Posts Tagged ‘Underground’

Live: Ektomorf in Köln

Februar 27th, 2011

EKTOMORF
(+ KORZUS + REPLICA + GORTHAUR‘S WRATH)

13.2. – Köln, Underground

Text & Foto: Elvis Dolff

Sonntag, 20 Uhr – Thrashtime: Einen Tag vor der kommerziellen Zelebration der Liebe im Zeichen des Valentin, sollen thrashige Beats die metallischen Herzen höher schlagen lassen. Die dunklen, kroatischen Seelen von GORTHAUR‘S WRATH starten aber erstmal mit einer frostigen Packung Black Metal, die aber leider unter einigen Soundproblemen leidet. REPLICA aus Berlin lassen danach endlich einen ersten thrashigen Funken sprühen, der aber noch hinter einer dicken Soundwand aus modernem Metalcore verschwindet. Die Brasilianer KORZUS knacken letztlich die vom Wochenende scheinbar ermüdete Kruste einiger Lauschbuben, die anfangen sich Platz zum Moshen zu verschaffen.

Nach diesem brasilianischen Thrash-Leckerbissen ist man bei der nun folgenden Hauptspeise schon richtig eingestimmt. Die vermeintlichen Soulfly-Sepultura-Jünger EKTOMORF entern die Bühne. Mal dahingestellt, wie sehr einen die Band an Max Cavaleras Sprösslinge erinnert, ist das Inferno, was sie loslassen ein keineswegs harmloses Buschfeuer. Die Ungarn thrashen sich durch ihr Set mit Songs wie „Redemption“, „Gypsy“, „Show Your Fist“, „I Know Them“ oder „Never Should“. Dann stellen die Hommage an Johnny Cash („Rusty Cage“), „Sea Of My Misery“ und „Who Can I Trust“ den akustischen Part der Show dar. Aufgelöst durch das aggresive „I Choke“ erreicht der Abend mit „Set Me Free“, „Stigmatized“ und „The One“ seinen Höhepunkt und auch sein Ende. Mit einem kurz angespielten „Symptom Of The Universe“-Riff von Black Sabbath verlässt die Band um Zoltan Farkas die Bühne. Ein sehr runder Auftritt mit viel Dampf, viel Action im Publikum, der obligatorischen Akustik-Pause, aber auch mit sehr viel Routine. Denn wie lässig (und fast gelangweilt) Zoltán mittlerweile manche Songs singt (Beispiel: „Gypsy“) ist schade.

Live: Long Distance Calling in Köln

Februar 27th, 2011

Long Distance Calling live

LONG DISTANCE CALLING
(+ MAYBESHEWILL)

19.2. – Köln, Underground

Text: Jenny Bombeck | Foto: Dorian Gorr

Das kleine Kölner Underground ist zum Bersten gefüllt. Es hat sich ein bunt gemischtes Publikum eingefunden, das aus jungen Hüpfern und Mitvierzigern besteht.
Den Anfang macht die Instrumental-Band MAYBESHEWILL aus Leicester, England. Die vier Herren wirken auf den ersten Blick recht unscheinbar. Karohemd und Seitenscheitel lassen vermuten, dass die Musik im Vordergrund stehen wird. Die Engländer gehen voll und ganz in ihren Klängen auf. Zwar stehen die Mannen etwas versteinert auf der kleinen Bühne, aber der Spaß steht ihnen zumindest ins Gesicht geschrieben. Nach jedem Track werden die Instrumente akribisch nachgestimmt, damit sich die musikalische Perfektion entfalten kann. Schade ist nur, dass leider die Songtitel und kurzen Ansagen durch einen starken englischen Akzent und Genuschel unverständlich werden.

LONG DISTANCE CALLING können den Erfolg, den sie in der vergangenen Zeit ernteten wohl auch immer noch nicht so richtig fassen. In bester Laune und ein wenig aufgekratzt betreten Gitarrist David Jordan und Co. den Underground‘schen Konzertraum. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern versprühen die Herren mehr Leben. „Into The Black Wide Open“ fungiert als Opener und lässt die Meute an Fans steil gehen. Long Distance Calling sind nicht so schüchtern wie die Engländer, und so ist besonders die erste Hälfte des Sets schön anzuschauen. Song Numero sechs bildet den Höhepunkt des auditiven Hörvergnügens. Das anmutige „Aurora“ lässt die Temperaturen im Underground weiter steigen. Man merkt, dass Long Distance Calling schon lange kein Geheimtipp mehr sind und die Truppe selbst an ihren großen Durchbruch glaubt. Schade an diesem Abend ist nur, dass die Augen zu kurz kommen. Eine Bildershow, die die Stimmung der Songs visuell unterstreicht, würde dem Auftritt noch mehr Atmosphäre verleihen.

Live: Saint Vitus in Köln, Underground

Januar 30th, 2011

St. Vitus live in Köln

SAINT VITUS
(THE GRAVIATORS + BURDEN)

21.12. – Köln, Underground

Text & Foto: Elvis Dolff

Kurz vor dem ach-so-heiligen Weihnachtsfest steht auch der heutigen Abend im Underground zu Köln ganz im Zeichen des letzten Tourauftritts des übermenschlichen Schutzpatrones des Tanzes, dem heiligen Saint Vitus. Interessanterweise leitet sich vom heiligen Saint Vitus (oder auch Sankt Veit) der Veitstanz ab, der Tanzwut und schlichtweg die Kontrolle über die eigenen Gliedmaßen beschreibt. Doch so weit war es dann doch noch nicht, als die erste Vorband BURDEN die Bühne betritt. Nichtdestotrotz überzeugen die Jungs mit saftig-hartem Rock, der zwischen Doom Metal, Stoner-Klängen und tonnenschweren Riffs schwankt. Generell ein fetter Sound, der durch eine wahnsinnig intensive Stimme von Sänger Thorsten getragen wird.

Ebenso niveauvoll und satt, aber eher in einer klassischeren Doom-Metal-Ecke verortet, machen die GRAVIATORS weiter. Sehr psychedlisch-rockig angehaucht spielen sich die Schweden überzeugend durch einige Songs ihres neuen Albums – darunter „Keep‘em Coming“, Storm Of Creation“ oder „Back To The Sabbath“. Sänger Niklas Sjöberg fällt dadurch auf, dass er in den langen Instrumentalphasen der Songs mal eben an der Theke neues Bier holt, sich dann direkt in die erste Reihe neben die Fans stellt und die endlos-hypnotisierenden und großartigen Gitarren-Parts aus einer ganz anderen Perspektive genießt. Sänger Wino von Saint Vitus kommt sogar auch für einen Song auf die Bühne und singt.

Zum Abschluss und Höhepunkt des Abends gelingt es SAINT VITUS den Laden noch einmal richtig auf den Kopf zu stellen. Unter Widmung der Show an Armando Acosta, dem kurz vor der Tour verstorbenen Drummer, zocken die Doom-Metal-Legenden ein makelloses Tourfinale. Neben Klassikern wie „White Magic/Black Magic“, „Look Behind You“ , „H.A.A.G.“, „Mystic Lady“ oder „Saint Vitus“ dürfen auch „Dying inside“, „Living Backwards“ oder „Clear Windowpane“ nicht fehlen. Die Doom-Metal-Hymne „Born Too Late“ setzt der Setlist natürlich noch das immens-kultige Sahnehäubchen auf. Obwohl im ganzen Tourpaket wohl eine herbe Grippe grassiert, überzeugen die alten Herren auf ganzer Linie: Scott „Wino“ Weinrich mit bitterbösem Blick und Gesang und Gitarrist Dave Chandler mit unglaublicher Gitarrenarbeit – getätigt mit Hand, Gesicht oder Publikum (in einem abschließenden Marsch durch die Menge schreddert er sein Spielgerät an mehreren Häuptern der Anwesenden). Insgesamt ein mehr als grandioser Abend!

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Live: Municipal Waste in Köln, Underground

Dezember 22nd, 2010

Municipal Waste live in Köln

MUNICIPAL WASTE
(SAVIOURS + RAMMING STEEL)

8.12. – Köln, Underground

Text & Foto: Elvis Dolff

Die heutige Show im Kölner Underground eröffnen Ramming Steel und Saviours für den Mainact, die amerikanischen Thrash-Punker Municipal Waste. RAMMING STEEL spielen zwar ein nettes, punkiges Set, reißen aber noch keinen der Besucher des Undergrounds aus dem Wachkoma. Die kalifornischen SAVIOURS hingegen überzeugen umso mehr mit ihrem recht eigenen Stil-Gemisch zwischen thrashigem Heavy Metal und einem gewissen Stoner-Doom-Gefühl – besonders in den Vocals. Schwer zu beschreiben, was zum einen für die Originalität der Band spricht, aber zum anderen auch verwirrte Gesichter im Publikum hinterlässt.

Dieses explodiert aber erwartungsgemäß beim Auftritt der pogolaktischen Thrash-Titan-Punker MUNICIPAL WASTE. Liebend gern stürzt sich der Großteil der Besucher in die berstenden Flammen des akustischen Armageddons. Nach anfänglichen Soundproblemen geht es mehr als nur ab. Unter anderem untergraben „Terror Shark“, „Beer Pressure“, „Sadistic Magician“ und „Born To Party“ jede Zweifel am Set der Jungs. Die Power mit der die Jungs um Fronter Tony Foresta ihr Set dem Publikum entgegenschleudern, lässt selten mal nach und auch der Moshpit kommt selten zur Ruhe. Die immer noch selten so gut getroffene Kombination zwischen Thrash Metal und Punk sorgt für mächtig Stimmung im Publikum. Ebenso agil trumpfen Tony, Ryan, Dave und Phil auf der Bühne auf. Bei so viel Power wird einfach jeder mitgezogen.

Live: Wolves In The Throne Room

November 29th, 2010

Wolves In The Throne Room live in Köln, Underground

WOLVES IN THE THRONE ROOM
(+ HELLVETE)

25.11. – Köln, Underground

Text & Foto: Elvis Dolff

Die Wölfe im Thronsaal sollen heute den Kölner Thronsaal des Undergrounds erobern. Die mehr als geheimnisumwitterte Band um die Öko-Aktivisten aus Amerika, die jeden Klischee-Black-Metaller in seinen Grundfesten durch ihre revolutionäre, undogmatische Attitüde erschüttern, sollen auch heute wieder für eine wahrhaftige Zeremonie sorgen. Doch bevor es ans wölfische Bankett geht, sorgt HELLVETE, ein Ein-Mann-Projekt aus Belgien für geisterhafte Atmosphäre mit einem Keyboard und einem Banjo. Mit vielen Loops der eigenen Stimme und des eigenen Sounds, initiiert er in knapp 20 Minuten den Anfang der nun folgenden Düsterstimmung. Eindrucksvoll!

Den Soundcheck überbrücken WOLVES IN THE THRONE ROOM geschickt mit einer Schüssel abbrennenden Weihrauchs, der es schafft, die Mehrheit des Publikums zu bannen und von den Anlaufschwierigkeiten abzulenken. Als dann die Öllampen auf die Bühne kommen und die Kerzen inmitten des Sets entzündet werden, geht es auch mit der Wolfsbrut los – wohlgemerkt sonst ist alles dunkel und nur das Licht der profan glimmenden Thekenwerbung im Underground scheint herüber zur Bühne. Unter anderem mit Songs wie „Wanderer Above The Sea Of Fog“, „Face In A Night Time Mirror (Part 2)“ oder dem abschließenden „I Will Lay Down My Soul By The Rocks And Roots” sorgt für düster-atmosphärischen Black Metal, der zugleich doomig und auch trotzdem primitiv-aggressiv wirkt. Die geheimnisvolle Atmosphäre zwischen Nebelmaschine, Weihrauch-Duft und Minimalbeleuchtung wirkt, kommt aber leider durch die angesprochenen quer einfallenden Strahlen der Theke nicht vollends zur Geltung. Ein relativ gut gefülltes Underground kommt an diesem Abend mit gerade mal vier Songs vollends auf seine Kosten. Diese Band schafft Atmosphäre und sehr viel Eindruck. Absolut empfehlenswert!

Live-Bericht: Electric Wizard

Oktober 31st, 2010

Electric Wizard Live

ELECTRIC WIZARD
(+ MOSS)

30.10. – Köln, Underground

Text & Fotos: Elvis Dolff

Ein verdoomt guter Abend sollte die Kölner Fans des elektrischen Zauberers erwarten. Als exklusiver Deutschland-Gig war das Konzert im Underground auch wie verhext schnell ausverkauft. Den zauberhaften Vorgeschmack bereiten die ebenfalls britischen Doom-Brocken MOSS. Der Name ist Programm: ultra-langsamer Doom, der es zulässt, dass man in der Zeit eines einzigen Riffs Moos ansetzt. Megaepische Vocals durchbrechen das verzerrte Soundgewand in mehr als eindrucksvoller Weise. In nur drei Songs bringen die Briten satanische Härte und Schwere auf den Punkt wie es manch eine andere Band in 40 Jahren Band-Geschichte nicht hinbekommt. Ein absolutes Moss für alles Doom-Fans.

Nach einer kurzen Pause steht die magische Mannigfaltigkeit des ELECTRIC WIZARD auf dem Programm. Dass hier eine soundmäßig wirklich perfekte Show geboten werden würde, hätten wohl viele im Vorfeld angezweifelt. Doch so kommt es: den doomigen Zauberern sollen magisch gute Klangverhältnisse den Weg ins Ohr der gierigen Fans bereiten. Jeder Song erreicht die volle Wirkung durch nahezu hundertprozentige Übereinstimmung mit dem Sound der Platte im heimischen Klangstudio. Neben ganz neuen Songs wie „Black Mass“ oder „Night Child“ überzeugen auch Klassiker wie die „Satanic Rites Of Drugula“ oder „Dopethrone“. Jeder Song überzeugt durch Justins Vocals, die volle Bandbreite an doomiger Zerr-Störung und die absolut satanische Schwere eines jeden Stückes. Mehr als nur gelungen! Kein Wunder, dass es nur positives Feedback aus dem Publikum gibt, das letztlich nur bedauert, dass das Konzert relativ abrupt schon um halb elf ohne Zugabe aufhört. Zauberer kennen halt Tricks genauso schnell wieder zu verschwinden, wie sie auftauchen.

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Live: Marduk & Vader

Februar 14th, 2010

Marduk live in Köln

MARDUK
(+ VADER + MASTIC SCUM)

23. Januar – Köln, Underground

Text & Foto: David Dankert

Zu den aufregendsten Metal-Packages zählt die Kombination aus Marduk und Vader wohl nicht mehr, dies ändert trotzdem nichts daran, dass das Kölner Underground bei MASTIC SCUM schon ordentlich gefüllt ist. Besagte geben auch von der ersten Minute an Vollgas, können mit ihrem Grindcore abgesehen von den ersten Reihe aber nur wenig reißen.

Ganz anders das Bild bei VADER: Das Underground scheint mittlerweile vor dem „sold out“ und die Polen legen los wie die Feuerwehr. Von Anfang an entsteht ein teils heftiger Pit, der vor allem von Songs wie „This Is War“ oder aber auch „Litany“ voran getrieben wird. Nach dreißig Minuten zeigt sich aber auch, dass Vader weder stark motiviert noch die Könige des Abwechslungsreichtums sind, weswegen die Stimmung zwar nicht stark abfällt, aber auch nicht weiter steigt und das Underground sich zwischenzeitlich noch einmal leert, ehe dann Marduk auf der Bühne stehen.

Diese machen ihre Sache auch gleich eine ganze Ecke besser als ihre Vorgänger Vader. Zwar liegt auch bei MARDUK der Schwerpunkt auf dem neusten Album, trotzdem finden sich über das ganze Set verteilt Songs aus allen Schaffensphasen der Band, wobei „Panzer Division Marduk“ mit drei Songs am stärksten berücksichtigt wird. Zur guten Setlist mit Klassikern wie „Still Fucking Dead“ oder „Wolves“ kommt eine gut eingespielte und motivierte Band, die eigentlich nicht viel falsch machen kann im ordentlich schwitzenden Underground. Zwar ist der Sound nicht ideal, dennoch reicht er an diesem Abend, um Marduks Highspeed-Geballer größtenteils genießbar zu machen. Als dann am Ende noch „Panzer Division Marduk“ runtergeholzt wird, verlässt das Publikum durchweg zufrieden den Club, wobei beide Hauptbands beim nächsten Mal vielleicht eine andere Tourkonstellation wählen sollten.