Posts Tagged ‘Live’

Live: Kyuss Lives! in Hannover, Capitol

August 1st, 2011

Kyuss Lives! live in Hannover

KYUSS LIVES
(+ BURDEN)

28.6. – Hannover, Capitol

Text & Foto: Dorian Gorr

Ursprünglich stand Hannover gar nicht auf dem Tourplan der Reinkarnation von Kyuss. Als dann jedoch fast alle Shows schon Monate vor Tourbeginn ausverkauft waren, entschieden sich Booker und Band dazu, weitere Shows zu buchen. Dass das keine schlechte Idee war, beweist eine schier endlose Masse an Menschen, die sich vor dem Capitol dicht an dicht drängen. „Hast du noch was zu dampfen?“, fragt ein Dreadlockträger. Na, das kann doch nur ein super Abend werden.

Doch bevor sich die Großmeister des Stoner-Rocks die Ehre geben, dürfen Burden ran. Wie schon bei vielen vorherigen Shows, trifft die Musik der Jungs den Geschmack vieler Besucher, aber etliche scheinen auch sichtlich gelangweilt zu sein. Das sind vor allem diejenigen, die mit der härteren musikalischen Ausrichtung der Band nicht viel anfangen können. Sänger Thorsten schafft es leider obendrein nicht, eine Bindung zum Publikum aufzubauen. Fast tollpatschig stammelt er sich konzeptlos durch seine Ansagen. Wirklich folgen kann man dem Gerede nicht. Selbst wenn man nicht weggedampft ist.

Ewig lange wirkt die anschließende Umbaupause. Das ist besonders dann ärgerlich, wenn auf der Bühne akut nichts passiert. Alibimäßig schleicht immer wieder ein Roadie zum Drumset, dreht ein paar Schrauben fest, bevor es in die nächsten fünf Minuten Wartezeit geht, nach deren Ende der Roadie abermals dran muss – gegen Ende gar unter den Pfiffen der Kyuss-Fans. Als es dann schließlich soweit ist, setzt John Garcia abermals alles daran, sich für die Auszeichnung des arrogantesten Fronters der Welt zu qualifizieren. In den fast zwei Stunden Konzert gibt es eine einzige Ansage, die da lautet: „Thanks for coming. Goodbye.“ Bis zu diesen finalen Worten, die wie üblich nach „Green Machine“, einzige Zugabe und Überhit zugleich, erklingen, bleibt John stumm. Zumindest zwischen den Songs, die aber auch oft fließend ineinander übergehen. Während der Songs zeigt er jedoch sein geballtes Können. Stimmlich hat der Wüstensohn kein bisschen nachgelassen. Nur bei sehr schnell gesungenen Passagen kommt John heute ein oder zwei Mal nicht hinterher und verheddert sich. Ansonsten ist das mustergültig – ganz im Gegensatz zu seiner sonstigen Performance. Sobald sein Gesang nicht gefordert ist, dreht er sich mit dem Rücken zum Publikum und starrt den großen Marshall-Verstärker an. Ab und an starrt er emotionslos durch seine große Sonnenbrille in die Menge, die zu den schweren Bassklängen tobt und schwitzt. Ein leichtes Mitwippen mit der Hüfte, das ist alles, was John an Stageacting zu bieten hat.

Man würde sich fast wünschen, dass man ihm das als Schüchternheit auslegen kann. Vielleicht würde die unterkühlte Performance dann etwas sympathischer rüberkommen. Andererseits: Irgendwie muss ein John Garcia ja auch unantastbar, arrogant und eben scheißcool wirken. Zumal man sich an dem Gehabe nicht so sehr stören könnte, dass es einem den Spaß an dem ansonsten hervorragenden Auftritt verderben könnte. Die Setlist ist mit „Gardenia“, „Thumb“, „Freedom Run“ und „El Rodeo“ absolute Spitzenklasse, Bruno Feveris Selbstbewusstsein scheint in den vergangenen Monaten auf ein gesundes Level gewachsen zu sein und Bass-Monster Nick Oliveri ist ohnehin einer der coolsten Bartträger unter der Sonne. Da kann nicht viel schief gehen. Nicht mal mit einem Fronter, der fast durchgehend so wirkt, als sei er gerade lieber woanders.

Nicht verpassen: METAL MIRROR #56

Live: Pro-Pain in Köln, Underground

August 1st, 2011

Pro-Pain in Köln

PRO-PAIN

(+ BETZEFER + KORODED + SOLEDOWN)

30.6. – Köln, Underground

Text & Foto: Elvis Dolff

Das Underground sollte brennen! Bei einem Line-Up dieser Güte war die Marschrichtung klar: keiner sollte heute Abend auch nur eine Sekunde lang stillstehen – außer eventuell in den Umbaupausen. Doch die kann man ja damit verbringen, immer wieder zwischen den Bierversorgungsstellen zu pendeln.

Dieser Donnerstagabend beginnt mit den Kölner Lokalmatadoren Soledown, die mit ihrem satten Rock in letzter Zeit schon öfter in den Kölner Clubs abgeräumt haben. Heute versuchen sie als Anheizer das Underground auf die bevorstehenden Walzen vorzubereiten. Nur wo nix ist, kann auch nix gerockt werden. Das Underground ist noch recht dürftig besucht zu diesem Zeitpunkt und so entgeht den meisten das von gutem Sound und dem Alice-In-Chains-Cover „Man In The Box“-begleitete Set der Jungens. Den Anschluss machen Koroded, die den Herkunftskreis der Bands auf den Jülicher Raum erweitern. Ebenso legen sie musikalisch noch einen drauf und steigern das Tempo und die Härte. Der Sound, der mit der Wucht moderner Metal-Acts brilliert und oft an Fear Factory erinnert, kommt bei mindestens der Hälfte des Publikums sehr gut an.

Als nächstes spielen die israelischen Jungs Betzefer auf, die gerade mit ihrem neuen Album „Freedom To The Slave Makers“ an die Öffentlichkeit getreten sind. Oft im Metalcore eingeordnet, hat ihr Stil aber auch verdammt viel Groove wie ihn z.B. Soulfly rüberbringen. Live ist so ein Groove-Goliath fast unbezwingbar und so machen Betzefer mindestens da weiter, wo Koroded kurz zuvor die Klampfen niedergelegt haben.

Dann ist es auch soweit und die New Yorker Hardcore-Legende Pro-Pain sind an der Reihe. Doch nicht irgendein Set soll heute die erwartungsvollen Ohren der Zuschauer erwarten, nein, zum 20-jährigen Jubiläum feiern Pro-Pain insbesondere ihr erstes Album „Foul Taste Of Freedom“ ab – ein Klassiker, der noch jede Menge mehr Metal enthält als die Folgescheiben. So entzünden „Death On The Dance Floor“, „Murder 101“, „Pound For Pound“,  „Iraqnophobia” oder „Lesson Learned“ die Meute an. Andere Songs werden da direkt zur Nebensache. Einige der Zuschauer sind wohl nicht auf dieses Old-School-Set vorbereitet und vermissen einige der neueren Stücke. Insgesamt aber ein rundum starker Auftritt, der sound- und stimmungsmäßig den Abend zum Höhepunkt brachte.

Nicht verpassen: METAL MIRROR #56

Live: Suidakra in Osnabrück

Mai 2nd, 2011

Suidakra live in Osnabrück

ONSLAUGHT
(+ SUIDAKRA + FINAL DEPRAVITY)

20.4. – Osnabrück, Bastard Club

Text & Foto: Miriam Görge

Musikalischer Frühstart, enttäuschte Death‘n’ Roll-Fans und ein reichlich kleiner Club: Willkommen in Osnabrück! Während sich draußen noch der ein oder andere Kuttenträger in der Sonne lümmelt und einige Debauchery-Anhänger, die erst jetzt erfahren, dass die Band die Tour in der geplanten Konstellation abgesagt hat, spontan wieder die Heimreise antreten, wird drinnen, früher als geplant, bereits schon musiziert. Der eigentlich für 20 Uhr angedachte Konzertbeginn wird angesichts einer „Um 23 Uhr ist hier Schluss mit Krach“-Auflage offenbar etwas vorverlegt.

Die deutschen Newcomer FINAL DEPRAVITY kämpfen tapfer um die Gunst der überschaubaren Zuschauermenge. Ein bisschen schüchtern kommen die Thrasher zwar noch daher, trotzdem füllen sie ihre kurz bemessene Spielzeit bestmöglich und geben alles für das interessierte, wenn auch noch etwas verhaltene Publikum.

Mit dem Auftritt von SUIDAKRA hält dann endgültig das Leben Einzug im Bastardclub, die Jungs scheinen größerer Publikumsmagnet zu sein, als sie es selber empfinden. Zwar ist die Location nach wie vor alles andere als voll, Frontmann Arkadius hat die Anwesenden jedoch fest im Griff. Im halben Blindflug, der Lichttechnik sei dank, motiviert er, wo er nur kann, Kabelstolperer und ein nicht ganz geglückter Drumeinsatz von Lars werden charmant in die Show eingebaut und heizen die eh schon gute Stimmung noch zusätzlich auf. Die Deutschen liefern einen rundum gelungenen, mitreißenden und sympathischen Auftritt, dessen einziger Wehrmutstropfen, die recht kurze Setlist, der Location zuzurechnen ist.

Ein Schelm, wer denkt, bei ONSLAUGHT würde nun der Club gesprengt. Nein, viele Besucher haben zu diesem Zeitpunkt ihren Favoriten schon gesehen, weshalb auch vor der Tür gute Stimmung herrscht. Nichtsdestotrotz werden auch die Briten ordentlich abgefeiert und beschließen den Tag mit einer ordentlichen Portion Thrash.

Live: Ghost in Köln, Underground

Mai 2nd, 2011

Ghost live in Köln

GHOST
(+ BLOOD CEREMONY)

16.4. – Köln, Underground

Text & Foto: Elvis Dolff

Das Underground lädt zur satanischen Zeremonie: Die Doom-Popper Ghost und die folkigen Flöten-Doom-Rocker Blood Ceremony sollen an diesem Samstagabend für ein wenig diabolische Stimmung sorgen. Laut Karte und Ankündigung würden BLOOD CEREMONY den Headliner mimen und Ghost die Vorband – so haben es wohl auch die meisten der Gäste erwartet. Doch nicht nur die T-Shirt-Preise (Ghost 20 €, Blood Ceremony 15 €) verraten, wer hier wirklich mehr Interesse weckt: Ghost sind für die meisten Gäste anscheinend der Hauptgrund, heute hier aufzukreuzen. So fangen dann auch unerwarteterweise Blood Ceremony an. Mit irrem Blick, Keyboard, Flöte, angeführt von Fronthexe Alia O‘Brien spielen diese ihr Set. Von „The Great God Pan“ über „Hop Toad“, „Return To Forever“, „My Demon Brother“, „Oliver Haddo“, „The Witch’s Dance“ bis hin zum Überstück „Daughter Of The Sun“ ist so einiges dabei und eine gute Stunde musikalischer Dunkelheit gefüllt.

Eine gute Stunde können GHOST hingegen nicht füllen. Eine Dreiviertelstunde lang verhexen die Schweden aber trotzdem das Underground. In vollvermummten Kutten und um ihren Fronthexer versammelt, spielen die vermeintlichen „Doom-Popper“ ihren Doom-Rock, der mit so allzu popartigen Vocals in jedem Song für eine Überraschung sorgt. Da wirklich jeder Song des Albums gespielt wird, entfällt im Endeffekt eine Zusammenfassung der Setlist. „Ritual“, die populäre Klimax des Albums, bildet den Höhepunkt und begeistert das Publikum, das sich relativ brav mit der kurzen Spielzeit zufrieden gibt. Am Ende der Show verteilt der Belzepapst noch Wein und Hostien an die Jünger in der ersten Reihe. So bekommt die Show noch den endgültigen Charme einer Messe in der Kirche Luzifers. Egal für wie überbewertet man Ghost, ihre Musik und ihren Anonymitätskult hält – eine Show war das definitiv und rocken tut jeder einzelne der Songs.

Live: Primordial in Essen, Turock

Mai 2nd, 2011

Primordial live in Essen

PRIMORDIAL
(+ TODTGELICHTER)

23.4. – Essen, Turock

Text & Foto: Dorian Gorr

Dass die Release-Shows für Primordials neues Meisterwerk „Redemption At The Puritan‘s Hand“ in Deutschland stattfinden und nicht etwa in der Heimatstadt Dublin, wo man auch zuletzt eine DVD aufnahm, ist ungewöhnlich und für die deutschen Fans umso erfreulicher. Kein Wunder also, dass sich schon eine Stunde vor Konzertbeginn eine lange Schlange vor dem Essener Turock bildet, die ungeduldig darauf wartet, die wichtigste irische Metal-Band live in Aktion zu erleben.

Ganz in weiß präsentieren sich jedoch vorab noch die Hamburger TODTGELICHTER. Mit vertracktem Black Metal, der sich bei typischen Post-Elementen, technischen Kabinettsstückchen und verstörenden Melodien bedient, versucht das einheitlich weiß geschminkte und gekleidete Sextett das Publikum aufzulockern. Das gelingt aber nur zum Teil. Auf Platte kommt diese Band (ihr aktuelles Album „Angst“ landete in unserem Kreuzfeuer immerhin auf dem ersten Platz) weitaus überzeugender, verspielter und mitreißender rüber. Seltsam auch, dass sich die in manchen Momenten überflüssig wirkende, weibliche Zweitstimme bei ihren Pausen in eine eigens eingerichtete Ecke inklusive Sichtschutz zurückzieht und erst wieder auftaucht, wenn ihre Dienste an der Sangesfront gebraucht werden.

Die PRIMORDIAL-Musiker haben ebenfalls einen Sichtschutz und dieser hört auf den Namen Alan „Nemtheanga“ Averill. Schlägt man in einem Wörterbuch den Begriff Charisma nach, so müsste dort eigentlich das Konterfei des irischen Ausnahmesängers prangen. Alan strahlt von der ersten Sekunde an eine solche Bühnenpräsenz aus, dass einem ein Schauer über den Rücken läuft. Klar, dass da die übrigen Musiker, so wichtig sie auch für den Primordial-Sound sind, in erster Linie zu Statisten degradiert werden, mit denen das Publikum so gut wie gar nicht interagiert. Die Blicke, die Fäuste, die Beifallsbekundungen – alles richtet sich gen Alan, der diesen Zuspruch aufsaugt wie ein Schwamm. Wie von der Tarantel gestochen eilt er über die Bühne, peitscht das Publikum immer wieder an und singt mit seinem ganzen Körper, während das Publikum an seinen Lippen hängt.

Selbst bei den neuen Songs, wie „No Grave Deep Enough“, dem Titeltrack oder der Vielzahl anderer neuer Großtaten singen bereits etliche Fans jede Silbe mit. Ein beeindruckendes Schauspiel, das seine Höhepunkte bei den schon jetzt als zeitlos geltenden Songs findet: „Coffin Ships“, „Gallows Hymn“, „As Rome Burns“, „Heathen Tribes“ und „Empire Falls“, das schließlich den Sack zumacht, machen eines mehr als deutlich: Primordial gehören zu den besten Bands, die dieses Genre zu bieten hat. Nicht nur auf Platte, auch live kann sich hiermit kaum jemand messen.


Story: Kyuss Lives! – “Und sie leben doch!”

Mai 1st, 2011

Live Reportage Kyuss Lives! Interview John Garcia

Und sie leben doch!

In unserer Titelstory #48 berichteten wir über die bevorstehende Tour von KYUSS LIVES!, die mit drei von vier Kyuss-Musikern so nah an das Original herankommen, wie es sonst keine Band mehr tun wird. In diesem Gespräch enthüllte John Garcia auch, dass er die gesamte Tour eher als Promotion-Aktion für sein kommendes Soloalbum sieht. Die Fans scheint das nicht gestört zu haben, viele der Shows waren ausverkauft. METAL MIRROR traf sich in Köln mit dem Kyuss-Mastermind und verbrachte einen nostalgischen Abend.

Text & Fotos: Dorian Gorr

Aus seiner Motivation hat John Garcia nie ein Geheimnis gemacht. Die Quasi-Reunion von Kyuss soll ein Sprungbrett sein, seine Fahrkarte in eine erfolgreiche Solokarriere. Schamlos nutzt er die Popularität seiner einstigen Band, um sich selbst wieder ins Gespräch zu bringen. Ein Aufschrei unter den Fans blieb dennoch aus. Im Gegenteil: Die Konzerte von Kyuss Lives! waren zu weiten Teilen binnen kurzer Zeit ausverkauft. Kein Wunder also, dass der Großmeister des Stoner-Rocks ganz entspannt auf der schwarzen Ledercouch seines Backstage-Raums in der Kölner Live Music Hall sitzt. Etwas bulliger ist er geworden, der Sänger mit der markanten Stimme. Die Ausstrahlung ist jedoch unverändert: John Garcia ist unnahbar. Im ersten Moment nicht unbedingt sympathisch, leicht arrogant, selbstverliebt, aber eben mit dieser ruhig-lässig-coolen Fuck-Off-Attitüde, die so hervorragend zu seiner Musik passt. „Mir geht es super“, lässt John wissen. „Ich wurde mit tollen Musikern gesegnet, die mit mir jeden Abend Musik machen. Das ist die erfolgreichste Tour, die ich je gespielt habe. Es könnte nicht besser laufen!“
Doch bei aller Euphorie über das Glück, fast jeden Abend vor ausverkauftem Haus zu spielen sind und bleiben Kyuss Lives! ein Instrument. „Der Grund, warum ich das mache, ist nach wie vor Garcia Vs. Garcia, mein Soloprojekt. Ich muss dieses Album endlich rausbringen und diese Tour ist der beste Weg, um den Leuten zu zeigen, dass John Garcia noch lange nicht unter den Teppich gekehrt werden sollte. Ich bin noch da und mit Kyuss Lives! bringe ich mich bei den Leuten wieder ins Gespräch“, gibt John nach wie vor offen und ehrlich zu. Doch es hat sich etwas geändert: „Es ist in den vergangenen Wochen in der Tat etwas passiert. Ich und die anderen Musiker haben diese Verbindung gespürt. Dieses Gefühl möchte ich nicht mehr verlieren.“
Die Konsequenz: Nachdem Johns Soloalbum veröffentlicht wurde und auch Brant Bjork (Schlagzeug) und Nick Oliveri (Bass) ihre neuen Alben auf die Menschheit loslassen, soll in dem aktuellen Line-Up eine Platte von Kyuss Lives! aufgenommen werden.

Die erste Wahl
Ein gewisses Kalkül darf man dieser Planung vermutlich unterstellen, vor allem, wenn man bedenkt, wie gut die aktuelle Tour ankommt. Fast alle Konzerte ausverkauft, viele wurden in größere Hallen verlegt und etliche Zusatzshows gebucht – nicht nur musikalisch, sondern auch finanziell hat sich die Spin-Off-Band von Kyuss gelohnt. Möglich, dass ein Album in dieser Besetzung ähnliche Kreise ziehen würde. Doch würde ein solches Album dem Erbe von Kyuss gerecht werden? Keine Frage, John Garcia hat Songwriter-Talent, das er unter anderem bei Slo Burn unter Beweis gestellt hat, doch all die großen Kyuss-Hits schrieb Josh Homme, der aufgrund des anhaltenden Erfolgs von Queens Of The Stone Age für die Kyuss-Reunion nicht zur Verfügung stand. An seiner Stelle steht Bruno Fevery bereit, der sich im Backstage-Bereich gemütlich neben John niedergelassen hat und leicht verstrahlt (wir wollen mal annehmen aufgrund von Schlafmangel…) vor sich hin blinzelt.
Für seinen belgischen Neukollegen hat John nur gute Worte übrig. „Bruno war meine erste und einzige Wahl für diesen Job. Er schafft es, diese Songs mit dem Respekt zu spielen, den sie verdienen.“ Bruno nickt. „Ich war schon immer Kyuss-Fan. Manchmal trifft es mich noch mitten während einer
Show wie ein Schlag. Da spielt eine meiner Lieblingsbands und ich bin dabei. Total surreal“, verrät Bruno mit einem schelmischen Grinsen.
An das Leben auf so einer großen Tour habe er sich schnell gewöhnt. Und auch die restlichen Mitglieder probten im Vorfeld überaus intensiv (laut John einen Monat lang sieben Tage die Woche), um jeden Abend Höchstleistung zu bringen. „Wir haben hier einen Job zu erledigen, einen sehr angenehmen. Da will ich jeden Abend volle Leistung bringen. Klar, ich trinke nach der Show noch gerne meine Whiskey-Cola-Drinks, aber ich fange bestimmt nicht mehr mit Speed und Kokain an und bleibe die ganze Nacht wach“, so John, der vom Klopfen an seiner Backstage-Tür unterbrochen wird. „Dinner time“, flüstert der Promoter durch die halb geöffnete Tür. Damit endet die Audienz bei der Stoner-Rock-Majestät. Vor der Halle sammeln sich derweil die ersten Fans, in Vorfreude aufs Konzert.

Der Duft von Marihuana
Langsam wird es hektisch in der Kölner Live Music Hall. Burden dürfen zuerst ran, sehen sich aber noch einer eher überschaubaren Menschenmenge gegenüber. Mehrfach bittet Sänger Thorsten die Meute, doch etwas näher zu kommen und sich dem dröhnenden Stoner Metal hinzugeben. Weitgehend aber mit eingeschränktem Erfolg. Köln scheint noch nicht so richtig wach zu sein.
Die anschließenden Waxy trifft es jedoch noch härter. Backstage wird gemunkelt, dass sich John Garcia höchstpersönlich dafür eingesetzt habe, dass seine Kumpels aus Jugendtagen (die Band stammt wie Kyuss und viele andere Stoner-Größen aus der Palm-Desert-Szene) ihn mit auf seinem Trip nach Europa begleiten. Auf anderem Wege wäre die Band hier auch nicht gelandet. Langweiligster Stoner Rock inklusive übertriebenem Schweineorgel-Gedudel wird geboten. Kein Wunder, dass die Live Music Hall zwar mittlerweile aus allen Nähten platzt, die Anwesenden aber zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie ausschließlich auf Kyuss Lives! warten.
Eine Umbaupause später betritt der Großmeister des Stoner Rocks betont cool die Bühne. Sonnenbrille, die Haare zum Zopf gebunden, eine Kippe im Mundwinkel und gänzlich emotionslos stellt sich John Garcia dem Publikum, das schon beim Anblick des Rock-Gurus in frenetischen Applaus verfällt. „Gardenia“ macht mit schweren Bassklängen den Anfang. Die Masse hüpft zu den vibrierenden Schwingungen und setzt sich langsam in Bewegung. Nach Marihuana riechende Wolken werden aufgewirbelt, als „Thumb“ und „Hurricane“ nachlegen. Bei John Garcia reicht es immerhin zu einem angedeuteten Lächeln. Und auch der Zopf wird beim dritten Song gelöst. Dennoch: Garcia bleibt unantastbar. So nah und doch so weit weg. Und vermutlich macht auch das seinen Charme aus, diese „Fuck Off!“-Attitüde, die er so offen zur Schau stellt. Selbst wenn man sich an dieser vielleicht kalkulierten Arroganz stößt, zumindest stimmlich kann man John nicht einen einzigen Vorwurf machen. Wie auf Platte legt sich sein faszinierend-nöliges Organ über das satte Bass-Fundament. Eine Stimme, die man auch unter tausenden von Stimmen heraushört. Gepaart mit der Vielzahl an Klassikern, die die Band aus der Trickkiste zaubert, haben Kyuss Lives! leichtes Spiel. „100°“, „Spaceship Landing“, „Odyssey“ – die Liste der unvermeidbaren Hits, die ein ganzes Genre prägten, ach was: erfanden, ist lang, die Performance der Dreiviertel-Kyuss-Besetzung zwar nicht ekstatisch, aber so lässig wie die schwummerigen Riffs. Es passt schlichtweg alles zusammen. Das flotte „El Rodeo“ (während dem sich John Garcia mit einem filmenden Fan anlegt), das mitreißende „Supa Scoopa And Mighty Scoop“, der hypnotische „One Inch Man“ – bis hin zur abschließenden Granate „Green Machine“ reiht sich hier ein Hit an den nächsten. Vermisst wird nur das psychedelische „Demon Cleaner“.
Selbst Josh Homme fehlt nicht. Bruno Fevery ist eine hervorragende Homme-Kopie und lässt keine Kritik zu. Es scheint zwar utopisch, dass Kyuss Lives! in dieser Besetzung jemals wieder eine Platte aufnehmen werden, die mit den bisherigen Werken mithalten kann, aber ursprünglich hatte ja auch niemand damit gerechnet, Kyuss‘ großartige Hits noch einmal live dargeboten zu bekommen….

www.kyusslives.com

EKTOMORF: Live-Video von Wacken online!

April 29th, 2011

Die ungarischen Groove Metaller EKTOMORF haben soeben ein Live-Video (mit den beiden Songs „Rat War“ und „Show Your Fist“) online gestellt. Dieses wurde beim letztjährigen Wacken Open Air aufgenommen.

Quelle: Underdawg

Live: Sodom in Bochum

Februar 27th, 2011

Sodom live

SODOM
(+ DIE HARD + WORTMORD)

17.2. – Bochum, Zeche

Text & Foto: David Dankert

Dieser Winter war für NRW-Verhältnisse nicht so prall gefüllt mit guten Konzerten, wie man es aus vorherigen Jahren gewöhnt war. Umso überraschender, dass die Bochumer Zeche bei weitem nicht rappelvoll ist, was angesichts der Tatsache, dass Sodom quasi ein Heimspiel geben, schon etwas verwunderlich ist. Doch der Reihe nach:
Beim Betreten der Zeche lärmen bereits WORTMORD vor sich hin. Den Supportslot haben sie angeblich zugelost bekommen. Dass zufällig Ex-Sodom-Klampfer Grave Violator bei Wortmord tätig ist, scheint da ein besonders großer Zufall zu sein. Nichtsdestotrotz ist der Gig mit dürftigem deutschen Thrash nicht wirklich überzeugend.
DIE HARD können mit ihrem stark von Venom beeinflussten Thrash Metal zwar ein paar mehr Köpfe zum Mitnicken bewegen, der katastrophal undifferenzierte Sound verhindert jedoch mehr, weswegen nicht einmal das Venom-Cover „Countess Bathory“ euphorische Reaktionen hervorrufen kann.

Um Punkt 21 Uhr stehen SODOM parat und werden lauthals mit Sprechchören in Empfang genommen. Mit dem Opener und zugleich Titeltrack der neuen Platte „In War And Pieces“ lässt sich die Zeche auch nicht lange bitten und gibt Vollgas. Sodom präsentieren sich in absolut bester Laune, weswegen es nicht mal eine Minute dauert, ehe der Funke auf das Publikum überspringt. Als Tom auch noch Klassiker wie „Nuclear Winter“ ankündigt und die Fans dazu anfeuert zu diven, um südamerikanisches Flair zu erzeugen, ist es endgültig um die Zeche geschehen. Song für Song entern etliche Thrasher die Bühne, bangen, diven und grölen die Texte ins Mikro, sodass sogar Sodom selbst überrascht sind. Das Ganze gipfelt in einem von Tom spontan ausgerufenen Stagedive-Wettbewerb, ehe wieder Klassiker á la „Blasphemer“ (doppelt so schnell) oder das leider ziemlich in den Sand gesetzte „Bombenhagel“ das Konzert beenden.

Live: Ektomorf in Köln

Februar 27th, 2011

EKTOMORF
(+ KORZUS + REPLICA + GORTHAUR‘S WRATH)

13.2. – Köln, Underground

Text & Foto: Elvis Dolff

Sonntag, 20 Uhr – Thrashtime: Einen Tag vor der kommerziellen Zelebration der Liebe im Zeichen des Valentin, sollen thrashige Beats die metallischen Herzen höher schlagen lassen. Die dunklen, kroatischen Seelen von GORTHAUR‘S WRATH starten aber erstmal mit einer frostigen Packung Black Metal, die aber leider unter einigen Soundproblemen leidet. REPLICA aus Berlin lassen danach endlich einen ersten thrashigen Funken sprühen, der aber noch hinter einer dicken Soundwand aus modernem Metalcore verschwindet. Die Brasilianer KORZUS knacken letztlich die vom Wochenende scheinbar ermüdete Kruste einiger Lauschbuben, die anfangen sich Platz zum Moshen zu verschaffen.

Nach diesem brasilianischen Thrash-Leckerbissen ist man bei der nun folgenden Hauptspeise schon richtig eingestimmt. Die vermeintlichen Soulfly-Sepultura-Jünger EKTOMORF entern die Bühne. Mal dahingestellt, wie sehr einen die Band an Max Cavaleras Sprösslinge erinnert, ist das Inferno, was sie loslassen ein keineswegs harmloses Buschfeuer. Die Ungarn thrashen sich durch ihr Set mit Songs wie „Redemption“, „Gypsy“, „Show Your Fist“, „I Know Them“ oder „Never Should“. Dann stellen die Hommage an Johnny Cash („Rusty Cage“), „Sea Of My Misery“ und „Who Can I Trust“ den akustischen Part der Show dar. Aufgelöst durch das aggresive „I Choke“ erreicht der Abend mit „Set Me Free“, „Stigmatized“ und „The One“ seinen Höhepunkt und auch sein Ende. Mit einem kurz angespielten „Symptom Of The Universe“-Riff von Black Sabbath verlässt die Band um Zoltan Farkas die Bühne. Ein sehr runder Auftritt mit viel Dampf, viel Action im Publikum, der obligatorischen Akustik-Pause, aber auch mit sehr viel Routine. Denn wie lässig (und fast gelangweilt) Zoltán mittlerweile manche Songs singt (Beispiel: „Gypsy“) ist schade.

Live: Nile & Melechesh in Hannover

Februar 27th, 2011

NILE
(+ MELECHESH + DEW-SCENTED + ZONARIA + DARKRISE)

16.2. – Hannover, Musikzentrum

Text & Foto: Dorian Gorr

Fast drei Wochen lang waren Nile und Melechesh in Deutschland unterwegs, den vorläufigen Abschluss soll der Auftritt in Hannover markieren. Doch vor allem DARKRISE und ZONARIA hätten sich ihren Abschied von der Tour mit Sicherheit glorreicher vorgestellt. Beide Bands beißen sich am heutigen Publikum die Zähne aus und stauben mit langweiliger Musik nur Höflichkeitsapplaus ab.

Dass die Besucher sehr wohl scharf auf eine gepflegte akustische Abrissbirne sind, beweisen DEW-SCENTED binnen weniger Sekunden. Die erkältete Front-Bazillenschleuder Leif Jensen hat das Publikum von Beginn an fest im Griff. Als die beiden Hauptacts an die Reihe kommen, ist die Stimmung längst euphorisch. MELECHESH genießen mit ihrem orientalischen Einschlag den Exotenbonus und schöpfen diesen Vorteil voll aus. Fronter Ashmedi zaubert gleichermaßen Black-Metal-Riffs sowie mittelöstliche Folklore-Melodien aus dem Handgelenk und zieht mit seinen Posen die Blicke auf sich. Doch Posen haben Melechesh gar nicht nötig. Die Musik alleine ist so raffiniert, dass das Drumherum an Bedeutung verliert.

Derart gut vorgewärmt, ist es eigentlich schade, dass sich NILE lange Zeit lassen, ehe sie auf die Bühne kommen. Hat man sich zwischen den technischen Kabinettsstückchen zurecht gefunden, weiß man gar nicht, woran man sich ergötzen soll. Von drei Fronten aus brüllen einen Karl Sanders, Dallas Toler-Wade und Chris Lollis in unterschiedlichen Tieflagen zusammen. Schlagzeuger George Kollias inspiriert mit seinem rasanten, taktgenauen Geprügel Teile der ersten Reihe zu wildem Air-Drumming. Als nach einer guten Stunde anspruchsvollstem Death Metal Schluss ist, klatscht Sanders die vordere Reihe ab, verteilt Plektren und strahlt bis über beide Ohren. Nachdem das Konzert so zäh begonnen hatte, war auch er von der Euphorie sichtlich überrascht.