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ARCHIV – METAL MIRROR #58

Oktober 3rd, 2011

Metal Mirror #58 Cover

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TITELSTORY

Nur vier Jahre hielt die wiedererstarkte Liebe von Ausnahmesänger Matt Barlow zu ICED EARTH. Nach den letzten absolvierten Auftritten konzentriert sich dieser lieber auf sein Familienleben und Iced Earth auf die Etablierung ihres neuen Sängers. Stu Block heißt der Mann, der die großen Fußstapfen ausfüllen soll. Jon Schaffer erzählt, wie er den neuen Sänger fand, sich mit Matt Barlows Entscheidung abfand und was die Zukunft bringt. Der erste Blick in die Kristallkugel zeigt: Die Zeichen stehen gut.

ARTIKEL & INTERVIEWS

Brainstorm Treue Fans, tadelloser Ruf und acht zurückliegende Alben mit überdurchschnittlich guten Kritiken. Auch die neue Scheibe wird da sicher keine Ausnahme darstellen. Eigentlich eine Bilderbuchkarriere und doch spielen BRAINSTORM in der deutschen Musikpresse nicht gerade die erste Geige. Woran das liegt und warum in Schwaben trotzdem alles bestens ist, erklärt uns der gutgelaunte Frontmann Andy B. Franck.

Im Sommer 2010 fand in Braunschweig die erste „Metal Matters“-Tagung statt. Dort wurde Metal in ein wissenschaftliches Licht gerückt. Nun erscheint der Tagungsband.

THE ROTTED, vormals Gorerotted, hatten vor dem aktuellen Album „Ad Nauseam“ mit Line-Up-Problemen zu kämpfen. Im Interview berichtet Sänger Ben McCrow, dass das alles halb so wild war, und man mit dem Neuzugang eh besser arbeiten kann. Die Entwicklung der Death-Grinder nimmt Gestalt an.

SKELETONWITCH blasen aus den USA zum Angriff aufs eigene Land: Schluss mit moderner Core-Kacke. Der Old-School-Metal soll wieder regieren. Neben ihren guten Freunden Toxic Holocaust stehen sie dabei aber noch auf weitgehend verlassenem Posten dar. Vielleicht sollte man doch nach Deutschland auswandern? METAL MIRROR traf auf dem Wacken Open Air Gitarrist Nate Garnette.

Für das Wacken Open Air war es ebenso eine Premiere wie für ihn: Beim diesjährigen Metal-Event im Norden stand mit BÜLENT CEYLAN erstmals ein Comedian auf der Hauptbühne des Festivals. Die Begeisterung war groß, doch auch kritische Stimmen meldeten sich. Ist dieser türkischstämmige Komiker aus Mannheim überhaupt ein richtiger Metaller? Für uns Grund genug, um sich einmal mit einem der aufstrebendsten Komiker Deutschlands zu unterhalten.

Schluss mit lustig: Mit TSJUDER kehrt die rohe Urgewalt zurück in die norwegische Black-Metal-Szene. Mit „Legion Helvete“, ihrem ersten Album seit Trennung und Reunion, machen Tsjuder genau da weiter, wo sie 2004 aufgehört haben: Roh, hässlich, ungestüm und doch mit so viel Charakter, dass es eine Freude ist.

The Answer Rock is still alive: Dies zeigt auch 2011 eine große Schwemme an neuen Alte-Schule-Rock-Veröffentlichungen. Die nordirische Band THE ANSWER ist mit ihrem neuen Album „Revival“ dabei ganz vorne mit dabei. Doch was macht Rock generationsübergreifend so beliebt? Zusammen mit Sänger Cromac sucht METAL MIRROR eine Antwort.

Artikelserie “Mein bestes Stück”: In dieser Artikelserie stellen Musik-Fans Accessoires vor, mit denen sie eine besondere Geschichte verbinden. Diesmal berichtet Markus Lenzen wie er an die nie veröffentlichte erste Motörhead-Single kam und wie Lemmy reagierte, als er diese signierte.

Vader Fast 30 Jahre nach ihrer Gründung erwehren sich VADER noch immer jeder musikalischen Weiterentwicklung. Veränderungen gibt es nur auf personeller Ebene. Noch immer hat die Band mit dem wackligen Drummer-Posten zu kämpfen.

DEBÜTASTISCH! In dieser Artikelserie stellen wir in unregelmäßigen Abständen talentierte Bands vor, die uns mit ihrem ersten Album beeindruckt haben. Diesmal dabei: SKULL FIST, eine Band, die uns die Achtziger zurück in die Neuzeit bringt.

Tombs TOMBS stehen für einen ungewöhnlichen Mix aus Sludge, Black Metal, einigen anderen Häppchen und einer guten Portion Talent. Ihr neues Album „Path Of Totality“ bringt das noch einmal auf den Punkt. Grund genug, mal ein Wörtchen mit Gitarrist und Vokalist Mike Hill zu reden und die Band und die Konzepte vorzustellen.

Seventh Void und A Pale Horse Named Death im Underground: Dass das Kölner Underground gerade im Sommer mit dem angeschlossenen Biergarten eine der besten Locations in Köln und Umgebung ist, braucht man wohl nicht länger zu erwähnen, umso logischer ist es also, dass schon weit vor Einlass der Innenhof des Clubs ansehnlich gefüllt ist.

REVIEWS

An Autumn For Crippled Children – Everything (Killer-Album) Iced Earth – Dystopia Opeth – Heritage The Answer – Revival Anthrax – Worship Music Absu – Abzu Arch/Matheos – Sympathetic Resonance Hatesphere – The Great Bludgeoning Brainstorm – On The Spur Of The Moment 9MM – Dem Teufel Ein Gebet Almah – Motion Arabrot – Solar Anus Arven – Music Of Light Axel Rudi Pell – The Ballads IV BlackShore – Legion Cadaverous Condition – Burn Brightly Alone Cipher System – Communicate The Storms Dana Fuchs – Lonely For A Lifetime Design The Skyline – Nevaeh Doomdogs – Unleash The Truth Dream Theater – A Dramatic Turn Of Events Fyrnask – Bluostar Glorior Belli – The Great Southern Darkness Glyder – Backroads To Byzantium Gotthard – Homegrown – Alive In Lugano House Of Lords – Big Money Insomnium – One For Sorrow Japanese Voyeurs – Yolk Nachtblut – Antik Nicke Borg – Homeland Chapter II Profane Omen – Destroy! Renaissance Of Fools – Renaissance Of Fools Revocation – Chaos Of Forms Riverside – Memories In My Head Rose Funeral – Gates Of Punishment Saviours – Death’s Procession Sebastian Bach – Kicking & Screaming Skeletonwitch – Forever Abomination Slytract – Existing Unreal Superbutt – Music For Animals Taake – Noregs Vaapen Textures – Dualism The Burden Remains – Downfall Of Man The Devil Wears Prada – Dead Throne The Treatment – This Might Hurt Threat Signal – Threat Signal Thulcandra – Under A Frozen Sun Touchstone – The City Sleeps Unkind – Harhakuvat Uriah Heep – Live In Armenia Van Canto – Break The Silence Warbringer – Worlds Torn Asunder We Came As Romans – Understanding What We’ve Grown To Be Concept Insomnia – Kaleidoscope (Demo) Deadly Carnage – Sentiero Il Ceneri (Demo) Infernäl Death – Triumph Of Darkness (Demo) Kain – Omega (Demo) Loonataraxis – Up Here (Demo) The Course Is Black – The Blackness Within (Demo)

Interview: Saltatio Mortis – “Beim Barte des Propheten”

August 29th, 2011

Beim Barte des Propheten

Saltatio Mortis stürmen mit ihrem aktuellen Album nicht nur das Paradies, sondern entern langsam aber sicher endgültig den Szeneolymp der Mittelalterbands. Frontbarde Alea lüftet für uns den Schlüssel des Erfolges und stellt klar, dass Musiker nicht gleich Musiker ist.

Text: Miriam Görge | Fotos: Napalm

Der Release der neuen Platte „Sturm aufs Paradies“ steht kurz bevor. Sänger Alea ist mächtig zufrieden und weiß zu berichten, dass Saltatio Mortis selbst und die Presse sich einig sind, dass diese Scheibe die bisher straighteste der Band ist. „Puristisch und auf den Punkt, keine überflüssigen Verzierungen, keine dicken Gitarrenwände und kein hier noch was und da noch ein bisschen. Das ist es, was unsere neue CD ausmacht und die Umsetzung dessen ist witzigerweise schwerer als ein Album ausufern zu lassen. Wenn du was hörst, hast du als Musiker adhoc noch tausend Ideen, was man noch hinzufügen könnte. Da haben wir diesmal einfach einen Riegel vorgeschoben und sind mehr als zufrieden mit dem Ergebnis.“

AuF Nostradamus‘ Spuren
Während die Musik also geradlinig daher kommt, darf es textlich auch schon mal etwas kritischer sein. So hört man bei „Fiat Lux“ mahnende Worte zum Thema Atomkraft. Schnell noch auf den Karren aufgesprungen? Von wegen, der Song entsprang Lasterbalks Feder schon im vergangenen Jahr, was fast schon prophetische Gaben vermuten lässt. „Wir waren selbst überrascht. Als das mit Fukushima passierte, waren wir bereits im Studio, die aktuelle Relevanz des Songs ist also zufällig. Wir schreiben und singen darüber, was uns bewegt und in den Sinn kommt, ob ein Thema gerade in den Medien ist oder nicht spielt dabei keine Rolle.“  Über zukünftige Unglücke, die Lasterbalk womöglich schon vorausgeahnt hat, hält man sich allerdings dann doch lieber bedeckt. Aber manche Dinge möchte man sowieso lieber nicht vorher wissen. Und ob sich so manch ein Hörer überhaupt mit den Texten auseinandersetzt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Blindes Vertrauen
Typisch ist solch zeitgemäßes Gedankengut wie Atomkraft dennoch nicht für eine Mittelalterband, was die Frage aufwirft, ob es nicht manchmal für einen Sänger etwas schwierig ist, sich in die Gedanken des Komponisten hineinzuversetzen und diese adäquat zu transportieren. „Das große Plus, was Saltatio Mortis anderen Bands der Szene weit voraus hat, ist, dass Lasterbalk und ich im Gleichklang sind. Er schreibt was, ich weiß sofort, was er meint und schon läuft die Maschine.“ So was funktioniere nur dann, wenn hinter allem eine gefestigte, gewachsene Freundschaft bestehe, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht. „Und schon hast du unseren Schlüssel zum Erfolg.“

Ehrlicherweise muss man ja nun zugeben, dass dies allein dich nicht zum guten Musiker macht. Etwas Talent für die Sache sollte man schon auch mitbringen, doch auch damit ist es noch nicht getan. So kommt es schon einmal vor, dass ein wahnsinnig nervöser Alea vor einem großen Auftritt meditiert, sich mit Dreieckssprüngen aufwärmt und mit seinem Vocalcoach skyped, um sich einzusingen.

„Ein Sänger, der nicht regelmäßig Zeit mit Stimmübungen verbringt, der hat seinen Beruf verfehlt. Zum einen machst du dich irgendwann kaputt, wenn du nicht weißt, wie du es richtig machst und zum anderen hast du ja auch eine Verantwortung gegenüber den Fans. Wenn das erste Konzert dann mal gut läuft, haben die Zuschauer am nächsten Tag nichts davon, wenn du total heiser bist. Auf Festivals kannst du die Unterschiede gut ausmachen. Da gibt es Sänger und Sänger, doch nur die einen verdienen für mich wirklich die Bezeichnung.“ Namen will Alea leider keine nennen.

Alea und seine Barden haben ihren Weg jedenfalls gefunden und werden ihn auch weiter gehen, sei es in großen Hallen oder auf Mittelaltermärkten, welche aus dem Leben der Band nach wie vor unmöglich weggedacht werden können. Wenn SaMo immer größer werden, dann müssen die Märkte einfach mitwachsen: „Mit Gisbert Hiller (Veranstaler des MPS – mg) haben wir den perfekten Partner gefunden, der uns alle Möglichkeiten gibt, den Leuten auf dem Spectaculum das zu bieten, was sie von uns erwarten. Und sollte die Reise noch höher gehen, dann wird er auch dafür eine Lösung finden.“ Recht so, denn was wäre die Szene ohne eine Band wie Saltatio Mortis? In jedem Fall einen Schritt weiter weg vom Paradies.

www.saltatio-mortis.com

Artikelserie “Debütastisch!”: A Pale Horse Named Death – “Die Finger schmutzig machen”

August 29th, 2011

Die Finger schmutzig machen

DEBÜTASTISCH! In dieser Artikelserie stellen wir in unregelmäßigen Abständen talentierte Bands vor, die uns mit ihrem ersten Album beeindruckt haben. Diesmal dabei: Die Type-O-Negative-Nachfolgeband A PALE HORSE NAMED DEATH.

Text: David Dankert | Foto: SPV

Entspannt und spürbar von sich selbst überzeugt sitzt Sal Abruscato im Biergarten des Kölner Undergrounds. Noch während der Begrüßung fängt der Mann, der in der Musikwelt besser als Drummer von Type O Negative und Life Of Agony bekannt ist, mit halb offenen Augen an, einen Joint zu drehen und gerät in einen Laberflash:

„Weißt du, mir ging es eine Zeit lang echt dreckig. Meine Frau hatte sich von mir getrennt und ich war richtig down. Ich hab sogar darüber nachgedacht, keine Musik mehr zu machen. Aber dann lag ich auf der Couch und habe den History Channel geschaut. Und da lief dieser ganze Scheiß über die Bibel, den Teufel, die Kriege. Dann kamen die vier Reiter, die Rede war von einem „Pale Horse“, welches den Tod bringt. Da schoss es mir sofort durch den Kopf: „A Pale Horse Named Death“, ich wusste sofort, dass das DER Name für mein neues Projekt war. Noch bevor auch nur der erste Song aufgenommen wurde, ließ ich mir „A Pale Horse Named Death“ auf die obere Brust tätowieren.“

Nimmt man Sals Aussage über seine schwere Zeit, so könnte man leicht auf die Idee kommen, dass Songs wie „Heroin Train“ oder „Pillhead“ eventuell Auszüge seines Lebens sein könnten. Angesprochen darauf erklärt Sal jedoch fix: „Das ist zum Teil Fiktion, manches auch nicht. Ich habe eine Zeit lang nah an einem Park gelebt und da sieht man diese ganzen Junkies, denen alles egal ist, die nur bis zum nächsten Schuss denken können. Davon handeln im Groben die Songs.“

Auch sonst, sieht man einmal von den stark geröteten Augen und dem Joint in Sals Hand ab, wirkt er angesichts der eher depressiven Atmosphäre auf „And Hell Will Follow Me“ überraschend ausgeglichen und zufrieden. „Es war einfach mal geil, alles so zu machen wie ich wollte. Ich habe alle Songs geschrieben, also brauchte ich mich nicht mit anderen Leuten herumzuärgern, die irgendwas anders sehen als ich. Wenn vier Leute oder mehr in einem Raum stehen und einen Song schreiben, dauert das Stunden. Bei Life Of Agony haben wir manchmal einen ganzen Tag diskutiert und herumprobiert, um am Ende des Tages zu merken, dass wir trotzdem keinen fertigen Song hatten.“

Der Drummer ist im Urlaub
Auch die Entscheidung live nicht mehr Drums zu spielen, fiel alles andere als schwer: „Ich bin einfach gelangweilt vom Schlagzeug spielen. Ich spiele seit so vielen Jahren, dass ich was Neues ausprobieren wollte. Klar, ein Szenario wäre zum Beispiel, wenn Dave Grohl mich als Drummer haben wollen würde, dann wäre ich auch sofort wieder dabei, aber ansonsten ist der Drummer in mir im Urlaub – und das auf unbestimmte Zeit.“

Auf unbestimmte Zeit müssen zumindest APHND-Fans nicht auf ein weiteres Album warten. Das ist laut Sal schon jetzt in der Mache. „Ich merke, dass sich ein Fieber unter den Leuten ausbreitet. Immer mehr Leute hören unser Album und die Reaktionen auf den Konzerten sind echt phänomenal. Gerade gießen wir unser Fundament, nächstes Jahr spielen wir eventuell schon vor 300 Leuten und irgendwann, wer weiß, mal eine Headlinershow vor 1000 Leuten? Natürlich ist es eine Umstellung, keine Roadies mehr zu haben und alles selber zu machen. Für manche ist das zu hart, doch ich habe kein Problem damit, mir die Finger schmutzig zu machen. Das hatte ich noch nie. Auch nicht bei Life Of Agony oder Type O Negative!“

Dass gerade diese zwei Bands möglicherweise für immer uneinholbar für Sal Abruscato schweben könnten, sieht er nicht als Problem: „Das ist doch einfach ein Riesenkompliment finde ich. Viele Kompositionen von Type O waren wirklich genial und ich bin stolz, einen Teil dazu beigesteuert zu haben und mit dieser Band in Verbindung gebracht zu werden. Viele Leute sagen auch oft, wir wären von Alice In Chains beeinflusst, fuck, ich habe ja nicht mal ein Album von denen, aber trotzdem macht mich so etwas stolz. Die Leute bringen einen nun mal mit denen Sachen in Verbindung, die sie schon kennen. Das liegt in der Natur des Menschen. Man kann seine Herkunft nicht leugnen und das habe ich auch nicht vor.“

www.apalehorsenameddeath.com

Interview: Rival Sons – “Schlägerei in der Bar”

August 29th, 2011

Schlägerei in der Bar

Sagt noch wer, man könnte heute mit klassischer Rock-Musik nicht mehr das Rockstar-Dasein erreichen. RIVAL SONS aus Los Angeles werden derzeit von allen Seiten mit Lob überhäuft. Auch im METAL MIRROR wurde ihr zweites Album „Pressure & Time“ zum Album des Monats gewählt. Ein Anruf bei Gitarrist Scott Holiday zeigt: diese Jungs sind ein erfrischender Wind im lauen Lüftchen des Szenebreis.

Text: Dorian Gorr | Fotos: Earache

Wenn uns das Beispiel Rival Sons eines lehren sollte, dann: Es braucht keine Förderprogramme, keine übermäßige Werbung, keine Ghostwriter und jahrelange Support-Touren, um mit einem Schlag in aller Munde zu sein. Wenn die Musik gut genug ist, ergeben sich all diese Dinge von ganz alleine. Dreht man die Uhren ein Jahr zurück, waren Rival Sons fast niemandem bekannt. Eine No-Name-Band aus Kalifornien, die sich ehrlichem, handgemachten Rock verschrieben haben. Ein Jahr später dauert es eine Ewigkeit, bis man Gitarristen Scott Holiday überhaupt ans Telefon bekommt.

„Momentan ist alles ziemlich verrückt“, gibt er gutgelaunt zu. „Zum Glück kann ich derzeit noch über die Straße laufen, ohne dass sich Menschentrupps um mich bilden. Ich bin mit Tommy Lee befreundet und wenn man mit dem unterwegs ist, ist es immer total abgedreht und man kommt zu nichts. Keine Ahnung, ob das bei uns einmal so wird und ob ich das überhaupt möchte, aber andererseits gehört das wohl zum Rock‘n‘Roll dazu.“

Auf Promoarbeit von Berühmtheiten im Freundeskreis waren die Rival Sons bei ihrem Siegeszug nicht angewiesen. „Rock‘n‘Roll muss auch ohne Hilfe überleben“, lautet Scotts Devise.

Rock muss gefährlich sein

Und Rival Sons sind Rock‘n‘Roll. Richtiger Rock‘n‘Roll. Nicht das Resultat, das man erhält, wenn man den Rock‘n‘Roll-Gedanken in die heutige Zeit transportiert und ihn mit viel Geschrei und moderner Standard-Produktion anreichert. Mit diesem Schrott, den man uns heute als „Heavy Rock“ verkauft, hat „Pressure & Time“ nichts zu tun. Hier fühlt man sich beim Hören an Led Zeppelin erinnert. Deren Erbe führen Rival Sons fort. Mit wenig musikalischer Veränderung, aber eben in jüngerer Form.

„Vom Feedback, das wir bei unseren Touren und auf dieses Album bekommen haben, lässt sich schon darauf schließen, dass die Leute auf eine Band gewartet haben, die wieder richtigen Rock‘n‘Roll spielt“, lautet Scotts Aussage auf die Frage, ob sie das Gefühl haben, die nächste Generation Rockstars anführen zu können, die langsam aber sich in die Fußstapfen der alten Garde tritt.

Rival Sons sind die erste Band seit einer langen Zeit, der man das tatsächlich zutraut. Es ist bei ihnen nicht nur ein Promoterklischee, dass diese Jungs den Spirit der alten Schule atmen. Sie tun es. Beispielsweise bei der Produktion ihres erfolgreichen Albums. Mit nur ein paar Ideen in der Hinterhand verzogen sich die vier Musiker ins Studio. In nur 20 Tage entstand dort das gesamte Album. Kein einziger Song wurde im Vorfeld geschrieben. Dass das auch in die Hose hätte gehen können, ist Scott durchaus bewusst.

„Es war gefährlich, ja. Aber genau so sollte es auch sein. Dass alle Songs erst vor Ort entstanden und meist sofort aufgenommen wurden, gibt dem Album diesen Extrakick. All unsere Lieblingsalben, von den Stones, den Beatles, von Chuck Berry, sie alle haben ihre größten Alben in wenigen Tagen aufgenommen, meist direkt im Studio. Dann nimmt man die wilde Energie mit. Rock‘n‘Roll sollte wild und gefährlich sein, wie eine Barschlägerei“, lautet Scotts Vergleich.

Ebenfalls ungewöhnlich: Wo andernorts mp3-Files ausgetauscht werden und mit Pro-Tools nachgearbeitet wird, entschieden sich die Rival Sons für eine fast ausgestorbene Variante: sie nahmen die Songs live im Studio auf.  „Diese modernen Produktionen funktionieren vielleicht für manche Bands und es ist toll, dass die Technik uns so viel ermöglicht, aber dem Feeling und Sound des Rock‘n‘Rolls hat diese Arbeitsweise geschadet. Die Leute überproduzieren, überarbeiten, überschreiben ihre Songs“, findet auch Scott.

Umso besser, dass endlich mal wieder eine Band vormacht, wie es anders, – nein – wie es richtig geht!

www.rivalsons.com

Interview: ICS Vortex – “Dialog mit dem Tausendsassa”

August 29th, 2011

Dialog mit dem Tausendsassa

Die Trennung von Dimmu Borgir hängt Stimmwunder ICS VORTEX noch immer im Nacken. Um wieder auf eigenen Füßen zu landen, hat der hünenhafte Norweger sein erstes Soloalbum veröffentlicht. Und schnell wird klar: Das ist nicht die einzige Baustelle, auf der er momentan arbeitet.

Text: David Dankert | Fotos: Century Media

Arcturus, Dimmu Borgir, Borknagar, Lamented Souls…Die Liste namhafter Bands, in denen Simen Hestnaes, besser bekannt als ICS Vortex, mitgewirkt hat, ist mit Sicherheit nicht von schlechten Eltern. Dass nun sein neuestes Projekt, simpel mit ICS Vortex betitelt, nicht gerade wenig Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist angesichts der bereits erwähnten Bands nicht verwunderlich. Aber sollte man ICS Vortex eher als kurzweiligen Zeitvertreib vom Meister des Sirenengesangs ansehen oder kann man „Storm Seeker“ als Grundstein für eine neue aufstrebende Metal-Band betrachten?

„Na ja, das mit der Zeit ist bei mir ja immer so eine Sache. Der derzeitige Plan ist, dass ich definitiv weitere Alben mit ICS Vortex aufnehmen und veröffentlichen will. Von daher kann man schon sagen, dass ICS Vortex meine momentane Basis ist und mein Hauptaugenmerk auf dieser Band liegt.“ Trotz dieser klaren Aussage von Vortex selbst: Wie es genau mit ihm weitergeht, lässt sich nicht sagen. Das lässt sich zumindest angesichts der Updates bei seinen anderen Bands vermuten: „Mit Arcturus haben wir schon einige Shows bestätigt, unter anderem in Norwegen und Polen. Derzeit verhandeln wir außerdem mit dem Hellfest in Frankreich und fangen wieder an zu proben, wobei ich erstmal wieder die Texte lernen muss, bevor das richtig ins Rollen kommt. Borknagar hingegen sind derzeit noch recht inaktiv, mit Lamented Souls haben wir allerdings den Plan, demnächst ein Album einzuspielen, wobei wir momentan dazu tendieren, die Band nach dem Release eventuell aufzulösen. Außerdem habe ich noch ein neues Projekt mit Mustis (ex-Dimmu-Borgir – dd) in der Mache. Darüber kann ich aber noch nicht zu viel verraten.“

Selbst mal der Chef sein
Dass die Trennung von Dimmu Borgir noch nicht vergessen ist, lässt sich am ernster werdenden Tonfall erkennen, wenn es um die werten ex-Kollegen geht. „Die Idee zu einer eigenen Band hatte ich schon weit vor meinem Einstieg bei Dimmu Borgir, das hat damit nichts zu tun. Viele der Songs von „Storm Seeker“ habe ich schon vor 18 Jahren geschrieben. Es hat einfach an Zeit und dem passenden Augenblick gefehlt, etwas Neues anzufangen. Nach dem Split hatte ich aber das Gefühl, dass jetzt die Zeit für ICS Vortex gekommen ist.“

Erstmals kam Vortex in den Genuss, selber der Boss zu sein und keine Kompromisse eingehen zu müssen. Dass dies sowohl Fluch als auch Segen sein kann, weiß auch er. Trotzdem ist spürbar, wie zufrieden und glücklich er selber mit der finalen Version von „Storm Seeker“ ist. „Ich habe alle Songs selber geschrieben und arrangiert. Selbst die Pre-Produktion habe ich alleine durchgezogen. Als es dann jedoch an die finalen Aufnahmen ging und ich auch eine Band suchte, um das Material auch live präsentieren zu können, konnte natürlich jeder der Jungs Änderungen mit einbringen. Vor allem unser Drummer werkelte noch etwas an den Beats herum, ehe die Songs wirklich komplett fertig waren. Ich hoffe natürlich, dass das Line-Up jetzt erstmal stabil bleibt und wir live spielen werden. Fakt ist aber, dass wir derzeit auch schon an neuen Songs schreiben, denn 2012 würde ich gerne ein weiteres Album veröffentlichen, natürlich gerne unter Beteiligung der jetzigen Band.“

Ozzy, Bathory, Folk…Vortex
Zumindest für die geplanten Live-Auftritte wird Bandchef Vortex allerdings deutlich weniger zu tun kriegen als dies noch beim Songwriting der Fall war. Ursprünglich war zwar der Plan, live auch Gitarre zu spielen, mittlerweile tendiert Vortex jedoch dazu, live lediglich zu singen und den instrumentalen Part auf der Bühne komplett den anderen Mitglieder zu überlassen. „Da die Songs recht progressiv geworden sind und so viele verschiedene Musikrichtungen miteinander vereinen, wird es eine gewisse Herausforderung sein, „Storm Seeker“ angemessen live zu präsentieren. Viele hatten mit Sicherheit ein deutlich härteres, Black-Metal-orientierteres Album erwartet, aber dafür kenne ich mich viel zu wenig mit Satanismus und diesem Kram aus (lacht – dd). Für ein solches Album habe ich auch einfach zu viele verschiedene Einflüsse, die ich versuche zu vereinen. Zum Beispiel hat mich „Blood Fire Death“ von Bathory, eines meiner Lieblingsalben, sehr stark im Songwriting beeinflusst. Aber auch Folk und vor allem Black Sabbath mit Ozzy an den Vocals waren eine große Inspiration, auch wenn man das im ersten Augenblick vielleicht nicht raushören kann.“

Bei derartig unterschiedlichen Einflüssen stellt sich natürlich auch die Frage nach den Texten zu den Songs auf „Storm Seeker“. Das Album sei zwar nicht als Konzept-Album angelegt und auch die Songs selber hängen nicht miteinander zusammen, stattdessen konzentriert sich Simen Hestnaes auf alltägliche Themen, die ihn immer wieder beschäftigen: „Das Ganze ist natürlich in Metaphern verpackt und ein wenig verschleiert, was ich aber jetzt hier nicht genauer erklären oder aufschlüsseln will. Würde ich wollen, dass jeder sofort versteht, worum es in jedem Song geht, dann bräuchte ich schließlich auch keine Metaphern verwenden oder?“

Letztlich lässt ICS Vortex also nicht nur lyrisch gesehen einige Fragen bezüglich seines musikalischen Schaffens offen. Ob der derzeitige Tausendsassa alle Pläne verwirklicht  und sowohl mit ICS Vortex auf Tour geht als auch die anderen Projekte mit Mustis, Arcturus, Borknagar und Lamented Souls am Laufen hält, bleibt abzuwarten. An Motivation scheint es jedoch nicht zu mangeln.

www.myspace.com/icsvortex

Interview: Edguy – “Uncoole Superheroes”

August 29th, 2011

Uncoole Superheroes

Mitinitiatoren des Power-Metal-Revivals Ende der 90er Jahre, deutscher Metal-Exportschlager Nummer 1 und Chartstürmer. All das sind Errungenschaften, die sich EDGUY in der Vergangenheit auf die Flagge schreiben konnten. Heute jedoch weiß Mastermind Tobias Sammet zu berichten, dass es in den jüngst vergangenen Jahren nicht mehr ganz so hip ist, Edguy zu sein und begründet ebenso schlüssig wie unbescheiden, dass ihn und seine Mannen das nicht im Geringsten juckt. Denn es ist eben nichts toller als Edguy zu sein.

Text: Miriam Görge | Fotos: Nuclear Blast

Was immer man Bandchef Tobias Sammet vorwerfen möchte, übermäßige Bescheidenheit ist es höchstwahrscheinlich nicht. So ist es wenig verwunderlich, dass man in der Edguy-Zentrale mehr als zufrieden zurück und besonders hinsichtlich des neuen Albums „Age Of The Joker“ nach vorne schaut. „Das Album ist so bunt, jeder Song hat auf andere Art und Weise seine individuellen Stärken und viele Elemente sind sehr untypisch für uns. Gerade das macht es für einen Künstler sehr spannend. Es ist einfach, neue Farbe ins Spiel zu bringen und völlig von dem wegzugehen, was man früher gemacht hat, aber das wollen wir nicht. Ich habe bei dieser neuen Platte das Gefühl, dass es unglaublich ist, wie eine Platte trotz so einer Vielfalt derart extrem nach Edguy klingen kann. Das ist das Ultimative, was man als Band erreichen kann.“ Und wenn es schon kein anderer tut, dann schlägt man sich eben selbst zum Ritter, denn viele Bands gibt es Tobias’ Ansicht nach nicht, die von sich behaupten können, einen unverkennbar eigenen Sound mit immens großer Vielseitigkeit zu vereinen.

Selbstbewusster Joker
Derlei Aussagen mögen so manchen Kritiker schnell zum Phrasendrescher werden lassen und im Hinterkopf hallen die Worte „Eigenlob stinkt“ nach. Riecht man hier etwa Arroganz? Mitnichten, auch wenn Tobi selten müde wird, sich am Schaffen von Edguy zu erfreuen. „Ich gehe einfach noch heute mit einer Unbedarftheit an alles ran und sage Dinge aus einer gewissen Echtheit heraus. Ich mache mir da auch nicht so viele Gedanken und lasse mir keinen Maulkorb anbinden. Aber ich weiß, dass wir sehr gut sind. Diese Überzeugung habe ich schon immer gehabt. Wir haben Außergewöhnliches geleistet und auch sehr viel Glück in unserer Karriere gehabt. Die Zeit, mir deshalb den ganzen Tag auf die Schulter zu klopfen, habe ich allerdings nicht und ich sitze auch nicht hier und denke mir „meine Fresse, bist du ein geiler Hecht“. Würdest du in meinem Freundeskreis fragen, käme niemand auf die Idee, mich als arrogant zu bezeichnen. Vieles von dem „auf die Kacke hauen“ ist Teil der Show und ich parodiere einfach den Prototypen des Rockstars. Das ist nicht alles bierernst.“ Also alles halb so wild und schließlich wurden die Hofnarren bereits im Mittelalter dafür bezahlt, anderen Laune zu bereiten. Als Spaßmacher der Saison eckt man vermutlich zwangsweise einfach mal an und wer den Hohn hat, braucht ja bekanntlich für den Spott nicht zu sorgen.

Schatten der Vergangenheit?
Mangelnde Bescheidenheit ist jedoch nicht der einzige Vorwurf, mit dem sich die Band konfrontiert sieht. Hier und da grassieren Gerüchte, im Hause Edguy hätte man gar keinen Bock mehr auf die Klänge der alten Tage. Das möchte Tobi nicht unterschreiben: „Eigentlich bin ich sehr zufrieden mit unserer Diskographie. Klar würde ich heute viele Sachen anders machen, aber eine Platte wie die „Kingdom Of Madness“ musste einfach so klingen, damit wir eine „Vain Glory Opera“ machen konnten. Das gilt im Grunde für jedes Album und ich kann auch heute bei den alten Sachen noch viele gute Momente und Ideen ausmachen, auch wenn sie dem Sammet von heute so nicht mehr in den Sinn kommen würden. Jeder einzelne Fehler, der gemacht wurde, war wichtig und notwendig, um zu dem zu werden, was wir heute sind. “ Gesetzt den Fall es käme zu einer Invasion von Außerirdischen, die unwahrscheinlicherweise noch dazu Interesse daran hätten, einen repräsentativen Song des Quintetts zu hören – ja, scheinbar wird Edguy diese Frage häufig gestellt (gottlob nicht von mir), was Tobi immer wieder zum Schmunzeln bringt, da sich ihm deren Sinn nicht so sehr offenbaren möchte – würde heuer die Wahl auf ein Stück vom neuen Album fallen, was in Augen des Fronters jedoch nur allzu natürlich ist. „Sicher, wir sind sehr überzeugt von der „Age Of The Joker“ und werden auch viele Songs auf der kommenden Tour spielen, andere Sachen gehören jedoch genauso dazu und wollen von unseren Fans gehört werden.“

Die Qual der Wahl
Wie die Setlist auf der kommenden Tour aussehen wird, steht noch nicht fest. Seit Jahren haben Edguy keine Headliner-Tour mehr gespielt und freuen sich umso mehr darauf. Welche alten Songs dazu ausgekramt werden, die es vielleicht live schon länger nicht mehr zu hören gab, ist eine diffizile Geschichte. „So ein Entscheidungsfindungsprozess wird von Album zu Album nicht leichter.“ Lachend fügt Tobi hinzu: „Besonders dann nicht, wenn du nur gute Platten machst. Wenn man schlechte Alben machen würde, hätte man einen großen Vorteil.“

Ja, es ist nicht leicht talentiert zu sein und jedem einzelnen Fan kann man es sowieso nicht recht machen. Zumal das Edguy-Publikum inzwischen fast so bunt ist wie das neue Album. Von einem Internetpoll, um die Fans am Entscheidungsfindungsprozess teilnehmen zu lassen, hält Tobias nichts. „Im Ansatz ist das ja keine schlechte Idee, aber wie repräsentativ ist so etwas? Schau dir allein die Reaktion bei der Bild-Online Umfrage bezüglich zu Guttenbergs Abgang damals an. Das spiegelt nie und nimmer die allgemeine Meinung wider. Außerdem glaube ich, dass ein großer Teil unserer Fans nicht mal regelmäßig das Internet benutzt, was ich im Übrigen sehr sympathisch finde!“

Die Dramaturgie, welcher es für ein gelungenes Konzert bedarf, wollen Edguy selbst schmieden, schließlich wissen sie selbst besser, wie die Fans auf welche Songs reagieren.

In der Erfolgsachterbahn

„King Of Fools“ rief damals derart große Begeisterung hervor, dass einem Edguy irgendwann aus einer TV-Chart-Show entgegenlächelten. Und plötzlich hatten die Fulderaner ein neues Prädikat: Chartmucke. Tobi nimmt diesem Stempel spielend den Wind aus den Segeln: „Ich finde das witzig, wenn Leute immer wieder per se von Chartmucke reden. Was ist das denn? Judas Priest, Slayer? Oder nimm als Beispiel Iron Maiden. Die könnten sich auf den Kopf stellen und würden trotzdem in den Charts landen. Die sind ein Spiegel dessen, was die Leute hören wollen und zeigen, dass du als Band viele Fans hast. Aber das ändert ja nichts an deiner Musik. Du hast als Künstler ja gar keinen Einfluss darauf und kannst schlecht sagen, dass du von Media Control nicht gewertet werden möchtest.“

Ob „Age Of The Joker“ die Charts stürmt, ist ungewiss und egal. Das Medieninteresse an Edguy hat in den vergangenen sechs Jahren nach Sammets Empfinden eh nachgelassen. „Damals beim großen Heavy-Metal-Revival hat sich die Presse überschlagen, heute ist das alles ziemlich abgeflacht und wir sind inzwischen ziemlich uncool. Da gibt es andere Bands und eine andere Art von Musik, die gerade gefeiert wird. Wir warten jetzt einfach bis die Bands, die momentan im Fokus stehen, ihre zwei erfolgreichen Alben durch haben und dann ist das Thema wieder gegessen, die gehen zurück an die Wursttheke und dann sind vielleicht wir wieder im Fokus. Das ist alles nicht so wichtig. Wenn du, wie auf unserer Tour mit den Scorpions, vor einem Publikum bestehen kannst, was dich eigentlich gar nicht sehen will, weil du dein eigenes Ding durchziehst, dann ist es völlig irrelevant, ob du gerade der letzte Schrei bist oder nicht.“ In Tinnitus Sanctus Amen.

www.edguy.de

Interview: Skindred – “Befreie deinen Geist”

August 1st, 2011

Interview mit Benji (Skindred)

Befreie deinen Geist

SKINDRED spiegeln das Zusammenleben der verschiedensten Kulturen wider. Und das nicht nur innerhalb der Band und ihres Lebensraums, sondern auch musikalisch: Reggae und Metal. Eine Ausnahmeerscheinung.

Text: Elvis Dolff | Foto: Skindred

Skindred sind etwas ganz Besonderes. Während einen heutzutage wohl kaum noch eine Kombination musikalischer Stile überraschen kann und man als Old School gilt, wenn man nur zwei Genres oder gar nur ein einziges bedient, befinden sich Skindred in der soliden Position, sich selbst ein eigenes Genre geschaffen zu haben: ihren Ragga Metal. Dass dieses Genre-Geschwafel nicht nur jedem ernstzunehmenden Fan aus den Ohren hängt, bestätigt der Eindruck und die Einstellung von Front-Skindred Benji Webbe: „Fans aus den verschiedenen ‚Szenen‘ und ‚Gangs‘ werden uns nur mögen, wenn sie nicht blind von ihren ganzen Genres sind. Das ist Musik für Leute, die frei davon sind und sich nicht davon versklaven lassen. Befreie deinen Geist und dein Arsch wird folgen! Wir sind auch kein Crossover oder Teil irgendeines Trends. Das ist Musik, die alle Dinge übersteigt.“

Die Wurzeln sind unter anderem im Reggae zu finden. Eine  gewisse Verbindung zu dieser Szene kann die Band nicht von sich weisen. „Ich mag das ältere Zeug. Persönlich denke ich, dass Reggae seine Richtung verloren hat und Jahr für Jahr das Gleiche herausbringt, nur eben mit modernerer Technik. Ich bin ehrlich gesagt kein Fan von den heutigen Reggae-Künstlern.“

„…außer deutscher Techno.“
Die Idee eine Band in diesem Stile zu etablieren, dazu habe er sich irgendwann berufen gefühlt. „Ich liebe Rock’n’Roll, Punk und Metal genauso wie jede Art von Dancemusic. Außer vielleicht dem deutschen Techno. Ich bin in den Siebzigern aufgewachsen. Als ich Bands wie The Specials, The Clash oder die Beastie Boys hörte und sah, wie sie verschiedene Stile verbinden, wusste ich, dass ich eine Band kreieren musste, die das auch herüberbringt. Keine erzwungene Musik machen, sondern eine, die ganz natürlich kommt. Wenn du etwas liebst, musst du es nicht erzwingen.“

Leben im Schmelztiegel
Das neue Album „Union Black“ schlägt in jedem Fall wieder in typischer Skindred-Manier, unverwechselbar und mehr als partytauglich in die Plattenläden ein. Der Titel hat sogar eine besondere Bedeutung. „Das ist mehr oder weniger eine Zelebration des Schmelzpunktes und des kulturellen Zusammenlebens, das in Großbritannien mittlerweile Einzug gehalten hat. Reich an Kultur und Leuten aller Nationen und Nationalitäten. Ich weiß nicht, ob man das für jede Ecke dieses Landes sagen kann, aber hier in Newport kommen wir mehr als nur gut zurecht – und leben zusammen!“

Und nicht nur darauf, sondern auch auf das Album selber ist Benji sehr stolz: „Es ist das erste Album, das wir hier in Großbritannien gemacht haben. Es fasst unsere musikalische Vielfältigkeit brillant ein. Ich bin glücklicher mit dem Release als ich am Anfang dachte.“

Wieviel Glück die Musik live versprüht, können unter anderem Wacken-Besucher in diesem Jahr erleben. „Wacken ist schon was ganz besonderes. Da haben wir lange drauf gewartet. Ich habe mal gehört, dass man sobald man in Wacken gespielt hat, ein wirklicher Heavy Metal-Act ist. Bring it on!“
In diesem Sinne: One love, brotha!

www.myspace.com/skindred

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Interview: Toxic Holocaust – “Outlaw-Thrasher mit Zero Money”

August 1st, 2011

Interview mit Joel Grind (Toxic Holocaust)

Outlaw-Thrasher mit Zero Money

Gegen den Strom: Seit seinen Jugendtagen gibt sich Joel Grind seinem post-apokalyptischen Thrash hin. Der Geschmack der restlichen Welt interessiert den Vinyl-Sammler nicht. Mit TOXIC HOLOCAUST hat der aus Portland stammende Einzelgänger das ideale Vehikel für seine musikalische Retro-Visionen gefunden. Im Interview spricht Joel darüber, wie es ist, als wirkliche Band zu arbeiten, warum er mit Label weniger Geld verdient als ohne und warum die Band temporär ein neues Logo hat.

Text: Dorian Gorr | Fotos: J. Robbilard

Toxic Holocaust haben es nicht leicht. Während in Deutschland die Retro-Thrash-Welle tobt, steht bei den amerikanischen Teenagern überwiegend moderne Mucke auf dem Spielplan. Deathcore, Metalcore, moderner Death Metal. Musik, mit der Joel Grind, Bandgründer und lange Zeit einziges Mitglied von Toxic Holocaust, nichts anfangen kann. Schlechte Laune hat er dennoch nicht. Toxic Holocaust sind gerade zurück von ein paar Shows an der Ostküste.

„Zu unseren Shows kommen immerhin zwischen 300 und 500 Leuten. Wir haben Glück, dass wir uns in all den Jahren einen Fankreis erspielt haben. Zum Teil kommen auch Punk-Fans zu uns, das sind nicht alles Thrasher.“

Und selbst wenn es nur 50 Zuschauer jeden Abend wären, den eigenen Sound anzupassen, käme für Joel und Toxic Holocaust niemals in Frage. Old-School-Thrash mit einer Prise Black Metal und einer rotzigen Note Punk, dafür steht die Band aus Portland seit jeher. Und damit sind sie in den USA weitgehend Außenseiter. Entsprechend dauerte es, bis Joel Musiker fand, die würdig, erfahren und fokussiert genug waren, dass man Toxic Holocaust in den Status einer richtigen Band erheben konnte. Mittlerweile hat Joel das Einzelprojekt-Dasein seit drei Jahren hinter sich gelassen. Sehr zu seiner Begeisterung, wie er auskunftsfreudig zu Protokoll gibt.
„Ich möchte das nicht mehr missen. Ich kann mich viel mehr aufs Songwriting konzentrieren und verbringe weniger Zeit mit den Aufnahmen. Früher musste ich ja jedes Instrument selbst einspielen, das hat mich immer viel Zeit gekostet. Zumal ich kein besonders guter Drummer bin. Ich kann ein paar Beats spielen, aber ich bin selten in der Lage, die Dinge, die ich im Kopf habe, dann auch genau so umzusetzen“, erklärt der Blondschopf.

Umso wichtiger war es für ihn, möglichst schnell einen festen Drummer zu finden, der seine Visionen umsetzen konnte. Allerdings gestaltete sich ironischerweise gerade die Verpflichtung eines guten Drummers als schwierigster Schachzug. Al Chambers war der erste Drummer, den Toxic Holocaust verpflichten konnten, der aber nach nur einem Jahr wieder ausstieg.

„Al hatte genug mit seiner Band Zeke zu tun. Und der Lebensstil von Toxic Holocaust passte nicht zu ihm. Der ist um die 40, da hat man keinen Bock mehr, acht Monate des Jahres in einem Van herumzureisen. Mir macht das noch immer Spaß, aber ewig werde ich das auch nicht können. Irgendwann muss man sich etwas einfallen lassen.“

Doch was das sein soll, weiß Joel nicht. Derzeit ist das Touren die einzige Möglichkeit, um sich mit Toxic Holocaust über Wasser zu halten. Und trotzdem mache die Band „zero money“. Daran hat sich auch durch den Vertrag mit Relapse Records nichts geändert. Ganz im Gegenteil. „Es ist ironisch, aber als ich noch alles selbst machte und die Alben im Alleingang herausbrachte, machte ich mehr Geld mit Toxic Holocaust. Es müssen mittlerweile einfach viel mehr Leute bezahlt werden. Aber es hören ja nicht unbedingt mehr Leute unsere Musik.“

Mehr Arbeit, weniger Geld
Das wirft die Frage auf: Wozu brauchen Bands im Allgemeinen, und Toxic Holocaust im Speziellen, überhaupt noch Plattenfirmen, die die Musik für sie veröffentlichen und vertreiben? „Ich glaube auch, dass ein Label nicht unbedingt wichtig ist. Ich habe Toxic Holocaust komplett im Alleingang aufgebaut. Aber ab einem gewissen Grad will man sich nicht um all die Business-Scheiße kümmern. Wenn man jeden Tag Sachen verschickt, das Booking macht, sich um jeden einzelnen Aspekt der Band eigenhändig kümmern muss, dann hält einen das vom Wesentlichen ab: der Musik“, begründet Joel die Wahl, nach Jahren des Einzelgängerdaseins bei Relapse Records zu unterschreiben.

Es hat sich viel gewandelt im Hause Toxic Holocaust. Man könnte fast sagen: die ehemalige Rotznase des Black-Thrashs ist erwachsen geworden. Eine renommierte Firma im Rücken, weitere Musiker an der Flanke und sogar ein neues visuelles Cover-Konzept, das nichts mehr mit den grellen Artworks vorheriger Alben gemein hat, inklusive neuem Logo. Eine Entscheidung, die in der Fangemeinde für Unmut sorgte. Joel beschwichtigt: „Das ist kein dauerhafter Wandel. Auf der nächsten Scheibe wird das wieder ganz anders aussehen. Die Scheibe ist aber düsterer als die vorherigen Alben, das sollte auch visuell zum Ausdruck gebracht werden. Das Cover ist in schwarz-weiß gehalten. Richtig Old-School. Es zeigt die griechische Götting Hekate, die Tote zum Leben erwecken sollte. Das ist richtig finsteres Zeug. Jedenfalls hätte das grelle, futuristische Toxic-Logo nicht zu diesem Artwork gepasst. Lustig war es aber schon, wie sehr sich die Leute online darüber ausgekotzt haben.“

Das Aushängeschild
Etwas hat sich jedoch nicht geändert: all dem Wandel zum Trotz ist und bleibt Joel Grind nach wie vor einziges Aushängeschild der Outlaw-Thrasher. Der Eindruck entsteht zumindest, wenn man sich die aktuellen Promobilder anschaut, auf denen seine beiden Musikerkollegen nicht zu sehen sind. Übertriebener Hang zur Selbstdarstellung? Joel lacht. „Nein, nein. Das hatte ganz andere Gründe. Als es in die heiße Phase des neuen Albums ging, hatten wir noch immer keine neuen Bandshots, aber mittlerweile hatte ich einige Interviews gegeben und die Presse fragte nach Promobildern. Mir und Relapse Records war klar, dass wir keinesfalls die bunten Bilder der letzten Platte nehmen konnten. Die passten einfach nicht zur roheren Ausrichtung der neuen Scheibe.“ Neue Bandfotos mussten also her. Allerdings tat sich ein Problem auf: die anderen Jungs wohnen bis zu sechs Flugstunden weit entfernt. „Ich kannte einen Fotografen, der schnell ein paar neue Fotos von mir machte. Wir werden noch richtige Bandfotos nachliefern, aber vorerst mussten die Shots von mir genügen.“

www.myspace.com/toxicholocaust

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Artikelserie “Debütastisch!”: Djerv – “Zarte Stimme, freaky Image”

August 1st, 2011

Interview mit Djerv

Zarte Stimme, freaky Image

DEBÜTASTISCH! In dieser Artikelserie stellen wir in unregelmäßigen Abständen talentierte Bands vor, die uns mit ihrem ersten Album beeindruckt haben. Den Anfang machen DJERV aus Norwegen.

Text: Jenny Bombeck | Foto: J. Verberg

Djerv ist ein alt-norwegisches Wort und bedeutet ‚kühn‘. War es eine kühne Entscheidung, die Band ins Leben zu rufen? In keinem Fall. Denn Djervs Debüt hat nicht nur mich, sondern auch viele Gleichgesinnte vom Hocker gerissen. Ein derartig starkes Debüt, das einen hohen Wiedererkennungswert hat, findet man nicht alle Tage. Dies ist schon Grund genug, die Band, die hierzulande noch recht unbekannt ist, näher vorzustellen. Fronterin Agnete wirkt auf Promobildern stets tough und abgedreht. Am Telefon ertönt aber ein zartes Stimmchen, das erst einmal die Bandkollegen vorstellen möchte:

„Djerv besteht aus drei festen Mitgliedern. Ich bin für den Gesang zuständig. Erlend Gjerde sitzt an den Drums und Stian Kårstad ist an der Gitarre. Wir haben einige Zeit gebraucht, bis unser Line-Up vollständig war, da unser vorheriger Bassspieler noch bei Entombed involviert ist und es für ihn schwierig war, beide Bands unter einen Hut zu bekommen. Es ist schade, dass wir uns von ihm trennen mussten, denn er ist ein großartiger Mann. Aber mit unserem neuen Bassisten sind Djerv richtig groovy geworden.“
Der Werdegang der Band ist im Gegensatz zum wilden, aber homogenen Musikstil geradezu langweilig. Dieser zeichnet sich durch eine Vielfalt an Genres aus, die zusammen Djervs Trademark ergeben. Die blonde Sängerin findet dafür ihre eigene Beschreibung:
„Ich würde unsere Musik als melodischen, groovigen Hard Rock beschreiben, der durch Einflüsse der Black-Metal-Szene düster wird. Dies betrifft vor allem die Gitarrenführung. Wir drei sind zwar sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, haben aber das gleiche Verständnis von Musik. Die beiden Jungs mögen generell Heavy und Black Metal. Ich hingegen stehe eher auf klassischen Rock. Ich liebe es, melodisch zu singen. Das kann ich auch am besten.“

Die auch von ihr gesungenen Screamo-Parts sieht Agnete eher als ein besonderes Detail von Djervs Stil an. Und dieser wirkt geradezu erfrischend neu. Das selten gewordene Gefühl, etwas komplett Neues zu hören, das in sich stimmig ist, erschafft zusammen mit der äußerlichen Erscheinung von Frau Kjølsrud ein interessantes Package. Die blonde, zierliche Person wirkt auf dem Album-Cover und auch auf der Bühne durch ihr Make-Up und ihre Frisur einfach freaky. Dick aufgetragener dunkel-schwarzer Lidschatten ziert ihre blauen Augen, ihre mittelkurzen Haare sind stark nach oben toupiert. Zusammen mit der Mimik hat die am Telefon so freundliche Person eine diabolische Aura um sich. Für Agnete ist dies aber kein bewusst gewähltes Image, um auf irgendeine Art und Weise aufzufallen. Dahinter stecken vielmehr typisch weibliche Gründe:

„Von der Seite der Jungs gibt es kein großartiges Image. Aber ich bin ein Mädchen und möchte natürlich gut aussehen. Wenn man zu einer Party geht, möchte man ja auch nicht so aussehen als ob man gerade aufgewacht sei. Wenn man auf der Bühne ist und 1000 Augen einen anschauen, möchte man sich gut fühlen. Das ausgefallene Make-Up ist ein Schutz für mich. Wenn man auf der Bühne ist, ist man verletzlich. Ich möchte eine andere Person sein, wenn ich auftrete.“

Die hauptsächlich positiven Reaktionen bezüglich des Erstlings haben die gesamte Band überwältigt, aber besonders Agnete freut sich darüber, dass sie als ein Female-Fronted-Act die voreingenommenen Meinungen der Journalisten revidieren konnten. Agnete behauptet, dass es Frauen in der von Männern dominierten Szene nicht ganz so einfach haben:

„Ich denke, dass es weibliche Fronterinnen schwerer als männliche haben. In der Metal- und Hard-Rock-Szene gibt es wesentlich mehr Männer. Ich verstehe ja, dass einige skeptisch sind, wenn sie hören, dass dies ein Female-Fronted-Act ist. Die Männer fangen schon in ihrer Kindheit an, Instrumente zu spielen. Bei Frauen geschieht das hingegen sehr viel später.“
Aber selbst dann werden die wenigsten in der Lage sein, ein so gutes Debüt wie „Djerv“ herauszubringen.

www.myspace.com/djervmusic

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Interview: Matt “Gonzo” Roehr – “Viva El Tio”

August 1st, 2011

Interview mit Matt Gonzo Roehr

Viva El Tio

MATT ROEHR – Vollblutmusiker, Auswanderer und Böhser Onkel a.D. geht schon lange seinen eigenen Weg. Nach zwei besonders in Amerika erfolgreichen, englischsprachigen Soloplatten zieht es ihn mit „Blitz & Donner“ zurück zu den Wurzeln. Der vielen als Gonzo bekannte Gitarrist und neuerdings auch Sänger plaudert über seine aktuelle Arbeit und stellt klar, dass es völlig in Ordnung ist, ein Böhser Onkel zu sein.

Text: Miriam Görge | Foto: M. Roehr

Zwei Stunden nach Termin berichtet ein völlig beschämter Wahl-Uruguayer, dass er beim Proben schlichtweg die Zeit vergessen hat. Beim Thema Musik ist Matt einfach in seinem Element. Die Zeit nach Trennung der Onkelz hat er genutzt, um auszuwandern und in musikalischer Hinsicht egoistisch zu sein. Der Erfolg, besonders in Amerika, bestärkt ihn. „Ich habe mit den beiden englischen Alben einfach mal die Sau raus lassen und auf den Spuren meiner eigenen Vorbilder wandern können. Sich dem internationalen Markt zu öffnen, stieß damals bei der Band auf taube Ohren. Jetzt konnte ich das selbst verwirklichen und genau das machen, was ich wollte.“
Mit „Blitz & Donner“ meldet sich Gonzo allerdings nun mit einem deutschen Album zurück, einer Punk-Rock‘n‘Roll-Platte, wie viele sie schon lange von ihm erhofft oder gar erwartet hatten. „Anfangs war ich skeptisch, schließlich lief hier alles gut und ich hatte Spaß bei der Sache. Doch sowohl Fans als auch Freunde traten an mich heran mit dem Wunsch, ein deutsches Album von mir zu hören. Nach den ersten zwei geschriebenen Songs merkte ich, wie unglaublich viel Spaß mir das Ganze macht, und dass ich doch eigentlich was vermisst habe. Das Album floss mir förmlich aus den Fingern. Was ihr da hören könnt, ist Gonzo pur, da wo er vor vielen Jahren aufgehört hat.“

Einmal Onkel, immer Onkel
Doch nur weil gerade alles rund läuft, heißt das nicht, dass früher alles schlecht war und Fragen zum Thema Böhse Onkelz gehören für ihn einfach dazu: „Es war eine lange und eine richtig tolle Zeit, die wir hatten. Warum sollte es mich nerven, darüber zu sprechen, wenn ich gefragt werde. Die Band gehört einfach zu meinem Leben dazu, und ich denke auch heute noch sehr gern an die Zeit zurück.“ Leugnen hätte auch keinen Sinn, schließlich sind es nicht nur Interviewer, die Matt auf seine Ex-Band ansprechen. Auch wenn es um seine eigene, ganz persönliche Arbeit geht, trifft er nicht immer nur auf alte Freunde: „Natürlich gibt es nach wie vor Menschen im Musikbusiness, die dich kategorisch ablehnen, wenn sie den Namen „Böhse Onkelz“ hören, im Vertrieb ebenso wie im Printbereich. Aber es ist okay, dass deshalb jemand deinen Song nicht im Radio spielen will. Da lache ich mittlerweile nur noch drüber.“

Entfernte Verwandtschaft
So allgegenwärtig ist die Ex-Band dann aber doch nicht. Sicher, jüngste Ereignisse um Kevin Russell lassen auch den Kollegen nicht kalt und Gonzo hat sich über alle Entwicklungen genau informieren lassen, blickt gar von Herzen traurig auf die Geschehnisse und fühlt mit seinem Freund, der jedoch auch in Matts Augen den Kampf gegen die Drogen verloren hat. Kontakt haben die Männer untereinander kaum noch. „Wir sind alle unsere eigenen Wege gegangen und hier in Südamerika kommst du kaum dazu, in die neuen Alben der Jungs reinzuhören.“ Man schaut heuer für sich selbst nach vorne, genießt die Freiheit, sein eigener Herr zu sein. „Geht nicht, gibt es nicht. Ich kann meine Ideen zu 100 Prozent umsetzen. Und solange es mir Spaß macht, werde ich das auch weiterhin tun!“
www.gonzomusic.com

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