Posts Tagged ‘Rockhard Festival’

Feuer frei: Die Metalnews des Tages – 20. März 2012

März 21st, 2012

1. Ministry veröffentlichen Video-Clip

Die Industrial Metaller von Ministry haben mit “99 Percenters” ihren brandneuen Videoclip veröffentlicht.

2. Marilyn Manson im Duett mit Johnny Depp

Laut “MTV News” haben sich Schauspieler und Hobby-Rocker Johnny Depp und Schockrocker Marilyn Manson zusammengetan, um eine Coverversion von Carly Simons Hit von 1972, “You’re So Vain”, für das kommende, bereits achte Studio-Album, “Born Villain”, das Anfang Mai 2012 veröffentlicht werden soll.
Depp hat sowohl Leadgitarre, als auch Drums bei dem Track gespielt und Mrs. Manson hat erwartungsgemäß den Gesang, aber auch die zweite Gitarre, übernommen.

3. Rock Hard Festival: Line-Up steht

Die deutschen Thrasher Deathfist und RAM, die “schwedische Antwort auf JUDAS PRIEST”, komplettieren das Rock Hard Festival, das vom 25. bis 27. Mai 2012 im Amphitheater in Gelsenkirchen über die Bühne gehen wird. Während die Campingtickets bereits restlos vergriffen sind, ist das Kartenkontingent fürs eigentliche Festival noch nicht erschöpft.

4. Crystal Viper veröffentlichen Digital-Single vorab

Um die Wartezeit auf das neue Crystal-Viper-Album „Crimen Excepta“ etwas zu verkürzen, wird der vorab schon
online verfügbare Song „Witch’s Mark“ am 30. März 2012 als digitale Single erscheinen.
Kleines Extra für alle Fans: neben dem Titelsong ist mit „The Banshee“ ein bisher unveröffentlichter Bonustrack enthalten.

Das „Crimen Excepta“ Album wird am 27. April 2012 als CD  und Vinyl via AFM veröffentlicht.

Feuer frei: Die Metalnews des Tages – 5. März 2012

März 5th, 2012

 

1. Arch Enemy und Christopher Amott gehen wieder mal getrennter Wege

Zum zweiten Male trennen sich die Melo-Deather Arch Enemy von ihrem Gitarristen Christopher Amott. Man betont, dass man sich einvernehmlich und ohne böses Blut voneinander verabschiedet. Das wäre auch traurig, immerhin ist Bandchef Michael Amott der Bruder des jetzt ex-Arch-Enemy-Gitarristen. Ersatz sei bereits rekrutiert. Um wen es sich handelt, ist aber noch geheim.

2. Zwei Neuzugänge beim RockHard Festival

Das an Pfingsten stattfindende RockHard Festival hat mit ’77 und Jex Thoth zwei neue Bands bestätigt.

3. Rock-Legende Ronnie Montrose ist tot

Im Alter von 64 Jahren ist Rock-Legende Ronnie Montrose seinem Krebsleiden erlegen. Als Wegbereiter für die harte Musik spielte er unter anderem mit ex-Van-Halen-Sänger Sammy Hagar zusammen.

4. Siebte Episode von Guardian TV ist online

Die deutsche Power-Metal-Legende hat den siebten Teil ihrer Serie “Guardian TV” veröffentlicht.

5. Neues Fozzy-Album im Anmarsch

Die Heavy-Rock-Band um Wrestlingstar Chris Jericho hat ihr neues Album angekündigt. Außerdem wurde ein Auftritt bei den Golden Gods Awards bestätigt.

Feuer frei: Die Metalnews des Tages – 3. Januar 2012

Januar 3rd, 2012

 

Machine Heads Phil Demmel heiratet

Im Liebesglück: Phil Demmel (zweiter von links) (c) www.machinehead1.com

1. Machine Heads Phil Demmel heiratet

Phil Demmel, Gitarrist von Machine Head, befindet sich im Liebesglück und gab pünktlich zum neuen Jahr seine Verlobung bekannt. Die Herzensdame ist keine unbekannte: Marta Peterson von Bleeding Through. Die beiden waren sich auf der gemeinsamen Australien-Tour näher gekommen.

2. Krisiun und Turbonegro sind für das RockHard Festival bestätigt

Das an Pfingsten im Gelsenkirchener Amphitheater stattfindende RockHard Festival hat bereits zur Weihnachtszeit mit Krisiun und Turbonegro zwei Billing-Neuzugänge verkündet.

3. Van Halen live in New York?

Gerüchten zufolge spielen die Rocklegenden ein Konzert im berühmt-berüchtigten Café Wha? Ein neues Album steht ebenfalls in den Startlöchern.

4. Winds Of Plague sind Support für Caliban

Nachdem All That Remains als Support für die bevorstehende Caliban-Tour absagen mussten, springen jetzt Winds Of Plague ein.

5. Sodom sind für das Metalcamp bestätigt

Die Ruhrpott-Thrasher werden 2012 beim slowenischen Metal-Urlaub mit dabei sein.

 

Interview: Götz Kühnemund (RockHard) – “Wir machen mit Herzblut weiter”

Juni 27th, 2011

Interview mit Götz Kühnemund (RockHard)

Wir machen mit Herzblut weiter

Das eigene Festival wird von Jahr zu Jahr erfolgreicher. Mittlerweile scheint die Organisation dermaßen gut eingespielt zu sein, dass Mängel im Ablauf weitgehend komplett ausbleiben. Im Interview zeigt sich RockHard-Chefredakteur und Festival-Veranstalter Götz Kühnemund überaus zufrieden – dabei musste man im Vorfeld durchaus den ein oder anderen Rückschlag hinnehmen.

Interview & Foto: Dorian Gorr

Götz, das Line-Up scheint klassischer und klassischer zu werden. Versucht ihr mittlerweile das Keep It True in größer zu werden?
Vielleicht gehen die Kämpfe im Haus da mittlerweile anders aus. Es gibt hier natürlich Interessensgruppen, die würden am liebsten das komplette KIT-Publikum hier haben – mich zum Beispiel. Wenn wir die 2000 Leute vom KIT bei uns als Kern der Fans dabei hätten, wäre das eine geile Sache. Aber die Festivalorganisation unterliegt natürlich vielen Leuten. Und manche sagen dann eben auch, dass man eine Band wie Epica einladen muss, um auch andere Geschmäcker zu befriedigen. Das Festival ist ja nicht nur auf einen Geschmack zugeschnitten.

Wie enttäuscht warst du, dass King Diamond wegen seiner Herzerkrankung nicht kommen konnte? Zwischen den Zeilen las es sich so, als sei der Deal schon abgewickelt.
Ja, war er auch. Das ist echt schade. Wir waren uns einig, dass er das RockHard Festival als erste Show machen würde, sobald er fit genug sei, um nach Europa zu kommen. Seit der Herzgeschichte haben wir leider gar keinen Kontakt mehr. Er möchte von der Musik erstmal Abstand nehmen und scheint ernsthaft krank zu sein. Solche Dinge hat man leider nicht in der Hand.

Nach The Devil‘s Blood scheint der Freitag mittlerweile für die okkulten, dunklen, unbekannteren Bands, wie in diesem Jahr Triptykon, reserviert zu sein. Bleibt das so?
Ich denke schon. Das hat ja gut geklappt. Am Freitag bauen viele noch ihr Zelt auf, kommen nicht vom Zeltplatz los, reisen später an. Mehr als 5000 Leute haben wir da nie im Amphitheater. Also sucht man sich Headliner, die sich für diese Größe eignen. Der Freitag bleibt auf jeden Fall undergroundiger. Nicht nur, weil die Leute das mittlerweile erwarten, sondern auch, weil uns das finanziell gar nicht anders leisten können.

Nach dem Love-Parade-Unglück im vergangenen Jahr haben viele Veranstaltungen mit verschärften Auflagen zu kämpfen. Habt ihr davon etwas gespürt?
Ja, wir mussten eine Sicherheitsbesprechung machen und ein Konzept vorlegen. Das wurde aber problemlos akzeptiert. Wir engagierten etwas mehr Security und damit war die Sache gegessen. Große Hürden gab es da nicht. Was auch daran liegt, dass wir in den ganzen neun Jahren kein einziges Mal irgendwelche Probleme hatten.

Wessen Idee war es, dich an eine Bunkerwand auf dem Campingplatz zu strahlen?
Meine nicht! Ich fand das auch nicht witzig, weil das so aussah, als ob ich jetzt durchdrehe. Das war der Betreiber des Amphitheaters, der mir eine Freude machen und mir damit seine neue Anlage präsentieren wollte. Die Anlage ist grundsätzlich auch eine tolle Sache. Da werden wir nächstes Jahr bestimmt etwas mit machen. Aber dass ich da übergroß gezeigt werde, das war mir sehr peinlich, weil ich genau wusste, wie ich reagieren würde, wenn ich das mit jemand anderem sehen würde. Ich versichere, ich wusste nichts davon.

Wir haben wie im vergangenen Jahr gesammelt und wollen gerne zu folgenden vier Bands wissen, ob die nicht was für das nächste RockHard Festival wären. Den Anfang machen Nifelheim. Möglich?
Ja, die sind cool. Man müsste gucken, wie man das mit der Show regelt, weil die bringen ja Feuer und Flammen mit. Fände ich aber super.
Hypocrisy?
Ist geplant. War es schon für dieses Jahr, aber da Peter sich nur auf Pain konzentrieren wollte, haben wir beschlossen, mit den Verhandlungen ein Jahr zu warten.
Cannibal Corpse?
Waren auch dieses Jahr im Gespräch, dann haben wir uns aber für Triptykon entschieden. Cannibal Corpse werden jedes Jahr diskutiert und werden definitiv in der Zukunft mal dabei sein.
Die Glam-Fraktion wünscht sich Steel Panther!
Die waren auch im Gespräch. Aber da das die einzige Europashow gewesen wäre, wäre das zu teuer geworden, die einfliegen zu lassen.

Nächstes Jahr feiert ihr Zehnjähriges. In welche Richtung gehen die Planungen?
Wir werden schon etwas machen, damit es nach Jubiläum aussieht, aber bestimmt nichts Irrwitziges, wie den Ticketpreis erhöhen, um Motörhead bezahlen zu können. Lieber machen wir mit Herzblut so weiter und organisieren spezielle Setlists, wie jetzt bei Triptykon oder Overkill. Es muss nicht groß und teuer sein, um gut zu sein.
www.rockhardfestival.de

Festival-Bericht: RockHard Festival 2011

Juni 27th, 2011

Triptykon live RockHard

Das Theater rockt hart

Aus dem Ruhrpott ist es genau so wenig wegzudenken wie Frittenbuden, Adiletten und Fußball: Im neunten Jahr ist das RockHard Festival abermals ausverkauft. Mit seiner zunehmend klassischen Ausrichtung zieht das Festival 7500 Besucher ins Gelsenkirchener Amphitheater. METAL MIRROR war vor Ort, berichtet von allen Bands und führte obendrein ein Interview mit Chef-Veranstalter Götz Kühnemund.

Tag 1, Freitag, 10. Juni
Alle Jahre wieder rockt das RockHard-Festival. Und jeder Festival-Anfang ist schwer und eine große Ehre für denjenigen, der eröffnen und die headbangwütige Meute das erste Mal zum musikalischen Buffet bitten darf. Diese Ehre wird dieses Jahr CONTRADICTION zuteil, die mit ihrem Oldschool-Thrash einen mehr als guten Job vollbringen. Mit Songs wie „Voice Of Hatred“, „Warchitect“, „Demon“ oder dem saftigen Abschluss „Nation Of Fear“ sind Amphitheatristen direkt richtig gepolt und knallhart eingestimmt.

Damit dem Publikum aber nicht gleich bei der zweiten Band die Puste ausgeht, bringen die chilenischen Doom-Metallisten PROCESSION eine direkte Entschleunigung ins Programm. Mit „Raven Of Disease“ oder „Chants Of The Nameless“ färben die Südamerikaner die Atmosphäre genauso düster wie den Himmel. Einher mit dem Auftritt geht nämlich eine kontinuierliche Verdunklung. Passend dazu ruft der Fronter dazu auf, sich bei dieser Atmosphäre auf keinen Fall Primordial entgehen zu lassen.

Mit dem Regeneinbruch rücken die Massen nun näher vor die überdachte Bühne und den nächsten Auftritt der Berliner Death-Thrasher POSTMORTEM. Von Götz noch einmal als deutsche Antwort auf Slayer betitelt, stehen die Jungs dann auch schon auf den Brettern. Solide rocken sie „Give Us Hate“, „Lobotomy“, „The Way Of The Knife“, „Der Totmacher“, „Hate, Kill, Destroy“ oder „Revolution“ runter. Leider springt der Funke nicht wirklich zum Publikum über. Das liegt zum einen an der niederprasselnde Feuchtigkeit, die fast das ganze Amphitheater leer gefegt hat und zum anderen daran, dass die meisten Leute im Bereich vor der Bühne eher nur Unterschlupf unter dem Dach suchen als Postmortem sehen wollen.

PRIMORDIAL stellen sich anschließend der schwierigen Aufgabe, ihre komplexen Songs auch am hellen Nachmittag so darzubieten, dass diese an Intensität und Atmosphäre nichts einbüßen. Für jede andere Band wäre das ein Problem, für Alan „Nemtheanga“ Averill ist das hingegen ein Kinderspiel. Blutüberströmt und mit irrem Blick zeigt einer der derzeit weltbesten Fronter, was es heißt, ein Publikum für sich einzunehmen. Mit theatralischer Gestik, grandiosem Gesang und einer Reihe geiler Songs (auch wenn das ein oder andere Highlight mangels Zeit fehlt) stellen Primordial klar, wer Chef im Ring ist. Einziges Manko: Der Soundmischer kommt mit der Band nicht zurecht und verpasst denen teils einen zu wummernden, matschigen Bass-Sound.

ENSLAVED haben es auf Festivals ebenfalls nicht leicht. Ihre stimmungsgeladenen und komplexen Songs sind nicht gerade für die Freiluftsaison prädestiniert. Dennoch geben Ivar und Grutle alles auf der Bühne, um das Trüppchen davor zu unterhalten. Den Anfang macht das geniale „Ethica Odini“ vom aktuellen Album, das selbst ein paar Headbanger auf den Treppen dazu bewegt, ihre Nackenmuskeln zu beanspruchen. Es ist schade, dass die einzigartige Atmosphäre der Alben nicht komplett auf die Bühne übertragen werden kann. Dennoch mindert das keineswegs die Qualität des Auftritts und vor allem der Songs. „Ruun“ ist zwar nicht partytauglich, aber immer noch wunderschön anzuhören.
Als erster Headliner stehen TRIPTYKON bereit. Quasi als Versöhnungsgeste für die in der Vergangenheit abgesagten Celtic-Frost-Auftritte. Trotz Wolkenbruch und klitschnassem Amphitheater präsentieren Tom G. Warrior und seine Band einen unvergesslichen Auftritt, bei dem nicht nur fast das gesamte Debütalbum „Eparistera Daimones“ gespielt wird, sondern man neben zwei Celtic-Frost-Covern auch noch drei unsterbliche Hellhammer-Songs zu hören bekommt – ein Ausnahme-Set, das man laut dem Bandchef so nie wieder hören wird. Schade ist nur, dass „Into Crypts Of Rays“ ausbleibt.

Tag 2, Samstag, 11. Juni
Das Schweizer Sextett DREAMSHADE eröffnet mit einer geballten Ladung Melo-Death den zweiten Tag. Auch wenn dieses Genre in den letzten Jahren sehr inflationär zum Vorschein kam, bieten die jungen Schweizer den Fans dennoch einen routinierten Auftritt. Nur Fronter Iko zerbrüllt gerne den ein oder anderen melodischen Gitarrenpart, wodurch eher der Eindruck einer 08/15-Hardcore-Band entsteht.

Viele erhofften sich Kind Diamond auf dem diesjährigen RockHard Festival. Dass der King wegen Herzproblemen nicht kommen konnte, ist schade, aber war nicht zu vermeiden. IN SOLITUDE sind jedoch für Fans des Genres ein kleines Trostpflaster. Von Fenriz hochgelobt und mit etlichen Mercyful-Fate-Zitaten gespickt, legt die Band einen soliden Auftritt hin, dem aber noch ein bisschen die Hits fehlen.

Bei DISBELIEF gibt es Death-Metal-Extravaganz. Sänger und einzig verbliebenes Gründungsmitglied Karsten Jäger brüllt, singt und verleiht dem Live-Auftritt die nötige Flexibilität. Manch ein Song wirkt aber eher zäh und manchmal wirkt die Band zu routiniert – nach 20 Jahren Bandgeschichte ist das entschuldbar. Immerhin geht in den vorderen Reihen viel Party.

EPICA sind im Gegensatz dazu die musikalischen Exoten auf dem Festival – was schon alleine deswegen ironisch ist, weil diese Band außerhalb des RockHard-Festival-Universums natürlich weit mehr Anerkennung genießt als unter den Kutte tragenden Old-School-Fans, die schon freudig Bullet erwarten. In diesem Spannungsfeld können Epica nur verlieren. Tun sie auch. Elsengejammer, ab und an eingeworfene „harsh vocals“, den meisten geht dieser Mix am Allerwertesten vorbei. Auf dem RockHard Festival hat diese Band schlichtweg nichts verloren. Schon aus reinem Eigennutz nicht.

BULLET gehören hingegen zum erweiterten Inventar. Bereits zum dritten Mal stolpert der wuschelige Fleischklopps Hell Hofer auf unverkennbare Weise auf die Bühne und zelebriert mit seinen Jungs (alle stilecht im Achtziger-Look) eine Classic-Metal-Orgie, die beim dritten Gastspiel der Band zwar nicht mehr überrascht, aber durchweg Freude bereitet. Die Matten werden geschüttelt, die Spandex-Hosen gedehnt und die Teufelshörner gen Himmel gereckt. Bullet nutzen sich nicht ab und sind gerne auch im nächsten Jahr willkommen.

MORGOTH sind wieder da – und tödlich wie eh und je. Die gute Portion Death Metal darf ja auch auf dem RockHard nicht fehlen. Mit mehreren Perlen ihres Prunkstückes „Cursed“ wird so dann auch der Zuschauer todesmetallisch verwöhnt. „Body Count“, „Isolated“ oder „Cursed“ sind nur einige Auszüge. Die Stimmung ist generell wohl zwiegespalten ob dieser weiteren Reunion, doch machen die Sauerländer ihren Job am heutigen Tage gut.

Einer der intimen Headliner und melancholischen Höhepunkte des RockHard sind AMORPHIS. Nach der Veröffentlichung ihres nächsten Hit-Albums „The Beginning Of Times“ kommt man nun auch live in den Genuss der neusten Werke. Bevor auch nur einer der Finnen zu entdecken ist, erzeugt schon die Melodie des Übersongs vom neuen Album „Battle Of Light“ für Gänsehaut. „My Enemy“, „Sky Is Mine“, „You I Need“, „Three Words“, „Silver Bride“, „Crack In A Stone“, „The Castaway“ und „House Of Sleep“ machen dann das Übrige. Als Outro und Bruch zur durchweg zum Wetterszenario passenden Atmosphäre bringt die Polkaversion von „House Of Sleep“ der Finnen Eläkeläiset die allumfassende Freude auf die meisten Gesichter.

ICED EARTH sind mit Matt Barlow auf Abschiedstournee. Dieses Mal wird es definitiv kein „Auf Wiedersehen“ mit dem sympathischen Sänger geben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Herren aus Florida nochmal all ihre Energie in ihre Songs legen, um dem RockHard-Publikum ein einmaliges Erlebnis zu bereiten. Herr Barlow ist stimmlich bestens aufgelegt und singt sich oft bis in die höchsten Tonlagen, ohne dabei so quietschig wie einst Tim Owens zu klingen. Besonders die traurig-starken Balladen wie „Watching Over Me“ oder „Melancholy“ machen den Abschied schwer. Aber auch Matt wird es durch die minutenlangen Sprechchöre, die lautstark seinen Namen ertönen lassen, nicht anders ergehen. Iced Earth legen einen perfekten Headliner-Gig ab.

Tag 3, Sonntag, 12. Juni
Scheiß auf Müdigkeit! Den dritten Festivaltag zu eröffnen, mag eine besondere Herausforderung sein, VANDERBUYST tun dies aber mit so einer unfassbar aufbrausenden Energie, dass man von der ersten Sekunde an Feuer und Flamme für die Band ist. Siebziger-Rock wird hier mit so viel Stage-Athletik präsentiert, dass einem die Spucke wegbleibt. Den Augenringen von Gitarrist Willem Verbuyst nach zu urteilen, war die Band zwar selbst nicht im Bett, dem Energiepegel tut das jedoch nicht schlecht. Willem spielt hinter dem Kopf Gitarre, posiert, haut Solos raus – einen besseren Opener kann man sich nicht wünschen.

ENFORCER haben danach eindeutig einen schweren Stand, vor allem da der zweite Gitarrist zu fehlen scheint und Sänger Olaf demnach zur Klampfe greift und weniger Energie ausstrahlt. Die Bühnenperformance wird dadurch statischer, der Auftritt verliert an Power. Und auch musikalisch macht sich die Doppelbelastung des Frontschönlings bemerkbar. Immer wieder verfehlt er einen Ton, wirkt etwas überfordert. Beim nächsten Mal bitte wieder nur singen. Danke!

Dass ATLANTEAN KODEX auf dem RockHard Festival spielen würden, war nach der geballten Lobhudelei nicht verwunderlich. Und die Begeisterung geht nicht nur von den Veranstaltern, sondern auch vom Publikum aus. Die Old-School-Fraktion kriegt einen Kollektivorgasmus als die schweren Heavy-Metal-Klänge, die ab und an frühe Manowar zitieren, auf sie losgelassen werden. Sänger Markus Becker singt zwar durchaus passabel, hat aber sonst die Ausstrahlung eines Knäckebrots. Egal, immerhin zählt ja die Musik. Und auch wenn der Hype etwas übertrieben und die Musik in der Sonne doppelt zäh wirkt, geht die Meute steil. So schnell scheint die Begeisterung für diese Truppe nicht abzuflachen.

Die deutschen Heavy-Metal-Ikonen und mehr als unterbewerteten Metallwerker METAL INQUISITOR haben – Metalgott sei dank – auch ihren Platz im Billing des diesjährigen Ruhrpott-Metal-Mekkas gefunden. Mit ordentlich Eiern, einmaligem Sound und einem Paar grandios-kultiger weißer Stiefel an den Füßen des Klampfers brennen die Jungs ihr Set runter. Mit Songs wie „Betrayed Batallion“, „Quest For Vengeance“, „Casualty Evacuation“, „Restricted Agony“ oder „Daze Of Avalon“ ist das ganze auch (fast) nur noch reine Formsache – nein, die Jungs veredeln den Metall ihrer Songs und haben mit Sicherheit heute noch weitere Fans gewonnen.

Technikfetischisten bitten anschließend zum Tanze. ANACRUSIS legen einen ihrer seltenen Auftritte aufs Parkett und verscheuchen damit diejenigen, die sich nicht für die progressive Thrash-Ausrichtung erwärmen können. Und eigentlich ist das auch verzeihbar. Nach fast drei Festivaltagen mag das zwar technisch einwandfrei sein, ab und an ist die Mucke dennoch arg schwer verdaulich. Allerdings gilt das nur für die Besucher, die ernüchternd auf den Rängen zuschauen. Vor der Bühne geht eine Menge Action. Anacrusis haben – so scheint es beinahe – einen eigenen Fanclub mitgebracht, der der Band huldigt.

Einen weiteren Power-Metal-Höhepunkt bieten beim diesjährigen Festival die US-Amerikaner VICIOUS RUMORS. Neben Mastermind Geoff Thorpe schafft es besonders Vokalist Brian Allen durch seine Gestik und Mimik das Publikum zusätzlich zur Musik mitzureißen. Das Set unterstützt den Eindruck und schlägt sich von Klassikern wie „Soldiers Of The Night“ bis hin zu Songs vom aktuellen Release „Razorback Killers“. Neben dem Titelsong des Debüts treffen auch noch „Digital Dictator“, „Razorback Blade“, „Dust To Dust“, „Out Of The Shadows“, „Worlds And Machines“, „Hellrazor“ oder „Don’t Wait For Me“ auf die fast tauben Ohren der Altmetaller.

Und wenn das Trommelfell bis hierhin noch nicht geplatzt ist, wird es von OVERKILL endgültig in Stücke zerfetzt. Die Band hat einen speziellen Auftritt angesagt und verdammt nochmal, speziell soll es auch werden. Natürlich hat Bobby Blitz recht, wenn er sagt, dass jeder Overkill-Auftritt pures Dynamit ist, aber heute zünden die Thrasher wirklich jedes Register, hauen nicht nur ihre unsterblichen Hits wie „Rotten To The Core“, „In Union We Stand“ und „Hello From The Gutter“ raus, sondern spielen auch vorher noch nie gehörte Demo-Songs, wie „Death Rider“ und „The Beast Within“. Die werden zwar bei weitem nicht so abgefeiert wie die bekannten Evergreens, unterstreichen aber die Einmaligkeit des gesamten Auftritts, der das Amphitheater ohnehin in einen Hexenkessel verwandelt. Bis hoch auf den Rängen wird Luftgitarre gespielt, die Matte geschüttelt, mitgesungen. Bobby Blitz rauscht dabei im Adrenalinrausch über die Bühne und verweist alle Jungspunde des Vormittags auf ihre Posten. Overkill haben in diesem Jahr keinen Gegner. Schlichtweg ein grandioser Auftritt!
Der anschließende Karaoke-Jam, bei dem sich die Gewinner des Wettbewerbs auf der Hauptbühne beweisen dürfen, wird dieses mal mit einem Gesangduo von Mara, die das „Dicke-Dinger-Rock Hard-Cover“ zierte, und ihrer Freundin Betty. Zusammen singen die beiden Iced Earths „Watching Over Me“ und obwohl bei weitem nicht jeder Ton sitzt, lässt sich Jon Schaffer im Fotograben mit einem breiten Lächeln blicken. Gefolgt und getoppt wird das jedoch von dem 11-jährigen Paul, der seinen Mut zusammenfasst und Iron Maidens „Fear Of The Dark“ singt. Ab dem ersten Ton ist er der Held der Stunde und erntet mehr Zugabe-Rufe als so mancher Headliner.

Zum sprichwörtlichen „DOWN kommen“ und noch mal richtig die Sau raus lassen, beenden die Southern Metaller um Fronter und Profi-Arschloch Phil Anselmo (ex-Pantera) das Festival. Phils Ego füllt auch heute Abend wie erwartet das ganze Amphitheater und präsentiert auf überzeugende Weise die Outlaw-Attitüde der Jungs. Hinzu kommen wohl auch noch der Slot als Headliner und Abschluss des ganzen Wochenendes und das dementsprechend gut gefüllte Amphitheater. Musikalisch ist den Jungs wie eh und je kein Vorwurf zu machen. Die Songs zünden, die Riffs rocken und die Grooves grooven. Mit Songs wie „New Orleans Is A Dying Whore“, „Lifer“, „Temptations Wings“, „Stone The Crow“ oder dem abschließenden „Bury Me In Smoke“ kann die Band einfach nichts falsch machen. Noch kurz „Sweet Home Alabama“ im Sample als „Sweet Home Louisiana“ vertont und das Set steht in seinen Grundfesten. Ein guter Auftritt, der in mancher Facette dem Charakter eines Headliners etwas zu gerecht wurde – doch Bescheidenheit steht auch einfach keinem Phil Anselmo.
Damit geht das RockHard Festival 2011 zu Ende. Das Amphitheater leert sich. Hier und da wird eine Bierleiche aufgeweckt, die letzte Runde am Getränkewagen geholt oder bereits die Abreise angetreten. Es war ein nasses Jahr für das RockHard Festival. Da ist die Erschöpfung bei vielen groß. Wer noch Energie hat, feiert in den Pfingstmontag hinein. Für den Rest ist Zapfenstreich. Die Fortsetzung gibt es im nächsten Jahr. Mit dabei sind dann auch:
Dorian Gorr, Jenny Bombeck, Benjamin Gorr, Elvis Dolff und Bastian Gorr


RockHard-Festival: Letzte Bandbestätigungen

März 21st, 2011

Das RockHard-Magazin habt für sein Festival, vom 10. bis 12. Juni 2011 im Amphitheater in Gelsenkirchen, die letzten beiden Bandbestätigungen verraten. Iced Earths Headlinershow ist als großer Abschied für Sänger Matt Barlow gedacht. Außerdem bekommen die deutschen Thrasher Contradiction die Möglichkeit, das Festival zu eröffnen. Das komplette Billing sieht demnach wie folgt aus:

AMORPHIS
ANACRUSIS
ATLANTEAN KODEX
BULLET
CONTRADICTION
DISBELIEF
DOWN
DREAMSHADE
ENFORCER
ENSLAVED
EPICA
ICED EARTH
IN SOLITUDE
METAL INQUISITOR
MORGOTH
OVERKILL
POSTMORTEM
PRIMORDIAL
PROCESSION
TRIPTYKON
VANDERBUYST
VICIOUS RUMORS

RockHard-Festival mit Veränderungen im Billing

Februar 26th, 2011

Vom 10. bis 12. Juni 2011 findet das “Rock Hard Festival” im Amphitheater in Gelsenkirchen statt. Leider sahen sich die Verantwortlichen dazu gezwungen, die Band Agent Steel vom Billing zu nehmen, da die geplante Reunion mit John Cyriis nun doch nicht zustande kommen wird. Dafür haben die Kollegen aus Dortmund gleich drei weitere Bands ins Billing gepackt: die Schweden  Bullet, die Kalifornier Vicious Rumors und die chilenischen Doom Metaller Procession.

Festival-Saison 2011: Zuwachs an allen Fronten

November 1st, 2010

Festivals 2010 im ÜberblickDie Vorbereitungen bei den deutschen Heavy-Metal-Großveranstaltungen laufen auf Hochtouren. Schon jetzt beginnt der Kampf um die Gunst der Fans. Nachdem das Wacken Open Air bereits mit Ozzy Osbourne den ersten wirklichen Hammer auspacken konnte, legen auch viele andere Festivals mit großen Namen nach. Hier ein kurzer Überblick über den aktuellen Status der wichtigsten Festivals der deutschen Szene-Landschaft.

RockHard Festival: Nachdem bereits Enslaved, Triptykon und Agent Steel musikalisch hochwertige Kost versprechen, legt das Festival, das vom 10. bis 12. Juni im Gelsenkirchener Amphitheater stattfinden wird, nach und holt sich die aufstrebenden Atlantean Kodex und die Thrash-Metal-Legende Overkill ins Billing. Letztere versprechen eine Special-Show, wie man sie nur auf diesem Festival zu sehen bekommen wird.

Summer Breeze: Der kleine Bruder vom Wacken Open Air wird im nächsten Jahr erneut Ende August (18. bis 20. August) die Stadt Dinkelsbühl richtig durchrocken. Die ersten fünf Bands wurden vor wenigen Tagen bestätigt. Folgendes Line-Up markiert den Startschuss: Saltatio Mortis, Caliban, Primordial, The Haunted, Vomitory.

Bang Your Head: Die Traditionsveranstaltung für Old-School-Fans präsentiert sich diesmal ungewohnt schwarz. Bei dem Festival, das im nächsten Jahr am 15. und 16. Juli stattfinden wird, wurden die Black-Metal-Protagonisten Immortal bestätigt. Weitere Bands, die mit dabei sein werden, sind: Overkill, D-A-D, Asphyx, StormWarrior und Crashdiet.

Party San Open Air: Das Festival zieht nicht nur auf ein neues Gelände um (siehe entsprechenden News-Beitrag), sondern präsentiert gleich die ersten richtig dicken Brocken im Line-Up. Neben den österreichischen Black-Death-Perverslingen Belphegor und den geächteten Taake werden sich Morbid Angel höchstpersönlich auf dem Festival blicken lassen.

Interview: Götz Kühnemund

Juni 2nd, 2010

Interview mit Götz Kühnemund (RockHard)

RockHard-Chefredakteur und Festival-Organisator GÖTZ KÜHNEMUND im Gespräch mit METAL-MIRROR-Herausgeber Dorian Gorr.

Götz, ich hatte diesmal das Gefühl, dass das Line-Up mehr denn je euren persönlichen Geschmack widerspiegelte. Dass du ein großer The-Devil‘s-Blood-Fan bist, ist kein Geheimnis. Würdest du im Nachhinein behaupten, dass die Band ein würdiger Headliner war? Ich fand ihren Auftritt ja super, aber es lässt sich keinesfalls wegdiskutieren, dass das Amphitheater zunehmend leerer wurde.
Ja, klar. Die haben total polarisiert. Ich hatte nichts anderes erwartet. Da sind bestimmt 2000 Leute gegangen, die den Auftritt scheiße fanden. Aber ich habe noch heute Mails bekommen von Leuten, die mir sagen, dass das der beste Auftritt des Festivals war. Für mich persönlich war es mit Accept der Höhepunkt des Festivals. Aber ich kann verstehen, wenn jemand anderer Meinung ist. The Devil‘s Blood haben übrigens nur den Headliner-Slot bekommen, weil Bloodbath nur 60 Minuten Programm hatten. Finanziell gesehen waren sie der wirkliche Headliner des ersten Abend. Bloodbath haben von sich aus gesagt, dass sie nicht auf Headliner-Position spielen wollen. Außerdem hätte es auf Grund der speziellen Show von The Devil‘s Blood zu logistischen Problemen geführt.

Als wir uns vor einem Jahr über das Festival unterhielten, sagtest du mir, dass du befürchtest, dass die Band vielen Leuten zu krass sein würde, da es sich bei The Devil‘s Blood keinesfalls um Entertainment-Satanisten handelt. Was hat deine Meinung geändert? Existierten diese Befürchtungen dieses Jahr nicht mehr?
Natürlich ist die Einstellung der Band der Grund dafür, dass die Band so sehr polarisiert. Aber ich kenne die Leute dieser Band mittlerweile sehr gut und weiß wie die drauf sind. Das sind intelligente, nette und nachdenkliche Menschen. Ich teile keinesfalls immer deren Meinung, aber das muss ich ja auch nicht. Ich bin ein großer Fan dieser Band, aber deswegen muss ich mich nicht komplett inhaltlich darauf einlassen. Ich habe nichts mit Religion zu tun, in welcher Form auch immer, aber solange mir niemand versucht, seine Meinung aufzuzwingen, toleriere ich ziemlich viel. Und andersrum tolerieren die Bandmitglieder meine Einstellung. Ich denke, dass Toleranz in diesem Falle das wichtigste Schlüsselwort ist. The Devil‘s Blood beurteilen ihre Zuschauer nicht hinsichtlich ihrer Einstellung. Das könnte die Gegenseite auch versuchen. Wir haben durchaus intern diskutiert, ob man die Band holen kann. Da sind natürlich nicht alle einer Meinung, manche haben da auch bei uns Berührungsängste. Aber wir respektieren uns alle gegenseitig und unsere unterschiedlichen Einstellungen. Musikalisch mag eh jeder von uns The Devil‘s Blood. Letztlich bin ich fürs Billing verantwortlich. Natürlich bespreche ich mich mit der Redaktion, aber wenn wir es nicht schaffen, uns zu einigen, fälle ich die Entscheidung. In diesem Fall wollte ich es einfach ausprobieren. Und die Show war klasse, selbst wenn sie nicht jedem gefallen hat. Solche Sachen muss man einfach durchziehen. Wir sind kein kommerzielles Festival, das auf Teufel komm raus Karten verkaufen muss. Dann würden wir ganz andere Bands einladen.

Während des Auftritts von Kreator wurde am rechten Bühnenrand eine junge Frau von mehreren Ärzten behandelt. Ist da etwas ernsteres geschehen?
Nein, die ist zusammengebrochen, aber mittlerweile wieder wohlauf. Bei uns ist in all den acht Jahren nie etwas wirkliches passiert. Das Schlimmste, was in all den Jahren passiert ist, war dass in diesem Jahr ein Typ seine Freundin im Auto erwischt hat, wo sie mit einem anderen Typen vögelte. Da hat er die Scheibe eingeschlagen und dem Typen, der auf seiner Freundin lag, eine geballert. Aber da ist letztlich auch nichts passiert. Da gab es eine blutige Nase, mehr nicht. Im Vergleich zu dem, was bei anderen Festivals passiert, ist das ja kaum erwähnenswert. Dass bei uns nichts passiert, liegt daran, dass die Leute Spaß haben. Die Stimmung wird aggressiv, wenn die Leute bereits von unfreundlichen Securitys begrüßt und wie zweitklassige Menschen behandelt werden. Bei uns umarmen sich Besucher und Security schon am Eingang. Das ist ein freundschaftliches Verhältnis.

Dass eine Woche vor dem Festival Ronnie James Dio verstorben ist, kann man nur als tragischen Zufall bezeichnen. Inwiefern war es eine Herzensangelegenheit für euch, Dio auf dem Festival zu gedenken, ohne aber in eine zu traurige Stimmung zu verfallen?
Das war natürlich eine große Herzensangelegenheit. Der Tod von Dio ist der schlimmste Verlust, den ich mir neben Lemmy vorstellen konnte. Die beiden sind die wichtigsten Personen für den Metal gewesen, und nun ist einer von beiden weg. Ich glaube, dass wir alle das noch gar nicht richtig begriffen haben. Dass der beste Rocksänger aller Zeiten weg ist, das wird erst in den nächsten Jahren langsam zu uns durchdringen – wie bei Johnny Cash oder Elvis Presley. Und es wird auch solche Dimensionen annehmen. Wenn man ihn dazu gekannt hat und wusste, dass er nicht nur ein toller Sänger war, sondern auch eine Person mit viel Charisma, ein herzensguter Mensch, der sehr viel mehr als seine Musik transportierte, dann geht einem das sehr nahe. Mir ist selten etwas so nahe gegangen, wie Dios Tod. Dass Pete Steele tot ist, ist ebenfalls tragisch. Auch Pete war ein netter Kerl, aber der hat sich selbst zugrunde gerichtet. Der hat sich so viel Koks in die Birne geballert, bis er schließlich kollabiert ist. Natürlich ist auch das tragisch, aber dafür ist er letztlich selbst verantwortlich gewesen. Das hat bei Dio eine ganz andere Dimension.

Laut deinem Videoblog gab es viele Vorschläge, wie man Dio auf dem Festival gedenken sollte. Was war der verrückteste?
Der verrückteste Vorschlag war der, dass wir neben der Karaoke-Bühne eine Trauerkapelle hätten errichten sollen, in der man hätte trauern können. Als ich das las, musste ich schon lachen. Das hätte bestimmt ulkig ausgesehen, auf der einen Seite besoffene, schief quietschende Karaoke-Sänger und daneben wird in der Kapelle gekniet. Der Vorschlag war mit Sicherheit gut gemeint, aber natürlich wenig realistisch. Wir haben letztlich eine Schweigeminute für Dio eingelegt. Da waren wir uns vorher unsicher, ob wir das machen können. Aber das war letztlich eine tolle Sache. Die Leute haben begriffen, dass es uns damit ernst ist und alle haben mitgemacht. Das war eine tolle Geste.

Auf dem Festival selbst hast du ehrlicherweise zugegeben, dass es euch nicht gelungen ist, Airbourne als Headliner zu verpflichten. Woran lag das?
Airbourne sind einer aus einer Reihe von Headlinern, die wir haben wollten, bei denen es aber nicht geklappt hat. Im Falle Airbourne lag es daran, dass die Band exklusiv bei Rock am Ring gebucht war und wir die da nicht rausbekommen haben. Weitere Ideen waren Down, die aber zu dem Zeitpunkt nicht in Europa waren und das Einfliegen der gesamten Produktion hätte den finanziellen Rahmen gesprengt.

Besteht denn die Chance, dass Airbourne 2011 kommen?
Die sind natürlich ein Name, der auf unserer Liste steht, aber das ist auch immer ein Glücksspiel. Es gibt so viele Faktoren, die dazwischen funken können. Overkill sollten beispielsweise dieses Jahr zuerst den Headliner am Freitag machen, aber dann hat deren Drummer an dem Wochenende geheiratet. Das sind Dinge, die hat man nicht selbst in der Hand.

Letztlich habt ihr kurzfristig Rage sowie deren Orchester untergebracht und euch damit selbst die wohl größte logistische Herausforderung eurer Geschichte aufgebürdet. Wie stressig war das für euch, insbesondere für die Bühnencrew?
Das war in der Tat sehr schwierig. Das Problem war, dass wir uns da im Vorfeld keine Gedanken drum gemacht haben. Wir hatten Zeitdruck, brauchten dringend einen Headliner, die Sache mit dem Orchester erschien uns ziemlich originell, da es das erst einmal vor einer Ewigkeit im Ruhrpott gegeben hat. Also haben wir das gebucht, ohne im Klaren darüber zu sein, was das logistisch bedeutet. Aber letztlich hat es ja gut geklappt, auch wenn die Umbaupause natürlich sehr viel länger ausfiel.

Euer Zeltplatz war dieses Jahr erneut in Windeseile ausverkauft. Im vergangenen Jahr hast du die Idee angesprochen, die eine eurer Leserinnen hatte: Eine Mitwohnzentrale. Weißt du, ob und wie diese Aktion Anklang gefunden hat?
Das ist auf jeden Fall gelaufen, ich weiß allerdings nicht, in welchem Umfang. So etwas braucht natürlich auch Zeit, aber das wird auf jeden Fall weiterlaufen. Ich finde diese Couchsurfing-Idee ziemlich cool und bin überzeugt davon, dass sich das durchsetzen wird. Ich würde so etwas auch machen, wenn ich keinen Platz zum Pennen vor Ort haben würde. Dadurch lernt man nette Leute kennen und kann für kleines Geld wo wohnen.

Unser Team hat fieberhaft nachgedacht und eine kleine Liste aus fünf Bands zusammengestellt, die wir allesamt mal gerne auf eurem Festival sehen würden. Bitte sag mir doch mal, inwiefern du dir vorstellen könntest, die Bands auf dem Festival zu sehen. Die erste Band ist Dimmu Borgir.
Das ist möglich. Das war schon im Gespräch und könnte durchaus passieren.

W.A.S.P.?
Die waren sogar dieses Jahr im Gespräch. Das ist nur am Geld gescheitert. Da hat ein anderes Festival so viel für ausgegeben, dass die Jungs durchgedreht sind. Blackie hat spontan seine Forderungen verdoppelt, womit die bei uns aus dem Rennen waren.

Die Death-Metal-Fraktion wünscht sich vor allem Morbid Angel. Machbar?
Die waren auch schon im Gespräch, aber wir wollen da warten, bis die neue Platte da ist. Das dauert und dauert irgendwie. Ich weiß gar nicht, warum die sich so verzögert. Aber sobald die Platte draußen ist, werden wir die Band verpflichten.

Twisted Sister?
Die waren ebenfalls schon im Gespräch, befinden sich aber natürlich an der oberen Grenze unseres finanziellen Rahmens. Das würde sehr, sehr teuer werden. Aber ich würde das für die Zukunft nicht kategorisch ausschließen.

Schließlich eine Band, die zwar unmetallisch ist, aber da es meine Lieblingsband ist, muss ich fragen: Lynyrd Skynyrd?
Auch die waren dieses Jahr im Gespräch. (Ich brauche angesichts der Vorstellung 10 Sekunden, um wieder zu mir zu kommen – dg).

Ist das ebenfalls am Geld gescheitert?
Ja, wir haben da alles versucht, aber die Summen, die die fordern, liegen in Iron-Maiden-Dimensionen. Es wäre toll gewesen, weil es eben sehr originell wäre. Da kommt ja kaum ein normaler Veranstalter drauf. Aber leider ist das unbezahlbar. Das ist nicht mal in der Nähe des Limits, das Twisted Sister ankratzen und wo man sich überlegen könnte, dass man sich so etwas zum 10-jährigen Jubiläum gönnt. Lynyrd Skynyrd werden nie möglich sein.

Euer Jubiläum ist in zwei Jahren, doch vorher steht erstmal das neunte Jahr an. Gibt es schon konkrete Planungen?
Das neunte Jahr muss von den Bands noch besser werden als dieses Jahr. Das wird machbar sein. Wir hatten dieses Jahr viel Pech. Wir verhandeln bereits mit Bands und haben schon Triptykon (die neue Band von Tom G. Warrior – dg) bestätigt. Ich hoffe außerdem nach wie vor auf King Diamond. Der hat ja eine offene Einladung und darf theoretisch kommen, sobald er kann. Allerdings sieht das aufgrund seiner Rückenprobleme immer schlechter aus, obwohl er gerne würde. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Live: RockHard Festival 2010 (Titelstory)

Juni 2nd, 2010

RockHard Festival 2010

In der Ruhrpott-Metal-Szene ist das Pfingstwochenende stets ein fest geblockter Termin. Pfingsten ist ROCKHARD FESTIVAL – und das seit acht Jahren. Die diesjährige Veranstaltung konnte zwar nicht unbedingt so zugkräftige Headliner präsentieren, wie in manch einem Vorjahr, die Besucher hielten dem Festival dennoch die Treue – unabhängig von den Bands. Der Beweis: Zum zweiten Mal konnten die Veranstalter verkünden, dass das Festival mit 7500 Besuchern vollkommen ausverkauft war.
Team METAL MIRROR war natürlich vor Ort und hat es sich auf den Stufen des Amphitheaters gemütlich gemacht, sich von der Sonne rösten lassen und jeden einzelnen Auftritt angeschaut. Wie sich welche Bands geschlagen hat, was gespielt wurde und was RockHard-Chef Götz Kühnemund zu sagen hat, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Tag 1, Freitag, 21. Mai

Mit dem Kracher „Satan’s Boundaries Unchained“ haben sich die Bergisch-Gladbacher Black-Thrasher KETZER geradewegs den Opening-Slot beim Rock Hard gekrallt – und das mit Recht! Ketzer legen los wie die Feuerwehr und reißen mit Krachern wie „My Triumph“ und „The Fire To Conquer The World“ das Amphitheater ab. Spielfreude pur und ein starker Sound gleich zum Festivalauftakt lassen hier kaum einen kalt und so avancieren Ketzer für viele schon jetzt zum Freitags-Highlight!

NECROS CHRISTOS haben nach dem Auftakt trotz nicht ganz unähnlichem Zielpublikum schwere Karten, um für ähnlich euphorische Reaktionen zu sorgen. Und die Band macht sich trotz weitgehend überzeugender Musik selbst das Leben schwer. Wie angewurzelt verharren die Berliner auf ihren Positionen und bearbeiten oft in Slow-Motion ihre Instrumente. Einziger Hingucker sind die Outfits, die sich zwischen okkult und christlichem Gewand einpendeln. Der rohe, leicht schwarze Death Metal mag zwar musikalisch in manchen Momenten seinen Charme haben, kombiniert mit der Trägheit der Musiker und der knallenden Sonne ist das hier jedoch nur kurzfristig wirklich unterhaltsam.

Ganz ähnlich ergeht es den schwedischen Düster-Metallern KATATONIA. Diese betreten die sonnige Bühne und versuchen trotz der Hitze und Helligkeit, eine düstere Atmosphäre zu erschaffen. Dies gelingt der Band aber nur ansatzweise, denn es kommt eher ein Anflug von Langeweile auf, die dadurch entsteht, dass auch Lord Seth und Co wie angewurzelt auf der Bühne stehen. Dem Auftritt fehlt die charismatische Ausstrahlung, die man auf den Alben der Truppe finden kann. Ein wenig mehr Mut zur Dramatik hätte Katatonia gut getan.

„Noch ein Bier!“ Wer diese schwedische Metal-Band schon einmal live erlebt hat, weiß welche Band dies als Running-Gag nutzt: SABATON geben bei jedem Auftritt alles was die Energiereserven hergeben. Songs wie „Panzer Battalion“ und „Primo Victoria“ haben mittlerweile nicht nur Kultstatus erlangt, sondern verwandeln das Amphitheater in einen Hexenkessel. Mit großer Sympathie, sichtlichem Spaß und groovigen Songs locken sie immer mehr Metalheads vor die Bühne und überzeugen auf ganzer Linie. Dass ein paar Songs des neuen Albums gespielt werden, das noch nicht veröffentlicht ist, ist vielleicht keine glückliche Wahl, mindert die Stimmung aber so gut wie gar nicht.

Das Death-Metal-Highlight des Wochenendes steht an: BLOODBATH geben dem RockHard-Publikum die seltene Ehre, ihres brachial-wuchtigen Groove-Buffets. Das Nebenprojekt um Mikael Akerfeldt und andere Katatonianer steht oft unter dem Ruf, ein eher unernster Versuch zu sein, sich im todesmetallischen Bereiche „auch mal auszutoben“. Nichtsdestotrotz ist aus diesem musikalischen Workout mittlerweile ein sattes und fettes Death-Metal-Monster geworden. Auch an diesem Tag zieht es viele jovial-jauchzende Metalmasochisten in die nachmittägliche Sonne ins Amphitheater, um dem Schauspiel zu frönen. Bloodbath erfreuen die erwartungsvolle Menge auch durchweg mit Klassikern. Unter anderem stehen „Ways To The Grave“, „Soul Evisceration”,  „Breeding Death”, „Unblessing The Purity”, „Cancer Of The Soul“ oder „Blood Vortex“ auf dem Programm. Den lang ersehnten Höhepunkt schafft schließlich Bloodbaths Hit „Eaten“ – da steht kein Fan mehr ruhig. Ein gelassener Akerfeldt hat sichtlich Spaß und feiert eine kleine Death-Metal-Party bei gutem Sound und bestem Wetter.

Kurz bevor sich THE DEVIL‘S BLOOD als Open-Air-Headliner beweisen wollen, ist es eine Minute lang still. Sechzig Sekunden emotionale Stille, um Ronnie James Dio zu gedenken. Dann ist es vorbei mit der Ruhe. Auch Dio hätte gewollt, dass es mit der Musik weitergeht. Und was The Devil‘s Blood für ein okkultes Riff-Spektakel veranstalten, lässt sich kaum in Worte fassen. Mit Blut überschüttet, in rotes Licht getaucht und von drei Background-Sängerinnen unterstützt, entführen die Niederländer in fremde Sphären. Sängerin Farida erklingt wie eine Sirene und durchstößt mit ihrer markanten Stimme die Wand aus Psychedelic-Riffs. Ansagen gibt es keine. Interaktion mit dem Publikum ebenfalls nicht. Doch wer braucht schon solchen Schnickschnack angesichts hypnotisierender Songs, wie „The Heaven‘s Cry Out“ oder ‚I‘ll Be Your Ghost“, bei denen sich die drei Gitarristen in einen Solorausch spielen. Bei „The Heaven‘s Cry Out“ wird im Mittelteil gar ein zehnminütiges Solo eingebunden, während dem Farida wie aus Stein gemeißelt regungslos und mit verschlossenen Augen den Kopf gen Himmel richtet.  Manch ein Kritiker mag das als übertriebene Theatralik abtun, bei der Band kommt es aber zweifellos überaus authentisch herüber. Allerdings tritt ein, was bereits im Vorfeld zu befürchten war: Die Niederländer polarisieren. Während sich einige hingebungsvoll zu den Klängen der Band winden, lässt sich nicht wegdiskutieren, dass die Publikumsdichte stetig abnimmt. Gegen Ende wirkt das Amphitheater in manchen Bereichen wie leergespielt. Vor der Bühne tummeln sich jedoch noch etliche Besucher, die nach dem abschließenden „Christ Or Cocaine“ mehr fordern und elektrisiert und wie gebannt zur Bühne starren. Ein faszinierender Auftritt, gar keine Frage.

Tag 2, Samstag, 22. Mai

Der Morgen danach beginnt mit einer netten Brise Power Metal, die einem angenehm ins Gesicht weht: ORDEN OGAN stehen bereit. Hier stehen schnelle Riffs und cleaner Gesang im Vordergrund und schnell haben die Jungs auch den letzten misstrauischen Metaller von ihrem Können überzeugt. Auf Dauer sind manche Songs vielleicht etwas monoton, aber das ist einzige kleine Manko. Ihre Opener-Pflicht erfüllt die Band jedoch mühelos.

EVILE schließen daran an und präsentieren sich sichtbar erholt vom Todesfall ihres Bassisten Mike Alexander. Routiniert werden die zünftigen Riffs ins Amphitheater gefetzt. Hierbei beweisen die jungen Briten, dass sie keinen 08/15-Thrash-Metal spielen und überzeugen vor allem durch viel Groove in ihren Songs. Ebenso überzeugend zeigt sich Fronter Matt Drake, der mit seiner bösen Stimme dem ganzen Auftritt die letzte Würze verleiht. Schnell zeigt sich, dass kein Nackem diesem Mix widerstehen kann. Auch wenn der Auftritt am Ende recht einseitig wird, ist die Stimmung weitgehend super.

BULLDOZER live kann man trotz der Reunion immer noch als Rarität bezeichnen, umso verwunderlicher, dass die Italiener Gas geben und das Amphitheater ordentlich aufheizen. Zwar ist das dämliche Podest von AC Wild eher albern als evil, dennoch wissen Bulldozer mit einem gut gemischten Programm durchweg zu überzeugen, auch wenn Stageacting und Ansagen noch ausbaubar sind.

Ausbaubar ist der Gig von ARTILLERY dafür allerdings kaum. Die dänischen Thrash-Urgesteine geben ordentlich Gas und wissen mit jede Menge Spielfreude und viele Klassikern im Gepäck sofort zu gefallen. Das Publikum bildet den ersten Pit und grölt viele der altbekannten Songs mit. Zwar sind auch Artillery weiterhin keineswegs das Highlight des RockHard-Festivals 2010, dennoch weiß die Show den anwesenden Thrash-Fans zu gefallen

Das frühe Highlight des zweiten Tages steht an: RAVEN beweisen mit ihrem NWOBHM, dass das Trio noch lange nicht zum alten Eisen gehört, sondern allen jungen Bands noch dumm aus der Wäsche gucken lassen kann. Rock‘n‘Roll hält jung: Die beiden Gallagher-Brüder rennen wie von der Tarantel gestochen über die Bühne, bangen und posieren in bester Rockstar-Manier – dem Headset-Mikrofon sei Dank. Musikalisch gibt es eine Fülle erstklassiger Soli, grandiose Vocals und zum Abschluss sogar einen Powerslide über die ganze Bühne. Mehr Rock‘n‘Roll geht kaum!

EXHORDER füllen dann das Amphitheater weiterhin. Mit den beiden Kultscheiben „Slaughter Of The Vatican“ und „Law“ im Nacken, grooven die Amis durch ihr Set als wären sie nie weg gewesen. Na gut, aussehen tun die Herren natürlich nicht mehr wie vor 18 Jahren, dennoch hängen sich Exhorder von der ersten Sekunde an rein und werden dafür auch gebührend abgefeiert, ehe sich Accept startklar machen.

Bewährungsprobe: ACCEPT ohne Udo Dirkschneider? Das konnten und wollten sich viele Metal-Fans nicht vorstellen. Zu unantastbar galt die Institution, die den deutschen Heavy Metal einst mehr als die meisten anderen Bands prägte. Entsprechend groß waren auch die Zweifel, als die Veranstalter die Band mit ihrem neuen Sänger als Co-Headliner für den Samstag ankündigte. Die kritischen Stimmen verstummen jedoch schon während der ersten Takte des Openers „Metalheart“. Mark Tornillo hat genau das richtige Profil, um die Fußstapfen von Udo Dirkschneider nicht unbedingt auszufüllen, sondern einfach neue Fußabdrücke im Sound der Metal-Recken zu hinterlassen. Die Stimme des in eine Lederweste gehüllten Sängers, hat durchaus Reibeisen-Format, erinnert an Udo Dirkschneider, wirkt aber nicht so, als würde der US-Amerikaner bewusst versuchen, den German Tank zu imitieren. Die positive Überraschung trifft das randvolle Amphitheater wie ein Schlag. Die Hits, die Accept selbstredend im Gepäck haben, sorgen für den Rest. Ob „Living For Tonight“, „Breaker“ oder auch „Son Of A Bitch“ – die Songs, die Accept auspacken sind Heavy-Metal-Kulturgut im Reinformat. Jeder Anwesende kennt die Nummern, singt frenetisch mit. Die Gitarrenfraktion feiert sich selbst ab. Wolf Hoffmann strahlt während seiner Posen bis über beide Ohren und feuert Solos und Weltriffs aus dem Handgelenk, die einem in lauten, druckvollen Sound entgegenschallen. Für den Abschluss des Sets greift die Band noch einmal ganz tief in die Trickkiste. Nach dem sensationellen „Balls To The Wall“ gibt es noch „Princess Of The Dawn“ und schließlich „Fast As A Shark“, das mit seinem Kult-Intro und dem Double-Bass-Teppich endgültig den Sack zumacht. Heilige Scheiße, Accept sind zurück!

Im Vergleich zu dem erfrischenden Tornado aus Metal-Klassikern wirkt das Set der anschließenden KREATOR zwar durchweg überzeugend und auch energiegeladen, allerdings präsentiert sich Front-Thrash-Rebell Mille Petrozza abermals als enorm routinierter Entertainer, der die gleichen Ansagen wie immer, mit denen er schon seit Jahren die jeweiligen Songs ankündigt, runterbrettert. Zeitweise sind selbige in der Tat kultig, vor allem, da mittlerweile alle Fans diese mitsprechen können. Dennoch hinterlässt das auf Dauer einen leicht bitteren Nachgeschmack, der eigentlich überflüssig ist, da die Band musikalisch motiviert zu Werke schreitet und jede Menge Hits im Gepäck hat. Ob „Pleasure To Kill“, „Extreme Aggression“, „Violent Revolution“ oder „Impossible Brutality“ – Kreator holen einen Riffhammer nach dem nächsten raus, sorgen für wilde Moshpits, fliegende Haare und Hochbetrieb im Fotograben, in dem eine Horde Securitys die Crowdsurfer rausfischen. Währenddessen machen die Kreators den typischen Katzenbuckel und präsentieren lässigen Thrash Metal, der im Mittelteil nur einige frühe Songs vermissen lässt. Den Abschluss bildet schließlich – wie schon so oft – das Doppelpack in Form von „Flag Of Hate“” und dem anschließenden Kult-Klassiker „Tormentor“. Ein guter Gig? Durchaus. Überraschende Momente? Nicht vorhanden. Den Besuchern scheint es aber gereicht zu haben. Nachdem die Lichter angehen, verdrücken sich die Besucher sichtlich zufrieden.

Tag 3, Sonntag, 23. Mai

Kein Zweifel, SACRED STEEL sind eine hervorragende Wahl, um in einen letzten Festivaltag zu starten. Nicht unbedingt, weil die Musik der Teutonen-Metaller durchweg solide bis gut ist und die Truppe manch einen Hit in petto hat, sondern in erster Linie, weil man sich eigentlich keine sympathischere Truppe vorstellen kann. Fronter Gerrit P. Mutz strahlt über beide Ohren, bekundet durchweg, dass er die Publikumsreaktionen am frühen Morgen „ganz lieb“ findet und hofft, dass er den Gig körperlich übersteht, da er sich ja selbst eher als Fan versteht und die vergangenen zwei Festivaltage durchgefeiert hat. In der Tat fällt manch eine Passage des Auftritts enorm holprig aus. Zwischenzeitlich wird sogar ein Song komplett abgebrochen und neugestartet, da Gerrit seinen Einsatz verpatzt. Doch das macht nichts. Ganz im Gegenteil: Für die entwaffnende Ehrlichkeit („Oh, das war meine Schuld.“) wird der Sympathikus sogar noch beklatscht und bejubelt. Als er sich schließlich für einen ganzen Song lang zwischen die Fans gesellt und von den Stufen des Amphitheaters aus singt, während er mit Fans für deren Fotos posiert, frisst der Truppe endgültig jeder Anwesende aus der Hand. Ach, und die Musik ist übrigens auch echt lässig.

Technisch versierter Black Metal trifft Mittagshitze: KEEP OF KALESSIN versprühen mit ihren kalten Riffs ein wenig norwegische Kälte. Sänger Thebon tobt wie ein Wirbelsturm über die Bühne und schreit sich die Lungenflügel wund, während Drummer Vyl für staunende Gesichter sorgt. Keine Frage, diese Band ist hervorragend aufeinander eingespielt. Zwar ist der Sound zu Beginn des Sets etwas bröckelig und am Ende vielleicht ein bisschen zu laut, doch die Hitdichte macht das wieder wett. Vor allem die Songs vom brandneuen „Reptilian“, die sich wie zuletzt zwischen Epik und extremer Hochgeschwindigkeit einpendeln, reißen mit. Hinzu kommt das Charisma von Bandchef und Gitarrist Obsidian, der stolz und völlig zurecht ihren Eurovision-Song-Contest-Beitrag „The Dragon Tower“ verteidigt. In seiner Ansage verkündet er, dass sich die Band nicht einmal der von der Metal-Szene gemachten Regeln beugen würde. Dass die Nummer es in sich hat, stellen Keep Of Kalessin ebenfalls eindrucksvoll unter Beweis.

Anschließend bittet Götz Kühnemund zur Programm-Mitgestaltung und evaluiert einmal, inwiefern die Leute Bock auf „Poser-Rock“ haben. Und sie haben Bock, das machen alleine die Outfits klar, die sich plötzlich vor der Bühne tummeln. Von Spandexhose, Kajal, Haarspray bis zu High Heels ist alles vertreten. Passend dazu kommen CRASHDIET auf die Bühne – ebenfalls eingehüllt in ein schillerndes Glam-Outfit. Die Haare sind toupiert, die Hosen zerrissen, der Bassist trägt einen Mini-Lederrock und Schminke ist ebenfalls vorhanden. Tokio Hotel wären neidisch auf diese Outfits. Der Look mag übertrieben sein, Fronter Simon Cruz sprüht allerdings weitgehend vor Spielfreude und nutzt die ganze Bühne aus. Leider wirft der über weite Teile katastrophale Sound einen Schatten über den gesamten Auftritt. Versöhnlich stimmt einen nur der Abschlusstrack „Generation Wild“.

Zugegeben, die Ankündigung der Israelis ORPHANED LAND ist alles andere als gelungen. Als die Mannen um Kobi Farhi allerdings loslegen, nachdem dieser klarstellte, dass er nicht Jesus ist, wird hier eine Show abgerissen, die ihresgleichen sucht. Der abgefahren individuelle Sound von Orphaned Land weiß sofort zu begeistern. Songs wie „Sapari“, „Birth Of Three“ oder „Norra El Norra“ machen Stimmung ohne Ende und werden – soweit es machbar ist – mitgesungen. Dazu wird gebangt, gehüpft und gejubelt, sodass der Orphaned-Land-Gig wohl nicht für wenige die Überraschung 2010 gewesen sein dürfte.

Ein schlaksiger, schwarzhaariger, in dicke Lederkluft gehüllter und leicht in die Jahre gekommener Sänger betritt anschließend die Festivalbühne und schmettert einen Power-Metal-Song nach dem anderen: VIRGIN STEELE sorgen für gute Stimmung beim Publikum, auch wenn Herr Defeis teilweise zu viel herumquietscht. Der Stimmung tut es zumindest keinen Abbruch, die Mähnen werden zu den eingängigen Songs geschüttelt. Die Band hingegen könnte noch für ein wenig mehr Action auf der Bühne sorgen.

Die Ami-Band NEVERMORE präsentiert sich anschließend in guter Verfassung und mit ihrem gewohnt einzigartigen Gesang sowie abwechslungsreichen Riffs. Instrumental überzeugen sie das Publikum schnell durch ihr peitschendes Riffing und die hämmernden Beats, egal ob alte oder neue Tracks. Damit bringen sie nicht nur eingefleischte Fans zum Springen und Bangen. Die große Anhängerschaft der Band zeigt sich hierbei von der besten Seite und füllt das Theater nahezu komplett. Lediglich Warrel Danes Gesang, der wie üblich extravagant und opernähnlich  erklingt, kann auf Dauer ziemlich lästig werden. Fehlende Stimmung kann man dem Auftritt aber nicht unterstellen.

Dann wird es abgedreht. SONATA ARCTICA sind an der Reihe und Sänger Tony Kakko sorgt für Fremdschämen Deluxe, denn sein Verhalten ist das ein oder andere Mal zu viel des Guten. Die Ansagen des freakigen Finnen nimmt man nur als einen großen Genuschel-Brei wahr, die vollkommen durchgedrehte Gestik und Mimik ist jedoch übertrieben. Man merkt Tony und Konsorten die Spielfreude zwar an, aber das unruhige Hin-und-Her-Laufen und die merkwürdigen Grimassen hinterlassen leider einen faden Nachgeschmack. Das Resultat: Die Meute vor der Bühne schwindet. Da helfen auch keine Knüller der Marke „Full Moon“ und „Don‘t Say A Word“. Als Tony sich zum Abschied noch selbst umarmt, wird es Zeit, dass der Headliner endlich das Ruder übernimmt.

Doch vorher geht eine Rock-Hard-Festival-Tradition in die nächste Runde. Beim Karaoke-Jam zeigt die Band ROKKEN abermals, wie man Metal-Klassiker zu interpretieren hat. Deren Sängerin hat zwar bei ihrer Airbourne-Version absolut keine Stimme mehr und krächzt sich einen ab, doch der anschließende Karaoke-Gewinner, der in den vergangenen Tagen ermittelt wurde, gleicht das mit Mühe wieder aus. Mit Iron Maidens „Aces High“ hat sich der Herr einen ganz schönen Brocken aufgehalst, den er aber bis auf einige wenige schwächelnde Passagen mühelos meistert. Im Anschluss darf die Vorjahres-Siegerin auf die Bühne, um abermals (sprich: wie schon im vergangenen Jahr) Dio Tribut zu zollen. Ihre Version von „Holy Diver“ kann sich auch nach einem Jahr immer noch sehen lassen. Respekt!

Die weitere Umbaupause, die sich diesmal sehr viel länger hinzieht, da Rage ein gesamtes Orchester aufbauen müssen, begleitet Festivalchaot MAMBO KURT mit seiner dudelnden Heimorgel. Zugegeben: Der glatzköpfige Schwiegermutterliebling im irren Anzug hat ein gewisses Entertainerpotenzial. Der Mann hat Humor, er ist wortgewandt und sorgt dank Fannähe und ulkiger Aktionen die Massen zu begeistern – warum die dudelig verwursteten Klassiker, die von Europe über Slayer bis hin zu Rage Against The Machine reichen, mehr Applaus ernten als ein vollkommen authentisches Maiden-Cover, bleibt dennoch ein Rätsel. Dass die Polonaise tanzende Menge sich zum Ende hin für Vanilla Ices „Ice Ice Baby“ und damit gegen AC/DCs „Highway To Hell“ entscheidet, gleicht außerdem einem tragischen Unfall. Wo ist bitte der Show-Part geblieben, bei dem Mambo Kurt sein Instrument zu Kleinholz verarbeitet? Der hätte nach einer halben Stunde für einen befriedigenden Ausgleich gesorgt.

Nach einer einstündigen Umbaupause wird den Zuschauern schnell klar, dass etwas Besonderes auf sie wartet. Auf der Bühne des Amphitheaters macht sich ein komplettes Orchester breit, das den Songs eine besondere Stimmung verleihen soll. RAGE bieten nicht nur was für Ohren, sondern auch für die Augen. Peavy und seine Mannen betreten gut gelaunt die Bühne und der aufmerksame Zuschauer merkt, dass die Musiker mit Stolz in der Brust ihr Lingua-Mortis-Orchester vorstellen, um dann zusammen abrocken zu können. Die positive Stimmung überträgt sich auch auf Publikum, auch wenn es etwas komisch ist, dass vor der Bühne der Pogo tobt. Ein wenig komisch ist es auch, dass bereits nach dem ersten Song ellenlange Ansagen folgen. Dadurch wird dem Auftritt ein wenig früh der Wind aus den Segeln genommen. Doch Rage bekommen schnell wieder die Kurve und spielen ein fantastisches „Lingua-Mortis-Medley“. Schade ist nur, dass dank des Orchesters einige Songs der Marke „Straight To Hell“ oder „Down“ auf der Strecke bleiben. Immerhin gibt es das obligatorische „Higher Than The Sky“.

Und während die letzten Klänge ertönen, ist es auch schon wieder vorbei. Was bleibt, ist ein durchweg positiver Gesamteindruck, nicht zuletzt wegen des brutal guten Wetters. Atmosphäre und Stimmung hängen auch im achten Jahr die Messlatte für die weitere Festivalsaison sehr hoch, auch wenn das Festival eines der schwächsten Line-Ups der eigenen Geschichte vorzuweisen hatte. Vor Ort feierten, sangen, tranken und jubelten:

Dorian Gorr, Jenny Bombeck, Benjamin Gorr,
David Dankert, Elvis Dolff und Bastian Gorr

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