Posts Tagged ‘Hannover’

Live: Kyuss Lives! in Hannover, Capitol

August 1st, 2011

Kyuss Lives! live in Hannover

KYUSS LIVES
(+ BURDEN)

28.6. – Hannover, Capitol

Text & Foto: Dorian Gorr

Ursprünglich stand Hannover gar nicht auf dem Tourplan der Reinkarnation von Kyuss. Als dann jedoch fast alle Shows schon Monate vor Tourbeginn ausverkauft waren, entschieden sich Booker und Band dazu, weitere Shows zu buchen. Dass das keine schlechte Idee war, beweist eine schier endlose Masse an Menschen, die sich vor dem Capitol dicht an dicht drängen. „Hast du noch was zu dampfen?“, fragt ein Dreadlockträger. Na, das kann doch nur ein super Abend werden.

Doch bevor sich die Großmeister des Stoner-Rocks die Ehre geben, dürfen Burden ran. Wie schon bei vielen vorherigen Shows, trifft die Musik der Jungs den Geschmack vieler Besucher, aber etliche scheinen auch sichtlich gelangweilt zu sein. Das sind vor allem diejenigen, die mit der härteren musikalischen Ausrichtung der Band nicht viel anfangen können. Sänger Thorsten schafft es leider obendrein nicht, eine Bindung zum Publikum aufzubauen. Fast tollpatschig stammelt er sich konzeptlos durch seine Ansagen. Wirklich folgen kann man dem Gerede nicht. Selbst wenn man nicht weggedampft ist.

Ewig lange wirkt die anschließende Umbaupause. Das ist besonders dann ärgerlich, wenn auf der Bühne akut nichts passiert. Alibimäßig schleicht immer wieder ein Roadie zum Drumset, dreht ein paar Schrauben fest, bevor es in die nächsten fünf Minuten Wartezeit geht, nach deren Ende der Roadie abermals dran muss – gegen Ende gar unter den Pfiffen der Kyuss-Fans. Als es dann schließlich soweit ist, setzt John Garcia abermals alles daran, sich für die Auszeichnung des arrogantesten Fronters der Welt zu qualifizieren. In den fast zwei Stunden Konzert gibt es eine einzige Ansage, die da lautet: „Thanks for coming. Goodbye.“ Bis zu diesen finalen Worten, die wie üblich nach „Green Machine“, einzige Zugabe und Überhit zugleich, erklingen, bleibt John stumm. Zumindest zwischen den Songs, die aber auch oft fließend ineinander übergehen. Während der Songs zeigt er jedoch sein geballtes Können. Stimmlich hat der Wüstensohn kein bisschen nachgelassen. Nur bei sehr schnell gesungenen Passagen kommt John heute ein oder zwei Mal nicht hinterher und verheddert sich. Ansonsten ist das mustergültig – ganz im Gegensatz zu seiner sonstigen Performance. Sobald sein Gesang nicht gefordert ist, dreht er sich mit dem Rücken zum Publikum und starrt den großen Marshall-Verstärker an. Ab und an starrt er emotionslos durch seine große Sonnenbrille in die Menge, die zu den schweren Bassklängen tobt und schwitzt. Ein leichtes Mitwippen mit der Hüfte, das ist alles, was John an Stageacting zu bieten hat.

Man würde sich fast wünschen, dass man ihm das als Schüchternheit auslegen kann. Vielleicht würde die unterkühlte Performance dann etwas sympathischer rüberkommen. Andererseits: Irgendwie muss ein John Garcia ja auch unantastbar, arrogant und eben scheißcool wirken. Zumal man sich an dem Gehabe nicht so sehr stören könnte, dass es einem den Spaß an dem ansonsten hervorragenden Auftritt verderben könnte. Die Setlist ist mit „Gardenia“, „Thumb“, „Freedom Run“ und „El Rodeo“ absolute Spitzenklasse, Bruno Feveris Selbstbewusstsein scheint in den vergangenen Monaten auf ein gesundes Level gewachsen zu sein und Bass-Monster Nick Oliveri ist ohnehin einer der coolsten Bartträger unter der Sonne. Da kann nicht viel schief gehen. Nicht mal mit einem Fronter, der fast durchgehend so wirkt, als sei er gerade lieber woanders.

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Live: Nile & Melechesh in Hannover

Februar 27th, 2011

NILE
(+ MELECHESH + DEW-SCENTED + ZONARIA + DARKRISE)

16.2. – Hannover, Musikzentrum

Text & Foto: Dorian Gorr

Fast drei Wochen lang waren Nile und Melechesh in Deutschland unterwegs, den vorläufigen Abschluss soll der Auftritt in Hannover markieren. Doch vor allem DARKRISE und ZONARIA hätten sich ihren Abschied von der Tour mit Sicherheit glorreicher vorgestellt. Beide Bands beißen sich am heutigen Publikum die Zähne aus und stauben mit langweiliger Musik nur Höflichkeitsapplaus ab.

Dass die Besucher sehr wohl scharf auf eine gepflegte akustische Abrissbirne sind, beweisen DEW-SCENTED binnen weniger Sekunden. Die erkältete Front-Bazillenschleuder Leif Jensen hat das Publikum von Beginn an fest im Griff. Als die beiden Hauptacts an die Reihe kommen, ist die Stimmung längst euphorisch. MELECHESH genießen mit ihrem orientalischen Einschlag den Exotenbonus und schöpfen diesen Vorteil voll aus. Fronter Ashmedi zaubert gleichermaßen Black-Metal-Riffs sowie mittelöstliche Folklore-Melodien aus dem Handgelenk und zieht mit seinen Posen die Blicke auf sich. Doch Posen haben Melechesh gar nicht nötig. Die Musik alleine ist so raffiniert, dass das Drumherum an Bedeutung verliert.

Derart gut vorgewärmt, ist es eigentlich schade, dass sich NILE lange Zeit lassen, ehe sie auf die Bühne kommen. Hat man sich zwischen den technischen Kabinettsstückchen zurecht gefunden, weiß man gar nicht, woran man sich ergötzen soll. Von drei Fronten aus brüllen einen Karl Sanders, Dallas Toler-Wade und Chris Lollis in unterschiedlichen Tieflagen zusammen. Schlagzeuger George Kollias inspiriert mit seinem rasanten, taktgenauen Geprügel Teile der ersten Reihe zu wildem Air-Drumming. Als nach einer guten Stunde anspruchsvollstem Death Metal Schluss ist, klatscht Sanders die vordere Reihe ab, verteilt Plektren und strahlt bis über beide Ohren. Nachdem das Konzert so zäh begonnen hatte, war auch er von der Euphorie sichtlich überrascht.

Live: Neckbreaker’s Ball in Hannover, Musikzentrum

Januar 30th, 2011

Kataklysm live in HannoverNECKBREAKER‘S BALL
(KATAKLYSM + LEGION OF THE DAMNED + EQUILIBRIUM + MANEGARM + MILKING THE GOAT MACHINE)

19.1. – Hannover, Musikzentrum

Text & Fotos: Dorian Gorr

Manch ein Heavy-Metal-Hardliner unkte im Vorfeld über das bunt gemischte Billing. Die populären Bands aus Thrash, Death und Viking Metal wollten für viele nicht zueinander passen. Doch der Plan der Veranstalter scheint aufzugehen: 500 Besucher zieht das Paket in Hannover an, die von MILKING THE GOAT MACHINE und ihrem äußerst bekloppten Ziegen-Death-Grind begrüßt werden.
Der Kontrast folgt binnen weniger Minuten: Mit MANEGARM steht die zweifellos melodischste Band des Abends auf den Bühnenbrettern. Der Sound ist anfangs zwar zu sehr vom Bass dominiert, die paganen Hymnen wärmen trotzdem gut auf, können aber trotz ulkig herumtapsenden Wuschelkopf-Geiger nicht mit dem Partyfaktor von EQUILIBRIUM mithalten. Deutschlands derzeit populärste Viking-Metal-Band lässt die Besucher hüpfen, tanzen und die Fäuste gen Decke richten. „Blut Im Auge“, „Der Sturm“, „Der Ewige Sieg“ und „Unbesiegt“ versorgen die Anwesenden mit teils beschämend viel Pathos, treffen aber damit den Nerv der Zuschauerschaft, die zu „Met“ fröhlich im Kreise tanzt und der es egal ist, dass alle Synthesizer und Keyboards komplett vom Band kommen.
Wirklich interessant wird es allerdings erst, als LEGION OF THE DAMNED die Bühne unter dem okkulten Intro des neuen Albums „Descent Into Chaos“ entern. Maurice Swinkels und seine Thrash-Truppe mögen auf Platte ab und zu etwas zu monoton wirken, live entfachen die Niederländer allerdings ein Feuerwerk, das einem die Sprache verschlägt. Wie eine Dampfwalze überrollt einen der aufgedrehte Bass und setzt die Nackenmuskulatur in Bewegung. Maurice gibt dazu die charismatisch-okkulte Rampensau und ist sich für keine Pose zu schade, während „Cult Of the Dead“, „Killzone“, „Death Heads March“ und „Son Of The Jackal“ die Nacken brechen. Der Funke springt schnell über: Binnen weniger Minuten startet eine Welle aus (teils nervig betrunkenen) Stagedivern, die im Sekundentakt auf die Bretter klettern, um anschließend wieder in die Menge zu segeln – manch eine unsanfte Landung inklusive.
Eigentlich müssten sich KATAKLYSM nach einem derartig aufgeheizten Thrash-Spektakel kampflos geschlagen geben. Tun sie aber nicht. Und sie tun gut daran, denn der Hyperblast-Death-Metal der Kanadier räumt nach nur wenigen Minuten alles ab. Klar, die Drums sind getriggert, aber lässt man dieses technische Hilfsmittel einmal außer Acht, liefert die Band um Frontkante Maurizio Iacono eine astreine Show ab. Der Sound knallt, Maurizio zeigt sich fanfreundlich, begrüßt jeden Stagediver auf der Bühne mit Handschlag und schreit sich ganz nebenbei die Lungenflügel während Songs wie „In Shadows And Dust“, „Serenity And Fire“ und „As I Slither“ wund. „Hannover, you‘re on fire“, ist der breitschultrige Kanadier scheinbar selbst von dem leidenschaftlichen Zuspruch überrascht. Als Dank gibt es „The Night They Returned“, einen Song, den die Band noch nie live gespielt hat, der allerdings nicht ganz so gut ankommt, wie die eingespielten Bandklassiker der Marke „Crippled And Broken“. Angriffsfläche lässt der Auftritt kaum zu – sieht man einmal von den Trigger-Drums ab. Spielfreude, Hits, euphorische Fans – Kataklysm sind in der Form ihres Lebens.

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Live: Molly Hatchet in Hannover, Capitol

Dezember 22nd, 2010

Molly Hatchet live in HannoverMOLLY HATCHET
(+ TIMMY ROUGH)

15.12. – Hannover, Capitol

Text: Dorian Gorr
Foto: Stefan Junge

Southern Rock gehört keinesfalls zu den beliebtesten Musikrichtungen der deutschen Rocklandschaft. Während die Bands in den USA mühelos riesige Hallen füllen, schaffen Bands wie Lynyrd Skynyrd es hierzulande meist „nur“ rund 4000 Zuschauer anzulocken. Schwere Ausgangsvoraussetzungen also für Molly Hatchet, die ohnehin hierzulande nicht so populär sind wie ihre Kollegen. Und der Auftritt in Hannover wird zusätzlich erschwert: Draußen tobt ein Schneesturm und es ist mitten in der Woche. Dass das Capitol heute seine 1600 Plätze nicht ansatzweise füllen wird, scheint schon im Vorfeld offensichtlich. Doch die Band nimmt es gelassen. Ihre Vorband TIMMY ROUGH lockert das Publikum mit Schmuse-Songs, Country-Gitarre, AC/DC-Riffs und schließlich einer sehr überzeugenden Version von Led Zeppelins „Rock’N’Roll“ gekonnt auf.

Sind die Haare eigentlich schon grau oder nur wirklich hellblond? Genau lässt sich diese Frage bei Bobby Ingram, Gitarrist, Songwriter, Chef und Sprachrohr von MOLLY HATCHET, nicht beantworten. Dass die Jungs in die Jahre gekommen sind, merkt man ihrem Äußeren mittlerweile an – glücklicherweise nur ihrem Äußeren. Sänger Phil McCormick schiebt mittlerweile eine überaus stattliche Bierwampe vor sich her. Dave Hlubek, Lead-Gitarrist und Gründungsmitglied, sieht aus wie ein verschlafener, überaus korpulenter Trucker und Keyboarder John Galvin sieht mit Sonnenbrille und steifer Mimik aus wie eine Götzenstatue, die man hinter dem Keyboard positioniert hat – mehr Bühnendeko als mitwirkender Musiker. Und doch: Molly Hatchet haben es noch. Das Gefühl für den erdigen Rock’n’Roll ist der Band aus Jacksonville nicht abhanden gekommen. Bobby Ingram spielt verflucht krasse Solos, Phil McCormick wirkt zwar immer etwas ungestüm auf der Bühne, strapaziert aber anderthalb Stunden sein geschwollenes Organ ohne qualitative Einbußen zu erfahren. „Whiskey Man“, „Beating The Odds“ und „Been To Heaven, Been To Hell“ würden Staub aufwirbeln, wenn denn welcher im Capitol liegen würde.

Ihre Zugehörigkeit zur Heavy-Metal-Szene drücken die Jungs dadurch aus, dass „Gonna Live Til I Die“ Ronnie James Dio, der ein langjähriger Freund von Bobby Ingram war, gewidmet wird. Phil reckt dazu die Pommesgabel in die Luft. Zwischendurch wird noch die Südstaatenflagge herausgeholt und Schlagzeugmonstrum Shawn Beamer spielt ein eher belangloses Drum-Solo. Vom neuen Album werden noch „Deep Water“, „Vengeance“ sowie der Titeltrack „Justice“ präsentiert. Unbestrittenes Highlight ist dennoch das Cover von Lynyrd Skynyrds „Free Bird“, dem vielleicht großartigsten Rock-Song aller Zeiten, dessen ewig lange Solopassagen Molly Hatchet fast so genial wie die Meister selbst darbieten. Beeindruckend. Nach dem abschließenden „Flirting With Disaster“ muss man da erstmal durchatmen.

Live: Frames

März 29th, 2010

Hermelin live in Hannover

FRAMES
(+ HERMELIN)

26. März – Hannover, Béi Chéz Heinz

Text & Foto: Dorian Gorr

Keine Frage, so ein Abend ist eine Herausforderung: Ein Konzert, bestehend aus zwei Bands, die beide keinen Sänger in ihren Reihen haben, sondern lieber die Instrumente sprechen lassen, ist ein ungewöhnliches Programm und bedarf einiger Arbeit, um wirklich alle Anwesenden mitreißen zu können. Grund für diese außergewöhnliche Instrumental-Parade ist der Release des Debütalbums von Frames.

Verstärkung hat sich die Band in Form von HERMELIN geholt. Dass beide Bands aus Hannover kommen, scheint dem Band-Duo zum Vorteil zu gereichen: Das Béi Chéz Heinz ist besser gefüllt, als es die Band selbst erwartet hatte. Dennoch halten die Anwesenden noch einige Reihen Sicherheitsabstand, als Hermelin mit geballter Wucht loslegen. Dabei macht vor allem der Gitarrist auf der linken Bühnenhälfte eine unglaublich beeindruckende Figur. Absolut in die eigenen Kompositionen versunken, spielt er sich noch stärker als seine Bandkollegen in einen totalen Rausch und fällt dabei mehrfach beinahe zu Boden. Leider ist der dargebotene Auftritt zu kurz, der ein oder andere Kracher der Band hat hier definitiv noch gefehlt, zumal die Band anfangs Startschwierigkeiten hat. Überraschung des Abends ist der kurze vokalistische Gastbeitrag während eines Songs, der andeutet, dass die Musik von Hermelin auch mit Gesang nicht übel klingen würde. Schade nur, dass die Bühnenprojektion, die eigentlich eine wunderbare, ergänzende Einheit zu der verspielten Musik darstellt, an den linken Bühnenrand verbannt wurde, sodass ein Großteil der Anwesenden diese nicht wahrnimmt.

Anschließend wollen die Gastgeber nicht auf sich warten lassen: FRAMES setzen da an, wo Hermelin aufgehört haben, schreiten dabei aber weniger ekstatisch und in die Musik hineingesteigert zur Tat, sondern vertrauen mehr auf Melodien, die hier unter anderem auch von einem Keyboard beigesteuert werden. „Fronter“ Jonas Meyer, auf den ein Großteil der Kompositionen zurückgeht, gibt sich dabei schüchtern und von den Publikumsreaktionen gerührt. Dass die Band noch relativ jungen Alters ist, merkt man dem Jungspund unter anderem bei seinen Ansagen an. Dass sich der Gitarrist mehrfach verhaspelt und wieder und wieder seinen herzlichsten Dank fürs Kommen ausspricht, macht die Band aber auch irgendwie sympathisch. Und spätestens wenn Jonas nicht mehr das Mikrofon vor der Nase hat, blüht auch er auf. Frames brauchen nun mal keine Worte, sondern lassen lieber die Songs ihres heute erscheinenden Albums „Mosaik“ sprechen. Dabei stellt sich lediglich gegen Ende ein kleiner Abnutzungseffekt ein. Nach über zwei Stunden instrumentalem Progressive Rock wäre ein bisschen Gesang zur Abwechslung doch ganz nett gewesen.

Live: Dark Funeral

März 29th, 2010

Dark Funeral live in Hannover

DARK FUNERAL
(+ ZONARIA + CARACH ANGREN + NEFARIUM)

9. März – Hannover, Musikzentrum

Text & Fotos: Dorian Gorr

Hannover hat nicht gerade den Ruf, eine Hauptstadt des extremen Metals zu sein. Umso schöner, dass der schwarze, von Dark Funeral angeführte Kreuzzug einen Stopp im Musikzentrum eingeplant hat. Ob sich die Landeshauptstadt für zukünftige Black-Metal-Touren weiterempfiehlt, steht jedoch auf einem anderen Blatt: Als NEFARIUM mit rasantem Gebolze loslegen, recken nur ein paar enthusiastische Fans die Teufelshörner gen Himmel.
Für deutlich mehr Stimmung sorgen CARACH ANGREN. Trotz Soundmatsch, der von überpräsenten Synthesizern dominiert wird und dabei die Gitarren in den Hintergrund drängt, kommt der verspielte, symphonisch aufgeladene Black Metal so gut an, dass die Niederländer nach ihrem Auftritt fleißig Autogramme schreiben müssen.
Weiter geht es mit ZONARIA. Diese hüllen als einzige Band des Abends ihre Gesichter nicht in Schwarz-Weiß. Auch musikalisch fällt der melodische Mix aus Black und Death Metal aus dem Rahmen, dank motivierter Performance, inklusive einem Vier-Mann-Synchronpropeller, können die Schweden aber überzeugen.
Motivierte Performance ist ohnehin das entscheidende Stichwort des Abends, denn eine solche zeigen DARK FUNERAL keineswegs. Ob es der Band stinkt, dass sich nur 120 Gäste eingefunden haben? Sind die Kojen im Tourbus oder die engen Lederrüstungen ungemütlich? Keine Ahnung. Fakt ist jedoch: Die oft zitierte Musikerfloskel, dass man auch für eine Handvoll Zuschauer alles geben würde, trifft heute nicht zu. Wie angewurzelt verharren die Schweden auf ihren Positionen und ziehen ihr standardisiertes Programm durch. Bassist B-Force wackelt müde mit dem Kopf, Lord Ahriman starrt auf sein Griffbrett, auf dem seine Finger ihr Fitnesstraining durchführen. Der Draht zum Publikum fehlt vollkommen. Selbst Sprachrohr Emperor Magus Caligula hält sich zurück. Klar, die Songs werden angesagt und sich auch nach jeder Nummer artig bedankt, aber ansonsten gibt sich der Dark-Funeral-Sänger ungewöhnlich wortkarg. Das Publikum trägt zusätzlich dazu bei, dass die ohnehin scheinbar kaum vorhandene Motivation der Band in den Keller sinkt. Die meisten der 120 Besucher verharren trotz druckvollem Sound stillschweigend auf ihren Plätzen, nur wenige strapazieren ihren Nackenmuskel zu Klassikern wie „The Arrival Of Satan’s Empire“, „Ravenna Strigoi Mortii“ oder „Bloodfrozen“, die sich mit neueren Songs (unter anderem „My Funeral“) abwechseln. Dass die Band nach dem abschließenden „My Latex Queen“ tatsächlich keinen Bock mehr hat, Hannover weiterhin zu bespaßen, zeigt der Abgang. Nach nur einer knappen Stunde Spielzeit verdrücken sich Dark Funeral und kommen trotz Zugabe-Forderungen nicht mehr auf die Bühne. Laut offiziellem Ablaufplan hat das Quintett noch eine halbe Stunde zu spielen, doch das minutenlange Skandieren des Bandnamens wird schließlich nur mit dem Angehen der Lichter belohnt. Schade, ihre wirklich großen Hits hatten die Schweden vermutlich für den Zugabeblock geplant und sammeln damit bei einigen Anwesenden erhebliche Minuspunkte.

Live: Manowar

Februar 13th, 2010

Manowar live in Hannover

MANOWAR
(+ HOLYHELL + METALFORCE)

30. Januar – Hannover, AWD-Hall

Text & Foto: Dorian Gorr

Band oder Medienunternehmen? Mittlerweile ist bei Manowar nicht mehr ganz klar, in welche Kategorie die selbstgekrönten Könige des Heavy Metals fallen. Während Umbaupausen bei herkömmlichen Konzerten mit x-beliebiger Musik aus der Konserve gefüllt werden, kriegt man bei Manowar (unfreiwillig) einen hochtechnisierten Multimedia-Werbeblock geboten. Autogrammstunden werden angekündigt, Trailer für das kommende Album, das auf den Titel „Asgard Saga“ hören wird, abgespielt, Vorberichte für das nächste Magic Circle Festival gezeigt und Werbung für den von Magic Circle Music entwickelten Metal-On-Demand-Service gemacht.

Wer nach so viel Werbung endlich Musik hören will, den empfangen METALFORCE mit der ersten Portion True Metal des Abends. Eigenständigkeit ist zwar nach wie vor ein wenig beachteter Faktor im Soundbild der Band (Sänger Tarek kleidet sich und gestikuliert wie Eric Adams), doch Songs wie „Metal Law“ sorgen für klischeehaften Spaß.

Die anschließenden HOLYHELL entpuppen sich als ein Nightwish-Klon, dem Tuomas Huolopainens Songwriter-Talent fehlt. Sängerin Maria Breon mag zwar noch so oft die Pommesgabel zeigen, darüber hinwegtäuschen, dass hier zeitweise Playback-Unterstützung die bejubelte Atmosphäre erzeugt, kann das jedoch nicht. Für weitere Hingucker sorgen jedoch die Solofertigkeiten von Gitarrist Joe Stump, Rhinos maschinell-genaues Schlagzeugspiel und nicht zuletzt Keyboarder Allessandro, der in einem spontanen Rockstar-Anfall ein Keyboard samt Ständer zu Boden tritt, als dass Instrument nicht so will wie er es gerne hätte. Abschließend gibt es noch eine ungeforderte Zugabe in Form von Pat Benatars „Heartbreaker“, das jedoch unter der merkwürdigen Aussprache Marias leidet.

Was folgt ist gleichermaßen überraschend wie Blasphemie: Nach dem Gänsehaut erzeugenden Ben-Hur-Intro folgt nicht das obligatorische „Manowar“. Stattdessen bleibt der Vorhang, der vor der Bühne aufgespannt wurde, geschlossen und erst als Eric Adams Stimme zu „Call To Arms“ einsetzt, fällt der Vorhang und offenbart den Blick auf die in Leder gekleideten Herren.
Auffällig: Übermäßige Bühnenaufbauten haben MANOWAR weggelassen. Bot man den Fans vor drei Jahren noch Wikingerschiffe und Dekoration, haben sich die New Yorker heute auf die wesentlichen Bühnenelemente beschränkt: Vier Musiker. Wobei schnell deutlich wird, dass Aushilfsschlagzeuger Donnie Hamzik, der den abermals ausfallenden Scott Columbus ersetzt, keinesfalls den gleichen Status wie Rhino, den man erst wenige Minuten vorher mit HolyHell sah, hat. Kein Spot beleuchtet den Drummer, von dem man außer dem wackelnden Wuschelkopf eh nicht viel sieht und auch wenn solches Verhalten unangebracht scheint, ist offensichtlich, dass er keinesfalls mit dem routiniert-soliden Input eines Scott Columbus oder den Double-Bass-Attacken eines Rhino mithalten kann.

Routiniert ist ein Stichwort, das heute einen großen Teil der Show treffend beschreibt. Vor allem Karl Logan wirkt so, als wäre er mit den Gedanken noch im Backstage-Raum, aber nicht vor über 2000 Zuschauern. Die Setlist müsste ihm jedoch im Gegensatz zu manch einem alt-eingefleischten Fan gut gefallen: Beinahe alle Songs, die heute gespielt werden, sind entstanden, als er schon Teil der Band war. Für Manowar-Fans der ersten Stunde ist diese Erkenntnis ein kleiner Schock. Nur drei Songs, die vor „Warriors Of The World“ geschrieben wurden, haben sich in die zweistündige Setlist eingeschlichen. Dabei müssten selbst die Könige selbst merken, dass es Songs vom Formate „Kings Of Metal“ sind, die für ordentlich Partystimmung vor der Bühne sorgen. Dass neue Songs, wie „Let The Gods Decide“, „Sleipnir“, „Loki God Of Fire“ oder „God Or Man“ gespielt werden, scheint ja durchaus Berechtigung zu haben – zumal manche Songs, beispielsweise „Sons Of Odin“, „Die With Honor“ oder „Hand Of Doom“, durchaus viel Spaß machen – aber Manowar übertreiben es heute.

Zumindest eines ist beim alten geblieben: Joey kann es auch heute nicht lassen, schwungvolle Reden zu halten. Dass diese zumindest anfangs fast komplett in brüchigem Deutsch gehalten werden, kann bei einigen Anwesenden punkten. Inhalt der Reden: Brüste von Mädchen in der ersten Reihe, Anleitung, um Posern „Fuck You“ zu sagen und natürlich das obligatorische Tutorial, das zeigt, wie ein richtiger True Metaller Bier trinkt. Das ebenfalls obligatorische Bass-Solo ist übrigens eine wunderbare Gelegenheit, um sich selbst ein Bier zu besorgen.

Mit ordentlich Bier wird auch der Jungspund aus der ersten Reihe eingedeckt, der genug Mumm hat, um zu „The Gods Made Heavy Metal“ auf die Bühne zu klettern und den Spott zu ertragen, der ihm von Joey DeMaio entgegengebracht wird, als dieser das Wacken-Shirt sieht. Doch die Wiedergeburt steht bevor: Ein gekipptes Bier und ein Shirt-Wechsel später wird dem Jüngling eine Gitarre von Karl Logan umgehangen und siehe da: Während dieses Spiel bei den meisten Manowar-Auftritten zum Fremdschäm-Moment avanciert, kann der Nachwuchs, der sich heute auf die Bühne getraut hat, ganz ordentlich rocken. Übermäßig viel Ablenkung durch sich entkleidende Frauen gibt es allerdings auch nicht. Die drei Teenager-Damen, die sich Joey aus dem Publikum herausgepickt hat, machen keine Anstalten sich auszuziehen oder den Gitarrero anzuheizen. Stattdessen wird von einem Bein aufs andere gewippt, während die Damen synchron zaghaft an ihrem Bier nippen.

Dass das nicht unbedingt die Partystimmung anheizt, erklärt sich von selbst, aber dafür sorgt das Finish. Bei „House Of Death“ verschluckt Eric zwar mittlerweile einige Silben, aber „Warriors Of The World United“ und „Black Wind, Fire And Steel“ sorgen nochmal für viel Partystimmung, bevor die „magic night“ (O-Ton Eric) in „Mannover“ (O-Ton Joey) dem Ende entgegenschreitet. Fazit: Für das Geld wäre mehr Show und vor allem einige Klassiker mehr schön gewesen. Laune machen Manowar jedoch trotzdem immer, auch wenn sie routiniert neue Songs darbieten.

Setlist Manowar:
Call To Arms
Hands Of Doom
Kings Of Metal
God Or Man
Swords In The Wind
Bass Solo
Die With Honor
Let The Gods Decide
Die For Metal
Sons Of Odin
The Gods Made Heavy Metal
Sleipnir
Loki God Of Fire
Thunder In The Sky
Warriors Of The World United
—————————-
House Of Death
Black Wind, Fire And Steel