen, vertuschen die Jungs aus Weimar mit viel Energie und zur Schau gestellter Spielfreude gekonnt. Und vielleicht macht ja das einen würdigen Headliner aus?

Diese Frage beschäftigt allerdings nur wenige, als nach neunzig Minuten Reitermanie Schluss ist. Im Zelt herrschen nach so viel Action beinahe tropische Temperaturen. Abkühlung verschafft die Nachtluft auf dem Dongberg, wo das zehnte Dong Open Air sein Ende findet. Mit dabei waren:

Dorian Gorr, Jenny Bombeck, Benjamin Gorr & Elvis Dolff

CD-Review: Jon Oliva’s Pain – Festival

März 14th, 2010

Power Metal

JON OLIVA‘S PAIN
Festival
10 Songs (44:50) / erschienen am 5.2. (AFM|Soulfood)

Vielleicht habe ich im Vorfeld zu viel von diesem neuesten Streich des Mountain Kings erwartet. Nach dem Vorgänger „Global Warning“ hatte ich allerdings auch allen Grund dazu. Dieses Album präsentierte einem Hit auf Hit und eine nachvollziehbare, nicht zu verwirrende Weiterentwicklung von Savatage in eine neue Band, die unter Jon Olivas Schirmherrschaft triumphiert. Leider ist „Festival“ kein mit „Global Warning“ vergleichbares Werk geworden. Natürlich sind Jons Songwriting, die einzigartigen Solos, die Keyboard-Arrangements und Jons Stimme erhaben und den meisten Konkurrenten meilenweit voraus, aber auf dem Album fehlen mir durchschlagende Ideen. Songs wie „Adding The Cost“, die einen gepackt und tagelang nicht mehr losgelassen haben. Das Album hat ein paar gute Momente, ein paar gute Ideen, das versteht sich von selbst. Aber von einem Mastermind, einem Genie und musikalischem Vordenker wie Jon Oliva erwarte ich, dass er diese dem Hörer noch besser zuspielt, noch eindeutiger in Szene setzt und dadurch unwiderstehlicher macht. Auf „Festival“ muss man schon bewusst suchen, die Songs durchwühlen, bis man die gewünschten Passagen findet und diese Songs dann aus dem für Oliva-Verhältnisse durchschnittlichen Rest herauspickt. Tollste Songs sind „Death Rides A Black Horse“, „Living On The Edge“ und das verspielte „Afterglow“. Anhören kann man sich „Festival“ zweifellos, mit den Vorgängern kann es aber nicht mithalten.
7 / 10 (Dorian Gorr)

Wacken Open Air: Bandbestätigung

März 8th, 2010

Das allseits beliebte Festival konnte heute wieder Bandzuwachs verkünden: Fear Factory werden dieses Jahr die W:O:A-Stage entern.

Quelle: www.wacken.com

XVII. With Full Force

März 6th, 2010

Für das With-Full-Force 2010 wurden vier neue Bands bestätigt:

Exodus

Mustasch

Keep Of Kallessin

Venom!!!

Quelle: with-full-force.de