Posts Tagged ‘Iced Earth’

Feuer frei: Die Metalnews des Tages – 24. Januar 2012

Januar 24th, 2012

1. Iced Earth feiern Video-Premiere

Das neue Musikvideo zum Song “Anthem”, das während des europäischen Teils der Iced Earth Welttournee in Köln gedreht wurde, feiert heute Premiere.

2. Running Wild liefern Details zum Comeback-Album

Running Wild haben die Tracklist zum Comeback-Album “Shadowmaker” verraten:

1.  Piece Of The Action
2.  Riding On The Tide
3.  I Am Who I Am
4.  Black Shadow
5.  Locomotive
6.  Me & The Boys
7.  Shadowmaker
8.  Sailing Fire
9.  Into The Black
10.  Dracula 

Der Silberling wird in Deutschland am 20.04.2012 über SPV/Steamhammer erhältlich sein.

Die limitierte Erstauflage im Jewelcase mit silbernem Druck kommt inklusive einer 40-minütigen Bonus-DVD mit einem Making-of und einem Track By Track-Kommentar von Rock’n'Rolf. Das Werk erscheint auch als Double Gatefold LP in durchsichtigem Vinyl mit bedrucktem Einlegeblatt.

3.  Graveworm: Das Bandkarussel dreht sich

Gründungsmitglied und Gitarrist Stefan Unterpertinger kehrt nach fast zehn Jahren wieder in die Band zurück. Stefan übernimmt den Part des aus persönlichen Gründen ausgestiegenen Thomas Orgler an der Gitarre. Ebenfalls aus persönlichen Gründen ausgestiegen ist Keyboarderin Sabine Mair.

4. Lamb Of Gods neues Album im Stream

Lamb Of God haben ihr aktuelles Werk “Resolution” im Stream verfügbar gestellt. Das Werk, das im Hause Roadrunner Records erscheint, ist seit heute im Handel erhältlich.

5. Overkills nächster Streich kommt im März

Still und leise haben die aus New Jersey stammenden Thrasher Overkill an ihrem neuen Album gearbeitet. “The Electric Age” wurde abermals in den Gain Studios von Overkill-Bassist D.D. Verni aufgenommen und wird am 3. März via Nuclear Blast veröffentlicht.

 

ARCHIV – METAL MIRROR #58

Oktober 3rd, 2011

Metal Mirror #58 Cover

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TITELSTORY

Nur vier Jahre hielt die wiedererstarkte Liebe von Ausnahmesänger Matt Barlow zu ICED EARTH. Nach den letzten absolvierten Auftritten konzentriert sich dieser lieber auf sein Familienleben und Iced Earth auf die Etablierung ihres neuen Sängers. Stu Block heißt der Mann, der die großen Fußstapfen ausfüllen soll. Jon Schaffer erzählt, wie er den neuen Sänger fand, sich mit Matt Barlows Entscheidung abfand und was die Zukunft bringt. Der erste Blick in die Kristallkugel zeigt: Die Zeichen stehen gut.

ARTIKEL & INTERVIEWS

Brainstorm Treue Fans, tadelloser Ruf und acht zurückliegende Alben mit überdurchschnittlich guten Kritiken. Auch die neue Scheibe wird da sicher keine Ausnahme darstellen. Eigentlich eine Bilderbuchkarriere und doch spielen BRAINSTORM in der deutschen Musikpresse nicht gerade die erste Geige. Woran das liegt und warum in Schwaben trotzdem alles bestens ist, erklärt uns der gutgelaunte Frontmann Andy B. Franck.

Im Sommer 2010 fand in Braunschweig die erste „Metal Matters“-Tagung statt. Dort wurde Metal in ein wissenschaftliches Licht gerückt. Nun erscheint der Tagungsband.

THE ROTTED, vormals Gorerotted, hatten vor dem aktuellen Album „Ad Nauseam“ mit Line-Up-Problemen zu kämpfen. Im Interview berichtet Sänger Ben McCrow, dass das alles halb so wild war, und man mit dem Neuzugang eh besser arbeiten kann. Die Entwicklung der Death-Grinder nimmt Gestalt an.

SKELETONWITCH blasen aus den USA zum Angriff aufs eigene Land: Schluss mit moderner Core-Kacke. Der Old-School-Metal soll wieder regieren. Neben ihren guten Freunden Toxic Holocaust stehen sie dabei aber noch auf weitgehend verlassenem Posten dar. Vielleicht sollte man doch nach Deutschland auswandern? METAL MIRROR traf auf dem Wacken Open Air Gitarrist Nate Garnette.

Für das Wacken Open Air war es ebenso eine Premiere wie für ihn: Beim diesjährigen Metal-Event im Norden stand mit BÜLENT CEYLAN erstmals ein Comedian auf der Hauptbühne des Festivals. Die Begeisterung war groß, doch auch kritische Stimmen meldeten sich. Ist dieser türkischstämmige Komiker aus Mannheim überhaupt ein richtiger Metaller? Für uns Grund genug, um sich einmal mit einem der aufstrebendsten Komiker Deutschlands zu unterhalten.

Schluss mit lustig: Mit TSJUDER kehrt die rohe Urgewalt zurück in die norwegische Black-Metal-Szene. Mit „Legion Helvete“, ihrem ersten Album seit Trennung und Reunion, machen Tsjuder genau da weiter, wo sie 2004 aufgehört haben: Roh, hässlich, ungestüm und doch mit so viel Charakter, dass es eine Freude ist.

The Answer Rock is still alive: Dies zeigt auch 2011 eine große Schwemme an neuen Alte-Schule-Rock-Veröffentlichungen. Die nordirische Band THE ANSWER ist mit ihrem neuen Album „Revival“ dabei ganz vorne mit dabei. Doch was macht Rock generationsübergreifend so beliebt? Zusammen mit Sänger Cromac sucht METAL MIRROR eine Antwort.

Artikelserie “Mein bestes Stück”: In dieser Artikelserie stellen Musik-Fans Accessoires vor, mit denen sie eine besondere Geschichte verbinden. Diesmal berichtet Markus Lenzen wie er an die nie veröffentlichte erste Motörhead-Single kam und wie Lemmy reagierte, als er diese signierte.

Vader Fast 30 Jahre nach ihrer Gründung erwehren sich VADER noch immer jeder musikalischen Weiterentwicklung. Veränderungen gibt es nur auf personeller Ebene. Noch immer hat die Band mit dem wackligen Drummer-Posten zu kämpfen.

DEBÜTASTISCH! In dieser Artikelserie stellen wir in unregelmäßigen Abständen talentierte Bands vor, die uns mit ihrem ersten Album beeindruckt haben. Diesmal dabei: SKULL FIST, eine Band, die uns die Achtziger zurück in die Neuzeit bringt.

Tombs TOMBS stehen für einen ungewöhnlichen Mix aus Sludge, Black Metal, einigen anderen Häppchen und einer guten Portion Talent. Ihr neues Album „Path Of Totality“ bringt das noch einmal auf den Punkt. Grund genug, mal ein Wörtchen mit Gitarrist und Vokalist Mike Hill zu reden und die Band und die Konzepte vorzustellen.

Seventh Void und A Pale Horse Named Death im Underground: Dass das Kölner Underground gerade im Sommer mit dem angeschlossenen Biergarten eine der besten Locations in Köln und Umgebung ist, braucht man wohl nicht länger zu erwähnen, umso logischer ist es also, dass schon weit vor Einlass der Innenhof des Clubs ansehnlich gefüllt ist.

REVIEWS

An Autumn For Crippled Children – Everything (Killer-Album) Iced Earth – Dystopia Opeth – Heritage The Answer – Revival Anthrax – Worship Music Absu – Abzu Arch/Matheos – Sympathetic Resonance Hatesphere – The Great Bludgeoning Brainstorm – On The Spur Of The Moment 9MM – Dem Teufel Ein Gebet Almah – Motion Arabrot – Solar Anus Arven – Music Of Light Axel Rudi Pell – The Ballads IV BlackShore – Legion Cadaverous Condition – Burn Brightly Alone Cipher System – Communicate The Storms Dana Fuchs – Lonely For A Lifetime Design The Skyline – Nevaeh Doomdogs – Unleash The Truth Dream Theater – A Dramatic Turn Of Events Fyrnask – Bluostar Glorior Belli – The Great Southern Darkness Glyder – Backroads To Byzantium Gotthard – Homegrown – Alive In Lugano House Of Lords – Big Money Insomnium – One For Sorrow Japanese Voyeurs – Yolk Nachtblut – Antik Nicke Borg – Homeland Chapter II Profane Omen – Destroy! Renaissance Of Fools – Renaissance Of Fools Revocation – Chaos Of Forms Riverside – Memories In My Head Rose Funeral – Gates Of Punishment Saviours – Death’s Procession Sebastian Bach – Kicking & Screaming Skeletonwitch – Forever Abomination Slytract – Existing Unreal Superbutt – Music For Animals Taake – Noregs Vaapen Textures – Dualism The Burden Remains – Downfall Of Man The Devil Wears Prada – Dead Throne The Treatment – This Might Hurt Threat Signal – Threat Signal Thulcandra – Under A Frozen Sun Touchstone – The City Sleeps Unkind – Harhakuvat Uriah Heep – Live In Armenia Van Canto – Break The Silence Warbringer – Worlds Torn Asunder We Came As Romans – Understanding What We’ve Grown To Be Concept Insomnia – Kaleidoscope (Demo) Deadly Carnage – Sentiero Il Ceneri (Demo) Infernäl Death – Triumph Of Darkness (Demo) Kain – Omega (Demo) Loonataraxis – Up Here (Demo) The Course Is Black – The Blackness Within (Demo)

Iced Earth präsentieren neues Artwork

August 29th, 2011

Iced Earth haben gerade das Artwork zu ihrem 10. Studioalbum “Dystopia” präsentiert.

Die Scheibe wird am 17.10.2011 bei Century Media Records erscheinen. Es ist das erste Studioalbum mit Stu Block am Mikrophon. Weitere Albuminfos folgen.

Festival-Bericht: Dong Open Air 2011 – “Die Macht der Veränderung”

August 1st, 2011

Iced Earth auf dem Dong Open Air 2011

Die Macht der Veränderung

Es ist ein Jahr des Ausprobierens für das DONG OPEN AIR: größere Bands, teurerer Ticketpreis, größere Bühne und ein Tag mehr. Im Gästebuch auf der offiziellen Webseite wurden bei so viel Veränderung nicht nur positive Stimmen laut. Viele befürchteten, dass das Dong Open Air seinen Charakter verlieren würde. Zu Unrecht? METAL MIRROR war vor Ort.

Text: Dorian Gorr & Jenny Bombeck
Fotos: Dorian Gorr

Donnerstag, 14. Juli
Dass sich das Dong in den vergangenen Jahren verändert hat, wird einem spätestens bewusst, wenn man sich auf dem asphaltierten Weg befindet, der den Dongberg hochführt. Vor einigen Jahren lag hier noch Schotter und Kies. Doch sonst ist die Atmosphäre nach wie vor intakt. Die fleißigen Besucher schwitzen, während sie mit Bollerwagen und Riesenrucksäcken versuchen, den Berg zu bezwingen. Die gemütlicheren fahren mit dem Shuttle-Bus. An der Bergspitze angekommen ist alles wie immer: Festivalstimmung. Ein Dixiklo begrüßt einen umgekippt (war das Mutter Natur oder übereifrige Besucher?), vor einem liegt eine Campingfläche voll von grölenden Besuchern und bunten Zelten. Das Klirren aneinanderschlagender Bierflaschen und der Durcheinander-Mix hunderter CD-Anlagen sind der Soundtrack in dieser Atmosphäre. Am Rande: das große Partyzelt. Wirkt von außen allerdings nicht größer als in den Jahren davor. Überraschend ist: Trotz dem Genöle vieler, man würde nicht am Donnerstag anreisen können, ist der Dongberg bereits proppevoll.

Vor wirklich vielen Nasen spielen die beiden Opener, Crosshead und Shraphead, jedoch trotzdem nicht. Dabei ist das vor allem bei Crosshead schade, denn der groovige Thrash aus der Nachbarstadt Krefeld wirkt erstaunlich frisch. Die modernere Ausrichtung des Festivals verkörpern anschließend Bloodwork. Dass die Band sich mittlerweile auf den Festivalbühnen zuhause fühlt, lässt die routinierte, wenn auch musikalisch unspektakuläre Performance erahnen. Im Zelt ist es zu dem Zeitpunkt aber so oder so ziemlich voll. Draußen tobt nämlich das Unwetter. Zelte fliegen davon, Pavillons werden auseinander gerissen und der Regen prasselt einem seitlich ins Gesicht. Festivalbesucher hüpfen in Regencapes über Pfützen und versuchen sich ins Trockene zu retten. Und dafür ist das Zelt die beste Adresse. Zumal mit MOTORJESUS die erste Band auf der Bühne steht, die ausnahmslos zu punkten vermag. Die Heavy-Rocker aus dem nahen Mönchengladbach sind seit Jahren Stammgäste auf dem Dong Open Air und haben entsprechend leichtes Spiel. Songs wie „Return Of The Demon“ oder „Legion Of Rock“ haben Ohrwurmpotenzial genug, um das Publikum vor der Bühne mitzureißen. Rampensau Birx ist zwar stimmlich nicht in jedem einzelnen Moment auf der Höhe. Dem Partyfaktor des Auftritts schadet das jedoch nicht.

Nach dem Heimspiel können Evile eigentlich nicht mehr gewinnen. Der britische Thrash wird zwar ambitioniert und mit genügend Old-School-Attitüde vorgetragen, scheitert aber letztlich daran, dass er die entfachte Partystimmung nicht ausreichend bedient. Obendrein sind die Besucher durchnässt und frieren.

Freitag, 15. Juli
Am nächsten Morgen sieht die Welt schon ganz anders aus. Die Sonne strahlt. Der Matsch an den Schuhen trocknet und bildet harte Schutzkrusten. Und der Bierdurst ist zurück. Als Harasai zum Melo-Death-Angriff blasen, sitzen manche bereits beim ersten Bier, für manche ist es aber auch das letzte, bevor man sich ins Zelt verkriecht, um auszunüchtern. Viel Action geht vor der Bühne jedenfalls nicht. Ob es am modernen Sound liegt oder ob die Leute einfach noch zu müde sind, keine Ahnung. Trotz Anfeuerung des Sängers bleiben die Reaktionen jedenfalls verhalten.

Auf der Suche nach dem Publikumsgeschmack versagen auch Past M.D. Mittagshitze und theatralischer Melodic Rock – irgendwie geht das nicht zusammen. Und auch Ichor können wenig reißen. Aggressiver Doppelgesang und Blastbeats in allen Ehren, aber wenn man diese Genreklischees so einseitig bedient, darf man sich über die entstehende Langeweile im Publikum nicht wundern.

Contradiction sind die erste Band des Tages, die einen zumindest musikalisch mit auf große Fahrt nehmen. Zwar durchaus altbacken, aber eben mit der notwendigen Portion Originalität gesegnet, feuern die Wuppertaler ihr Old-School-Thrash-Brett ab. Richtig viel Zuspruch erntet die Band dabei aber komischerweise nicht. Es bleibt die Ahnung, dass hier sehr viel mehr drin gewesen wäre. Vielleicht hätte man die Band später am Abend spielen lassen sollen. Scheinbar fehlt Contradiction der nötige Partyfaktor. Das eingängige, tanzbare Element. Das liefern nämlich kurze Zeit später Vogelfrey. Die aus Hamburg kommenden Folk-Metaller bedienen zwar überaus oberflächlich alle Mittelalter-Plattitüden, stoßen damit aber auf Begeisterung beim Publikum. Ist ja auch klar: Zu den Songs der Marke Schandmaul und Letzte Instanz lässt sich wunderbar bechern.

Diese These sieht sich beim Auftritt von Virgin Snatch schnell bestätigt: der Thrash Metal, den die polnische Band mit Urgewalt herauskloppt, ist überaus amtlich und druckvoll, findet aber bei kaum Besuchern wirkliches Gefallen. Null Eingängigkeit, nur das volle Brett, in der Nachmittagssonne können die Jungs damit nur verlieren.

Eine Schnittstelle zwischen musikalischer Ernsthaftigkeit und eingängigen Folk-Parts versuchen Balfor aus der Ukraine zu schaffen. Und auch wenn es in diesem Genrewust aus Black und Pagan Metal etliche Bands gibt, die das um Längen besser machen, laufen Balfor nicht völlig auf. An den schüchternen Ansagen sollte die Band jedoch zukünftig arbeiten.

Genügend Selbstbewusstsein strahlen Artas hingegen aus. Die Thrasher aus Österreich kommen erstaunlicherweise besser an als Virgin Snatch und Contradiction zuvor. Über die Gründe kann man nur spekulieren, denn musikalisch sind sie zumindest Contradiction weit unterlegen. Aber: Artas strahlen jugendliche Frische, hohe Energie und eine moderne Herangehensweise an das Genre aus. Was manch einen Kuttenträger nur den Kopf schütteln lässt, kommt vor allem bei aufgeschlossenen Moderne-Liebhabern gut an.

Dass man nicht modern sein muss, nur weil man jung ist, stellen Hackneyed unter Beweis. Die Jungspunde werden oft als Hype verschrien, von ergrauten Death-Metal-Fans belächelt und von ihren älteren Konkurrenten verflucht. All das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass Hackneyed live eine Macht sind. Zumindest heute. Wie ein Automatismus legt sich ein Schalter um, als die Jungs und das Mädel die Bühne betreten. Ob das alles noch ehrliche Emotion, ehrlicher Hunger und ehrliche Energie ist, die man da sieht, darüber mag man in so einem Moment gar nicht nachdenken. Die Songs fetzen, die Band wirbelt über die Bühne, von so viel Frische dürfen sich die Lästermäuler eine dicke Scheibe abschneiden.

Allerdings müssen sich auch Hackneyed dem Headliner geschlagen geben. Iced Earth mischen in diesem Sommer die Festivalsaison auf. Ein letztes Mal, könnte man vermuten. Denn ohne Matt Barlow hat diese Band verloren. Auch ohne seine lange Matte ist er pures Charisma. Sein Schwager und Iced-Earth-Chef Jon Schaffer sorgt parallel für die nötigen Rockstar-Posen. Kein Wunder, dass das Zelt aus allen Nähten platzt und die Besucher durchzudrehen scheinen. Die Stimmung ist von Sekunde eins an unschlagbar, die Setlist ein Traum für alle Fans: „Melancholy“, „Watching Over Me“, „I Died For You“, „Vengeance Is Mine“ und zum Abschluss „Iced Earth“ – ein absoluter Traum, der die Messlatte für die Headliner im nächsten Jahr sehr hoch hängt. Ob Overkill das am nächsten Tag schlagen können?

Samstag, 16. Juli
Bis man eine Antwort auf diese Frage bekommt, dauert es noch einige Stunden, die man mit guten und weniger guten Bands verbringen kann. Zur letzteren Kategorie gehören Shellycoat, die den letzten Dongtag eröffnen und als Punk-Band angekündigt werden. Wer an Bad Religion, NofX, Wizo, die Sex Pistols oder Exploited dachte und sich deswegen zu früher Stunde aus dem Zelt gequält hat, macht nach dem ersten Song schleunigst wieder Kehrt. Weichgespülter Rock, weibliche Plastikstimme, angepasste Songs – mit Punk hat das kaum Schnittmenge. Die anschließenden Symbolic halten immerhin, was sie versprechen: Melo-Death mit einer Menge Growls und leichtem Thrash-Einschlag. Wirklich spannend wird die Musik dadurch aber nicht. Die Riege belangloser Bands wird mit Red Circuit fortgesetzt. Die Power-Metaller sind hochmotiviert, treffen aber zu nullkommanull Prozent den Geschmack des Publikums. Wie schon am Vortag Past M.D. ist das hier zu versteift und theatralisch, um wirklich jemanden ins Zelt zu bewegen.

Die erste Band, die zu begeistern weiß, ist Canopy. Die britischen Melo-Deather greifen nicht ganz so tief in die Klischeekiste, haben einen sehr druckvollen Sound gepachtet und genügend Spannweite von eingängig bis frickelig, um irgendwie anders zu sein als die Vielzahl an Melo-Death-Bands, die man hier und woanders sieht.

Die größte Überraschung des Tages sind jedoch Vulture Industries. Und es ist bezeichnend, dass es wieder eine experimentierfreudige Truppe ist, die solch eine Begeisterung hervorrufen kann. Die Norweger gehen ihren Black Metal überaus avantgardistisch an, streuen sehr progressive Parts ebenso ein wie den direkten Black-Metal-Knüppel. Was sonst auf Festivalbühnen regelmäßig versagt, entpuppt sich hier als Überraschungshit und sorgt für einen regelrechten Ansturm auf den Merchandise-Stand, wo nach kurzer Zeit alle mitgebrachten CDs vergriffen sind. Das Wetter (erneut strömender Regen und starker Wind) mag den Norwegern übrigens zusätzlich in die Karten gespielt haben.

Mit charakterstarkem Death Metal geht es weiter. The Rotted sehen zwar ziemlich groggy aus, als sie auf der Bühne stehen, lassen aber dennoch ein Brett vom Stapel, das an Dynamik und Tempo mit der gestrigen Hackneyed-Show mithalten kann. So viel Begeisterung wie Vulture Industries lösen die Prügelfetischisten aber nicht aus. Dass Gitarrist Tim trotz ernsthafter Handverletzung übertrieben schnell und weitgehend tight spielt, nötigt zusätzlichen Respekt ab.

Orden Ogan sind die Partyband des Tages. Eine Power-Metal-Band, die mit Eingängigkeit und tanzbaren Songs, wie „We Are Pirates“, zum Tanzen einlädt. Die ständigen Blind-Guardian-Vergleiche wirken zwar wie aus der Luft gegriffen, aber tatsächlich schaffen Orden Ogan es, musikalische Qualität mit flacher Unterhaltung zu kombinieren, wenn auch mit einer etwas zu selbstverliebten Attitüde.

In eine ganz andere Richtung schießen Dew-Scented. Leif Jensen und seine Thrash-Kollegen haben mittlerweile auf so ziemlich allen Brettern Deutschlands gespielt, klar dass da das Dong Open Air nicht fehlen darf. Auf anderen Festivals hat man zwar schon mehr Zuspruch auf Songs wie „Cities Of The Dead“ gesehen, ein ordentliches Aufwärmprogramm für die beiden nachfolgenden Bands ist das aber in jedem Fall. Zumal es so leichter fällt, sich mit den doch noch weitaus brutaleren Hatesphere anzufreunden. Die dänische Brutalo-Kapelle, einst optimistisch als die nächsten Slayer gehandelt, fordert Action und kriegt Action. Den Songs geht zwar immer wieder der Charakter und die Individualität verloren, aber wer sich einfach mal herrlich simpel die Rübe abschrauben möchte, wird mit den Stakkato-Beats, der wütenden Aura und dem Death-Thrash-Tornado bestens bedient.

Und dann sind wir auch schon an dem Punkt angekommen, an dem die alles entscheidende Frage beantwortet werden kann: Können Overkill den phänomenalen Auftritt von Iced Earth noch einmal toppen? Natürlich können sie. Bobby Blitz ist der einzige Mensch auf dem Festival, der noch charismatischer ist als Matt Barlow. Die Energie, die die New-York-Thrasher entfesseln, ist verboten gut. Bobby posiert, geht theatralisch mit, singt so unverkennbar grandios, dass das ganze Zelt einem Kollektivausraster verfällt. „Hello From The Gutter“, „Rotten To The Core“, das partytaugliche „Old School“, die Metalhymne „In Union We Stand“ – Overkill decken mühelos alle wichtigen Geschmäcker des Heavy Metals ab und spielen sich um Kopf und Kragen. Als es nach anderthalb Stunden Thrash Metal der Güteklasse A heißt „We don‘t care, what you say. Fuck You!“ taumeln die Thrash-Fans freudetrunken aus dem Partyzelt. Da stört selbst Matsch und Regen nicht. Heute Nacht schläft man mit einem Lächeln auf den Lippen und der Gewissheit, den bisher besten Headliner-Auftritt auf dem Dong Open Air gesehen zu haben. Ja, es hat sich verändert, das kleine Festival in Neukirchen-Vluynn. Aber nicht zum Schlechten. Veränderung ist gut, solange Auftritte wie die von Iced Earth und Overkill dabei herauskommen. Wird das im nächsten Jahr nochmal zu toppen sein?

Nicht verpassen: METAL MIRROR #56

Iced Earth: Erste Infos zum neuen Album

Juli 13th, 2011

Die amerikanischen Power Metaller Iced Earth befinden sich derzeit im Studio, um ihr neues Album, “Dystopia”, das Ende 2011 via Century Media Records erscheinen soll, aufzunehmen.
Diese CD ist das Debüt des neuen Sängers Stu Block mit der Band, der sich Iced Earth erst im vergangenen März nach dem Weggang des Ur-Frontmanns Matt Barlow angeschlossen hatte.
Barlow wird allerdings noch gemeinsam mit der Band sämtliche gebuchten Sommerfestivals bestreiten und sein Nachfolger Block übernimmt dann den Stab im Rahmen der geplanten Welttournee im November.

Jon Schaffer kommentiert:

Hier läuft alles gut, im Augenblick sind wir beim Mastertracking des neuen Albums, “Dystopia”.
Wir haben die Drums und Rhythmusgitarren [bereits] im Kasten und liegen gut in der Zeit.
Morgen geht es für mich nach Europa für ein paar Festival-Dates, dann gleich wieder zurück an die Arbeit ins Studio am kommenden Montag.
[Producer] Jim Morris und ich haben eine großartige Zeit, so wie immer, und wir freuen uns schon darauf, nächste Woche die Vocaltracks mit “Stucifer” aufzunehmen!
Stu Block hat eine Menge zu den Gesangsparts dieser Platte beigetragen und hat Co-Writing-Credits bei zehn von 12 Songs, ich bin mehr als glücklich mit unserer Chemie und was wir bis jetzt [bereits] gemeinsam erreicht haben.
Und das ist erst der Anfang.

Festival-Bericht: RockHard Festival 2011

Juni 27th, 2011

Triptykon live RockHard

Das Theater rockt hart

Aus dem Ruhrpott ist es genau so wenig wegzudenken wie Frittenbuden, Adiletten und Fußball: Im neunten Jahr ist das RockHard Festival abermals ausverkauft. Mit seiner zunehmend klassischen Ausrichtung zieht das Festival 7500 Besucher ins Gelsenkirchener Amphitheater. METAL MIRROR war vor Ort, berichtet von allen Bands und führte obendrein ein Interview mit Chef-Veranstalter Götz Kühnemund.

Tag 1, Freitag, 10. Juni
Alle Jahre wieder rockt das RockHard-Festival. Und jeder Festival-Anfang ist schwer und eine große Ehre für denjenigen, der eröffnen und die headbangwütige Meute das erste Mal zum musikalischen Buffet bitten darf. Diese Ehre wird dieses Jahr CONTRADICTION zuteil, die mit ihrem Oldschool-Thrash einen mehr als guten Job vollbringen. Mit Songs wie „Voice Of Hatred“, „Warchitect“, „Demon“ oder dem saftigen Abschluss „Nation Of Fear“ sind Amphitheatristen direkt richtig gepolt und knallhart eingestimmt.

Damit dem Publikum aber nicht gleich bei der zweiten Band die Puste ausgeht, bringen die chilenischen Doom-Metallisten PROCESSION eine direkte Entschleunigung ins Programm. Mit „Raven Of Disease“ oder „Chants Of The Nameless“ färben die Südamerikaner die Atmosphäre genauso düster wie den Himmel. Einher mit dem Auftritt geht nämlich eine kontinuierliche Verdunklung. Passend dazu ruft der Fronter dazu auf, sich bei dieser Atmosphäre auf keinen Fall Primordial entgehen zu lassen.

Mit dem Regeneinbruch rücken die Massen nun näher vor die überdachte Bühne und den nächsten Auftritt der Berliner Death-Thrasher POSTMORTEM. Von Götz noch einmal als deutsche Antwort auf Slayer betitelt, stehen die Jungs dann auch schon auf den Brettern. Solide rocken sie „Give Us Hate“, „Lobotomy“, „The Way Of The Knife“, „Der Totmacher“, „Hate, Kill, Destroy“ oder „Revolution“ runter. Leider springt der Funke nicht wirklich zum Publikum über. Das liegt zum einen an der niederprasselnde Feuchtigkeit, die fast das ganze Amphitheater leer gefegt hat und zum anderen daran, dass die meisten Leute im Bereich vor der Bühne eher nur Unterschlupf unter dem Dach suchen als Postmortem sehen wollen.

PRIMORDIAL stellen sich anschließend der schwierigen Aufgabe, ihre komplexen Songs auch am hellen Nachmittag so darzubieten, dass diese an Intensität und Atmosphäre nichts einbüßen. Für jede andere Band wäre das ein Problem, für Alan „Nemtheanga“ Averill ist das hingegen ein Kinderspiel. Blutüberströmt und mit irrem Blick zeigt einer der derzeit weltbesten Fronter, was es heißt, ein Publikum für sich einzunehmen. Mit theatralischer Gestik, grandiosem Gesang und einer Reihe geiler Songs (auch wenn das ein oder andere Highlight mangels Zeit fehlt) stellen Primordial klar, wer Chef im Ring ist. Einziges Manko: Der Soundmischer kommt mit der Band nicht zurecht und verpasst denen teils einen zu wummernden, matschigen Bass-Sound.

ENSLAVED haben es auf Festivals ebenfalls nicht leicht. Ihre stimmungsgeladenen und komplexen Songs sind nicht gerade für die Freiluftsaison prädestiniert. Dennoch geben Ivar und Grutle alles auf der Bühne, um das Trüppchen davor zu unterhalten. Den Anfang macht das geniale „Ethica Odini“ vom aktuellen Album, das selbst ein paar Headbanger auf den Treppen dazu bewegt, ihre Nackenmuskeln zu beanspruchen. Es ist schade, dass die einzigartige Atmosphäre der Alben nicht komplett auf die Bühne übertragen werden kann. Dennoch mindert das keineswegs die Qualität des Auftritts und vor allem der Songs. „Ruun“ ist zwar nicht partytauglich, aber immer noch wunderschön anzuhören.
Als erster Headliner stehen TRIPTYKON bereit. Quasi als Versöhnungsgeste für die in der Vergangenheit abgesagten Celtic-Frost-Auftritte. Trotz Wolkenbruch und klitschnassem Amphitheater präsentieren Tom G. Warrior und seine Band einen unvergesslichen Auftritt, bei dem nicht nur fast das gesamte Debütalbum „Eparistera Daimones“ gespielt wird, sondern man neben zwei Celtic-Frost-Covern auch noch drei unsterbliche Hellhammer-Songs zu hören bekommt – ein Ausnahme-Set, das man laut dem Bandchef so nie wieder hören wird. Schade ist nur, dass „Into Crypts Of Rays“ ausbleibt.

Tag 2, Samstag, 11. Juni
Das Schweizer Sextett DREAMSHADE eröffnet mit einer geballten Ladung Melo-Death den zweiten Tag. Auch wenn dieses Genre in den letzten Jahren sehr inflationär zum Vorschein kam, bieten die jungen Schweizer den Fans dennoch einen routinierten Auftritt. Nur Fronter Iko zerbrüllt gerne den ein oder anderen melodischen Gitarrenpart, wodurch eher der Eindruck einer 08/15-Hardcore-Band entsteht.

Viele erhofften sich Kind Diamond auf dem diesjährigen RockHard Festival. Dass der King wegen Herzproblemen nicht kommen konnte, ist schade, aber war nicht zu vermeiden. IN SOLITUDE sind jedoch für Fans des Genres ein kleines Trostpflaster. Von Fenriz hochgelobt und mit etlichen Mercyful-Fate-Zitaten gespickt, legt die Band einen soliden Auftritt hin, dem aber noch ein bisschen die Hits fehlen.

Bei DISBELIEF gibt es Death-Metal-Extravaganz. Sänger und einzig verbliebenes Gründungsmitglied Karsten Jäger brüllt, singt und verleiht dem Live-Auftritt die nötige Flexibilität. Manch ein Song wirkt aber eher zäh und manchmal wirkt die Band zu routiniert – nach 20 Jahren Bandgeschichte ist das entschuldbar. Immerhin geht in den vorderen Reihen viel Party.

EPICA sind im Gegensatz dazu die musikalischen Exoten auf dem Festival – was schon alleine deswegen ironisch ist, weil diese Band außerhalb des RockHard-Festival-Universums natürlich weit mehr Anerkennung genießt als unter den Kutte tragenden Old-School-Fans, die schon freudig Bullet erwarten. In diesem Spannungsfeld können Epica nur verlieren. Tun sie auch. Elsengejammer, ab und an eingeworfene „harsh vocals“, den meisten geht dieser Mix am Allerwertesten vorbei. Auf dem RockHard Festival hat diese Band schlichtweg nichts verloren. Schon aus reinem Eigennutz nicht.

BULLET gehören hingegen zum erweiterten Inventar. Bereits zum dritten Mal stolpert der wuschelige Fleischklopps Hell Hofer auf unverkennbare Weise auf die Bühne und zelebriert mit seinen Jungs (alle stilecht im Achtziger-Look) eine Classic-Metal-Orgie, die beim dritten Gastspiel der Band zwar nicht mehr überrascht, aber durchweg Freude bereitet. Die Matten werden geschüttelt, die Spandex-Hosen gedehnt und die Teufelshörner gen Himmel gereckt. Bullet nutzen sich nicht ab und sind gerne auch im nächsten Jahr willkommen.

MORGOTH sind wieder da – und tödlich wie eh und je. Die gute Portion Death Metal darf ja auch auf dem RockHard nicht fehlen. Mit mehreren Perlen ihres Prunkstückes „Cursed“ wird so dann auch der Zuschauer todesmetallisch verwöhnt. „Body Count“, „Isolated“ oder „Cursed“ sind nur einige Auszüge. Die Stimmung ist generell wohl zwiegespalten ob dieser weiteren Reunion, doch machen die Sauerländer ihren Job am heutigen Tage gut.

Einer der intimen Headliner und melancholischen Höhepunkte des RockHard sind AMORPHIS. Nach der Veröffentlichung ihres nächsten Hit-Albums „The Beginning Of Times“ kommt man nun auch live in den Genuss der neusten Werke. Bevor auch nur einer der Finnen zu entdecken ist, erzeugt schon die Melodie des Übersongs vom neuen Album „Battle Of Light“ für Gänsehaut. „My Enemy“, „Sky Is Mine“, „You I Need“, „Three Words“, „Silver Bride“, „Crack In A Stone“, „The Castaway“ und „House Of Sleep“ machen dann das Übrige. Als Outro und Bruch zur durchweg zum Wetterszenario passenden Atmosphäre bringt die Polkaversion von „House Of Sleep“ der Finnen Eläkeläiset die allumfassende Freude auf die meisten Gesichter.

ICED EARTH sind mit Matt Barlow auf Abschiedstournee. Dieses Mal wird es definitiv kein „Auf Wiedersehen“ mit dem sympathischen Sänger geben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Herren aus Florida nochmal all ihre Energie in ihre Songs legen, um dem RockHard-Publikum ein einmaliges Erlebnis zu bereiten. Herr Barlow ist stimmlich bestens aufgelegt und singt sich oft bis in die höchsten Tonlagen, ohne dabei so quietschig wie einst Tim Owens zu klingen. Besonders die traurig-starken Balladen wie „Watching Over Me“ oder „Melancholy“ machen den Abschied schwer. Aber auch Matt wird es durch die minutenlangen Sprechchöre, die lautstark seinen Namen ertönen lassen, nicht anders ergehen. Iced Earth legen einen perfekten Headliner-Gig ab.

Tag 3, Sonntag, 12. Juni
Scheiß auf Müdigkeit! Den dritten Festivaltag zu eröffnen, mag eine besondere Herausforderung sein, VANDERBUYST tun dies aber mit so einer unfassbar aufbrausenden Energie, dass man von der ersten Sekunde an Feuer und Flamme für die Band ist. Siebziger-Rock wird hier mit so viel Stage-Athletik präsentiert, dass einem die Spucke wegbleibt. Den Augenringen von Gitarrist Willem Verbuyst nach zu urteilen, war die Band zwar selbst nicht im Bett, dem Energiepegel tut das jedoch nicht schlecht. Willem spielt hinter dem Kopf Gitarre, posiert, haut Solos raus – einen besseren Opener kann man sich nicht wünschen.

ENFORCER haben danach eindeutig einen schweren Stand, vor allem da der zweite Gitarrist zu fehlen scheint und Sänger Olaf demnach zur Klampfe greift und weniger Energie ausstrahlt. Die Bühnenperformance wird dadurch statischer, der Auftritt verliert an Power. Und auch musikalisch macht sich die Doppelbelastung des Frontschönlings bemerkbar. Immer wieder verfehlt er einen Ton, wirkt etwas überfordert. Beim nächsten Mal bitte wieder nur singen. Danke!

Dass ATLANTEAN KODEX auf dem RockHard Festival spielen würden, war nach der geballten Lobhudelei nicht verwunderlich. Und die Begeisterung geht nicht nur von den Veranstaltern, sondern auch vom Publikum aus. Die Old-School-Fraktion kriegt einen Kollektivorgasmus als die schweren Heavy-Metal-Klänge, die ab und an frühe Manowar zitieren, auf sie losgelassen werden. Sänger Markus Becker singt zwar durchaus passabel, hat aber sonst die Ausstrahlung eines Knäckebrots. Egal, immerhin zählt ja die Musik. Und auch wenn der Hype etwas übertrieben und die Musik in der Sonne doppelt zäh wirkt, geht die Meute steil. So schnell scheint die Begeisterung für diese Truppe nicht abzuflachen.

Die deutschen Heavy-Metal-Ikonen und mehr als unterbewerteten Metallwerker METAL INQUISITOR haben – Metalgott sei dank – auch ihren Platz im Billing des diesjährigen Ruhrpott-Metal-Mekkas gefunden. Mit ordentlich Eiern, einmaligem Sound und einem Paar grandios-kultiger weißer Stiefel an den Füßen des Klampfers brennen die Jungs ihr Set runter. Mit Songs wie „Betrayed Batallion“, „Quest For Vengeance“, „Casualty Evacuation“, „Restricted Agony“ oder „Daze Of Avalon“ ist das ganze auch (fast) nur noch reine Formsache – nein, die Jungs veredeln den Metall ihrer Songs und haben mit Sicherheit heute noch weitere Fans gewonnen.

Technikfetischisten bitten anschließend zum Tanze. ANACRUSIS legen einen ihrer seltenen Auftritte aufs Parkett und verscheuchen damit diejenigen, die sich nicht für die progressive Thrash-Ausrichtung erwärmen können. Und eigentlich ist das auch verzeihbar. Nach fast drei Festivaltagen mag das zwar technisch einwandfrei sein, ab und an ist die Mucke dennoch arg schwer verdaulich. Allerdings gilt das nur für die Besucher, die ernüchternd auf den Rängen zuschauen. Vor der Bühne geht eine Menge Action. Anacrusis haben – so scheint es beinahe – einen eigenen Fanclub mitgebracht, der der Band huldigt.

Einen weiteren Power-Metal-Höhepunkt bieten beim diesjährigen Festival die US-Amerikaner VICIOUS RUMORS. Neben Mastermind Geoff Thorpe schafft es besonders Vokalist Brian Allen durch seine Gestik und Mimik das Publikum zusätzlich zur Musik mitzureißen. Das Set unterstützt den Eindruck und schlägt sich von Klassikern wie „Soldiers Of The Night“ bis hin zu Songs vom aktuellen Release „Razorback Killers“. Neben dem Titelsong des Debüts treffen auch noch „Digital Dictator“, „Razorback Blade“, „Dust To Dust“, „Out Of The Shadows“, „Worlds And Machines“, „Hellrazor“ oder „Don’t Wait For Me“ auf die fast tauben Ohren der Altmetaller.

Und wenn das Trommelfell bis hierhin noch nicht geplatzt ist, wird es von OVERKILL endgültig in Stücke zerfetzt. Die Band hat einen speziellen Auftritt angesagt und verdammt nochmal, speziell soll es auch werden. Natürlich hat Bobby Blitz recht, wenn er sagt, dass jeder Overkill-Auftritt pures Dynamit ist, aber heute zünden die Thrasher wirklich jedes Register, hauen nicht nur ihre unsterblichen Hits wie „Rotten To The Core“, „In Union We Stand“ und „Hello From The Gutter“ raus, sondern spielen auch vorher noch nie gehörte Demo-Songs, wie „Death Rider“ und „The Beast Within“. Die werden zwar bei weitem nicht so abgefeiert wie die bekannten Evergreens, unterstreichen aber die Einmaligkeit des gesamten Auftritts, der das Amphitheater ohnehin in einen Hexenkessel verwandelt. Bis hoch auf den Rängen wird Luftgitarre gespielt, die Matte geschüttelt, mitgesungen. Bobby Blitz rauscht dabei im Adrenalinrausch über die Bühne und verweist alle Jungspunde des Vormittags auf ihre Posten. Overkill haben in diesem Jahr keinen Gegner. Schlichtweg ein grandioser Auftritt!
Der anschließende Karaoke-Jam, bei dem sich die Gewinner des Wettbewerbs auf der Hauptbühne beweisen dürfen, wird dieses mal mit einem Gesangduo von Mara, die das „Dicke-Dinger-Rock Hard-Cover“ zierte, und ihrer Freundin Betty. Zusammen singen die beiden Iced Earths „Watching Over Me“ und obwohl bei weitem nicht jeder Ton sitzt, lässt sich Jon Schaffer im Fotograben mit einem breiten Lächeln blicken. Gefolgt und getoppt wird das jedoch von dem 11-jährigen Paul, der seinen Mut zusammenfasst und Iron Maidens „Fear Of The Dark“ singt. Ab dem ersten Ton ist er der Held der Stunde und erntet mehr Zugabe-Rufe als so mancher Headliner.

Zum sprichwörtlichen „DOWN kommen“ und noch mal richtig die Sau raus lassen, beenden die Southern Metaller um Fronter und Profi-Arschloch Phil Anselmo (ex-Pantera) das Festival. Phils Ego füllt auch heute Abend wie erwartet das ganze Amphitheater und präsentiert auf überzeugende Weise die Outlaw-Attitüde der Jungs. Hinzu kommen wohl auch noch der Slot als Headliner und Abschluss des ganzen Wochenendes und das dementsprechend gut gefüllte Amphitheater. Musikalisch ist den Jungs wie eh und je kein Vorwurf zu machen. Die Songs zünden, die Riffs rocken und die Grooves grooven. Mit Songs wie „New Orleans Is A Dying Whore“, „Lifer“, „Temptations Wings“, „Stone The Crow“ oder dem abschließenden „Bury Me In Smoke“ kann die Band einfach nichts falsch machen. Noch kurz „Sweet Home Alabama“ im Sample als „Sweet Home Louisiana“ vertont und das Set steht in seinen Grundfesten. Ein guter Auftritt, der in mancher Facette dem Charakter eines Headliners etwas zu gerecht wurde – doch Bescheidenheit steht auch einfach keinem Phil Anselmo.
Damit geht das RockHard Festival 2011 zu Ende. Das Amphitheater leert sich. Hier und da wird eine Bierleiche aufgeweckt, die letzte Runde am Getränkewagen geholt oder bereits die Abreise angetreten. Es war ein nasses Jahr für das RockHard Festival. Da ist die Erschöpfung bei vielen groß. Wer noch Energie hat, feiert in den Pfingstmontag hinein. Für den Rest ist Zapfenstreich. Die Fortsetzung gibt es im nächsten Jahr. Mit dabei sind dann auch:
Dorian Gorr, Jenny Bombeck, Benjamin Gorr, Elvis Dolff und Bastian Gorr


Barlow verlässt wieder Iced Earth

März 3rd, 2011

Der erst 2007 zurückgekehrte, langjährige Iced Earth-Sänger Matt Barlow hat angekündigt, die Band nach den anstehenden und bereits gebuchten diesjährigen europäischen Sommerfestivals aufgrund seiner familiären Verpflichtungen, die ausgiebiges Touren unmöglich machen, wieder zu verlassen:

Brüder und Schwestern,

zunächst möchte ich zum Ausdruck bringen, was es für mich für eine Ehre gewesen ist, meine Zeit bei ICED EARTH zusammen mit Jon und den anderen Jungs verbringen zu dürfen…und mit Euch allen! Seit meiner Rückkehr 2007 ist es wirklich etwas Besonderes gewesen. Ich habe die Möglichkeit bekommen, die Welt zu bereisen, alte Freunde wieder zu sehen und neue zu treffen. Obwohl wir eigentlich gedacht haben, dass die Tourplanung von ICED EARTH sehr übersichtlich sein würde, haben wir mehr als ein paar Konzerte spielen können.
[...] Aufgrund der sich rasch verändernden Musikindustrie wurde es für Künstler und Musiker zunehmend klarer, dass eine Band [...] sich nur halten kann, wenn sie live auftritt. [...]Seit 2007 haben Jon und ich nur das Beste für die Zukunft von ICED EARTH im Sinn gehabt und tun das noch immer. Wie auch immer, aufgrund der geplanten Touraktivitäten müssen [nun] meine und ICED EARTHs Zukunft getrennte Wege gehen.
[...] Jon und die Band müssen Neuland erobern, um ICED EARTH weiter wachsen lassen zu können. [...] Die nächsten Monate werden eine sehr emotionale Zeit für mich werden. Ich bin sehr glücklich, diese Erfahrung mit Jon, Brent, Freddie, Troy und der ICED EARTH-Familie teilen zu können. Ich bin stolz, sie zu kennen und fühle mich geehrt, dass sie mich als ihren Freund betrachten. Es wird phänomenal werden, dieses Liebe zur Musik auf mehreren Sommerfestivals zu teilen und ich weiß, dass es eine unvergessliche Zeit werden wird.
Ich bitte Euch, zieht das alles [...] erstmal in Betracht, bevor Ihr ein Urteil über die Zukunft von ICED EARTH fällt. Diese Band war bisher immer bemüht, ihren Hörern nur das Allerbeste zu geben und ich weiß. dass Jon, wie immer, dieses Ziel weiter verfolgen wird.
Ich wünsche ICED EARTH und Euch allen…das Allerbeste!!

Ich weiß, dass Matt sehr, sehr lange Zeit mit sich gerungen hat. Es war keine Entscheidung, die er sich leicht gemacht hat. Aber ich liebe ihn und kann ihn für seine Gründe [beim besten Willen] nicht verurteilen.
Matt ist einer der ehrlichsten Menschen, die ich kenne und einer der talentiertesten. Sein Weggang betrübt mich zutiefst, aber ich hoffe, dass alle Fans von ICED EARTH Nachsicht mit ihm haben werden. Ich wünsche Matt alles Gute, respektiere ihn enorm und bitte Euch alle, das auch zu tun.

Ich habe bereits einige Kandidaten [für den Sängerposten] im Kopf.
Wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt, wird das eine sehr wichtige Entscheidung werden.
Eines ist aber ganz klar: wir suchen keinen Matt Barlow-”Klon” – wir suchen einen Frontmann, der genug eigene Kraft und Charakter mitbringt. Es kann nur einen Matt geben und die Ära der Bandgeschichte wird für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen.

Iced Earth auf dem Dong Open Air

März 1st, 2011

Iced Earth wurden als Headliner für das diesjährige Dong Open Air bestätigt, das am 15. und 16. Juli in Neukirchen-Vluyn stattfinden wird. Bisher wurden 20 Bands bestätigt, weitere sollen folgen und in Kürze wird der VVK-Starttermin bekannt gegeben werden.

Iced Earth: Neues Album in der Mache

Februar 14th, 2011

Die U.S.-Power Metaller Iced Earth arbeiten momentan an ihrem zehnten Studio-Album, das Ende dieses Jahres via Century Media Records veröffentlicht werden soll.
Im Gegensatz zu “The Crucible Of Man” (2008) und “Framing Armageddon” (2007) wird das neue Album, aber kein Konzeptalbum, sondern laut Bandleader Jon Schaffer “die Rückbesinnung auf den rohen und harten Sound der Band”.

“Von den Riffs und der Einstellung dahinter kann ich schon mal sagen, dass es ein heftiges Album werden wird. Inspiriert, konzentriert und [genau] auf den Punkt. Echt hartes Zeugs. Ein richtiger Tritt in die Kronjuwelen.
Viele Leute haben vielleicht gedacht, ich habe es nicht mehr drauf. Aber denen werde ich genau das Gegenteil beweisen. Ich kann Euch versprechen: wir werden uns mit einem Knall zurückmelden. Wir sind wieder hungrig.”

Iced Earth veröffentlichen CD-Box im April

März 25th, 2010

“Box of the Wicked”, so wird das gute Sammlerstück von Iced Earth heißen, das am 23. April veröffentlicht wird. Das Box-Set wird sowohl die beiden Alben “Framing Armageddon – Something Wicked Part I” und “The Crucible of Man – Something Wicked Part II” , als auch die Single-Auskopplungen “Overture Of The Wicked” und “I Walk Among You” beinhalten. Dazu gibt es noch eine Bonus CD, ein A1 Poster und ein aufwendig gestaltendes Booklet. Insgesamt werden weltweit nur 10000 Stück erhältlich sein.

Quelle: Iced Earth