
Beim Barte des Propheten
Saltatio Mortis stürmen mit ihrem aktuellen Album nicht nur das Paradies, sondern entern langsam aber sicher endgültig den Szeneolymp der Mittelalterbands. Frontbarde Alea lüftet für uns den Schlüssel des Erfolges und stellt klar, dass Musiker nicht gleich Musiker ist.
Text: Miriam Görge | Fotos: Napalm
Der Release der neuen Platte „Sturm aufs Paradies“ steht kurz bevor. Sänger Alea ist mächtig zufrieden und weiß zu berichten, dass Saltatio Mortis selbst und die Presse sich einig sind, dass diese Scheibe die bisher straighteste der Band ist. „Puristisch und auf den Punkt, keine überflüssigen Verzierungen, keine dicken Gitarrenwände und kein hier noch was und da noch ein bisschen. Das ist es, was unsere neue CD ausmacht und die Umsetzung dessen ist witzigerweise schwerer als ein Album ausufern zu lassen. Wenn du was hörst, hast du als Musiker adhoc noch tausend Ideen, was man noch hinzufügen könnte. Da haben wir diesmal einfach einen Riegel vorgeschoben und sind mehr als zufrieden mit dem Ergebnis.“
AuF Nostradamus‘ Spuren
Während die Musik also geradlinig daher kommt, darf es textlich auch schon mal etwas kritischer sein. So hört man bei „Fiat Lux“ mahnende Worte zum Thema Atomkraft. Schnell noch auf den Karren aufgesprungen? Von wegen, der Song entsprang Lasterbalks Feder schon im vergangenen Jahr, was fast schon prophetische Gaben vermuten lässt. „Wir waren selbst überrascht. Als das mit Fukushima passierte, waren wir bereits im Studio, die aktuelle Relevanz des Songs ist also zufällig. Wir schreiben und singen darüber, was uns bewegt und in den Sinn kommt, ob ein Thema gerade in den Medien ist oder nicht spielt dabei keine Rolle.“ Über zukünftige Unglücke, die Lasterbalk womöglich schon vorausgeahnt hat, hält man sich allerdings dann doch lieber bedeckt. Aber manche Dinge möchte man sowieso lieber nicht vorher wissen. Und ob sich so manch ein Hörer überhaupt mit den Texten auseinandersetzt, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Blindes Vertrauen
Typisch ist solch zeitgemäßes Gedankengut wie Atomkraft dennoch nicht für eine Mittelalterband, was die Frage aufwirft, ob es nicht manchmal für einen Sänger etwas schwierig ist, sich in die Gedanken des Komponisten hineinzuversetzen und diese adäquat zu transportieren. „Das große Plus, was Saltatio Mortis anderen Bands der Szene weit voraus hat, ist, dass Lasterbalk und ich im Gleichklang sind. Er schreibt was, ich weiß sofort, was er meint und schon läuft die Maschine.“ So was funktioniere nur dann, wenn hinter allem eine gefestigte, gewachsene Freundschaft bestehe, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht. „Und schon hast du unseren Schlüssel zum Erfolg.“
Ehrlicherweise muss man ja nun zugeben, dass dies allein dich nicht zum guten Musiker macht. Etwas Talent für die Sache sollte man schon auch mitbringen, doch auch damit ist es noch nicht getan. So kommt es schon einmal vor, dass ein wahnsinnig nervöser Alea vor einem großen Auftritt meditiert, sich mit Dreieckssprüngen aufwärmt und mit seinem Vocalcoach skyped, um sich einzusingen.
„Ein Sänger, der nicht regelmäßig Zeit mit Stimmübungen verbringt, der hat seinen Beruf verfehlt. Zum einen machst du dich irgendwann kaputt, wenn du nicht weißt, wie du es richtig machst und zum anderen hast du ja auch eine Verantwortung gegenüber den Fans. Wenn das erste Konzert dann mal gut läuft, haben die Zuschauer am nächsten Tag nichts davon, wenn du total heiser bist. Auf Festivals kannst du die Unterschiede gut ausmachen. Da gibt es Sänger und Sänger, doch nur die einen verdienen für mich wirklich die Bezeichnung.“ Namen will Alea leider keine nennen.
Alea und seine Barden haben ihren Weg jedenfalls gefunden und werden ihn auch weiter gehen, sei es in großen Hallen oder auf Mittelaltermärkten, welche aus dem Leben der Band nach wie vor unmöglich weggedacht werden können. Wenn SaMo immer größer werden, dann müssen die Märkte einfach mitwachsen: „Mit Gisbert Hiller (Veranstaler des MPS – mg) haben wir den perfekten Partner gefunden, der uns alle Möglichkeiten gibt, den Leuten auf dem Spectaculum das zu bieten, was sie von uns erwarten. Und sollte die Reise noch höher gehen, dann wird er auch dafür eine Lösung finden.“ Recht so, denn was wäre die Szene ohne eine Band wie Saltatio Mortis? In jedem Fall einen Schritt weiter weg vom Paradies.
www.saltatio-mortis.com

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