Die Samstags-Kolumne: Dave Mustaine und die Homoehe.
Diesmal hat er sich mal wieder selbst übertroffen, der gute Dave. Seitdem Dave Mustaine wiedergeborener Christ ist, dreht der Megadeth-Chef und ex-Metallica-Gitarrist zunehmend am Rad. Erst drohte er an, keine Auftritte auf Festivals zu spielen, auf denen auch antichristliche Bands auftreten. Jetzt äußerte er sich in einer Radio-Talkshow zum Thema Homoehe und – ganz im Sinne seiner Auslegung des Christentums – fand natürlich, dass das so gar keine dufte Idee ist. Im Wortlaut liest sich der Dialog wie folgt:
Do you support gay marriage?
I’m very conservative. So, take it for what it’s worth.
Washington State, just this week, the governor signed gay marriage into law. Do you support gay marriage, or is that something you oppose?
Well, since I’m not gay, the answer to that would be no.
OK. What about for people who are gay?
Since I’m not gay, the answer to that would be no.
Would you support legislation to make marriage between a man and another man legal?
I’m Christian. The answer to that would be no.
Und das aus dem Mund eines Musikers, der einst als einer der wichtigsten Köpfe einer Szene galt, die dem Grundgedanken nach eigentlich liberal, rebellisch und alles andere als konservativ sein sollte. Doch – und das ist das Traurige an der heutigen Szene – mit seiner Anti-Homosexuellen-Einstellung (oder deutlicher gesprochen: Anti-Schwulen-Einstellung) steht Mustaine gar nicht mal so alleine im Heavy-Metal-Sektor dar. Nein, keine Sorge, ich werde jetzt bestimmt nicht so dumm und oberflächlich sein und der gesamten Metal-Szene unterstellen, dass sie schwulenfeindlich ist, aber weite Teile sind es zumindest latent. Selbst wenn es ihnen teils nicht bewusst ist.
Der Metal-Szene haftet ein Macho-Image an. Starke Männer machen lauten Krach. In diesem Szenario scheint in den Gedanken vieler kein Platz für Schwule zu sein. Dass – oh, diese Ironie – einer der bedeutendsten Metal-Sänger aller Zeiten schwul ist, scheint da erst einmal nebensächlich zu sein. Der Aufschrei ist trotz allem immer noch groß, wenn sich dann doch mal ein Musiker outet. Das jüngste Beispiel ist nur wenige Jahre her. Es war auf dem Wacken Open Air 2008, da ging über den Pressezeltplatz bereits das “skandalöse Gerücht” umher, dass Gaahl, Sänger und Frontfinsterling der Black-Metaller God Seed (damals noch Gorgoroth), schwul und mit seinem Liebhaber nach Wacken gereist sei. In Black-Metal-Kreisen rief das damals wahre Hasstiraden hervor. In den Online-Foren wurde über “die Schwuchtel von Gorgoroth” geflucht, geschimpft, gehetzt. Und nicht nur dort: Kurze Zeit später interviewte ich den Schlagzeuger einer deutschen Black-Metal-Band (den Namen der Truppe lasse ich jetzt einfach mal unter den Tisch fallen), der von sich aus das Thema aufgriff, Gaahl als “widerlich” und “eklig” einstufte und mir anschließend noch in einer fortgeführten E-Mail-Diskussion mitteilte, dass er sich schäme, wenn man diesen Sänger noch immer mit der Black-Metal-Szene assoziieren würde. Gaahls Outing würde der Szene nur schaden.
Plötzlich sind sich Antichristen und christliche Fundamentalisten gar nicht so unähnlich. Oh, diese Ironie…
Das mag ein Einzelfall sein? Von wegen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich schon Interviews geführt habe, in denen der Musiker das Adjektiv “schwul” als Synonym für schlecht oder scheiße verwendete. Wahrscheinlich denken sich diese Leute nichts dabei. Wahrscheinlich würden sie sich nicht einmal offen als schwulenfeindlich bezeichnen. Aber es ist diese latente Einstellung, diese grundsätzliche Stimmung gegenüber Schwulen, die in dieser Szene herrscht und dafür sorgt, dass sich kaum einer outet. Ich persönlich kenne beispielsweise nicht einen einzigen schwulen Metal-Fan. Und wenn man bedenkt, wie viele Leute ich seit Jahren in dieser Szene auf Konzerten, Festivals und Partys kennenlerne, dann widerspricht das doch jeder statistischen Logik.
Warum schreibe ich jetzt die ganze Zeit von Schwulen und nicht von Homosexuellen? Die Antwort ist simpel: Lesben, zumindest das, was der gemeine Metaller für eine Lesbe hält, sind in der Szene gerne gesehen und dienen als Projektionsfläche für – vornehm ausgedrückt – erotische Fantasien. Ob knutschend vor der Bühne mit einer Horde Lechzender um sich herum oder fummelnd und tanzend auf der Bühne, während einer Manowar- oder Mötley-Crüe-Show – zwei Frauen gelten als erotisch, ästhetisch, sexy. Sieht ja auch nett aus, keine Frage. Aber hat einer von euch schon einmal zwei knutschende Männer vor der Bühne auf dem Wacken Open Air gesehen? Ich nicht. Und ich fahre da seit bald zehn Jahren hin. Mich macht das traurig. Nicht weil ich mir gerne knutschende Männer angucken würde, sondern weil mich diese Doppelmoral ankotzt.
Für mich verkörpert diese Musik Freiheit, von mir aus auch Auflehnung. Lange Haare galten einst als Symbol dafür, dass man sich dem verbohrten Spießertum verwehrt, liberal ist und die konservativen Werte ablehnt, zumindest aber in Frage stellt. Und wo befinden wir uns heute? Heute geht ein einstiger Vollzeittrinker, ex-Rebell und musikalisches Genie in eine Talkshow und schließt sich den hirnverbrannten Ideen derer an, gegen die er einst mit zerrissener Jeans und schmuddeliger Lederjacke protestierte. Traurige Zeiten.
Was die Homoehe angeht, habe ich übrigens eine ganz klare Meinung: Jeder hat das Recht, sein eigenes Leben zunichte zu machen. Warum sollten sich Homosexuelle nicht in das gleiche Unglück wie alle anderen Verliebten stürzen dürfen?
Festival-Saison 2011: Zuwachs an allen Fronten
Die Vorbereitungen bei den deutschen Heavy-Metal-Großveranstaltungen laufen auf Hochtouren. Schon jetzt beginnt der Kampf um die Gunst der Fans. Nachdem das Wacken Open Air bereits mit Ozzy Osbourne den ersten wirklichen Hammer auspacken konnte, legen auch viele andere Festivals mit großen Namen nach. Hier ein kurzer Überblick über den aktuellen Status der wichtigsten Festivals der deutschen Szene-Landschaft.
RockHard Festival: Nachdem bereits Enslaved, Triptykon und Agent Steel musikalisch hochwertige Kost versprechen, legt das Festival, das vom 10. bis 12. Juni im Gelsenkirchener Amphitheater stattfinden wird, nach und holt sich die aufstrebenden Atlantean Kodex und die Thrash-Metal-Legende Overkill ins Billing. Letztere versprechen eine Special-Show, wie man sie nur auf diesem Festival zu sehen bekommen wird.
Summer Breeze: Der kleine Bruder vom Wacken Open Air wird im nächsten Jahr erneut Ende August (18. bis 20. August) die Stadt Dinkelsbühl richtig durchrocken. Die ersten fünf Bands wurden vor wenigen Tagen bestätigt. Folgendes Line-Up markiert den Startschuss: Saltatio Mortis, Caliban, Primordial, The Haunted, Vomitory.
Bang Your Head: Die Traditionsveranstaltung für Old-School-Fans präsentiert sich diesmal ungewohnt schwarz. Bei dem Festival, das im nächsten Jahr am 15. und 16. Juli stattfinden wird, wurden die Black-Metal-Protagonisten Immortal bestätigt. Weitere Bands, die mit dabei sein werden, sind: Overkill, D-A-D, Asphyx, StormWarrior und Crashdiet.
Party San Open Air: Das Festival zieht nicht nur auf ein neues Gelände um (siehe entsprechenden News-Beitrag), sondern präsentiert gleich die ersten richtig dicken Brocken im Line-Up. Neben den österreichischen Black-Death-Perverslingen Belphegor und den geächteten Taake werden sich Morbid Angel höchstpersönlich auf dem Festival blicken lassen.
Wacken ausverkauft
Seit Dienstag ist das größte Metal Festival Wacken für diese Jahr mal wieder ausverkauft und das nun zum 5. Mal in Folge. Nur einige Buspartner des Festivals haben noch Restplätze und es gibt natürlich auch die offizielle Tauschbörse. Das Wackenteam gibt dazu folgendes Statement:
“Liebe Metalheads,
das W:O:A 2010 ist seit heute zum 5ten mal hintereinander ausverkauft.
Thanx for your support!!!
Dank euch können wir das W:O:A jedes Jahr gemeinsam zum größten und besten Metal Event des Jahres werden lassen und zwar seit 21 Jahren für die besten Fans der Welt!
Und mit dem geilsten Billing aller Wacken Zeiten kann das Fest eigentlich auch schon kommen.
Tickets, die ihr bis dato bei Metaltix bestellt habt, werden auch ausgeliefert.
Für all diejenigen, die sich bislang noch kein Ticket gesichert haben, gibt es noch folgende Möglichkeit:!!!Bei unsere offiziellen Buspartnern sind jeweils noch Restkontingente vorhanden. Bitte setzt euch bei Interesse mit den jeweiligen Ansprechpartnern in Verbindung!!!
Auch in diesem Jahr möchten wir wieder den Hinweis geben, die Schwarzhändler und Halsabschneider auf den einschlägigen Plattformen (Seatwave, Ebay, Viagogo, etc.) NICHT zu unterstützen. Wie schon in den letzten Jahren bewährt, gibt es auch dieses Jahr wieder die offizielle Wacken-Ticket-Tauschbörse . Hier können Tickets ausschließlich zum bezahlten Kaufpreis angeboten werden! Diese werden durch uns zusätzlich auf Echtheit überprüft. Bitte meldet uns darüber hinaus die Abzockerangebote unter headquartes@ics-woa.de
Wir danken euch allen nochmals für euren unglaublichen support und eure Treue.
See you in Wacken – Rain or Shine!”
Quelle: wacken.com
Primal Fear sagen Wacken ab
Die deutschen Power-Metaller Primal Fear haben ihren Auftritt auf dem diesjährigen Wacken Open Air abgesagt. Der Grund seien wichtige private Verpflichtungen. Der Auftritt soll im nächsten Jahr nachgeholt werden.
Quelle: Primal Fear
Neuzugang beim Wacken
Das Wacken Open Air hat die nächste Band bestätigt. Die griechischen Black-Metaller Rotting Christ werden bei der 21. Auflage des Festivals mit dabei sein.
Quelle: Wacken
Grave Digger: Wacken United
Die deutsche Metal-Legende feiert dieses Jahr ihr 30jähriges Bestehen und hat sich, um diesen Meilenstein der Musikgeschichte richtig zu feiern, etwas ganz Besonderes für ihre Fans ausgedacht. So werden die Mannen um Frontmann Chris Boltendahl ihren Album-Klassiker “Tunes of War” in voller Länge auf dem diesjährigen Wacken Open Air aufführen. Als Gäste haben sich bereits Doro Pesch, Hansi Kürsch (Blind Guardian) und Van Canto angemeldet. Headbanger können sich schon jetzt auf eine rauschende Geburtstagsparty freuen, die ohne Zweifel als unvergessliches Erlebnis in die Ruhmeshalle des Metals Einzug finden wird!
Quelle: http://www.grave-digger-clan.com/index.php?content=news
Wacken Open Air: Bandbestätigung
Das allseits beliebte Festival konnte heute wieder Bandzuwachs verkünden: Fear Factory werden dieses Jahr die W:O:A-Stage entern.
Quelle: www.wacken.com
Wacken Open Air mit neuer Bandbestätigung
Die Thrash-Veteranen OVERKILL wurden heute für das diesjährige Wacken Open Air bestätigt. Das Festival wird vom 5. bis 7. August 2010 im schleswig-holsteinischen Wacken stattfinden.
Quelle: Wacken Open Air



