Posts Tagged ‘Metal Mirror’

Die Samstags-Kolumne: Ich bin meine eigene Randgruppe!

März 17th, 2012

Die Kolumnistin: Miriam Görge ist seit Jahren feste Redakteurin beim METAL MIRROR und dort verantwortlich für alles Melodische.

Soziale Randgruppen sind in jeder Gesellschaft eine ernstzunehmende Problematik. Da dieses Faktum den meisten Menschen jedoch ohnehin bekannt ist, möchte ich mich dem Thema heute mal mit einem Augenzwinkern nähern und einen kleinen Einblick in den alltäglichen Wahnsinn der Metal-Mirror-Redaktion gewähren.

Strenggenommen ist der gemeine Metalhead an sich Teil einer Randgruppe. Trotz stetem Bemühen in der Öffentlichkeit modisch sämtliche Nuancen der Farbe Schwarz zur Schau zu stellen, wird man in der breiten Masse schnell zum Paradiesvogel. Während man im öffentlichen Nahverkehr, im Hörsaal der Universität oder am Arbeitsplatz schnell Prädikate wie „langhaariger Bombenleger“ oder ähnlich schlecht recherchierte Stigmata einheimst, merkt man spätestens auf dem nächsten Konzert oder Festival, dass man eine verdammt große Randgruppe ist. Wenigstens ist im inneren Kreis die Welt in Ordnung und die Bande der Freundschaft funktionieren über sämtliche Genre-Grenzen hinaus…oder etwa nicht?

Diese Frage führt mich ohne Umschweife in unsere Mirror-Redaktion und zu einem erschütternden, da so unglaublich wahren Statement: Hier bin ich meine eigene Randgruppe. Während der ein oder andere Kollege ungestraft Orgasmus-ähnliche Anwandlungen ob der Neuanschaffung des x-ten Bootlegs der x²ten Hammerfall-Scheibe bekommt, Hair-Metal-Bands nur dann ohne Spott konsumiert werden dürfen, wenn sie Twisted Sister heißen und der Chef höchstpersönlich sie für gut befunden hat und jede noch so bratzige, von den Kollegen liebevoll Frontelse genannte, Gothic-Sängerin immerhin gut genug für so manch einen feuchten Traum ist, wird beispielsweise meine, ich finde übrigens absolut nachvollziehbare, Schwärmerei für einen gewissen Sänger namens Tobias Sammet bei jeder sich bietenden Gelegenheit belächelt. Ganz zu schweigen von Dorians sehr beliebter „Was bitte findest du an dem Typen heiß“-Frage im ICQ, die bisher noch auf jeden von mir geäußerten Namen folgte. Mobbing am Arbeitsplatz würde man so etwas in gesitteten Verhältnissen nennen!

Aber: Unsere Redaktion ist vieles, gesittet gehört meiner Ansicht nach jedoch nicht dazu. Und das ist auch gut so. Sicher, als Melodie-Fetischistin und Power-Metal-Beauftragte hat man es musikalisch im Kreuzfeuer nicht unbedingt leicht. So manch eine Empörungsemail verließ meinen Postausgang in Richtung des Kollegiums mit der Vermutung, die zur Bewertung stehenden Platten seien ein persönlicher Affront gegen mich. Während die übrigen Verantwortlichen damit beschäftigt sind, irgendeine Grindcore-Platte abzufeiern, brüte ich indes über der Findung des x-ten Synonyms für das Wort „Krach“, Monat für Monat. Im CD-Verteiler habe ich sogar schon mein eigenes Genre, denn alles was die anderen blöd finden, heißt Miri-Kram (was nüchtern betrachtet sogar eine viel einfachere Kategorisierung ist als Thrash-Black-Death-Grind-Metalcore oder ähnliche musikalische Ausgeburten). Doch lasse ich mich deshalb bekehren? Mitnichten! Wenn ich ehrlich bin, finde ich es unglaublich toll, meine eigene Randgruppe innerhalb der Redaktion zu sein. Denn wie so vieles, ist auch mein Standpunkt nur eine Frage der Perspektive – Und aus meinem Blickwinkel klingt mein Stigma ziemlich gefällig: Außerordentlich guter Musikgeschmack! So werde ich auch weiterhin genüsslich Napalm Death und Konsorten ihren Punkteschnitt im Kreuzfeuer versauen, vom Großteil der Redaktion als langweilig abgestempelten Power-Metal Bands mit Freuden zwei Doppelseiten im Magazin widmen und Dorian mit meinen berüchtigten Krach-Metal-Kommentaren den ein oder anderen O-Ton bescheren. Und die Hoffnung, dass ich mit meiner Liebe zu Melodie und Kitsch nicht ganz alleine darstehe gebe ich schon gar nicht auf! Es wäre doch auch tierisch langweilig, wären wir alle immer der gleichen Meinung, oder?

Die Samstags-Kolumne: Musik, die sich hinter Brüsten versteckt?

März 10th, 2012

Kolumne von Dorian Gorr

Der Kolumnist: Dorian Gorr ist seit 2004 Herausgeber vom Online-Magazin METAL MIRROR.

Diese Woche war ja mal wieder internationaler Frauentag. Ein Tag um ein Bewusstsein für die Frauen dieser Welt zu schaffen. Und vor allem ein Tag, der in meinen Augen ziemlich unsinnig zelebriert wird (darüber habe hier ausführlich geschrieben). Eigentlich ist dieser Tag ein wunderbarer Anlass, um auch einen Blick auf die Macho-Bastion der Musik zu werfen – die Metal-Szene.

Dabei soll es heute mal nicht um die weiblichen Fans gehen, die ja meist in der Unterzahl sind. Auch nicht um peinliche Förderprogramme wie irgendwelche Girls-Rock-Camps, mit denen man dafür sorgen möchte, dass die Quote auch in Metal- und Rock-Fankreisen stimmt. Nein, ich möchte heute einen Blick auf die weiblich angeführten Bands und genauer: auf deren Genrebezeichnung werfen. In jüngerer Vergangenheit fällt mir nämlich vermehrt auf, dass man Metal, der von Frauenstimmen vorangetrieben wird, als eigenständiges Genre zu etablieren versucht. Mit “man” sind in dem Fall die Labels und Promoter gemeint, die – so befürchte ich – diese Etablierung für einen taktischen Supercoup halten.

Und deswegen kriege ich häufiger und häufiger Post auf den Schreibtisch, bei der ich ins Stutzen komme, wenn ich einen Blick auf den beiliegenden Promozettel werfe. Da steht dann so etwas wie “Genre: Female fronted”. Verwunderung. Was soll das denn bitte für eine Stilrichtung sein?

Natürlich ist mir klar, welche Form von Musik man mit dem Genre “Female fronted” vermarktet. Das sind die Nightwish-Klone, die Möchtegern-Within-Temptations, die oft (auch von mir) abwertend Elsenbands genannten Truppen, die ein Power- oder Gothic-Metal-Fundament verwenden, jede Menge symphonische Elemente dazupacken und das ganze dann von einer mal mehr, mal weniger talentierten Pseudo-Opernsängerin veredeln. So klingt also “Female fronted”.

Mich stört diese Genrebezeichnung, die letztlich nichts anderes als ein purer Sexismus der Musikbranche ist, denn sie legt die Rolle der Frau in der Musik sehr starr fest. Female fronted heißt doch eigentlich nichts anderes, als dass die Fronterin weiblich ist. Punkt. Mehr Aussage hat der Terminus nicht. Allerdings führt uns dieser synthetische Genre-Begriff in die Irre. “Frau an der Front? Muss kitschiger Gothic Metal sein.” Das ist die Heuristik, die durch diesen Marketing-Schachzug geschaffen wird. Außer Acht gelassen wird dabei, dass es etliche Bands mit Frauen an der Front gibt, die kein normaler Metaller jemals mit “Female fronted” gleichsetzen würde. Sind Arch Enemy female fronted? Oder Holy Moses? Wortwörtlich ja. Musikalisch würde die da aber niemand verorten. Selbst eine Band wie wie von mir abgöttisch verehrten The Devil’s Blood, bei der die Sängerin nicht rumbrüllt, sondern durch ihre klare Stimme begeistert, könnte man nicht ohne Bauchschmerzen mit dem Etikett “Female fronted” behaften.

Was soll das also? Kann man Gothic Metal nicht einfach auch als diesen brandmarken? Sind die Brüste an der Front ein so wesentliches Merkmal des Stils, dass man diese gleich mit ins Genre packen muss? Verkauft sich Musik, bei der man von Anfang an klar macht, dass da jemand mit weiblichem Geschlecht singt, besser? Ist es in den Augen dieser Leute etwas so besonderes, dass da eine Frau bei einer Metal-Band singt? Viele Fragen. Keine Antworten. Nur eine Theorie meinerseits: Wer sich hinter diesem Etikett versteckt, will vermutlich eh nur über die mittelmäßig bis unterdurchschnittliche Musik hinwegtäuschen und schiebt deswegen die Brüste in den Vordergrund. Aber wen lenkt das schon von dem langweiligen Hörerlebnis ab? Mich jedenfalls nicht. Also: Schafft diesen Unfug bitte unverzüglich wieder ab. Danke.

Die Samstags-Kolumne: Kleider machen Leute?

März 3rd, 2012

Kolumne von Jenny Bombeck

Die Autorin schreibt seit sieben Jahren beim Metal Mirror und ist stellvertretende Herausgeberin des Magazins.

Vergangenes Wochenende war es mal wieder so weit. Die Auszeichnung des Jahres wurde verliehen. Die Oscars zogen die Filmzunft nach Hollywood wie das Obst die Fruchtfliegen. Immerhin ist dies Grund genug, es sich mit einer großen Portion Nachos mit dreierlei Dip und Käse überbacken vor dem heimischen Fernseher gemütlich zu machen. Doch bevor die feierliche Zeremonie vonstatten geht, muss man sich als Zuschauer erst einmal durch den Vorbericht vom Red Carpet quälen, der einem die Nachos im Halse stecken lässt. Immerhin überlegt sich das Who is Who der Hollywood-Prominenz Monate im Voraus, mit welchem außergewöhnlichen Dress sie auf dem roten Teppich glänzen wollen. Ein bisschen Make-Up hier, ein bisschen Botox da und ab geht es zum Posieren.

Dass jemand besonders schön aussehen will, ist allein noch nicht verwerflich. Immerhin will man auch als Rock- oder Metal-Fan zu einem Großereignis standesgemäß gut aussehen. So sieht man auch beispielsweise im Backstage-Bereich des Wacken Open Airs gut geschminkte Frauen in einem netten Metal-Outfit, das aus Leder-Hot-Pants und Corsage besteht. Auch die Männer wählen ihr bestes Band-Shirt oder Hemd aus. Es gibt jedoch einen großen Unterschied:

Anscheinend geht es bei den Oscars nicht mehr hauptsächlich um die Filme, sondern um das was die Schauspieler am Leibe tragen. Da steht mitten auf dem roten Teppich ein sogenannter Journalist im mittleren Alter, seinem Gesicht fehlt dank des Nervengifts jegliche Mimik, und er befragt Größen wie George Clooney und Sandra Bullock. Doch anscheinend fallen dem Herren keine interessanten Fragen ein, sondern nur die eine: „Sandra, who are you wearing?“ Diese darf daraufhin stolz verkünden, welchen Designer sie an ihrem Körper trägt, woraufhin sie noch ein überzogenes Kompliment a la „You look so amazing and beautiful“ erntet.

Diese Interviews und Oberflächlichkeit darf man sich knapp zwei Stunden lang zu Gemüte führen. Wem dabei nicht übel wird, der hebe bitte die Hand.

Ist unsere Gesellschaft wirklich derartig oberflächlich geworden, dass nur noch Kleidung zählt und nicht nicht etwa die Filme, die wir gedreht haben, die Musik, die wir gespielt haben oder die Texte, die wir geschrieben haben?

Und kann man diesen Schuh nur den Mainstream-Leuten anziehen oder ist man auch als Metal-affiner Mensch diesem Schuh ausgesetzt?

Ich denke in gewissen Teilen schon. Natürlich tragen nicht alle eine Designer-Robe und laufen umher und erzählen voller Stolz, dass sie die neueste Iron-Maiden-Kreation tragen und sich in ihren Lederhosen sehr wohl fühlen. Aber auch in unserem Musik-Bereich spielt die Kleidung eine wichtig Rolle. Sie definiert uns und sie bietet auch zeitgleich Angriffsfläche. In etlichen Boulevard-Blättchen kann man nach den Oscars die In-and-Out-Rubrik betrachten, in denen die Sternchen und ihre Roben kategorisiert werden. Aber auch im Metal-Bereich gibt es In-And-Out, während Shirts von Old-School und Metal-Bands als äußerst cool gelten, werden Männer in Nightwish- oder Lacuna-Coil-Shirts insgeheim belächelt. Nicht nur das Motiv, nein auch die Marke besser gesagt: Band spielt dabei auch eine Rolle.

Trägt man etwas aus der Guns’n'Roses-Kollektion kombiniert mit einer Fliegersonnenbrille, gilt man als cooler Rocker. Kleider machen Leute. So ist es und so war es schon immer. Und wer hat nicht schon einmal vorschnell aufgrund des Kleidungsstiles geurteilt? Der hebe bitte wieder die Hand.

Das Schöne ist, dass wir uns aber immer noch überwiegend auf die Musik konzentrieren und mit der Kleidung lediglich unseren Geschmack präsentieren.

 

METAL MIRROR #63 ist online

Februar 26th, 2012

METAL MIRROR #63 - Cannibal Corpse, Asphyx, Xandria, Desaster, Black Messiah, Ketzer, Running Wild, Rage uvm.Das Frühjahr naht und traditionellerweise überhäufen uns die Labels in dieser Zeit des Jahres mit ihren Neuerscheinungen. Dabei zu selektieren, was man diesen Monat näher unter die Lupe nimmt und was nicht, war durchaus eine Herausforderung. Als Hauptgeschichte haben wir uns diesmal für eine extreme Legende entschieden, die zuletzt 2009 den Titel unseres Magazins zierte: Cannibal Corpse. Nicht etwa, weil deren neues Album eine Sensation sei, sondern weil die Sensation hinter dieser Band ist, dass sie sich seit zwei Jahrzehnten ohne jede musikalische Veränderung auf dem Death-Metal-Thron halten kann. Wie kann das funktionieren? Und ist das nicht eigentlich totlangweilig für die Musiker hinter der Band? Diese und noch viele andere Fragen stellten wir Paul Mazurkiewicz, dem Schlagzeuger und Mitgründer der Ami-Deather. Das Geheimrezept der Unverändung, Paul versucht es für uns und mit uns zu lüften. Zudem haben wir uns ein für alle Mal der Frage gestellt, wer der beste Mann für die Kannibalenfront ist: Chris Barnes oder George „Corpsegrinder“ Fisher. Das Ergebnis findet ihr im Anschluss an den Hauptartikel.

In weiteren Gesprächen begutachten wir mit Musikern von Xandria, Rage, Desaster und Ketzer deren Neuerscheinungen. Mit Zagan, dem Fronter der Pagan-Metaller Black Messiah, unterhielten wir uns über das Ende eines jahrelangen Viking-Hypes und außerdem hörten wir in das neue Album von Running Wild herein. Wie das klingen wird und vieles mehr, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten. Viel Spaß!

Hier geht es zu allen Infos und zum kostenlosen Download.

Die Samstags-Kolumne: Metal from Hellas

Februar 25th, 2012

Kolumne von Benedikt F.

Der Kolumnist: Benedikt F. arbeitet als freier Journalist und war früher selbst als Musiker aktiv.

Als Dorian mich fragte, ob ich mir vorstellen könne, eine monatliche Kolumne im Metal Mirror zu machen, begründete er dies damit, dass ich „meinungsstarker, aneckender Retro-Typ“ sei. Ich bin mir zwar nicht ganz sicher gewesen, ob dies als reines Kompliment zu verstehen war, habe aber dennoch zugesagt. Dann also die Frage: Womit einsteigen? Worüber schreiben? Und: Was wird von mir erwartet? Ein Retro-Kolumnist in einem Magazin, dessen aktueller Titel Blind Guardian zeigt und ein Interview mit Wolfgang Hohlbein beinhaltet. Ja, da hätte ich eine starke Meinung zu. Die Metal-Szene an und für sich schreit ohnehin danach, eine Polemik nach der nächsten abzufeuern. Das wäre wohl ein einfacher Job gewesen.

Nun ist es aber so, dass wir uns seit einigen Jahren in einem Zustand einer umfassenden Dauerkrise befinden. Und wenn es in Krisen an einem nicht mangelt, dann ist das wohl Polemik. Zum Beispiel in der Griechenland-Frage. Zumindest auf dem Boulevard-Sektor scheinen griechische Redaktionen mit ihren deutschen Kollegen in einen gnadenlosen gegenseitigen Unterbietungs-Wettbewerb getreten zu sein. Ginge es danach, müsste man etwas vereinfacht ausgedrückt davon ausgehen, dass alle Deutschen alle Griechen für stinkfaul und alle Griechen alle Deutschen für Nazis halten

Ich habe für diese Kolumne eine Untersuchung angestellt. Ein absolut nicht empirischer, höchst subjektiver, aber dennoch natürlich unfehlbarer Erklärungsansatz. Ich möchte ihn die „High Fidelity“-Methode nennen. Wenn Rob, der Held aus dem Kultbuch von Nick Hornby, eine Trennung zu verarbeiten hat, sortiert er seine Plattensammlung neu. Meine deutsche Plattensammlung hat ganz eindeutig eine Beziehung zu Griechenland. Eine, die über ein flüchtiges Verhältnis hinausgeht. Die Ergebnisse dieser musikalischen Introspektion lassen sich in drei Punkten zusammenfassen.

Zum Vorschein kam zunächst ein mittlerweile zwar durch Aussortierung kleiner gewordener, aber immer noch vorhandener Stapel an Bootlegs griechischer Herkunft. Eine Zeit lang schien es dort Volkssport gewesen zu sein, jede musikalisch noch so irrelevante, aber als Original unbezahlbare Rarität als billig aufgemachte CD auf den Markt zu schleudern und sich so zumindest eine halb vergoldete Nase zu verdienen.

Eine bessere Geldanlage sind da die vielen großartigen offiziellen Veröffentlichungen griechischer Plattenfirmen, die auf lizensiertem Wege die obskursten Schätze der Metal-Historie zugänglich gemacht haben. Was mir alleine aus dem Hause Arkeyn Steel alles an völlig großartigen Platten in die Hände gefallen ist, spottet jeder Beschreibung. So etwas ist nur möglich mit einem positiven Metal-Wahnsinn, mit Engagement und mit Leidenschaft.

Last, but not least: Niemand, der sich ernsthaft für traditionellen Heavy Metal interessiert, kommt an den griechischen Bands vorbei. Ob nun die absoluten Klassiker wie RUST, SPITFIRE, CRUSH oder neuere Gruppen wie BATTLEROAR, deren 2009er Album „To Death And Beyond“ für mich ohne wenn und aber zu den besten europäischen Heavy Metal-Alben der letzten 20 Jahre gehört.

Fazit: Mit der „High Fidelity“-Methode gelange ich zu einer 2:1 Wertung. Um die deutsch-griechischen Beziehungen in meinem Plattenschrank ist es also weiterhin gut bestellt. Ein Heavy Metal-Europa ohne Hellas scheint mir schwer vorstellbar und wenig sinnvoll. Es bleibt der Wunsch, dass deutsche und griechische Heavy Metal-Fans auch in diesem Jahr auf dem „Keep It True“ in Lauda-Königshofen und dem „Up the Hammers“ in Athen friedlich zusammen feiern. Das wäre das eindrucksvollste Zeichen dafür, dass zumindest wir uns von den politischen wie medialen europäischen Irrwegen nicht irritieren lassen, weil wir wissen, dass uns immer noch viel mehr verbindet als uns trennt. In diesem Sinne:

All hail, here we rise again!
Metal from Hellas!
Gods sing, in the land of pride!
Metal from Hellas!

Die Samstags-Kolumne: Dave Mustaine und die Homoehe.

Februar 18th, 2012

Kolumne von Dorian Gorr

Der Kolumnist: Dorian Gorr ist seit 2004 Herausgeber vom Online-Magazin METAL MIRROR.

Diesmal hat er sich mal wieder selbst übertroffen, der gute Dave. Seitdem Dave Mustaine wiedergeborener Christ ist, dreht der Megadeth-Chef und ex-Metallica-Gitarrist zunehmend am Rad. Erst drohte er an, keine Auftritte auf Festivals zu spielen, auf denen auch antichristliche Bands auftreten. Jetzt äußerte er sich in einer Radio-Talkshow zum Thema Homoehe und – ganz im Sinne seiner Auslegung des Christentums – fand natürlich, dass das so gar keine dufte Idee ist. Im Wortlaut liest sich der Dialog wie folgt:

Do you support gay marriage?

I’m very conservative. So, take it for what it’s worth.

Washington State, just this week, the governor signed gay marriage into law. Do you support gay marriage, or is that something you oppose?

Well, since I’m not gay, the answer to that would be no.

OK. What about for people who are gay?

Since I’m not gay, the answer to that would be no.

Would you support legislation to make marriage between a man and another man legal?

I’m Christian. The answer to that would be no.

Und das aus dem Mund eines Musikers, der einst als einer der wichtigsten Köpfe einer Szene galt, die dem Grundgedanken nach eigentlich liberal, rebellisch und alles andere als konservativ sein sollte. Doch – und das ist das Traurige an der heutigen Szene – mit seiner Anti-Homosexuellen-Einstellung (oder deutlicher gesprochen: Anti-Schwulen-Einstellung) steht Mustaine gar nicht mal so alleine im Heavy-Metal-Sektor dar. Nein, keine Sorge, ich werde jetzt bestimmt nicht so dumm und oberflächlich sein und der gesamten Metal-Szene unterstellen, dass sie schwulenfeindlich ist, aber weite Teile sind es zumindest latent. Selbst wenn es ihnen teils nicht bewusst ist.

Der Metal-Szene haftet ein Macho-Image an. Starke Männer machen lauten Krach. In diesem Szenario scheint in den Gedanken vieler kein Platz für Schwule zu sein. Dass – oh, diese Ironie – einer der bedeutendsten Metal-Sänger aller Zeiten schwul ist, scheint da erst einmal nebensächlich zu sein. Der Aufschrei ist trotz allem immer noch groß, wenn sich dann doch mal ein Musiker outet. Das jüngste Beispiel ist nur wenige Jahre her. Es war auf dem Wacken Open Air 2008, da ging über den Pressezeltplatz bereits das “skandalöse Gerücht” umher, dass Gaahl, Sänger und Frontfinsterling der Black-Metaller God Seed (damals noch Gorgoroth), schwul und mit seinem Liebhaber nach Wacken gereist sei. In Black-Metal-Kreisen rief das damals wahre Hasstiraden hervor. In den Online-Foren wurde über “die Schwuchtel von Gorgoroth” geflucht, geschimpft, gehetzt. Und nicht nur dort: Kurze Zeit später interviewte ich den Schlagzeuger einer deutschen Black-Metal-Band (den Namen der Truppe lasse ich jetzt einfach mal unter den Tisch fallen), der von sich aus das Thema aufgriff, Gaahl als “widerlich” und “eklig” einstufte und mir anschließend noch in einer fortgeführten E-Mail-Diskussion mitteilte, dass er sich schäme, wenn man diesen Sänger noch immer mit der Black-Metal-Szene assoziieren würde. Gaahls Outing würde der Szene nur schaden.

Plötzlich sind sich Antichristen und christliche Fundamentalisten gar nicht so unähnlich. Oh, diese Ironie…

Das mag ein Einzelfall sein? Von wegen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich schon Interviews geführt habe, in denen der Musiker das Adjektiv “schwul” als Synonym für schlecht oder scheiße verwendete. Wahrscheinlich denken sich diese Leute nichts dabei. Wahrscheinlich würden sie sich nicht einmal offen als schwulenfeindlich bezeichnen. Aber es ist diese latente Einstellung, diese grundsätzliche Stimmung gegenüber Schwulen, die in dieser Szene herrscht und dafür sorgt, dass sich kaum einer outet. Ich persönlich kenne beispielsweise nicht einen einzigen schwulen Metal-Fan. Und wenn man bedenkt, wie viele Leute ich seit Jahren in dieser Szene auf Konzerten, Festivals und Partys kennenlerne, dann widerspricht das doch jeder statistischen Logik.

Warum schreibe ich jetzt die ganze Zeit von Schwulen und nicht von Homosexuellen? Die Antwort ist simpel: Lesben, zumindest das, was der gemeine Metaller für eine Lesbe hält, sind in der Szene gerne gesehen und dienen als Projektionsfläche für – vornehm ausgedrückt – erotische Fantasien. Ob knutschend vor der Bühne mit einer Horde Lechzender um sich herum oder fummelnd und tanzend auf der Bühne, während einer Manowar- oder Mötley-Crüe-Show – zwei Frauen gelten als erotisch, ästhetisch, sexy. Sieht ja auch nett aus, keine Frage. Aber hat einer von euch schon einmal zwei knutschende Männer vor der Bühne auf dem Wacken Open Air gesehen? Ich nicht. Und ich fahre da seit bald zehn Jahren hin. Mich macht das traurig. Nicht weil ich mir gerne knutschende Männer angucken würde, sondern weil mich diese Doppelmoral ankotzt.

Für mich verkörpert diese Musik Freiheit, von mir aus auch Auflehnung. Lange Haare galten einst als Symbol dafür, dass man sich dem verbohrten Spießertum verwehrt, liberal ist und die konservativen Werte ablehnt, zumindest aber in Frage stellt. Und wo befinden wir uns heute? Heute geht ein einstiger Vollzeittrinker, ex-Rebell und musikalisches Genie in eine Talkshow und schließt sich den hirnverbrannten Ideen derer an, gegen die er einst mit zerrissener Jeans und schmuddeliger Lederjacke protestierte. Traurige Zeiten.

Was die Homoehe angeht, habe ich übrigens eine ganz klare Meinung: Jeder hat das Recht, sein eigenes Leben zunichte zu machen. Warum sollten sich Homosexuelle nicht in das gleiche Unglück wie alle anderen Verliebten stürzen dürfen?

Die Samstags-Kolumne: Eine Seefahrt, ist die Metal?

Februar 4th, 2012

Kolumne von Alex "Skandor" Kreit

Der Kolumnist: Alex "Skandor" Kreit ist als Musiker und DJ im Metal-, Rock-, Gothic- und Mittelalter-Sektor tätig.

Verschiedene Metal-Mirror-Redakteure äußern sich in den jüngsten Kolumnen mit einhelliger Zerrissenheit: Festivals und Großkonzerte sind anstrengend, teuer und teilweise ernüchternd. Dennoch gehen wir immer wieder hin. Nicht nur, weil wir’s können oder müssen, denn Spaß macht’s ja doch irgendwie. Ein Hauch von Masochismus umweht die Ambivalenz zwischen Erholung und Tortur. Mit gesteigertem Alter wird dies so manchem (Ausnahmen bestätigen die Regel) zuviel und nicht wenige Ü30-90er neigen dazu, lieber in die “Früher-war-alles-besser”-Lethargie zu verfallen und mit dem Arsch auf dem Sofa kleben zu bleiben. Für nicht nur diese Zielgruppe gibt es nun seit ziemlich genau einem Jahr die Marktlücke schlechterdings: die Metal-Kreuzfahrt. Ab schlappe 666 Euro aufwärts – die noch viel teureren Flugkosten natürlich noch nicht inklusive! – kann der geneigte Frührentner gleichzeitig “Urlaub” in einem muffigen Innenkabinen-Massenlager machen und die Freuden von Livekonzerten in übersichtlicher Runde, direkt aus der Poolbar genießen. Als besonderes Schmankerl sitzt man auch noch mit den Stars im selben Boot und kann bei jeder sich bietenden Gelegenheit zusammen mit Guitar-Hero Lumppii Hyännen (oder anderen Star nach Wahl hier einfügen) beim Frühstücksbuffet in die Smartphone-Kamera grinsen. Die Ehrfurcht der daheimgebliebenen Facebook-Freunde sei schließlich in virtuellen Stein gemeißelt. Dafür lässt man dann als Geringverdienender auch gerne seinen Jahresurlaub nebst gesamter Ersparnisse sausen und verschuldet sich womöglich sogar freudig, nur um dabei gewesen zu sein.

Die existentielle Frage “Ist das Metal?” stellen natürlich nur Neider und Missgönner. Aber unter uns Kirchenbrand… äh… …brüdern: Selbst wenn man die in tropischer Hitze entstehenden Körpersäfte nicht so gerne als “ehrlichen Festivalschweiß” interpretieren möchte – das selige “Traumschiff ohne Sascha Hehn und stattdessen mit Lemmy hätten wir doch schon alle irgendwie geil gefunden, oder?

In diesem Sinne macht das, trotz zeitgleich stattfindender Katastrophe um die Costa Cadaver, wiederholt ausverkaufte Konzept gewaltig Schule. So sehr, dass schon der erste Spezialdampfer im Auslaufdock wartet: Die “Barge To Hell”, die welterste Butterfahrt mit ausschließlich “extremen” Metal-Themen von Schwedentod bis Teufelsblei. Und da wird selbst der Verfasser dieser Zeilen schwach. Wir sehen uns irgendwo da draußen!

METAL MIRROR #62 ist jetzt online

Januar 30th, 2012

Es kommt mir wie gestern vor, dass ich meine erste skurrile Begegnung mit Blind Guardian machte: Ich war 19 und arbeitete als Zivildienstleistender in einem Krefelder Krankenhaus. Der Metal Mirror steckte zu dem Zeitpunkt in den Kinderschuhen, aber schon damals war ich ein großer Blind-Guardian-Fan. Nichtsahnend lief ich im Krankenhaus den Gang entlang, als plötzlich Hansi Kürsch, damals noch mit langen Haaren, vor mir stand. Er besuchte Verwandte. Wir sprachen kurz, bevor es für mich wieder zurück an die Arbeit ging. Jahre später interviewte ich Hansi das erste Mal. Als wir so plauderten, erwähnte ich die Krankenhaus-Begegnung. Er meinte, dass er sich daran erinnern könnte. Ich weiß natürlich nicht, ob er das nur so sagte oder ob es wirklich stimmt.

Ich habe Hansi in all den Jahren mehrfach interviewt und dabei immer einen selbstbewussten, interessanten Gesprächspartner getroffen. Anfang dieses Jahres führten wir ein weiteres Gespräch. Der Anlass: Blind Guardian feiern ihren 25-jährigen Geburtstag. Wir ehren die größte deutsche Metal-Band mit einer großen Titelstory!

Außerdem gibt es coole Interviews mit God Seed, Alcest, Suicidal Angels, Napalm Death sowie zwei spannende wie ungewöhnliche Storys: Wir sprachen mit Bestseller-Autor Wolfgang Hohlbein über die Rockoper „Die Chronik der Unsterblichen – Blutnacht“ und mit der YouTube-Ausnahmepianistin Vika Yermolyeva. Viel Spaß beim Lesen!

Dorian Gorr (Chefredakteur und Herausgeber)

Hier geht es zu allen Infos und dem kostenlosen Download von METAL MIRROR #62

Die Samstagskolumne: Rock’n'Roll bis zur Apokalypse

Januar 21st, 2012

Online-Kolumne von Elvis Dolff

Der Kolumnist: Elvis Dolff schreibt seit den Anfängen im Jahr 2004 für den METAL MIRROR und ist in der Werbeindustrie tätig.

21.01.2012 – hm, also nach den Maya noch genau 11 Monate? Versteht mich nicht falsch, aber gebt euch doch einmal der Vorstellung hin, dass wirklich alles im Jahresablauf nur noch einmal in eurem Leben geschieht. Nur noch ein Frühling, ein Festivalsommer, eine Urlaubsreise und eine Vorweihnachtszeit (wohl gemerkt: OHNE Weihnachtsklimax!). Wäre man sich dessen hundertprozentig gewiss – wie es in so manch einem pseudo-wissenschaftlichen Apokalypse-Epos im TV der Fall ist (Bsp.: Komet fliegt mit haargenauem Countdown auf die Erde zu, Welle trifft in genau 20 Min ein etc.) – würde man wohl versuchen, die letzten Wochen und Monate auf Erden so besonders wie möglich zu erleben. Auch in dem Morgan Freeman/Jack Nicholson-Film „Das Beste Kommt Zum Schluss“ (The Bucket List) wird mit diesem Gedanken gespielt. Beide Hauptdarsteller erkranken an Krebs und bekommen ihre Restlebenszeit-Diagnose. Daraufhin beschließen sie, noch alles zu tun, was sie immer schon mal machen wollten (Fallschirmsprung, mit’m Motorrad über die chinesische Mauer etc.). Würden alle wissen, dass sie bald sterben, würde doch jeder den höchstmöglichen Kredit aufnehmen und mehr als nur einen drauf machen. So ne kleine Eurokrise wäre dann wohl nichts. Eine Art Prä-Apokalypse also auch vorprogrammiert.

Im Metal-Universum sähe das wohl so aus: Absolut ALLE Bands sind auf Abschiedstournee! Erhöhen also die Preise auch auf apokalyptisches Niveau. Jeder spricht von seiner ober-trven Reunion in der Hölle und „Die Apokalyptischen Reiter“ bekommen tausende Fanmails, den Gig am 21.12. ein paar Monate weiter zu verschieben. Pagan-Bands packen alle ihre musikalische Ragnarök-Version aus und spielen einmalige Live-Gigs am Vorabend des Weltuntergangs. Event-Reisen auf dem „Ausflugsschiff“ Naglfar, kleine Plüsch-Fenrizwölfe, die auf Knopfdruck Feuer spucken können und Kondome in der Sonderedition „Midgardschlange“ werden angeboten. Aber auch fernab der mythologischen Schauplätze geht die Post ab. Absolut jeder sieht das Ende kommen und lässt seine Arbeit Arbeit sein, wird spirituell oder versucht halt einfach mit jedem, den er auf der Straße trifft, zu vögeln – natürlich ohne Kondom, da AIDS, Babys und der ganze Quatsch in diesem Szenario auch keine Rolle mehr spielen (weswegen „Modell Midgardschlange“ wohl eher ein Ladenhüter sein wird).

Egal wie man sich das nun ausmalt, genau zu wissen, wann man stirbt, löst etwas im Menschen aus, was er aber eigentlich jeden Tag leben sollte: er würde aktiv und kreativ werden wie niemals zuvor. Kennt man ja von Prüfungen: meistens arbeitet man nur wirklich unter Druck. Aber gibt einem der 21.12. oder die Krebsvorhersage die Gewissheit, dass dich kein Auto, Blitz oder Wildschwein bis dahin erwischt? Wohl kaum.

Der Kern des Rock’n’Roll war für mich immer ein Lebensstil, in dem man das Leben in jeder Minute auszukosten versucht und nicht an den Morgen danach denkt. Was andere im ganzen Jahr unternehmen, in einer durchschnittlichen Woche durchziehen und bei aller Erschöpfung weiter zu machen – so lang man nur kann. Keine kultige Gelegenheit auszulassen. vom Alltag abzuweichen und durchzuziehen. Die Geschichten waren es meistens wert.

Mit genug Abergläubigen auf unserer Welt wird dieses Jahr also geprägt sein von sehr viel Rock’n’Roll, Action und hammergeilen Storys! Yeeehah!

Die Samstags-Kolumne: Steht uns das große Sterben bevor?

Januar 14th, 2012

Kolumne von Jenny Bombeck

Die Autorin schreibt seit sieben Jahren beim Metal Mirror und ist stellvertretende Herausgeberin des Magazins.

Das neue Jahr hat noch nicht richtig begonnen und schon ereilen uns die ersten Meldungen, die uns jedes Mal einen Schrecken einjagen. Dabei durfte sich die Metal-Gemeinde im vergangenen Jahr über eine Elefanten-Reunion freuen: Black Sabbath sind in der Originalbesetzung zurück. Nicht nur eingefleischte Sabbath-Fans verdrücken das ein oder andere Freudentränchen, als sie die Nachricht lesen durften. Denn jeder, der nur ansatzweise Metal mag, hat die Chance, ein Urgestein noch einmal live auf der Bühne zu sehen. Die Festivalsaison wird dadurch noch um einiges attraktiver.

Leider ist die pure Freude von nicht allzu langer Dauer, denn die Nachricht über Tony Iommis Krebserkrankung folgt auf dem Fuße. Das Glücksgefühl ist getrübt und man fragt sich: Welchen Einfluss hat die Krankheit auf die geplante Reunion? Glücklicherweise wurde der Krebs rechtzeitig entdeckt. Jedoch führen mich solche Meldungen immer wieder zu der essentiellen Frage: Steht uns das große Sterben bevor?

Ist das Metal-Genre gar eine gefährdete Spezies, das in der Belanglosigkeit endet?

Was passiert, wenn die großen Helden des Metals, die ausschlaggebend unser Genre geprägt haben, nicht mehr da sind?

Uns allen steckt noch der Tod von Ronnie James Dio in den Knochen und seitdem hat man das Gefühl, dass die schwarze Binde nicht vom täglichen Geschehen verschwinden will. Man wird nicht jünger und da bis dato noch kein Jungbrunnen gefunden wurde, fällt für uns alle irgendwann der finale Vorhang. Die großen Stars unseres geliebten Genres haben zum größten Teil ein bestimmtes Alter erreicht, in dem man mit allem rechnen muss. Ich frage mich nur: Gibt es überhaupt noch Bands, die es vermögen, in die Fußstapfen von Black Sabbath und AC/DC zu treten? Diese Fußstapfen scheinen gigantisch. Und welche Band schafft es heutzutage noch, nicht nur ein Genre, sondern auch Generationen zu prägen und ein bestimmtes Lebensgefühl zu kreieren? Gibt es noch Bands, die Kultstatus zu ihren Lebzeiten erreichen? Kann man Nightwish, HammerFall oder As I Lay Dying auf ein Podest mit den Urgesteinen stellen. Diese sind immerhin sehr erfolgreich.

Heutzutage will zudem jede frische Band am liebsten ein Subgenre komplett neu erfinden. Damit glauben sie, ihren zukünftigen Erfolg sichern zu können. Oft endet dieses Vorhaben leider in Lächerlichkeit. Ich bin sehr gespannt darauf, wie unsere Musikszene in ein oder zwei Jahrzehnten aussehen wird. Vielleicht habe ich mich auch geirrt und die Großen sterben dank ehrwürdiger Nachfolger nicht aus. Bands wie Edguy und Volbeat entern den Olymp und gesellen sich zu Black Sabbath. Aber vielleicht müssen wir uns um dieses Problem im Dezember auch keine Gedanken mehr machen, wenn die Mayas recht haben. Aber so lange gebe ich die Hoffnung nicht auf, denn glücklicherweise gibt es viele gute Bands mit Potenzial. Doch reicht das aus?